Eine kurze Geschichte Portugals

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Die Geschichte des Königreichs Portugal geht zurück bis in die Tage der „Reconquista“, jener Zeit der Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den muslimischen Mauren durch die Christen. Zuvor waren in der Antike bereits Phönizier und Karthager an jenen Küsten gelandet und fanden dort Menschen vor, die sie „Iberer“ nannten. Die Griechen gründeten auch dort Kolonien – eine an jenem Ort, wo heute Lissabon steht. Ungefähr 100 Jahre v. Chr. wurde das Gebiet von den Römern erobert und blieb bis zum Untergang des Weströmischen Reiches ein Teil davon.

Es folgten die einwandernden Westgoten, ehe Araber und Mauren die iberische Halbinsel ab dem 8. Jahrhundert fast vollständig unterwarfen. Im 11. Jahrhundert begannen die Christen ihren Kampf gegen die Eroberer, die langsam zurückgetrieben wurden. Eine der erste befreiten Regionen hieß in alten Zeiten Portus. Aus dem Namen wurde später „Porto“ – der Namensgeber des Landes „Portugal“.

Im Jahr 1094 wurde ein französischer Ritter, Henry von Burgund, für seine Treue im Dienst von König Alfonso VI. von Kastilien mit der Grafschaft Porto und Coimbra belohnt. Er trug als Erster den Titel „Herzog von Portugal“. Das erste Saatkorn, aus dem später ein unabhängiges Portugal werden würde, war gepflanzt worden.

Der Sohn von Henry von Burgund, Afonso Henriques, war ein Vorkämpfer der Christenheit auf der iberischen Halbinsel. Viele Male siegte er über die Mauren. Seine Macht und sein Prestige wuchsen immer weiter an, ehe er im Jahr 1143 zum König von Portugal wurde – und damit seine Unabhängigkeit proklamierte. Nach vier Jahren hatte er die Stadt Lissabon zurückerobert und machte sie zu seinem Machtzentrum. Auch wenn der Krieg gegen die Mauren noch weiter andauern sollte, gegen Mitte des 13. Jahrhunderts waren die Gebiete des heutigen Portugals bereits unter christlicher Kontrolle.

Das Haus von Aviz besteigt den Thron

1383 kam die Herrschaft des Hauses von Burgund zu einem Ende, als König Ferdinand I. ohne Erbe verstarb. Nach zweijährigen Nachfolgestreitigkeiten bestieg sein aus einer unehelichen Beziehung stammender Bruder Joao I. den Thron. Joao I. (deutsch: Johann) war Großmeister des portugiesischen Ritterordens von Aviz. Er begründete die Dynastie des Hauses von Aviz, dass aufgrund seiner ritterlichen Herkunft diesen Namen erhielt. Die Könige von Aviz würden Portugal für die nächsten zwei Jahrhunderte regieren und zu großem Ruhm und Wohlstand führen.

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Bündnispartner: John of Gaunt zu Gast bei König Joao I.

König Joao I. war in jeder Hinsicht ein erfolgreicher Monarch. Er sicherte Portugal die Unabhängigkeit von Kastilien, eroberte Teile Nordafrikas für Portugal und schloss eine Allianz mit England, die bis zum heutigen Tag (!) besteht. Sie ist damit die am längsten haltende Allianz der Welt. Es war unter seiner Herrschaft, als Prinz Henry (genannt „Der Navigator“) die afrikanische Küste erforschte. Die Inselgruppe der Azoren und Madeira wurden von Portugal in Besitz genommen. Das Land wurde zur führenden Macht der westlichen Hemisphäre, wenn es um Kartographie und Schiffsreisen ging. In jenen Jahren wurde der Grundstein für Portugals späteren Erfolg gelegt.

Diese Epoche lässt sich am besten mit der Mondlandung der 1960er Jahre vergleichen, denn portugiesische Schiffe stiessen damals in Regionen vor, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war. Sie entdeckten neue Länder und Völker, vornehmlich in Afrika, mit denen man in Europa noch nie zuvor Kontakt hatte. Dieser Trend setzte sich auch unter seinem Nachfolger König Afonso V. fort. Portugal gewann weiter an Einfluss in Nordafrika hinzu.

König Manuel von Portugal
König Manuel I. von Portugal

In die Herrscherzeit von Joao II. fällt die Entdeckung des Kaps der Guten Hoffnung am südlichen Ende Afrikas durch Bartholomäus Dias im Jahr 1488. Dies war der Grundstein für die weitere Erforschung des Indischen Ozeans und der Seeroute nach Ostasien. Sieben Jahre später, während der Herrschaft König Manuel I.,  umrundete ein weiterer Portugiesischer Seefahrer den Kap und segelte bis nach Indien. Sein Name war Vasco da Gama. Dort begründete er die portugiesische Präsenz auf dem indischen Subkontinent, die sich bis ins Jahr 1961 halten sollte. Unter König Manuel I. etablierten die Portugiesen Handelsrouten, gründeten Häfen und schlossen Abkommen mit den Persern, den indischen Prinzen und sogar dem Kaiser von China.

