Royale Zitate: Über die Zukunft Serbiens

Jetzt ist ein glänzender Augenblick für Serbien gekommen, für Ordnung im eigenen Haus zu sorgen – und zwar nach unseren eigenen Maßstäben. Der Maßstab heißt Königreich von ganz Serbien.

– Kronprinz Alexander von Serbien
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Glückwunsch Kronprinz Alexander

Passend zum gestrigen Beitrag über die Geschichte des serbischen Königshauses schieben wir noch beste Glückwünsche zum 70. Geburtstag von Kronprinz Alexander Karajordjevic hinterher.

Kronprinz Alexander mit Gattin Katharina - Foto Vladimir Lukic
Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag! Kronprinz Alexander von Serbien mit Gattin Katharina

Wie die serbische Zeitung Blic in ihrer Onlineausgabe berichtet, feiert ganz Serbien am 17. Juli seinen ungekrönten Prinzen. Als internationale Gäste werden unter anderem der schwedische König Gustav mit Königin Silvia, Fürst Albert von Monaco und Spaniens Königin Sofia erwartet. Auch eine breite Mischung von Personen des öffentlichen Lebens Serbiens werden an den Feierlichkeiten teilnehmen, die heute Abend mit einem Bankett im Weißen Palast Belgrads beginnen.

Mehr Details und das Protokoll hält der erwähnte Blic Artikel bereit (Achtung, auf Serbisch)

Das Königreich Serbien

Flag_of_SerbiaDie Geschichte des Königreichs Serbien reicht lange zurück. Bereits der griechische Gelehrte Ptolemaeus wusste in seiner Geographie ca. 150 n. Chr.  von den Σέρβοι (Serboi) zu berichten, die in der Gegend zwischen Ungarn und dem heutigen Serbien siedelten. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderte nahmen die Serben den christlichen Glauben an, was sie kulturell sehr stark prägen würde.

Im Mittelalter vergrößerte sich der serbische Einfluss insbesondere unter der Dynastie der Nemanjic, als viel byzantinisches Territorium erobert wurde. Die Byzantiner waren damals zu sehr mit dem Kampf gegen das Osmanische Reich beschäftigt, um ernsthafte Gegenwehr zu leisten. Doch es sollte nicht lange dauern, bis auch die Serben den Osmanen gegenüber standen und schließlich 1459 erobert wurden. Es folgten 350 Jahre unter osmanischer Fremdherrschaft.

Karageorge um 1816
Karageorge um 1816

Im frühen 19. Jahrhundert begannen die Serben schließlich eine Reihe von Rebellionen gegen das Osmanische Reich. Zunächst ging es um den Kampf für Autonomie innerhalb des Reiches, später um die vollständige Unabhängigkeit.

An der Spitze der Unabhängigkeitsbewegung standen zwei Führer: Milos Obrenovic und George Petrovic, letzterer auch bekannt als „Karageorgevich“ (Kara = schwarz, georgevich = Georg; schwarzer Georg)

Die Rivalität der beiden Familien

Die Familien der beiden würden fortan die moderne Geschichte der Serben dominieren. Und gegeneinander um Einfluss kämpfen, was mitunter blutig endete. So hatten sich beispielsweise die Obrenovic in einer Rebellion gegen die Osmanen früh eine gewisse Autonomie und Einfluss erkämpft.

Als Karageorgevich eine weitere Rebellion gegen die Osmanen anführte und sich als zweite Führungsfigur der Serben zu etablieren drohte, ließen ihn die Obrenovic ermorden. Auf diese Weise sollten die Obrenovic an der Spitze eines unabhängigen Serbien stehen. Damit hatte man sich die Familie Karageorgevich jedoch zu Todfeinden gemacht, die ihrerseits nun auf Rache aus war.

Nach einiger Zeit wurden die Großmächte auf das Ringen zwischen Serben und Osmanen aufmerksam. Immer auf das Gleichgewicht der Mächte bedacht, „ermutigte“ man die Osmanen, den Serben ihre Unabhängigkeit zuzustehen. 1867 war es schließlich soweit, die letzten Osmanischen Truppen zogen sich zurück.

