Sultan Mehmed V. des Osmanischen Reichs

Sultan_Mehmed_V_of_the_Ottoman_EmpireMehmed V. Reshad war der 35. Sultan und Kalif des Osmanischen Reichs und wurde am 2. November 1844 im Topkapi-Palast in Konstantinopel geboren. Seine Eltern waren Sultan Abdulmecid I. und dessen albanische Frau Gülcemal Kadin Efendi. Sein Bruder war Sultan Abdul Hamid II, der zeitlebens Angst vor möglichen Ambitionen seines Bruders hatte und ihn daher ganze 45 Jahre seines Lebens unter strengem Hausarrest hielt.

Mehmed Reshad verbrachte diese Zeit im „goldenen Käfig“ mit dem Studium traditioneller persischer Poesie und wurde zu einem hervorragenden Poeten und Experten für persische Literatur.

Sultan Abdul Hamid II.
Sultan Abdul Hamid II.

Sein Leben der Abgeschiedenheit und des Literaturstudiums endeten 1909 abrupt, als sein Bruder Abdul Hamid II. von den „Jungtürken“ nach ihrer Machtübernahme zur Abdankung gezwungen wurde.

Am 27. April 1909 bestieg schließlich Mehmed Reshad den Thron als Mehmed V., Großsultan und Padishah des Osmanischen Reiches und Kalif des Islams. Die Jungtürken hatten seiner Ernennung zugestimmt, weil sie gehört hatten, dass Mehmed V. in seiner Abgeschiedenheit etwas wunderlich geworden sei. Er wäre, so hofften sie, leicht für sie zu kontrollieren.

So zeigte sich auch recht bald, dass die Jungtürken in Wahrheit die Macht ausübten und die Entscheidungen trafen. Einer ihrer Pläne war die Wiederbelebung des „Kranken Mannes Europas“ (Spitzename des Osmanischen Reichs) durch Infrastrukturmaßnahmen und einer Modernisierung des Militärs. Doch dafür brauchte es einen europäischen Partner.

Allianz mit dem Deutschen Reich

Mit dem russischen Imperium standen die Zeichen auf Krieg, ebenso mit den Briten im Süden und Westen des Reiches. Die Beziehungen zu Frankreich waren eher belastet und so blieb dem Osmanischen Reich im Grunde nur das aufstrebende Deutsche Reich als ernstzunehmender Partner.

Mehmed V. hatte bei dieser Entscheidung jedoch wenig Mitspracherecht, er übernahm in der Hauptsache zeremonielle Aufgaben. Diese Aufgabe erfüllte er sehr gut und galt als liebenswürdiger und vornehmer Mensch. Doch seine Befehle verfasste das Komittee für Einheit und Fortschritt. (İttihat ve Terakki Cemiyeti)

Einflussreich: Kriegsminister Enver Pasha
Kriegsminister Enver Pasha

Eine besonders einflussreiche Figur war dabei der Jungtürke Enver Pasha. Er war der Architekt der neuen Allianz zwischen dem Osmanischen und dem Deutschen Reich. Er trug sogar seinen Bart mit den Enden nach oben, wie es seinerzeit in Europa Mode war.

1911 überzeugte das Komitee Mehmed V. die osmanischen Ländereien im südlichen Balkan zu besuchen, um die schwierigen Beziehungen zu verbessern. Doch zu jener Zeit war der Nationalismus der Balkanvölker bereits entbrannt und in den beiden Balkankriegen 1912-1913 würden fast alle jene Territorien für die Osmanen verloren gehen.

1912 verlor man mit Tripoli die letzte nordafrikanische Besitzung an das Königreich Italien. Diese Rückschläge stärkten die Argumentation all jener, die eine schnellere Modernisierung und eine noch engere Bindung an das Deutsche Reich wünschten. Mit deren Wissen würde es möglich sein, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern und Briten und Russen in Schach zu halten, so hoffte man.

