Kaiser Minh Mang von Vietnam

vu-chua-phuc-dung-2Der zweite Kaiser der Nguyen Dynastie Vietnams wurde als Prinz Nguyen Phuc Dam am 25. Mai 1792 in Gia Dinh geboren. Er war der vierte Sohn des künftigen Kaisers Gia Long und seiner Gemahlin Thuan Thien. Er sollte ursprünglich nicht den Thron besteigen, doch sein Bruder Prinz Canh verstarb ein Jahr bevor die Nguyen Dynastie Vietnam 1802 wiedervereinte.

Der Kronprinz war in jungen Jahren nach Frankreich gesandt worden, wo er eine westliche Bildung erhielt. Er interessierte sich auch sehr für das Christentum, wurde aber niemals getauft. Diese Ausbildung der Kronprinzen war Teil der angedachten Allianz zwischen Frankreich und Nguyen Dynastie, die allerdings aufgrund der Französischen Revolution niemals richtig in Kraft trat.

Ein französischer Missionar half seinem Vater, Kaiser Gia Long, einmal und rettete ihm dabei das Leben. Woraufhin der Kaiser versprach, er werde das Christentum immer respektieren und die Freundschaft dieses Mannes, des Bischofs von Adran, nie vergessen.

Als der Bischof jedoch verstarb, wurde Kaiser Gia Long mit den Jahren immer misstrauischer gegenüber französischen Versuchen, Gelder für Dienste einzutreiben, die sie niemals geleistet hatten. Mit Blick in die Zukunft sah er zwei Lager, zwischen denen sich Vietnam entscheiden müsse: Der Westen mit seinen Innovationen oder China mit seiner langen Tradition. Er traf seine Wahl mit der Ernennung seines Sohnes Prinz Nguyen Phuc Dam als klaren Vertreter des traditionellen, pro-chinesischen Standpunkts.

Thronbesteigung als Kaiser Minh Mang

vua_Minh_Mang_004aEinige Jahre später verstarb der Kaiser und sein Sohn wurde zu Kaiser Minh Mang von Dai Nam (der „große Süden“). Er war gerade einmal 29 Jahre alt, aber bereits sehr gebildet im traditionellen Konfuzianismus und hatte feste Ansichten und Meinungen. Man konnte darauf setzen, dass er sich für die traditionell engen Bindungen mit China einsetzen werde, westlichen Einfluss begrenzen und die konfuzianischen Werte der vietnamesischen Monarchie betonen werde.

Missionare berichteten bald davon, dass sich Kaiser Minh Mang positiv über die Japaner geäußert habe, welche das Christentum gewaltsam aus ihrem Land vertrieben und sich gegenüber der Außenwelt abschottet hatte. Die Sache war natürlich nicht so einfach, aber es gibt Zeugnis von der Mentalität Kaiser Minh Mangs. Er war gelehrt, konservativ und sehr argwöhnisch gegenüber allen ausländischen Einflüssen. Doch er war nicht dagegen neue Dinge zu erlernen, insbesondere westliche Technologie und Ideen weckten sein Interesse. Doch deren Einfluss musste streng reglementiert und nur wenigen Gelehrten zugänglich gemacht werden, die damit umzugehen wüssten. Ansonsten könnten diese große Schaden anrichten, wie er meinte.

Auf seine ausländischen Besucher wirkte er sehr hoheitsvoll. Einer Schilderung, der sich fast alle Besucher anschlossen. Sie beschrieben ihn auch als einen ruhigen und unglaublich höflichen Mann mit fast femininen Zügen in seinen Manieren. Und doch war er ein starker Herrscher. Er arbeitete ohne Unterlass und kein Detail war zu unwichtig, um seiner Aufmerksamkeit zu entgehen. Während seiner Regierungszeit würde Vietnam so etwas wie ein goldenes Zeitalter erleben, mit einer hochentwickelten Gesellschaft basierend auf dem konfuzianischen Moralkodex und einem Reich, dass Vietnam und große Teile von Laos und Kambodscha umfasste.