Das unabhängige Königreich Serbien entsteht

Prinz Mihailo III.
Prinz Mihailo III.

All dies geschah unter der Regenschaft der Familie Obrenovic, die Serbien fast durchgehend seit 1815 regierte. Der damalige Herrscher war Prinz Mihailo III., ein vorausschauender Herrscher mit guten Beziehungen zu den Österreichern und den Russen. Er träumte von einer slawischen Förderation im Balkan, mit dem Ziel ein starkes Gegengewicht gegen die Osmanen bilden zu können.

Prinz Mihailo III. sollte diese Idee jedoch nicht weiter verfolgen können, fiel er doch bald darauf einem Attentat zum Opfer. Viele vermuteten die Rache der Karageorgevichs dahinter. Spuren deuteten jedoch auch in Richtung „liberaler Fortschrittler“. Ganz aufgeklärt wurde der Mord nie.

Milan I. besteigt den wiederhergestellten Königsthron

Milan I, König der Serben
Milan I., König der Serben

Da seine Ehe kinderlos geblieben war, wurde sein Neffe Prinz Milan Obrenovic IV. zum Nachfolger erklärt. Dieser suchte außenpolitisch die Annäherung an Österreich-Ungarn statt der traditionellen Bindung an Russland, was für Unmut im Land sorgte und den Obrenovics später zum Verhängnis werden sollte. Doch wir greifen vor.

Mit der Anerkennung der serbischen Unabhängigkeit durch die Osmanen hatte er einen großen Erfolg vorzuweisen. Allerdings verlangten die Großmächte auf dem Berliner Kongress 1878 im Gegenzug den Verzicht Serbiens auf die bosnischen Gebiete. Diese waren zwar nominell noch Osmanisches Territorium, in Wahrheit aber bereits von Österreich-Ungarn kontrolliert.

Königin Natalija von Serbien
Königin Natalia von Serbien

Vier Jahre später, im Jahr 1882 bestieg Milan I. den serbischen Königsthron. Das Königreich Serbien war nach Jahrhunderten wieder hergestellt und nun würden bessere Zeiten kommen, hoffte man in Belgrad und anderswo.

Doch weder Land noch der königliche Haushalt sollten zur Ruhe kommen. Seine Ehe mit der russischen Adeligen Natalia Keschko war eher unglücklich. Zu unterschiedlich waren beide in ihren Werten und Meinungen, so dass es häufig zu Reibereien zwischen beiden kam. Die Königin war für ihr Temperament bekannt und das sie kein Blatt vor den Mund nahm, was ihr Gatte mehr als einmal verübelte.

Der Popularität des Königs im stark christlich-orthodox geprägten Land verhalf es auch nicht, dass er in der Folge zahlreiche außereheliche Affären hatte. Darunter auch mit Jennie Churchill, der späteren Mutter des britischen Premierministers Winston Churchill. 1887 entkam König Milan I. nur knapp einem Mordanschlag durch Angehörige der Radikalen Partei. Hinzu kamen Streitigkeiten mit der gewählten Regierung über die Kompetenzen des Königs.

All dies führte dazu, dass König Milan I. ein Jahr darauf, 1889, zugunsten seines Sohnes König Alexander I. abdankte. Später würde er zumindest zeitweise als Kommandant der serbischen Armee noch einmal zurückkehren und sich Verdienste erwerben.

König Alexander I. übernimmt von seinem Vater

Der junge König Alexander I.  rang zunächst mit der recht liberalen Verfassung, die sein Vater dem Land gegeben hatte. Seine Schritte die Verfassung aufzuheben und mehr Macht beim Königsthron zu konzentrieren, rief jedoch Widerstand hervor. Nach kurzer Zeit war er gezwungen, seine Entscheidung rückgängig zu machen und Serbien eine neue Verfassung zu geben. Diese sah eine Legislatur mit zwei Kammern (ein Ober- und ein Unterhaus), ähnlich dem britischen Modell, vor.