Portugal war an der Speerspitze neuer Technologien in Europa, neuer Entdeckungen und dem internationalen Handel. Obwohl es ein relativ kleines Land mit einer kleinen Bevölkerung und wenig natürlichen Ressourcen war, stieg das Königreich Portugal mit atemberaubender Geschwindigkeit zur Weltmacht und dem reichsten Land Europas auf. Seefahrer anderer Reiche fanden kaum mehr Küsten, an denen nicht zuvor schon portugiesische Schiffe vor Anker gegangen waren. Pedro Alvares Cabral entdeckte im Jahr 1500 das heutige Brasilien, die später einmal größte und wichtigste portugiesische Kolonie.

Judenverfolgung und wirtschaftliche Rückschläge

Bedauerlicherweise stellten diese Jahre den Höhepunkt Portugals dar. Der Verfall sollte bald darauf einsetzen. Eine der ersten Ursachen waren die Juden. Unter König Manuel I. waren sie toleriert worden.

Doch als dieser die Infanta Isabella von Aragon heiratete, beinhaltete ein Teil des Hochzeitsvertrags die Ausweisung der Juden aus Portugal. So wie dies zuvor schon in Spanien der Fall war. Die Juden sollten sich entweder zum Christentum bekennen oder das Land verlassen. Da die Juden eine herausragende Stellung im portugiesischen Banksektor und anderen Geschäftszweigen besaßen, bedeutete dies einen enormen wirtschaftlichen Schaden für das kleine Land.

Eine gewisse Selbstüberschätzung was die Einkünfte aus dem Handel mit Übersee anging richtete weiteren Schaden an.  Man ging einfach davon aus, dass dieser Handel und der daraus resultierende Wohlstand sich ewig fortsetzen werde und man dafür nicht viel tun müsse. Dabei übersah man, dass andere Nationen in den Gewürzhandel mit Asien und den Sklavenhandel mit Afrika drängten. Und dann gab es auch immer wieder Ärger mit dem benachbarten Königreich Spanien.

Nicht unbeachtet sollte jedoch die tiefe Verwurzelung der Portugiesen im Glauben bleiben. König Manuel I. war ein frommer Katholik und erhielt vom Papst zwei Mal die goldene Rose als Geschenk. Portugiesische Missionare, oftmals Jesuiten, begleiteten die Seefahrer auf ihren langen Reisen und brachten das Wort Christi bis an die entlegenen Küsten Afrikas, Asiens und Südamerikas. Sie waren die ersten Menschen des Westens, die Japan besuchten und dort die Samen des Christentums pflanzten, dessen tragische Geschichte der Verfolgung und Isolation einen eigenen Beitrag wert wäre.

Portugal fällt an das Königreich Spanien

Nach dem Tod König Manuel I. konzentrierte sich sein Nachfolger Joao III. auf die Ausweitung des portugiesischen Einflusses in Indien und Ostasien. Sein Enkel und Nachfolger, König Sebastian, starb bei Kämpfen in Marokko und wurde von König Henry beerbt, einem Kardinal der Katholischen Kirche, der ohne eigenen Erben blieb. Als dieser starb, erhob König Philipp II. von Spanien Anspruch auf den portugiesischen Thron. Zur Untermauerung des Anspruchs sandte er seine Truppen aus. Von 1581 bis 1640 regierten die spanischen Habsburger das Reich. Die Regierungszeit König Philipp II. stellte einen Höhepunkt spanischer Geschichte dar, doch Portugal musste nicht unerhebliche Unterstützung für die ambitionierten Pläne des spanischen Herrschers leisten. Während dieser Zeit kam es zu Konflikten Portugals mit anderen europäischen Mächten in den Kolonien. Engländer, Franzosen und Holländer verzeichneten alle auf Kosten der Portugiesen Gebietsgewinne.

Diese Entwicklung beendete der spätere Joao IV, Herzog von Braganza, als er sich zum Erben der Aviz Dynastie erklärte und einen erfolgreichen Aufstand gegen die Spanier durchführte. Die Engländer und Franzosen, nie verlegen ihren spanischen Rivalen ein Bein zu stellen, erkannten augenblicklich die Unabhängigkeit Portugals an. 1668 akzeptierte Spanien schließlich die portugiesische Unabhängigkeit unter dem neuen Herrscherhaus der Braganza.

Doch das erneut unabhängige Portugal hatte noch schwierige Stunden vor sich. Schon der Nachfolger Afonso VI. war nicht nur chronisch krank, sondern auch ein ausgesprochen schwacher Monarch. Portugals Entwicklung stagnierte, während andere Reiche zu florieren begannen. Am Ende wurde Afonso VI. ins Exil geschickt und König Pedro II. übernahm das Reich. Pedro II. stellte sich im Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten der Briten und Österreicher. Zeitweise nahmen seine Truppen sogar Madrid ein, doch war der Kampagne insgesamt kein Erfolg beschienen.

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Dem damaligen Schönheitsideal entsprechend – Joao V.

Erst unter seinem Nachfolger Joao V. kehrte Portugal auf die Erfolgsspur zurück. Joao V. war ein Mann mit Ambitionen, er vergrößerte das portugiesische Reich und brachte durch seine Erfolge wieder Wohlstand nach Portugal. Für seinen frommen Lebenswandel erhielt er vom Papst den Titel Sua Majestade Fidelíssima verliehen, was in etwa mit „Im Glauben treueste Majestät“ zu übersetzen ist.

