Kaiser Karl I. von Österreich

karl-i-kaiser-oesterreichDer letzte Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde am 17. August 1887 als Sohn von Erzherzog Otto Franz von Österreich und der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen geboren. Seine kaiserliche Hohheit wurde auf den Namen Karl Franz Joseph Ludwig Hubert Georg Otto Marie von Habsburg-Lothringen getauft und sollte auf vielerlei Weise ein Symbol für das traditionelle Europa sein, das mit dem 1. Weltkrieg endgültig zu Grabe getragen wurde.

Der spätere Kaiser Karl I. war von Kindesbeinen an ein eher ruhiger, besonnener und tiefreligiöser Mensch. Da in der Thronfolge Erzherzog Franz Ferdinand an erster Stelle stand, erwartete niemand, dass Karl später einmal den Thron besteigen würde. Nach seinen Jugendjahren begann er, wie man es von ihm erwartete, eine Karriere beim Militär.

Zita in jungen Jahren
Prinzessin Zita von Bourbon-Parma

1911 heiratete er ihre kaiserliche Hohheit Prinzessin Zita von Bourbon-Parma. Die zwei waren einander tief verbunden und hatten viel gemeinsam. Beide waren ergebene Katholiken. Was nicht überrascht, waren durch ihre Heirat doch die zwei „katholischsten“ königlichen Familien Europas wieder einmal vereint – die Habsburger und die Bourbonen.

Der 1. Weltkrieg – das alte Europa schwindet

Erzherzog Karl und Erzherzögin Zita ließen sich nieder und führten ein ruhiges und zufriedenes Familienleben, als sich ihr Leben 1914 schließlich für immer ändern sollte. In Sarajevo war Erzherzog und Thronerbe Franz Ferdinand von einem serbischen Nationalisten ermordet worden. Dies würde nicht nur zum 1. Weltkrieg führen, sondern es machte Karl in Zeiten einer schweren Krise zum Erben des Throns von Österreich-Ungarn. Denn jeder wusste, dass der ehrwürdige Kaiser Franz Josef I. – mittlerweile 84-jährig – nicht mehr lange leben würde.

Kaiser Karl von Österreich Ungarn
Unerwartet Thronerbe: Kaiser Karl I.

Karl hatte wenig Zeit sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Und er musste seine Zeit zwischen seinen Pflichten als Armeekommandeur und seinen Verpflichtungen als Thronerbe aufteilen. Erstmals befasste er sich intensiv mit der Politik. Auf dem Schlachtfeld verrichtete er seinen Dienst gut, hatte aber auch mit der hoffnungslosen militärischen Situation Österreich-Ungarns zu kämpfen.

Die italienische Front mit Erzherzog Karl war eine jener Abschnitte, in der die k.u.k Kräfte dauerhaft am erfolgreichsten waren. Doch Karl war unglücklich darüber, dauerhaft von seiner jungen Familie getrennt zu sein.

Als im Jahr 1916 Kaiser Franz Josef I. verstarb, war die Stimmung in Österreich-Ungarn gedrückt. Die meisten Leute konnten sich nicht mehr an Zeiten ohne Franz Josef I. als Kaiser erinnern, als Karl den Thron als Kaiser Karl I. von Österreich und König Karl IV. von Ungarn bestieg.

1916 - Krönung in Budapest
1916 – Krönung in Budapest

Aufgrund der Kriegsumstände wurde auf eine Krönungszeremonie in Wien verzichtet. Doch eine Krönung in Ungarn war erforderlich, Karl nahm seinen Eid als apostolischer König von Ungarn sehr ernst. Er sah die Monarchie als heilig an, eine Pflicht gegenüber Gott und seinen Leuten, sie zu schützen und sich für ihre Belange einzusetzen.

Zu jener Zeit standen die Dinge bereits sehr schlecht für Österreich-Ungarn. Vom Krieg ausgeblutet und unter schlechter Versorgungslage leidend, drohten ethnische Nationalisten das Habsburger Imperium auseinander zu reißen.

Kaiser Karl I. reagierte und wechselte das militärische Oberkommando aus und begann mit Plänen, den einzelnen Völkern eine größere Autonomie zuzusprechen. Ideen zu einem „Vereinigte Staaten von Groß-Österreich“ existierten bereits unter dem erschossenen Thronfolger Franz Ferdinand. Den Slawen im Reich sollten gleiche Rechte wie den Deutsch-Österreichern und den Ungarn verliehen werden. Doch ehe der Krieg nicht enden würde, war die Umsetzung solcher Vorhaben unmöglich. Und der Krieg zog sich in die Länge, was Österreich-Ungarn zunehmend ermüdete und es abhängiger von der deutschen Unterstützung machte.