Auch bei der Heirat bewies Alexander I. ein äußerst unglückliches Händchen. Alexander I. hatte sich nämlich in den Kopf gesetzt, die Hofdame Draga Maschin zu heiraten. Die serbische Gesellschaft war außer sich. Das sie nicht adelig war, war noch das geringste Problem. Aber sie war nicht nur zwölf Jahre älter, sondern auch verwitwet. Üble Gerüchte machten die Runde, wonach sie ihren ersten Ehemann vergiftet habe. Auch ihre beiden Brüder, die als Offiziere dienten, besaßen einen ähnlich schlechten Leumund. Nach Sicht der Gesellschaft war ihr junger, naiver Prinz in die Fänge einer bösartigen Verführerin geraten.

Alexander Obrenovic mit Gemahlin Draga
Alexander Obrenovic mit Gemahlin Draga

Sowohl seine Mutter, als auch der Vater intervenierten mit allen Mitteln gegen die Verlobung. Gerade die Mutter ließ es auf einen Machtkampf ankommen. Am Ende verlor sie und verließ Serbien in Richtung Paris, wo sie später als Nonne in ein Kloster ging, nachdem sie ihr Vermögen Universitäten und der Kirche gespendet hatte.

Alexander I. hatte seinen Willen durchgesetzt und das Paar heiratete am 05. August 1900. Zum Unmut vieler Serben. Als schließlich bekannt wurde, dass im Todesfall des Königs der unpopuläre ältere Bruder von Draga Maschin womöglich den Thron besteigen würde, brachte dies das Fass zum überlaufen.

Das Ende der Obrenovic auf dem Thron

Im Juni 1903 drang eine Gruppe Offiziere widerstandslos in den königlichen Gemächern ein und ermordete den König und die Königin. Auch beide Brüder der Königin wurden hingerichtet.

Der schändliche Königsmord war natürlich keine spontane Entscheidung einiger besorgter Offiziere. So sollte es nach Außen wirken. Ihr Anführer Dragutin Dimitrijevic besaß enge Verbindungen zu Russland, das Serbien wieder in russlandfreundliche Bahnen umlenken wollte, nachdem die Obrenovics zuletzt sehr freundschaftliche Beziehungen mit Österreich-Ungarn führten.

Dragutin Dimitrijevic war zudem mit anderen beteiligten Offizieren im  nationalistischen Geheimbund Црна рука (schwarze Hand), der auf Kosten Österreich-Ungarns ein Großserbien errichten wollte. Später sollte er als Führer jener Gruppe von sich Reden machen, die den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand ermordeten und so den 1. Weltkrieg auslösten.

Ein neues Königshaus

Peter I. in älteren Jahren
Peter I. in älteren Jahren

Am 15. Juni 1903 bestieg schließlich König Peter I. aus der Dynastie der Karageorgevich den serbischen Thron. Die Konspirateure hatten ihn gleich nach dem Attentat zum neuen König ausgerufen, doch das serbische Parlament brachte einige Wochen, um ihn formell als neuen König zu bestätigen. Eine neue Verfassung wurde verabschiedet (ja, noch eine) basierend auf dem belgischen Modell.

König Peter I. machte sogleich klar, dass Serbien ein enger Freund des Russischen Reichs und der Französischen Republik sei und nicht länger ein Freund Österreich-Ungarns. Die k.u.k. Monarchie reagierte darauf mit der Annektion des umstrittenen Bosnien-Herzegowina Territoriums im Jahr 1908, was anti-österreichische Ressentiments in Serbien stärkte.

Im Balkankrieg 1912-13 gegen das Osmanische Reich gelang es dem von Russland vermittelten Balkanbündnis Serbien-Bulgarien-Griechenland-Montenegro einen entscheidenden Sieg gegen das rapide verfallende  Osmanische Reich zu erringen. Das siegreiche Serbien erhielt den Kosovo und weitere Territorien und die Freude darüber war groß.