Joao V. bewies eine gute Hand bei der Wahl seiner Minister für die Verwaltung des Landes, er besaß eine gute Menschenkenntnis und waltete vorausschauend über das Erblühen der Kunst und Architektur in Portugal.

König und Hof flüchten nach Brasilien

Erst nach seinem Tod kam es im Zuge der Vertreibung der Jesuiten aus Portugal zu politischen Spannungen. Ebenfalls in diesen Zeitraum fiel ein großes Erdbeben, das schwere Schäden im Land anrichtete. Die Staatskasse war in der Folge chronisch leer, unter den Amtsträgern breitete sich Korruption und Inkompetenz wie eine Krankheit aus und die Geisteskrankheit von Königin Maria I. trug wenig zur Verbesserung der Gesamtsituation bei. Ihr Erbe trat schließlich König Joao VI. an – kein einfaches Erbe, zieht man den Grad des Verfalls innerhalb hoher Regierungskreise in Betracht. Dazu kam die Katastrophe der Französischen Revolution. Portugal wurde in eine Allianz mit Spanien getrieben und letzten Endes vom Napoleonischen Frankreich erobert. König Joao VI. und der königliche Hof flüchteten nach Brasilien, während britische Truppen unter dem Kommando des Herzogs von Wellington landeten, um die Franzosen aus Portugal zu vertreiben.

Das Unternehmen gelang und die Franzosen wurden von der iberischen Halbinsel vertrieben. Doch die Region blieb vor weiteren Konflikten nicht verschont. Im Jahr 1821 kehrte König Joao VI. nach Portugal zurück – und fand ein Land im Aufruhr vor. Vom Anbeginn der französischen Besetzung an gab es eine stärker werdende politische Gruppierung, die mit den Franzosen, ihren Idealen und ihrer Präsenz sympathisierten und ein Ende der absoluten Monarchie forderten.

Als Folge wurde eine liberale Verfassung im Jahr 1822 verabschiedet. Sie beschnitt die königliche Macht in weiten Teilen, umschloss jedoch nicht die Kolonien und Brasilien. Letzteres, ermutigt durch seine Rolle als Machtsitz des Königs während der französischen Besetzung, begann die Unabhängigkeit zu fordern. Der Sohn des Königs, Pedro, übernahm die Führung der Bewegung und wurde schließlich zu Kaiser Pedro I. von Brasilien. Joao VI. bemühte sich um eine Umsetzung der liberalen Konstitution, doch die Bühne war bereits für das Aufeinandertreffen zwischen den Unterstützern der absoluten und der konstitutionellen Monarchie bereitet.

Nach dem Tod seines Vaters kehrte Kaiser Pedro I. von Brasilien nach Portugal zurück, um die Krone für sich zu beanspruchen. Doch er gab die Krone kurz darauf bereits an seine Tochter Maria II. weiter. Diese besaß gute Beziehungen in jene Kreise, die eine konstitutionelle Monarchie mit Parlament als Lösung sahen. Ihr Onkel Miguel I. hingegen hatte als starke Persönlichkeit die Unterstützung jener, die sich eine Rückkehr zur absoluten Monarchie wünschten. Hinzu kamen radikale Revolutionäre, die seit den Tagen der Franzosenherrschaft einen Umsturz herbeisehnten. 1834 wurde König Miguel I. schließlich besiegt und zur Abdankung gezwungen. Er ging daraufhin ins Exil nach Italien, Großbritannien und schließlich Deutschland. Königin Maria II. und ihr Ehemann König Ferdinand II. regierten bis zu ihrem Tod im Jahr 1853, auch wenn ihr Mann noch einige Jahre als Regent die Geschäfte für ihren Sohn Pedro V. regelte.

Portugal war durch eine extrem schwierige Periode der Besetzung, Krieg, Bürgerkrieg, dynastischer Dispute und Chaos gegangen. Doch unter dem jungen Pedro V. schien es wieder Hoffnung für Frieden, Stabilität und eine Periode der Regeneration zu geben.

Aufbruchsstimmung unter dem jungen Pedro V.

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Starb viel zu jung – Pedro V.

Diese Hoffnungen waren wohl begründet. Denn der 1853 gekrönte Pedro V. war ein ausgesprochen intelligenter und hart arbeitender Monarch. Die Infrastruktur des Landes wurde modernisiert und erheblich verbessert. Allerdings währte die Aufbruchsstimmung nicht lang, denn der junge, schöne König starb tragischerweise bereits im Jahr 1861 während einer Cholera Epidemie. Ironischerweise war es gerade das öffentliche Gesundheitswesen, das der junge König während seiner Regierungszeit erheblich verbessert hatte. Sein früher Tod bereitete den Boden für weitere Gesundheitsreformen.