Kaiser Karl I. war gegenüber den Deutschen immer etwas misstrauisch. Obwohl er erkannte, dass Österreich-Ungarn ohne ihre Hilfe zerschmettert werden würde, sah er auch die Gefahr von ihnen in einen überlangen Krieg gezogen zu werden, an dessen Ende niemand mehr als Gewinner darstünde.

Benedikt XV. - genannt "der Friedenspapst"
Benedikt XV. – genannt „der Friedenspapst“

Als Papst Benedikt XV. nach drei Jahren Krieg im August 1917 seine bekannte Friedensnote veröffentlichte und für ein Kriegsende ohne Sieger oder Verlierer und Rückkehr zum Status Quo plädierte, wurde er entweder ignoriert oder man machte sich über ihn lustig.

Der Katholik Karl war als Einziger bereit, der Idee des Papstes eine Chance zu geben. Doch er musste sehr vorsichtig vorgehen, denn wenn seine separaten Friedensbemühungen beim deutschen Verbündeten bekannt würden, käme es zu einem Eklat zwischen den beiden.

Kaiser Karl nutzte die Familienverbindung von Kaiserin Zita, einer bourbonischen Prinzessin, um mit deren Brüdern Prinz Sixtus und Prinz Xavier in Kontakt zu kommen. Beide dienten in der belgischen Armee an der Westfront. Dies schien ein erfolgsversprechender Weg zu sein, da auch König Albert I. von Belgien einem friedlichen Ende des Krieges positiv gegenüberstand.

Bedauerlicherweise liefen die Dinge nicht wie geplant. Die Alliierten forderten Konzessionen von Deutschland und dem Osmanischen Reich, die der Kaiser von Österreich-Ungarn natürlich nicht versprechen konnte. Die Briten und Franzosen hatten zudem jegliche Friedenbemühungen mit den Habsburgern von vornherein ziemlich unmöglich gemacht, da sie durch Geheimverträge den Italienern, Serben & co. große Teil der Habsburger Ländereien versprochen hatten, sollten sich diese den Alliierten anschliessen.

Die kaiserliche Familie
Die kaiserliche Familie

Die Friedensbemühungen kamen zum Stillstand und als ob es nicht schlimmer kommen könnte, kam die ganze Sache an die Öffentlichkeit. Die Deutschen waren außer sich vor Wut über den Alleingang des Kaisers, als der französische Premierminister Georges Clemenceau die Sixtus Briefe öffentlich machte.

Damit waren jegliche Versuche Österreich-Ungarns einen Frieden herbeizuführen fehlgeschlagen. Und man war an Deutschland bis zum Ende des Konflikts gebunden. Im Laufe des Kriegsjahres nahmen die Spannungen mit ethnischen Nationalisten immer weiter zu, die von den Alliierten propagandistisch und materiell unterstützt wurden. US-Präsident Woodrow Wilson ermutigte sie z.B. mit seinem Ruf nach ethnischer Selbstbestimmung.

Kaiser Karl kämpft um den Erhalt des Reichs

Die Situation war dramatisch. Kaiser Karl tat alles, um sein zerbröckelndes Reich zu erhalten. Die polnischen Ländereien entließ man in die Unabhängigkeit, das Reich sollte sich in eine Konförderation von autonomen Staaten unter der Habsburger Krone wandeln.

karl-iDoch dies war nicht mehr genug, um die ethnischen Spannungen im Reich zu beruhigen. Es war auch nicht in Einklang mit den alliierten Plänen zu bringen, die bereits den neuen Kunststaat Tschechoslowakei anerkannt hatten und alle slawischen Ländereien der Habsburger den Serben zusprachen (woraus später Jugoslawien werden sollte). Nachdem diese Gebiete ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, löste Ungarn die Personalunion mit Österreich am 31. Oktober 1918 auf. In Österreich forderte man den Kaiser zu Abdankung auf.

Abdankung und Exil

Als ein Mann, der das Königtum als eine heilige Aufgabe sah, weigerte sich Karl abzudanken. Er zog sich jedoch aus der Regierung zurück, nachdem er erkannte, dass das Land nicht länger unter seiner Kontrolle war. Er bemerkte einmal, er habe kein Recht eine Pflicht aufzugeben, die ihm von Gott alleine gegeben war.