Panslawischer Nationalismus, der die Einheit aller slawischer Brudervölker beschwor, gewann zunehmend an Macht. Die Errichtung eines „Großserbien“ in Anlehnung an das mittelalterliche Reich der Nemanjic war nun das große Ziel. Diese Ideen wirkte auch auf viele slawische Angehörige Österreich-Ungarns anziehend, darunter viele Kroaten und Slowenen. Das Problem mit „Großserbien“ war allerdings, dass viele der Ländereien anderen Staaten gehörten. Insbesondere Bosnien war Teil des verhassten Österreich-Ungarn.

Vermutlich jeder Leser weiß, was als Nächstes folgte: Bei einem Besuch des österreichischen Thronerben und seiner Gemahlin in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo im Jahr 1914, wurde dieser durch einen serbischen Nationalisten ermordet. Österreich-Ungarn sandte ein scharfes Ultimatum an Serbien, welches – nach Zusicherung von Unterstützung durch Russland – abgelehnt wurde. Der 1. Weltkrieg nahm seinen Lauf.

König Peter I. regierte damals über ein Land von zu allem entschlossenen Menschen und abgehärteten Veteranen des Balkankrieges. Als die Österreich-Ungarischen Truppen ihre Invasion von Serbien starteten, blieb der Angriff im Abwehrfeuer der Serben stecken. Mit Verstärkung aus Deutschland und später Bulgarien und dem Osmanischen Reich konnte sich aber auch Serbien nicht mehr behaupten und wurde besetzt. Teile der serbischen Armee flüchteten sich zur Küste, wo sie von der italienischen Marine aufgenommen wurden und an anderen Fronten den Kampf bis zum Sieg der Alliierten 1918 fortsetzten.

König Alexander I. Karageorgevich
König Alexander I. Karageorgevich

Für Serbien hatte der Krieg große Gebietsgewinne gebracht. Der lang gehegte Traum eines „Großserbien“ schien unter König Peter I. und seinem Sohn Prinzregenten Alexander endlich zur Wirklichkeit zu werden. Kurz nach Kriegsende wurde das Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben ausgerufen, womit die von Österreich-Ungarn eroberten Gebiete bezeichnet wurden.

Nach dem Tod von König Peter I. im Jahr 1921 folgte schließlich die Umbenennung in Königreich Jugoslawien (Jugo = Süd, also wörtl. „Südslawien“). Sein Sohn Alexander wurde zum neuen König gekrönt.

Die Dinge schienen gut zu laufen für Serbien, oder? Nun, nicht wirklich. Nicht jeder war glücklich darüber, nun ein Teil Jugoslawiens zu sein. Insbesondere vielen Kroaten und Slowenen schien es, als hätten sie nur eine Fremdherrschaft gegen eine andere getauscht. Andere Minderheiten wie Italiener oder Ungarn lehnten die Serbenherrschaft vehement ab. König Alexander hatte alle Mühe, das Reich zusammenzuhalten. Immer wieder kam es chaotischen Perioden und heftigen politischen Auseinandersetzungen.

Es ist vielleicht Ironie der Geschichte, dass die königliche Familie Serbiens am Ende ein ähnliches Schicksal wie die verhassten Habsburger erlitt. Die Gemeinsamkeiten sind unübersehbar.

Noch ein Königsmord und Gefahr von Außen

Im Jahr 1934 fiel König Alexander schließlich einem Attentat zum Opfer. Seine Nachfolge trat sein minderjähriger Sohn Peter II. an, an dessen Stelle Prinzregent Paul regierte. Serbien befand sich in einer prekären Situation – die meisten Freunde (Russland) waren weit entfernt und viele Nachbarländer schielten auf ihre im 1. Weltkrieg an Serbien verlorenen Territorien.