Grenzen Osmanisches Reich 1913
Grenzen Osmanisches Reich 1913 vor Kriegsausbruch

Am 02. August 1914 unterzeichneten das Osmanische und das Deutsche Reich einen Geheimvertrag (verfasst von Enver Pasha) und am 02. November 1914 befand sich der Mittlere Osten im Kriegszustand. Zur Überraschung vieler Beobachter kämpften die Osmanischen Truppen verbissen und brachten den Briten einige Niederlagen bei. Doch es war bereits nach kurzer Zeit absehbar, dass die Zeichen der Zeit gegen das Osmanische Reich standen.

Wie involviert Sultan Mehmed V in diese politischen Fragen war, lässt sich schwer sagen. Nominell besaß er große Macht, praktisch war diese äußerst begrenzt. Wie die meisten Monarchen in Europa, war auch Mehmed V. nicht vom Krieg begeistert. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte er sein Reich aus dem Konflikt herausgehalten. Doch es ging nicht nach ihm, für ihn bestimmten andere.

Aufruf zum Jihad des Kalifen

Sultan Mehmed V.
Sultan Mehmed V.

Und diese anderen, die Jungtürken, entdeckten den Wert des Sultans für ihre Kriegsführung. Als Kalif des Islam war Mehmed V. eine muslimische Autorität und die britischen Monarchen hatten mehr muslimische Untertanen als irgendein anderer Monarch auf Erden.

Wenn es gelänge die Massen aus islamischer Solidarität zu einem Aufstand gegen die Briten zu veranlassen, dann könnte man die Briten aus der Region vertreiben.

So erklärte Sultan Mehmed V. als Kalif des Islam am 11. November 1914 formell den Jihad, einen Heiligen Krieg gegen die Alliierten. Es würde das letzte Mal sein, dass ein Jihad legal von jemandem erklärt würde, der auch die Autorität dazu besaß.

Zum Bedauern der türkischen Führung war das Echo des Aufrufs gering. Einige muslimische Soldaten der Britisch-Indischen-Armee in Singapore meuterten, doch allgemein wurde der Sultan weitgehend ignoriert. Und wo sich kleinere Gruppen Freiwilliger fanden, wurden diese von den alliierten Kräften meist schnell zerschlagen.

Das Deutsche Reich war sehr enttäuscht darüber und hatte sich mehr von den Muslimen in den französischen und britischen Kolonien Asiens und Afrikas erhofft. Später kam es sogar noch andersrum, als bei einer arabischen Revolution 1916 Araber gemeinsame Sache mit den Briten gegen ihre osmanischen Herrscher machten.

Während des Krieges wurde die Politik des Osmanischen Reichs von den Jungtürken Enver Pasha, Talat Pasha und Kemal Pasha dominiert. Sultan Mehmed V. blieben meist nur die, wie beschrieben, zeremoniellen Pflichten.

Besuch des deutschen Kaisers in Konstantinopel
Besuch des deutschen Kaisers in Konstantinopel

Wie beispielsweise den Empfang zu Ehren des Besuchs von Kaiser Wilhelm II in Konstantinopel am 15. Oktober 1917 auszurichten. Der Kaiser ernannte Sultan Mehmed V. ehrenhalber zum preußischen Feldmarschall und der Sultan erwiderte diese Ehre.

Zu jener Zeit lief der Krieg für die Osmanen bereits schlecht, die Verluste an Menschen und Material waren immens. Doch Sultan Mehmed V. würde das desaströse Ende nicht mehr erleben. Er starb am 3. Juli 1918 in Konstantinopel im Alter von 73 Jahren. Er wurde von seinem Bruder Mehmed VI. als Sultan beerbt, doch 6 Monate später war der Krieg beendet und Konstantinopel unter alliierter Okkupation. Die Pläne zur Aufteilung des Osmanischen Reiches in französische und britische Mandatsgebiete hatten begonnen.

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