1878 wurde die Sklaverei im gesamten Reich unter König Luis I. verboten. Er führte Portugal an die Weltspitze in der ozeangrafischen Forschung, doch das Land fand insgesamt nicht mehr zur Entwicklung der Jahre unter Pedro V. zurück. Politische Instabilität wurde zunehmend ein Problem. Die liberalen Reformen hatten eine neue Klasse von Politikern erzeugt, die – häufig korrupt – sich gegenseitig um Einfluss und Macht bekämpften. Portugal fiel hinter andere Länder zurück und wurde in seiner Kolonialpolitik in Afrika zunehmend eingeschränkt.

Als Luis im Jahr 1889 von seinem Sohn König Carlos I. beerbt wird, bessert sich die Situation nicht. Im Gegenteil, die Situation verschlechtert sich noch durch zunehmende Vetternwirtschaft seiner korrupten Politiker und Funktionäre. Portugal, einstmals das reichste Land Europas, verfiel in Armut und musste zweimal seine Zahlungsunfähigkeit erklären. Radikale Sozialisten gewannen an Stärke und riefen unverhohlen zum Sturz der Monarchie und der Errichtung einer Republik auf. Obwohl es doch erst ihre Forderung nach staatlicher Intervention war, welche die Malaise der portugiesischen Wirtschaft herbeigeführt hatte. Eine beliebte Taktik der Destabilisierung, die auch in anderen Ländern praktiziert wurde.

Attentat auf den König und Militärputsch

1908 fiel König Carlos I. einem Attentat zum Opfer. Ein Ereignis, das die damalige Welt und insbesondere Portugal schockierte. Zwar waren solche Attentate damals nicht selten, doch die portugiesischen Könige waren bei ihrem Volk in der Regel beliebt und kannten so etwas nicht einmal aus Zeiten interner Dispute. Der erst 19 Jahre junge König Manuell II. folgte seinem ermordeten Vater auf den Thron. Er war ein aufgeweckter und kultivierter junger Mann – aber auch einer, dem man die Umkehr der fatalen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nicht zutraute.

Nur zwei Jahre später führte ein Militärputsch zu einer Revolution und dem Ende der Monarchie in Portugal. 1910 wurde die Republik ausgerufen. Es gab wenig Unterstützung für den Putsch innerhalb der Bevölkerung, doch der König wurde ins Exil nach Großbritannien gezwungen. In der Folge gab es eine große Anstrengung die Monarchie wiederherzustellen, doch die Bemühungen verliefen im Sande. Auch unter republikanischer Führung änderte sich an der Entwicklung des Landes nichts. Im Gegenteil. Machtkämpfe und Chaos beherrschten das Land und führten zu weiterem Verfall. Portugal fand erst mit der Gründung des Estado Novo im Jahr 1933 wieder zu geordneten Verhältnissen zurück. Doch diese Stabilität wurde durch den Ausbruch der kommunistisch inspirierten Kolonialkriege in Afrika wieder erschüttert. Portugal musste letztlich drei Kriege gleichzeitig kämpfen und diese Belastung führte schließlich 1974 zur so genannten „Nelkenrevolution“, nach derer die Kolonien aufgegeben wurden.

Die Sozialisten übernahmen die Regierung und halten sie im Wechsel mit sozialdemokratischen Politikern bis heute. Ihre an der Ideologie ausgerichtete Politik führte zum vollständigen Verfall Portugals und dem Absturz zu einem der ärmsten Länder Europas, nur mehr ein Schatten seines einstigen Wohlstands und seiner Macht in den Jahrhunderten unter seinen Königen. Diese Entwicklung führte nur zur allzu großen Bereitschaft dem „Europäischen Projekt“ beizutreten – um sich so immer mehr und mehr Geld zu leihen und das Land so tiefer und tiefer in die Schulden zu stürzen, bis hin zu fast vollständigen Abhängigkeit von der herrschenden Elite der Europäischen Union.

Keine tragende Lösung konnte bis heute gefunden werden und die Situation in Portugal verbleibt bis heute prekär. Dabei beinhaltet die Geschichte Portugals all jene Lektionen, die es zu verinnerlichen gilt, um die Situation zu drehen. Der Kontrast könnte nicht stärker sein zwischen dem momentanen Status der portugiesischen Republik als einer Nation der Bettler und Schuldner und jenem des Königreichs Portugal, das zu den führenden Mächten im Handel und der Technologie zählte und es zu einem der wohlhabendsten Länder der Erde. Dies ist das Land, zu dem Portugal zurückkehren muss.

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König Luis I. von Portugal

Dom_luís_ISeine königliche Hohheit Prinz Luis Filipe Maria Fernando Pedro de Alcantara Antonio Miguel Rafael Gabriel Gonzaga Xavier Francisco de Assis Joao Augusto Julio Valfando de Saxe-Coburgo-Gotha e Braganza wurde am 31. Oktober 1838 in Lissabon geboren. Er war der zweite Sohn von Königin Maria II. und König Fernando II. von Portugal und erhielt den Titel Herzog von Porto.

Sein älterer Bruder, König Pedro V., starb nach weniger als einem Jahrzehnt auf dem Thron an den Folgen einer Cholera-Epidemie, die Portugal 1861 heimsuchte und auch in der königlichen Familie heftige Opfer forderte. Da Pedro V. keine Erben aufzuweisen hatte, ging die Königswürde auf seinen jüngeren Bruder über. Am 11. November 1861 bestieg König Luis I. den portugiesischen Thron.