Im Jahr 1919 ging der Kaiser mit seiner Familie ins Exil in die Schweiz. Wobei Karl immer noch seine Souveränität betonte und bemerkte, dass die Handlungen der neuen Regierungen in den Augen des Hauses Habsburg keine Legitimität hätten. Er dachte beständig an die Möglichkeit einer Restauration der Monarchie. In Österreich war die Situation schwierig, doch in Ungarn sahen die Bedingungen weitaus besser aus. Dort kämpften mehrere Fraktionen um die Macht und die Monarchisten waren eine mächtige Gruppierung. Zumindest dem Namen nach wurde die Monarchie unter Admiral Miklos Horthy erhalten, der sich selbst zum „Regenten in Abwesendheit des Königs“ (Karl) ernannte.

Miklos Horthy
Admiral Miklos Horthy

Doch obwohl Kaiser Karl zweimal 1921 versuchte nach Ungarn zurückzukehren – jeweils mit großer Unterstützung – lehnte es Horthy jedes Mal ab, die Macht abzugeben und unternahm alles zur Verteidigung seiner Position. Als es schließlich zu einer Schießerei zwischen Anhängern des Königs und Horthys kam, bei denen 19 Männer den Tod fanden, gab Karl nach. Er wollte nicht der Auslöser eines Bürgerkriegs sein und kehrte in sein Exil zurück.

Dort wollten die Schweizer den Kaiser nun allerdings nicht mehr haben. Die Alliierten hatten Vorkehrungen getroffen, um eine Restauration der Habsburger zu verhindern. Als Resultat verfrachtete man Karl mit seiner Familie auf die portugiesische Insel Madeira, wo man ihn leicht kontrollieren könne. Die Lebensbedingungen waren schlecht und als der Kaiser sich auf einem seiner ausgedehnten Spaziergänge eine Erkältung einfing, entwickelte sich diese zu einer Lungenentzündung. Zwei Herzinfarkte folgten und der letzte Kaiser von Österreich und König von Ungarn starb am 1. April 1922 in Anwesendheit seiner Frau Zita und ihrer acht Kinder. Das jüngste Kind zu jener Zeit noch ungeboren.

Viele gemeine und herzlose Dinge waren während seiner Lebzeiten über Karl gesagt worden – und manche sogar noch nach seinem Tod. Doch viele mehr beschrieben ihn als einen großen Mann, der für seine Güte und Gutherzigkeit verachtet wurde. Diese Güte und Gutherzigkeit fand ihre letzte Anerkennung am 03. Oktober 2004, als Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. den ehemaligen Kaiser Karl I. selig sprach. Am 21. Oktober jeden Jahres wird ihm seitdem alljährlich gedacht.

Kaiserin Maria Theresia von Österreich

kaiserin-maria-theresiaHinter jedem starken Mann, steht bekanntlich eine starke Frau. So will es der Volksmund wissen. Im Fall von Kaiserin Maria Theresia war es genau umgekehrt. Geboren wurde die Habsburgerin als Erzherzögin Maria Theresia am 13. Mai 1717 in Wien. Ihr Vater Karl VI. war der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, die Mutter Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Der fehlende Sohn und die Pragmatische Sanktion

Ihr Vater Karl VI. hatte zeitlebens auf die Geburt eines Sohnes gehofft. Doch er sollte keinen männlichen Erben bekommen. In seiner Verzweiflung die Dynastie zu erhalten und seiner Tochter den Thron zu sichern, wurde die „Pragmatische Sanktion“ verfasst. Darin war unter anderem festgeschrieben, dass Maria Theresia die Erbin des Habsburger Imperiums sei und ihre Rechte und ihr Territorium zu respektieren seien. Um die Zustimmung der anderen gekrönten Häuptern Europas zu seiner Pragmatischen Sanktion zu erhalten, investierte Karl VI. hohe Geldsummen.

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Kaiserin Maria Theresia hoch zu Ross

Bedauerlicherweise hatte seine Pragmatische Sanktion nie den Effekt, den der Kaiser sich wünschte. Das Geld wäre vermutlich besser in der österreichischen Armee angelegt gewesen, als in den Kassen seiner Nachbarn. Worauf Prinz Eugen von Savoyen den Kaiser sogar damals schon hinwies.

Als Kaiser Karl VI. im Jahr 1740 schließlich überraschend jung verstarb, hinterließ er einen fast bankrotten Staat und eine Tochter, die niemals wirklich auf ihre Aufgabe als Kaiserin vorbereitet worden war. Wer sich die Aufzeichnungen der damaligen „aufgeklärten Monarchen“ und ihr ausschweifendes Leben, ihr Kampf gegen die Religion und die Zentralisierung der Macht in ihren Händen ansieht, wird wenig überrascht sein, dass der Wortbruch schon kurz auf des Kaisers Tod folgte.