Der Kaiser lehnte alle Handelsbeziehungen mit Frankreich ab, sandte die ersten amerikanischen Vertreter in seinem Land ohne Audienz wieder zurück und erlaubte niemandem Geschäfte mit seinem Reich zu tätigen, wenn dieser sich nicht vietnamesischen Gesetzen und Bräuchen unterwerfen würde. Die Menschen aus Europa und Amerika, die er als Barbaren bezeichnete, sollten gemieden werden.

Auch wenn gewöhnlich seine antichristliche Einstellung beachtet wird, so war es auch gegenüber anderen ostasiatischen Religionen wie z.B. Buddhismus oder Taoismus wenig nachsichtig. Er glaubte an den Konfuzianismus und dessen Ziel der Harmonie wie es bereits seine Vorfahren taten. Religiöse Pluralität war mit diesem Modell nicht in Einklang zu bringen und wurde von ihm als Schwäche ausgelegt.

Minh_MangAuch tendierten einige dieser anderen Religionen zum Egalitarismus, indem sie keine Hierachieunterschiede zwischen den Menschen anerkannten oder sogar die Autorität des Kaisers in Frage stellen. Das Christentum, jene Religion aus dem Ausland, behauptete gar, dass auch der Kaiser als Sohn des Himmels ein Sünder sei, der nur durch Christus zum ewigen Leben gelange.

Als im Land eine Revolte gegen die Dynastie losbrach, war Minh Mang davon überzeugt, dass die Katholiken und ihre „perverse europäische Religion“ dahinter stecken müsse.

Der Kaiser lag mit seinem Argwohn nicht immer verkehrt, aber so eine Haltung kann in einer Art sich selbst erfüllender Prophezeihung enden. Der bekannte Soldat und Gelehrte Le Van Duyet hatte öffentlich Entscheidungen des Kaisers hinterfragt. Und daran erinnert, dass sein Vater einst versprochen hatte, das Christentum in seinem Reich zu respektieren. Sein adoptierter Sohn Le Van Khoi war ausgerechnet der Anführer der Revolte. Und so kombinierte der Kaiser, dass die Katholiken dahinter stecken und man diese aus dem Land zu vertreiben habe.

Ausgerüstet mit dieser Erkenntnis befahl Kaiser Minh Mang alle Ausländer und vietnamesischen katholischen Priester gefangen zu nehmen. Einige entkamen, aber nicht alle wie beispielsweise Vater Francois Isidore Gagelin, den man 1833 langsam zum Tod strangulierte.

Zur richtigen Einordnung ist jedoch zu wissen, dass dies kein riesiges Blutbad war. Über einen Zeitraum von 7 Jahren wurden ungefähr 10 Missionare exekutiert. Auch wenn die Hinrichtungen scheußlich waren, in der Hoffnung, andere Missionare damit abzuschrecken.

Ungeachtet dieser Tatsache war Kaiser Minh Mang kein grausamer oder bösartiger Mann. Er glaubte fest daran, dass er harte aber notwendige Entscheidungen zum Wohle seines Landes fällte und er hätte es vorgezogen, dies ohne Gewalt tun zu können. Die meisten Vietnamesen waren keine Christen und hatten keinen Kontakt mit der Religion und für den Kaiser war das Thema daher eher nebensächlich.

Ihn interessierte die traditionelle Kultur seines Landes. Er war ein sehr begabter Schreiber und Poet. Er hatte angeblich auch eine sehr große Anzahl an Konkubinen und soll 142 Kinder gezeugt haben. Man fragt sich, wie der Mann noch Zeit zum Regieren gefunden hat.