Er stand vor keinen leichten Aufgaben, die Welt war damals in Aufruhr. In den USA und Mexiko herrschte Bürgerkrieg. In Südamerika drohte ein Krieg zwischen Brasilien und seinen Nachbarn. In Europa formierte sich das neue Königreich Italien und in Afrika verschärfte sich der Wettstreit um Kolonien. König Luis würde sein bestes Geben müssen, um Portugal durch dieses unruhige Fahrwasser zu steuern. Eine gelungene Analogie, war er als Offizier der portugiesischen Marine doch bereits selbst zu den portugiesischen Kolonien in Afrika gefahren und hatte 1858 sein erstes Marinekommando erhalten.

Hochzeit mit Prinzessin Maria Pia

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Das Königspaar mit den beiden Söhnen

Im Jahr 1862 heiratete König Luis die Prinzessin Maria Pia von Savoyen, eine Tochter von König Vittorio Emmanuele II. von Italien. Eine exzellente Partie. Vom Volk als wohltätiger Engel und Mutter der Armen geliebt, schenkte sie dem König zwei Söhne. Carlos, 1863 geboren sowie Afonso, 1865 geboren. Ein Jahr später erlitt die Königin eine Totgeburt und das Paar hatte keine weiteren gemeinsamen Kinder mehr. Der König sollte mit einer Geliebten später noch einen Sohn zeugen und seine Untreue wurde von vielen für die Depressionen verantwortlich gemacht, mit denen Königin Maria Pia nach einigen Jahren der bis dahin glücklichen Ehe kämpfte.

König Luis I. war im Grunde drei Jahrhunderte zu spät geboren. Er besaß den perfekten „Renaissance-Charakter“. Er war hochgebildet, kultiviert und besaß ein Übermaß ein intellektueller Neugier. Er sprach mehrere Sprachen, war Amateurmaler, komponierte Musik und spielte begeistert Cello und Piano. Die Literatur lag ihm am Herzen. Neben dem Lesen verbrachte er viel Zeit damit, selbst Poesie zu verfassen oder Shakespeare ins Portugiesische zu übersetzen. Ozeanographie lag im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses und er investierte erhebliche Summen seines Privatvermögens in ozeanographische Forschungsschiffe sowie dem Bau eines der ersten Aquarien der Welt in Lissabon, welches die Vielfalt des Lebens im Ozean aufzeigt. Es kann im übrigen noch heute besucht werden.

Keine Ruhe für König und Portugal

Was die Politik anging, so hatte König Luis eine weniger ruhige Regierungszeit. In Portugal dauerte der politische Konflikt zwischen den liberalen „Progressistas“ und den konservativen „Regeneradores“ an. Wobei der König naturgemäß den Konservativen näher stand. Portugal befand sich in einer ökonomisch prekären Situation. Um die chronisch leere Staatskasse zu füllen, beschloss man die Erhebung einer neuen Verbrauchssteuer. Diese Steuer war jedoch so unpopulär beim Volk, dass es 1867 zu Protesten auf den Straßen kam.

Der Herzog von Saldanha
Herzog João Carlos Gregório Domingos Vicente Francisco de Saldanha Oliveira e Daun

Die politischen Probleme dauerten an, als es am 19. Mai 1870 zu einem Militäraufstand unter dem Herzog von Saldanha kam. Der Herzog war ein politisches Urgestein Portugals und zu jener Zeit Premierminister. Doch sein Aufstand scheiterte. Der Herzog verlor durch den gescheiterten Aufstand seine Position und konnte sich glücklich schätzen, nicht mehr verloren zu haben. Die ansonsten unpolitische Königin Maria Pia sagte, dass sie ihn – wenn sie der König wäre – hätte erschiessen lassen. Bei solchen Gelegenheiten schimmerte immer wieder ihr feuriges Temperament durch, die sich ansonsten ihrem Stand gemäß zurückhielt.

Ebenfalls 1870 stellte König Luis I. Überlegungen an, als einer der Kandidaten Anspruch auf den verwaisten spanischen Thron zu erheben. Er entschied sich jedoch – in weiser Voraussicht – gegen ein solches Vorhaben. Wie bekannt ist, sorgte der Anspruch eines anderen Kandidaten auf den spanischen Thron zum Französisch-Preußischen Krieg von 1870/71. Derlei Streitigkeiten waren das Letzte, was Portugal zu diesem Zeitpunkt benötigte.

Denn das Königreich Portugal war seit den Kriegen mit dem napoleonischen Frankreich zu Beginn des Jahrhunderts nicht mehr in bestem Zustand. Seit damals hatte das kleine Land kaum die Chance, sich zu erholen. Zunächst kam es zum Abfall der wichtigsten Kolonie, Brasilien. Anschließend zum „Krieg der zwei Brüder“ (Miguelistenkrieg) um die Krone Portugals. Es folgten immer wieder Probleme mit Seuchen / Krankheiten und der Modernisierung des Landes im Allgemeinen. Dazu kam eine politische Szene, deren Kennzeichen immer mehr Korruption und Intrigen wurden, statt sich um das Allgemeinwohl und das portugiesische Kolonialreich zu sorgen.