Der Wortbruch der Nachbarn

Karl VI. lag kaum kalt in seinem Sarg, da fiel Friedrich der Große von Preußen schon mit einer 30.000 Mann starken Armee im damals österreichischen Schlesien ein. Ihm, dem vermutlich größten Heerführer jener Zeit, stand die 23-jährige Kaiserin Maria Theresia gegenüber. Fromm, aber völlig unerfahren. Es ist anzunehmen, dass sie auf Friedrich den Großen keinen großen Eindruck machte und er sie für unfähig hielt, was sich später jedoch ändern sollte.

Zu allem Übel mischten auch die Briten auf dem Kontinent mit, indem sie die preußischen Gebietsforderungen in Schlesien unterstützten. Die Franzosen ihrerseits unterstützten Karl Albrecht, Graf von Bayern, in seinem Anspruch auf den österreichischen Thron. Dieser war mit Maria Amalie von Österreich verheiratet, der jüngsten Tochter von Maria Theresias Onkel Joseph I.

Auch Friedrich August von Sachsen wollte aufgrund verwandschaftlicher Beziehungen die Habsburger Ländereien für sich und sogar Philipp V. von Anjou meldete als Erbe der erloschenen spanischen Linie der Habsburger Anspruch an. Der so genannte österreichische Erbfolgekrieg zeichnete sich am Horizont ab.

Eine ausweglose Lage?

Dazu kam mangelndes Vertrauen ihres eigenen Hofes in die junge Maria Theresia. Man riet ihr, den Forderungen Friedrichs von Preußen nachzugeben und Schlesien abzutreten. Doch Maria Theresia dachte gar nicht daran. Doch wer konnte ihr in dieser Lage helfen? In ihrer Not wandte sie sich an die Ungarn. In einem Akt der Tugend, der das Herz jedes Magyaren mit Stolz erfüllen sollte, trotzten die Ungarn der aussichtslosen Lage und kamen ihr mit enthusiastischer Loyalität zur Hilfe. 1741 wurde sie zur Königin Ungarns gekrönt.

Ermutigt durch die Unterstützung der Ungarn schrieb die Kaisern dem britischen Botschafter in einem Brief:

„Nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch aus Gründen des Gewissens und der Ehre bin ich nicht bereit Schlesien abzugeben. Sobald ein Feind zufrieden ist, wird der nächste Feind aufbegehren. Und noch einer. Und noch einer will beschwichtigt werden. Und alles auf meine Kosten.“

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Franz Stefan von Lothringen

Kaiserin Maria Theresia machte damit klar – wenn die europäischen Nationen ihre Ländereien wollen, dann nicht ohne Kampf. In den Folgejahren sollte sich die Kaiserin den Respekt und die Anerkennung Europas erkämpfen. Österreich wurde zur Großmacht. Maria Theresias Ehemann, Franz Stefan von Lothringen wurde zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Auch wenn de-facto Maria Theresia die Herrschaft ausübte, während ihr Gemahl sich der Verwaltung der Dynastie widmete.

Die Ehe der beiden gilt heute als Musterbeispiel einer glücklichen royalen Verbindung. Bis an ihr Lebensende waren sich beide tief verbunden. Und sicherten das Überleben der Habsburger Linie, indem sie 16 Kinder hatten. Allerdings erlebten nur 9 von ihnen das Erwachsenenalter.

Die Kaiserin setzte als tiefreligiöse Katholikin auch ein moralisches Beispiel in einer Zeit, in welcher der Rest Europas begann, unter dem Einfluß der „Aufklärung“ den Ideen einer nationalistischen Tyrannei anheim zu fallen.

Die Reformen der Kaiserin

Die kaiserliche Familie
Die kaiserliche Familie

Maria Theresia ist für die Sorge um ihre Untertanen bekannt. Mehrmals zog sie in Verkleidung los und mischte sich unter ihr Volk, um den wahren Zustand ihres Reiches in Erfahrung zu bringen und die ehrliche Meinung ihrer Untertanen zu hören.

Während ihrer Regierungszeit verbesserte sich die Lebenssituation der Menschen und die Wirtschaft Österreichs erheblich. Sie kürzte Steuern für die Armen und besteuerte – zum ersten Mal in der österreichischen Geschichte – den Adel. Sie baute ein starkes und effektives Militär auf, so dass Österreich sich zu verteidigen wusste.