Prinz Paul ging die internen Probleme des Staates an und wollte diese lösen, indem er die zuvor streng durchgeführte Zentralisierung lockerte und teilweise rückgänig machte. Die einzelnen Regionen und ihre Völker sollten mehr regionale Autonomie erhalten. Er bemühte sich auch ausländischen Einfluss und die Unterstützung von Dissidenten zu bekämpfen. Indem er sich um freundschaftliche Beziehungen mit allen Nachbarn bemühte, wollte er etwaigen Umstürzen zuvor kommen. Dies galt insbesondere den beiden erstarkenden Nationen Italien und dem Deutschen Reich.

Prinz Peter und .. dieser andere Typ
Prinzregent Paul und … dieser andere Typ

Dies im Hinterkopf unterzeichnete Prinzregent Paul im Jahr 1941 den Dreimächtepakt, womit Jugoslawien zu einem ziemlich lauwarmen Verbündeten der Mittelmächte Deutschland – Italien – Japan wurde. Diese Entscheidung muss in ihrem historischen Kontext gesehen werden.

Frankreich (traditioneller Verbündeter der Serben) war zu diesem Zeitpunkt bereits besiegt. Großbritannien schien als nächstes dem Untergang geweiht und es sah aus, als hätte Jugoslawien keine Überlebenschance, wenn Jugoslawien sich nicht mit dem Deutschen Reich und Italien verständigen würde.

Doch kaum war die Tinte unter dem Dokument getrocknet, als Prinz Paul bereits durch einen Militärputsch auf Initiative der Briten entmachtet wurde. Jugoslawien trat aus dem Bündnis der Achsenmächte aus und den Alliierten bei. König Peter II. wurde für volljährig erklärt und bestieg den Thron.

Spielball der Mächte: König Peter II.
Spielball der Mächte: König Peter II.

Dies führte zur Invasion Jugoslawiens durch das Deutsche Reich. Binnen weniger Wochen war das gesamte Land unter Kontrolle und wurde in deutsche, italienische und bulgarische Einflusszonen aufgeteilt.

König Peter II. entkam nach Großbritannien, wo er seine Schulbildung beendete und der Royal Air Force beitrat, während in Jugoslawien kommunistische und royalistische Partisanen die Besatzer und einander bekämpften.

1943: Schicksalsjahr des Königreichs Serbien

Ein Schlüsslerlebnis für Serbien sollte das Jahr 1943 sein. Die Alliierten sicherten der Sowjetunion zu, dass im Kriegsgewinn der gesamte Osten Europas als neuer Einflussbereich der Sowjetunion gelten würde. Plötzlich wurden die royalistischen Partisanen nicht mehr unterstützt, sondern nur noch die kommunistischen. Der junge König Peter II. wurde gezwungen, den Kommunistenführer „Tito“ zum Kommandanten der Armee und Premierminister zu ernennen.

Kommunistenführer Tito
Kommunistenführer Tito

Diese Unterschrift kam dem Todesurteil für das Königreich Jugoslawien gleich – und das wusste der junge König. Denn es war unvorstellbar, dass die Kommunisten nach dem Krieg einer Wiederherstellung der konstitutionellen Monarchie zustimmen würden. Wie zu erwarten erklärten die Kommunisten 1945 den König für abgesetzt, als sie mit Hilfe der Sowjets die Kontrolle über das Land übernommen hatten. Tito wurde zum Diktator Jugoslawiens, das sich 1946 in „Föderative Volksrepublik Jugoslawien“ umbenannte.

Zunächst gab es noch Gespräche darüber Jugoslawien und Bulgarien miteinander zu vereinen, doch der sowjetische Diktator Stalin lehnte die Idee ab. Einige im Westen versuchten sich in der Folge an einer Romantisierung des Nachkriegs-Jugoslawien als „gute“ kommunistische Diktatur, die es ablehne, von der Sowjetunion dominiert zu werden. An dieser Stelle sei versichert, dass es nichts dergleichen war und das Regime genauso unterdrückerisch, brutal und kriminell wie jede andere kommunistische Diktatur war.