Die rosafarbene Karte

All dies führte dazu, dass Portugal immer weiter in Stagnation verfiel, während andere europäische Länder in ihrer Entwicklung davonzogen. Auf der Weltbühne entstanden Portugal Nachteile aus ihrer Allianz mit Großbritannien (seit 1386!), die älteste noch bestehende Allianz der Welt. In der Vergangenheit gab es niemals Interessenskonflikte zwischen Portugiesen und Briten. Doch wegen Afrika kam es erstmals zu Spannungen.

Nach dem Verlust Brasiliens wurden die afrikanischen Kolonien für Portugal immer wichtiger. In Lissabon hoffte man, dass ein Wachstum in Afrika die portugiesische Wirtschaft wieder beleben würde. Die größten Besitzungen waren Portugiesisch Westafrika (Angola) und Portugiesisch Ostafrika (Mozambique) an den Küsten des Atlantiks und des Indischen Ozeans.

Die berühmte rosafarbene Karte
Die berühmte rosafarbene Karte

Nach Abschaffung des Sklavenhandels unternahmen die Portugiesen daher Militärexpeditionen, um diese Kolonien mit ihren kleinen Küstensiedlungen tiefer im inneren Afrikas zu besiedeln. Die bekannte „rosafarbene Karte“ illustriert den Portugiesischen Wunsch den Kontinent zu durchqueren und die Besitzungen in West- und Ostafrika über eine Landroute zu vereinen.

Das britische Empire war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits dabei von Südafrika aus nach Norden zu expandieren. Verhandlungen wurden bis zur Berliner Konferenz aufgeschoben, wo es zum berühmten „Wettlauf um Afrika“ der europäischen Mächte kam.

Portugal war zu Konzessionen gegenüber den Franzosen und Deutschen bereit, um ihrerseits Unterstützung für den portugiesischen Anspruch auf das Landesinnere zu sichern. Nachdem auf der Berliner Konferenz der belgische Anspruch auf den Kongo festgeschrieben wurde , sah sich Portugal in seinen Expansionsmöglichkeiten nach Norden noch weiter eingeschränkt. Umso mehr pochte man auf Umsetzung der „rosafarbenen Karte“. Doch ausgerechnet der langjährige Verbündete Großbritannien durchkreuzte die Pläne. Der portugiesische Anspruch war einfach nicht mit dem britischen Wunsch eines Kolonialreichs „von Kap bis Kairo“ in Einklang zu bringen.

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Luis I. in späteren Lebensjahren

König Luis I. würde die Entscheidung in dieser Frage jedoch nicht mehr erleben. Nachdem er sich Zeit seiner Regenschaft dem Vorwurf ausgesetzt sah, die Konservativen den Progressistas vorzuziehen, gewannen gegen Ende seiner Herrschaft noch radikalere linke Parteien wie die Sozialistische Partei und die Republikanische Partei an Gewicht.

Beiden war die Geschichte und Tradition des Königreichs Portugal ein Dorn im Auge. König Luis I. befand sich im Zentrum der Streitigkeiten und nicht gerade in einer beneidenswerten Situation. Für einen Mann, der stundenlang über die Schönheit von Kunst und Musik debattieren konnte, wurde die politische Situation mit ihren Kleinkriegen und Intrigen immer schwerer zu ertragen. Am 19. Oktober 1889 starb er unerwartet im Alter von nur 50 Jahren. Sein Sohn und Nachfolger König Carlos I. erbte ein mit großen Problemen belastetes Königreich.

Im Jahr 1890 stellte die britische Regierung Portugal ein Ultimatum unter Androhung des Abbruchs aller diplomatischen Beziehungen, sollte Portugal nicht alle seine Truppen aus den Hochländern im inneren Afrikas abziehen und die britische Kontrolle über das Territorium zwischen Angola und Mozambique anerkennen. Carlos I. hatte keine Wahl als zuzustimmen oder einen Krieg zu riskieren, der hoffnungslos gewesen wäre. Die Öffentlichkeit war außer sich vor Wut. Man sah das Ultimatum als Verrat ihres ältesten Verbündeten und die Republikaner nutzten die Situation, um gegen die Monarchie zu mobilisieren, da der König angeblich die Interessen Portugals „ausverkaufe“.

Heute wird König Luis vielfach unberechtigt für die Krankheiten Portugals verantwortlich gemacht, die letztlich auch die Monarchie zu Fall brachten. Dies zu tun, bedeutet ihn für etwas verantwortlich zu machen, worauf er keinerlei Einfluss hatte. Er konnte weder etwas für die Kriege vor seiner Regentschaft und er war auch kein absoluter Monarch, der nach Belieben herrschen konnte.

Alles was er tun konnte, war die sich streitenden politischen Eliten an einen Tisch zu bringen. Doch trotz seiner zahlreichen Bemühungen gelang ihm der Ausgleich nie. Er war ein nachdenklicher, gebildeter Mann der alle Qualitäten eines erfolgreichen konstitutionellen Monarchen besaß. Die Öffentlichkeit kannte seine Verdienste damals an, auch wenn nachfolgende Generationen ihn nicht „Luis der Beliebte“ oder „Luis der Große“ nannten. Er war der aufrichtigste Mann in den damaligen Hallen der portugiesischen Macht und genau dafür wurde er geschätzt.

