Königin Suriyothai von Siam

suriyothaiEine der berühmtesten Königinnen, wenn nicht sogar DIE berühmteste, Thailands ist Königin Suriyothai von Siam. Sie lebte während der glorreichen Ayutthaya Periode (ca. 1351 bis 1767) Thailands und ihr Ruhm ist wohlverdient. In der Person der Sri Suriyothai hatte das Königreich Siam eine Königin vom Format der Trung Schwestern Vietnams, Isabella von Kastillien, Eleanor von Aquitanien oder Boudica der Kelten.

Sri Suriyothai zeigte sich als Königin umsichtig und mitfühlend, aber war auch nicht verlegen,  schwerwiegende Entscheidungen zu fällen. Und als der Krieg die Existenz ihres Königreichs bedrohte, schnallte sie sich eine Rüstung um, bestieg ihren Kriegselefanten und ritt auf ihm in die Schlacht.

SuriyothaiboxEine beeindruckende Statue sowie eine Stupa (buddhistisches Monument) wurde ihr zu Ehren errichtet und bis heute wird sie als eine der größten Heldinnen Thailands verehrt. Im Jahr 2001 wurde ihr Leben unter dem Titel „Die Legende der Suriyothai“ verfilmt. Es sollte mit Kosten von ca. 350 Milllionen Baht der teuerste je produzierte thailändische Film aller Zeiten sein. Interessantes Detail: zu großen Teilen wurde der Film durch Mittel Ihrer Majestät Königin Sirikit finanziert. Er ist auch in Deutschland erschienen, allerdings stark geschnitten und laut einigen Beurteilungen mit einer schrecklichen deutschen Synchronisation.

Unbekannte Herkunft und Jugend

Bedauerlicherweise gibt es heute keine Aufzeichnungen über die frühen Jahre der Königin Suriyothai. Wo und wann sie genau geboren wurde ist ungewiss. Aufgrund der unklaren Faktenlagen existieren bis heute verschiedene Versionen. Die bekannteste Variante spricht von ihr als einer Adeligen niederen Ranges, die trotz ihrer Liebe zu einem anderen Prinzen den künftigen König Maha Chakkraphat heiratete.

Die Geschichte mag wahr sein oder auch nicht – aber wenn sie es ist, dann unterstreicht sie das enorme Pflichtgefühl der Sri Suriyothai. Obwohl ihr Ehemann nicht ihre „erste Wahl“ war, gab sie alles für ihren Mann. Wenn es nicht wahr ist, so liefern spätere Ereignisse doch ein klares Zeugnis von einer tiefen Verbindung mit ihrem Mann. Es ist anzunehmen, dass Königin Suriyothai eine starke und unabhängige Frau war. Sie hatte feste Prinzipien, ein unerschütterliches Pflichtgefühl und war äußerst mutig.

Das Thai Königreich Ayutthaya

Um Königin Suriyothais Leben besser verstehen zu können, ist ein Blick auf die historische Situation des Königreichs Siam (oder Königreich Ayutthaya in der Selbstbezeichnung, benannt nach der gleichnamigen Hauptstadt) notwendig. Zu jener Zeit war Ayutthaya eine der dominanten Mächte in Südostasien. Zu seinem Höhepunkt vereinte es die Ländereien des heutigen Thailand, Laos, Kambodscha und Teile Südchinas, Nord-Malaysias und des östlichen Burma.

Die größte Gefahr ging von Ayutthaya seinerzeit nicht vom benachbarten Vietnam aus, wo die Schwäche der Le Dynastie das Land ins Chaos stürzte, sondern vom Königreich Burma im Westen. In den frühen Jahren des 16. Jahrhunderts entwickelte die dort herrschende Taungu-Dynastie das so genannte Zweite Birmanische Reich zur stärksten Macht Südostasiens. Eroberung lautete die Devise jener Zeit und es sollte nicht lange dauern, ehe sie ihre Armeen Richtung Siam aussandten.

In Ayutthaya war es um die Stabilität nicht gut bestellt. Der junge König Yodfa war im Grunde nur ein Strohmann, seine Mutter Königin Sudachan war die wahre Herrscherin. Es wird vermutet, dass sie ihren eigenen Sohn vergiften ließ, um ihren Geliebten als König Khun Worawongsathirat auf dem Thron zu installieren.

Sri Suriyothais späterer Ehemann König Maha Chakkraphat war der Cousin des getöteten König Yodfa. Für einen möglichst glatten Übergang der Macht  bot man Maha Chakkraphat an, ihn zum Mitregenten zu ernennen. So würde er hoffentlich keinen „Ärger“ machen. Doch Suriyothai und er befürchteten, er würde dann als nächstes einem Mordkomplott zum Opfer fallen. Um die wahre königliche Linie zu erhalten, überzeugte Sri Suriyothai ihren Mann davon, einem buddhistischen Kloster beizutreten, wo ihn kein Auftragsmörder je belangen würde.

Eine Palastrevolte führender Adeliger brachte den Ursupator und Königin Sudachan später schließlich zu Fall und König Maha Chakkraphat bestieg gemeinsam mit seiner Frau, Königin Suriyothai, den Thron. Sie war ihm nicht nur eine gute Ehefrau, sondern stand ihm stets mit Rat zur Seite und sollte später sogar sein Leben retten. All diese Intrigen verdeutlichen aber die internen Querelen Siams zu jener Zeit, durch die Angreifer des mächtigen Burma geradezu eingeladen wurden.