Ethnische Spannungen wurden unterdrückt, aber niemals gelöst und die Wirtschaftsleistung pendelte zwischen schwach und desaströs. Am Ende fiel das kommunistische Regime auseinander, ebenso wie Jugoslawien. Ein brutaler Bruderkrieg brach aus und hinterließ Narben, die noch heute nicht verheilt sind. Slowenien, Kroatien und später Bosnien lösten sich von Serbien und Montenegro. Letzteres wurde 2006 unabhängig, womit Serbien wieder auf sein Kernland begrenzt wurde. Die schlechten Nachrichten rissen für Serbien nicht ab, im Jahr 2008 erklärte sich auch die Region Kosovo für unabhängig.

König Peter II. bekam vom Zerfall des Reiches nichts mehr mit. Er verstarb 1970 im Exil. Neues Haupt der königlichen Familie Serbiens und damit Thronanwärter wurde sein Sohn Kronprinz Alexander (der König Alexander II. wäre). Ein sehr erfolgreicher Royal, der seit seiner Geburt zu einem Leben im Exil gezwungen war.

Rückkehr nach Serbien

Es war ein glücklicher Tag, als Kronprinz Alexander 1991 nach Serbien zurückkehrte. Nach dem Fall des letzten sozialistischen Diktators im Jahr 2000 verlegte er seinen Wohnsitz dauerhaft nach Serbien. Die Staatsbürgerschaft der Karageorgevich Familie wurde wiederhergestellt, ebenso wie die Nutzungsrechte ihres Eigentums. (die tatsächliche Rückerstattung des Besitzes ist noch nicht abschließend geklärt). Kronprinz Alexander wurde bald zu einer respektierten Figur im nationalen Leben der Serben.

März 2015: Kronprinz Alexander gedenkt seiner Großmutter Maria an ihrem 45. Todestag
März 2015: Kronprinz Alexander gedenkt seiner Großmutter Maria an ihrem 45. Todestag

Auf gewisse Weise ist er ein Beispiel für alle exilierten Royals überall auf der Welt. Kronprinz Alexander brachte sich in verschiedenen politischen Fragen ein und argumentiert offen für die Wiederherstellung der Monarchie und ihrer Überlegenheit als Regierungssystem.

Die serbisch-orthodoxe Kirche unterstützt eine Restauration der Monarchie, die Unterstützung für die königliche Familie wächst in der Bevölkerung. Es ist bedauerlich, dass sich die Mächtigen in Belgrad an ihre Stühle klammern und eine Wiederherstellung der serbischen Monarchie dis dato zu verhindern wissen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es jedoch große Hoffnungen und Gründe auf eine Wiedergeburt der Monarchie in naher Zukunft zu hoffen.

Unter dem Strich kann man den Fall der serbischen Monarchie als nichts anderes als üblen Verrat bezeichnen. Die Serben kämpften für Jahre verbissen um ihre Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Der 1. Weltkrieg traumatisierte die Nation, aber endete mit einem großen Sieg für Serbien. Mit Jugoslawien schien der Traum einer Vereinigung aller slawischen Balkanvölker endlich Wirklichkeit geworden zu sein. Doch brachte dies auch unerwünschte Nebeneffekte. Hatte der Nationalismus Serbien früher angetrieben, so wurde er jetzt zum Verhängnis. Serbien erbte viele der Probleme, unter denen Österreich-Ungarn einst litt.

Mit Blick auf die heutige Situation erscheint fraglich, wie lange ein Königreich Jugoslawien im 20. Jahrhundert überlebt hätte. Dennoch muss das kriminelle Vorgehen, das zu seinem Sturz führte, auch als solches gebrandmarkt werden. Durch die Doppelzüngigkeit der Alliierten wurde König Peter II. ebenso betrogen wie die heroisch kämpfenden royalistischen Chetniks in ihrem hoffnungslosen Kampf gegen die Feinde des Königreichs. Die Monarchie wurde nicht durch eine Revolution, einen Aufstand oder ein demokratisches Referendum zu Fall gebracht – es wurde durch die Alliierten verraten. Ein dunkles Kapitel in der serbischen Geschichte – hoffentlich mit einem baldigen „Happy End“.