Königin Carlota Joaquina von Portugal

181Das sie später einmal die Gemahlin des portugiesischen Königs werden sollte, ahnte niemand bei der Geburt von Carlota Joaquina Teresa Caetana am 25. April 1775 in Aranjuez. Das sie später in Lateinamerika viel bekannter als auf der iberischen Halbinsel sein würde, noch viel weniger. Vor allem nicht bekannt für etwas, das sie tat, sondern für etwas, das sie womöglich hätte erreichen können.

Die Tochter von König Carlos IV. und seiner Gemahlin Maria Luisa von Parma (eine Enkeltochter Ludwig XV. von Frankreich) wurde in der typischen Mode ihrer Zeit erzogen. Sie galt als nicht sonderlich hübsch und so entschied man sich sehr früh, aktiv eine gute Partie für sie zu suchen. Diese fand sich mit einem portugiesischen Prinzen, dem späteren König João VI.. Die Verbindung würde nach Hoffnung des spanischen Throns zur Stärkung der spanisch-portugiesischen Beziehungen beitragen.

Wie früh kümmerte man sich um ihre Hochzeit? Nun, sie wurde 1775 geboren und heiratete im Jahr 1785. (am 8. Mai, also kurz nach ihrem 10. Geburtstag) Bevor irgendjemand zu schrecklichen Schlußfolgerungen gelangt – es ist bekannt, dass die Ehe erst 1790 vollzogen wurde.

Königin Carlota
Die junge Carlota

Die junge Frau kämpfte schon bei Ankunft in Portugal mit der Skepsis ihrer neuen Untertanen. Würde Spanien die Hochzeit politisch nutzen, um Portugal in eine Union zu zwingen?

Portugiesische Amtsträger verhörten diskutierten angeblich vier Tage lang mit ihr über die spanischen Pläne. Doch die künftige Königin war sehr aufgeweckt und klug und zerstreute alle Befürchtungen.

Mehr Pflicht: Die Ehe mit João VI.

Wir haben in diesem Blog bereits über glückliche und segensreiche royale Verbindungen geschrieben. Seien es die Ehen von Kaiserin Maria Theresia oder Otto der Große. Im Fall von Königin Carlota Joaquina war die Verbindung eher eine Pflicht.

Beide Seiten fanden einander wenig anziehend. König João VI. beklagte sich über einen Mangel an Anstand und Intelligenz, die Königin charakterisierte ihren Gatten hingegen als langweilig und frömmelnd. Was beide allerdings nicht davon abhielt, miteinander neun Kinder zu zeugen. Pflicht ist Pflicht ist Pflicht …

João wird überraschend zum König

Zunächst sah es nicht danach aus, als würde João jemals den Thron besteigen. Doch als sein älterer Bruder Prinz José überraschend 1788 verstarb, wurde er zum Herzog von Braganza und Prinz von Brasilien. Die Anhänger der „Aufklärung“ waren mit João VI. als König aber unzufrieden. Er galt als traditioneller und religiöser als sein verstorbener älterer Bruder, auf den man alle Hoffnungen gesetzt hatte.

König Joao VI.
Portugals König Joao VI.

Auch die Hochzeit des Paares erzeugte wenig Begeisterung in Portugal. Der korpulente João und die als wenig hübsch betrachtete Carlota waren zeitlebens im Volk eher mäßig beliebt. Königin Carlota Joaquina leistete sich durch ihre freimütige Art, Dinge unverblümt anzusprechen mehr als einmal einen faux-pas. Ihre Schwiegermutter, Königin Maria I., musste mehrmals eingreifen, um ihre Schwiegertochter zu bändigen.

Auch dieses Verhalten trug dazu bei, dass die Königin in der Öffentlichkeit kein gutes Bild abgab. Zahlreiche Gerüchte wurde gestreut. Die Königin plane einen Komplott gegen das Königshaus. Die Königin vergifte ihre Schwiegermutter. Die Königin habe unzählige außereheliche Liebschaften. Bei letzterem dürfte eher der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein – Hinweise gibt es nämlich keine. Königin Carlota war sicherlich keine Heilige, aber ihr Problem bestand in erster Linie darin, dass sie Spanierin war.

Dabei sollte sich am Ende nicht Spanien als die große Gefahr Portugals erweisen, sondern Frankreich. Unter der Führung Napoleon Bonapartes fielen französische Truppen auf der iberischen Halbinsel ein und eroberten zunächst Spanien und anschließend Portugal. Die königliche Familie floh 1807 nach Brasilien.

Ein neues Königreich in Südamerika?

In Südamerika angekommen, erkannte Königin Carlota die schwierige Situation ihrer spanischen Landsmänner. Die spanische Heimat war von Franzosen besetzt, die von José Bonaparte – dem ältesten Bruder Napoleons – regiert wurde. König Fernando VII. war de-facto entmachtet. Mehrere Fraktionen suchten dieses Chaos für ihre eigenen Pläne zu nutzen. Darunter auch Königin Carlota.