Burma fällt in Ayutthaya ein

König Maha Chakkraphat war noch nicht lange auf dem Thron, als Siam schließlich im Jahr 1548 von birmanischen Truppen unter König Tabinshwehti angegriffen wurde. Dieser ambitionierte junge Monarch war praktisch seit 1534 unentwegt in Kriegen verwickelt und hatte eine lange Liste an siegreichen Feldzügen vorzuweisen.

Gemälde des König Tabinshwehti
Gemälde des König Tabinshwehti

Mit einer großen Armee, erfahrenen Kommandeuren und vielen modernen Waffen, die sie von portugiesischen Händlern gekauft hatten, kommandierte König Tabinshwehti die wohl furchteinflößendste Armee jener Region. Die kleinen Garnisonen an den Grenzen Siams wurden binnen kürzester Zeit überrannt.

Als König Maha Chakkraphat von der Bedrohung erfuhr,  befahl er seine Truppen bei Suphanburi im Westen Ayutthayas zu sammeln. Dort sollten sie sich auf die Begegnung mit dem Feind vorbereiten. In der Zwischenzeit drangen König Tabinshwehti und seine birmanischen Truppen immer tiefer ins Land ein. Die befestigte Stadt Kanchanaburi war von den Siamesen kampflos verlassen worden, weitere Eroberungen waren die Ortschaften Ban Thuan, Kaphan Tru und Chorakhe Sam Phan.

Da er vom geringen Widerstand überrascht war, beschloss der König von Burma seine Armee in drei Teile aufzuteilen, um das Land schneller erobern zu können. Die drei Teile wurden vom künftigen König Bayinnaung, dem Vizekönig von Prome und dem Gouverneur von Pathein angeführt.

Die Stadt Uthong war ihr nächstes Ziel und fiel nach kurzem Kampf, ebenso wie die Dörfer Don Rakhang und Nong Sarai. Nun waren die birmanischen Truppen kurz vor Suphanburi, wo die siamesischen Truppen verbissenen und entschlossenen Widerstand leisteten. Doch sie waren weit in der Unterzahl und mussten sich letzten Endes Richtung der Hauptstadt Ayutthaya zurückziehen. Der König von Burma verfolgte sie und schlug sein Lager im Norden Ayuttayas, in den Lumpli Ebenen auf. Der Entscheidungskampf stand bevor.

Trotz der Unterzahl beschloss der König von Siam die Schlacht zu riskieren. Er sammelte seine Truppen und ritt dem Feind entgegen, begleitet von seinen Söhnen. Was er nicht wusste – auch Sri Suriyothai und ihre Tochter Boromdilok ritten – in Männerkleidung verkleidet – auf einem eigenen Kriegselefanten in den Kampf. Die birmanische Armee war jene unter der Führung des Vizekönigs von Prome und wie üblich ritten der Vizekönig und der König von Siam jeweils an der Spitze ihrer Armeen, um sich beim Aufeinandertreffen in einem Duell zu messen.

Gemälde der Schlacht
Gemälde der Schlacht, Suriyothai schiebt sich zwischen Angreifer und ihren Mann

Die beiden Männer fochten einige Zeit, als plötzlich der Kriegselefant König Maha Chakkraphats von Panik ergriffen wurde. Der Elefant drehte sich und lief unkontrolliert auf dem Schlachtfeld umher. Der König geriet dadurch zum leichten Ziel.

Königin Suriyothai beobachtete das Unglück ihres Gemahls und ritt auf ihrem Elefanten zur Hilfe. Sie schob sich zwischen den König und seinen Verfolgern und rettete ihm so das Leben. Doch sie wurde selbst von einem Speer tödlich verwundet, der ihr Schulter und Brust aufrissen. Die Königin verstarb kurz darauf an ihren tödlichen Wunden. Dem König gelang es seine Truppen zu sammeln und sich geordnet nach Ayutthaya zurückzuziehen. Er würde später ebenfalls im Kampf um die Rückeroberung Siams fallen.

Das Vermächtnis der heldenhaften Königin

Königin Suriyothai hatte durch ihre heldenhafte Tat jedoch bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie gilt im Königreich Thailand noch heute als Inbegriff von Mut, Entschlossenheit und Selbstaufopferung und steht exemplarisch für Südostasien, wo Frauen wie Trieu Au oder die Trung Schwestern Vietnams für ihren Heldenmut in den Befreiungskämpfen gegen China verehrt werden.

Südostasien besitzt eine Tradition starker Kriegerfrauen, die an der Seite ihrer Männer kämpften oder sie nach ihrem Tod zu rächen suchen. Auch der tendenziell als „frauenfeindlich“ gehandelte Konfuzianismus stand hier offenbar nicht im Weg.

Bevor er verstarb, ließ ihr Mann zu Ehren Sri Suriyothais eine buddhistische Stupa (ein buddhistisches Monument zu ihrer Erinnerung) bauen. Heute befindet sich in der Nähe der alten Hauptstadt Ayutthaya eine Gedenkstätte mit einer großen Statue der tapferen Königin. Sie ist dort zu sehen, wie sie auf dem Elefanten in die Schlacht reitet. Ihre Geschichte und ihr Beispiel inspirierten Generationen nach ihr und werden dies ohne Zweifel auch in Zukunft tun.

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