Das Justizwesen wurde reformiert und ein Höchstgericht geschaffen, das mit der Aufrechterhaltung des Rechts für die österreichischen Lande beauftragt war. Sie verbesserte das Bildungswesen und ermöglichte vielen Armen erstmals den Zugang zu Bildung. Die Kaiserin beschnitt auch das Recht der Großgrundbesitzer und erlaubte Bauern den Landbesitz, statt es zu pachten und der Gnade des Landadels ausgeliefert zu sein. Auch suchte sie verfolgte Katholiken zu schützen.

Die Familie feiert Sankt-Nikolaus-Tag
Die kaiserliche Familie feiert Sankt-Nikolaus-Tag

Als sich ihr Sohn Joseph II. und später sogar der Papst gegen die Jesuiten wandten, fanden sie beispielsweise insgeheim bei der Kaiserin Schutz. Den armenisch-katholischen Mechitaristen schenkte sie in Wien ein Kloster, das heute noch besteht und maßgeblich zum Erhalt armenischer Sprache und Kultur beitrug. Auch zur griechisch-katholischen Kirche pflegte sie exzellente Kontakte.

Ihre anfängliche Judenfeindlichkeit (die sogar in Aussiedlungsplänen gipfelten) legte sie mit den Jahren mehr und mehr ab. Dies insbesondere als der jüdische Höfling Abraham Mendel Theben an ihren Hof kam, dem sie stets mit Hochachtung begegnete. Maria Theresia verbot 1762 die Zwangsbekehrung und ein Jahr darauf die Eintreibung von Stolgebühren bei Juden.

Bündnis mit den verhassten Franzosen

Im Siebenjährigen Krieg nahm Österreich auf Seiten der Franzosen und Russen gegen Preußen, Briten und Portugiesen teil. Schlesien wurde zeitweise zurückerobert, nur der Regierungswechsel in Russland ersparte Friedrich dem Großen eine schmachvolle Niederlage. (Peter III. war ein Bewunderer des preußischen Königs) Kaiserin Maria Theresia war verärgert über die Verluste Frankreichs im Krieg, insbesondere der Kolonien in Nordamerika. Zumindest Österreich musste keine ernsthaften Territorialverluste hinnehmen. Unter einer schwächeren Führung hätten die Habsburger womöglich wesentlich höhere Verluste erlitten.

Der preußische Botschafter am Wiener Hof, Graf Podewil, beschreibt Maria Theresia zu jener Zeit in einem Brief an König Friedrich den Großen:

Sie besitzt, wie Sie wissen, einen unbändigen Hass auf Frankreich, mit denen es ihr schwer fällt, gute Beziehungen zu unterhalten. Sie kontrolliert diese Leidenschaft, außer wenn es zu ihrem Vorteil ist, sie zu zeigen. Sie verabscheut Euer Majestät, aber erkennt Eure Fähigkeiten an. Sie kann den Verlust Schlesiens und ihre Trauer über die verlorenen Soldaten in Kriegen mit Euer Majestät nicht vergessen.

Kaiserin Maria Theresia war so wagemutig und von starkem Willen beseelt, dass sie einmal zugab, sie wäre am liebsten selbst zu den Schlachtfeldern gefahren und hätte ihre Truppen persönlich angeführt, wäre sie nicht andauernd schwanger gewesen. (zur Erinnerung: 16 Kinder!) Als Russland und Preußen die Aufteilung Polens beschlossen, stimmte die Kaiserin dem nur widerwillig zu.

Kaiserin gegen den Trend ihrer Zeit

Die Kaisern im Alter
Kaiserin Maria Theresia im Alter

Sie war eine eindrucksvolle Frau und Kaiserin, in jeder Beziehung. Damit stand sie in scharfem Kontrast zu anderen Herrschern ihrer Zeit. Während andere „aufgeklärte“ Häupter im Ausland mit eiserner Faust herrschten, erwarb sich Maria Theresia die Loyalität der Menschen durch wohlwollende Politik und eine Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Während andere Monarchen des 18. Jahrhunderts einen ausschweifenden Lebensstil mit Skandalen und Morden führten, war Maria Theresia ein Paradebeispiel für eine christliche Herrscherin und loyale Tochter der Kirche. All jene Herrscher, ob Friedrich der Große oder Katharina die Große, hatten ihre persönlichen Talente und Erfolge, die man anerkennen muss. Aber Maria Theresia gab ein tugendhaftes Beispiel für einen klugen Monarchen, der mit Weisheit und Anteilnahme am Leben seiner Untertanten sein Land regiert.