Da sich ihr jüngerer Bruder König Fernando VII. von Spanien in Frankreich in Hausarrest befand, entschied Königin Carlota, dass sie die letzte verbliebene Repräsentantin eines „freien Spanien“ sei. Mit diesem Anspruch bemühte sie sich, die Kontrolle über die spanischen Kolonien in Amerika zu erlangen.

Erste Königin La Platas?
Erste Königin La Platas?

Am Ende gipfelten die Bemühungen darin, Carlota zur Königin des bisherigen Vizekönigreichs Rio de la Plata zu machen, welches große Teile des heutigen Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien enthielt.

Die portugiesisch-brasilianischen Truppen begannen mit der Annektion von Gebieten in der Region. Carlota sicherte sich die prominente Unterstützung des argentinischen Nationalhelden General Manuel Belgrano. Doch auch die Gegenseite unter den Vizekönigen hatte sich formiert und die Unterstützung Großbritanniens gesichert.

Es gab Pläne, oder zumindest Gerüchte von Plänen, wonach Carlota eine Armee zusammenstellte und auf Buenos Aires marschieren würde, um sich zur „Königin von La Plata“ krönen zu lassen. Doch das Vorhaben scheiterte an der mangelnden Unterstützung der lokalen Eliten und der Opposition aus dem Ausland.

Es ist heute eine spannende Überlegung, wie wohl die Geschichte verlaufen wäre, hätte sich in Südamerika seinerzeit eine derart große Monarchie von Blutsverwandten der spanischen Königsfamilie etabliert.

Napoleon besiegt – Rückkehr zur Normalität?

Mit dem Ende der Napoleonischen Kriege endete schließlich auch dieses Kapitel und Carlota musste sich wieder damit begnügen, die Königsgemahlin Portugals zu sein. Als sie mit ihrem Mann und dem Rest der Familie 1821 nach Portugal zurückkehrte, hatte sich das Land dramatisch verändert – und nicht zum Besseren hin.

Revolutionäre Ideen waren aufgekommen und verbreiteten Unruhe im Land. Ein Aufstand Liberaler resultierte in der Proklamation der ersten portugiesischen Verfassung, die Portugal in eine konstitutionelle Monarchie verwandelte. König João VI. willigte ein.

Carlota war außer sich vor Wut. Sie wollte die Rückkehr zur traditionellen absoluten Monarchie und hegte den Verdacht, dass ihr Mann nicht mehr bei Verstand war, auf die Bedingungen der Aufständischen einzugehen. Der König war selbst nicht glücklich darüber, aber er sah keine andere Möglichkeit für sein Land.

Königin Carlota und ihr Komplott

Die Königin als junge Frau
Die Königin als junge Frau

All die Gerüchte über angebliche Komplotte seitens der Königin wurden schließlich wahr. Gemeinsam mit ihrem Sohn Prinz Miguel, dem Kommandanten der portugiesischen Armee, stellte sie ihren Ehemann unter Hausarrest. Sie wollten seine Abdankung zugunsten Miguels erzwingen, um Portugal wieder zur absoluten Monarchie zurückzuführen.

Doch das Vorhaben sollte misslingen. König João VI. gelang es mit Hilfe der Briten wieder an die Macht zu kommen. Seine Frau und ihr Sohn gingen ins Exil nach Österreich, wobei Carlota bald schon die Rückkehr gestattet wurde. König und Königin lebten jedoch fortan in zwei getrennten Palästen, das Vertrauen war erschüttert.

Neuer Ärger: Brasilien wird unabhängig

Der nächste Familienstreit kam im Jahr 1822 auf das kleine Land zu, als sich Sohn Pedro zum Kaiser Pedro I. von Brasilien ausrief. João VI. war darüber wenig erfreut, doch die Briten überredeten ihn dazu, die Unabhängigkeit Brasiliens im Jahr 1825 anzuerkennen. Der König starb im Jahr darauf. Königin Carlota vermutete öffentlich, dass Freimaurer den König vergiftet hätten, um den „liberalen“ Sohn Pedro I. von Brasilien auf den portugiesischen Thron zu bringen. Zum ersten Mal würde Brasilien über Portugal regieren. Pedro I verzichtete jedoch – auch aufgrund der Gerüchte – zu Gunsten seiner siebenjährigen Tochter Maria und blieb als Kaiser in Brasilien zurück.

Es wäre zu erwarten gewesen, dass Königin Carlota bis zur Volljährigkeit der Enkeltochter die Regenschaft übernimmt. Doch dies wurde ihr nicht gestattet, aus Angst, sie könne die Macht an sich reißen. Unzufrieden mit der Aussicht ein kleines Mädchen aus dem „liberalen“ Brasilien auf dem Thron zu sehen, erklärte die konservative Fraktion Portugals den exilierten Prinzen Miguel zum König von Portugal. Noch bevor Maria überhaupt in Europa angekommen war. Die Bühne war für einen Bürgerkrieg bereitet.

Königin Carlota sollte dies jedoch nicht mehr erleben. Sie verstarb am 07. Januar 1830 im Alter von 54 Jahren im Queluz Palast nach einem bewegenden und kontroversen Leben.