Er war auch sehr an Architektur interessiert und hinterließ viele Monumente, die heute zu den kulturellen Schätzen Vietnams zählen, darunter der Mieu Temple erbaut im Jahr 1821 zu Ehren der zehn Nguyen Kaiser. Die beeindruckende Grabkammer zieht heute noch viele Besucher an. Es war auch er, der die neun riesigen Urnen außerhalb des Hien Lam Pavilion und Mieu Tempels in Auftrag gab. Diese hatten eine spirituelle Bedeutung. Sein Motto als Kaiser lautete „sich in die konstante Bewegung des Himmels einfügen“. Für ihn gab es eine kosmische Ordnung und Kaiser Minh Mang wollte sein Land in Harmonie damit sehen und tat alles dafür, während er alles was dies stören könnte entfernen ließ.

viet_vua_francartViel zu häufig wird die Außenpolitik von Kaiser Minh Mang grob vereinfacht als isolationistisch und antikatholisch dargestellt. Sie war aber viel komplexer als das. Die Französische Regierung war ja selbst gespalten in pro- und anti-katholische Kirche und der Kaiser versuchte Ärger mit den Franzosen zu vermeiden, ehe er eine günstige Situation dafür erblicken würde.

Sein Verlangen, dass Besucher die Gesetze und Bräuche des Landes zu respektieren haben war nicht unvernünftig und es ist wahr, dass sich manche Missionare womöglich etwas zu stark in die Politik einbrachten, als sie vielleicht hätten tun sollen.

Gern wird auch übersehen, dass Kaiser Minh Mang sehr gut über die Geschehnisse in der Welt informiert war und seine isolationistische Position mit den Jahren variierte. Er sah die erfolgreiche Intervention der Briten in China, der traditionell dominanten Macht Ostasiens, was ihn stark beunruhigte. Er befürchtete, die Franzosen könnten das selbe in Vietnam tun.

Er sandte Botschafter nach Paris aus, die einen Vertrag mit den Franzosen aushandeln sollten, aber durch die politische Situation in Frankreich kam es nicht dazu. Frankreich und Vietnam hätten sich hier friedlich einigen können.

Bald darauf verstarb Kaiser Minh Mang am 20. Januar 1841 im Alter von 49 Jahren. Seine Regierungszeit besitzt im Rückblick mehr Licht als Schatten. Er war sehr streng über die Einhaltung der konfuzianischen Ideale aber zeigte Verständnis für seine Landsleute, indem er beispielsweise die Zwangsarbeit stark einschränkte. Er hatte alle Revolten gegen ihn besiegt, ebenso wie einen Angriff aus Siam, die die Unruhe im Nachbarland auszunutzen gehofft hatten.

Der Große Süden (Dai Nam) hatte durchgehalten, vereint und sicher unter der Herrschaft von Minh Mang. Er hatte die Harmonie, die ihm so viel bedeutete, geschützt und viele seiner Entscheidungen würden noch lange Bestand haben, insbesondere unter seinem Sohn Kaiser Thieu Tri.

Die Verfolgung der Christen ist ein schwarzer Fleck, auch wenn es niemals so schrecklich war, wie dies manche Zeitgenossen geschildert haben mögen. Allerdings schuf es für Vietnam Probleme, die mit der Zeit immer größer würden. Allein dies kann man Kaiser Minh Mang vorhalten. Die späteren Probleme Vietnams sollten aus einer Vielzahl von Einzelfaktoren entstehen – interne Unruhen, die Christenverfolgung und der Isolationismus, der Vietnam bei der technischen Entwicklung immer weiter hinter andere Länder zurückfallen ließen.

Dies alles Kaiser Minh Mang anzulasten, ging jedoch zu weit. Nach seinem konfuzianischen Verständnis hatte er ohnehin alles richtig gemacht und fast alles war ihm gelungen. Er war ein sehr traditioneller vietnamesischer Monarch und nach der konfuzianischen Lehre der Autorität, Tugend und Pietät auch ein sehr erfolgreicher.

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