Königin Carlota Joaquina von Portugal

181Das sie später einmal die Gemahlin des portugiesischen Königs werden sollte, ahnte niemand bei der Geburt von Carlota Joaquina Teresa Caetana am 25. April 1775 in Aranjuez. Das sie später in Lateinamerika viel bekannter als auf der iberischen Halbinsel sein würde, noch viel weniger. Vor allem nicht bekannt für etwas, das sie tat, sondern für etwas, das sie womöglich hätte erreichen können.

Die Tochter von König Carlos IV. und seiner Gemahlin Maria Luisa von Parma (eine Enkeltochter Ludwig XV. von Frankreich) wurde in der typischen Mode ihrer Zeit erzogen. Sie galt als nicht sonderlich hübsch und so entschied man sich sehr früh, aktiv eine gute Partie für sie zu suchen. Diese fand sich mit einem portugiesischen Prinzen, dem späteren König João VI.. Die Verbindung würde nach Hoffnung des spanischen Throns zur Stärkung der spanisch-portugiesischen Beziehungen beitragen.

Wie früh kümmerte man sich um ihre Hochzeit? Nun, sie wurde 1775 geboren und heiratete im Jahr 1785. (am 8. Mai, also kurz nach ihrem 10. Geburtstag) Bevor irgendjemand zu schrecklichen Schlußfolgerungen gelangt – es ist bekannt, dass die Ehe erst 1790 vollzogen wurde.

Königin Carlota
Die junge Carlota

Die junge Frau kämpfte schon bei Ankunft in Portugal mit der Skepsis ihrer neuen Untertanen. Würde Spanien die Hochzeit politisch nutzen, um Portugal in eine Union zu zwingen?

Portugiesische Amtsträger verhörten diskutierten angeblich vier Tage lang mit ihr über die spanischen Pläne. Doch die künftige Königin war sehr aufgeweckt und klug und zerstreute alle Befürchtungen.

Mehr Pflicht: Die Ehe mit João VI.

Wir haben in diesem Blog bereits über glückliche und segensreiche royale Verbindungen geschrieben. Seien es die Ehen von Kaiserin Maria Theresia oder Otto der Große. Im Fall von Königin Carlota Joaquina war die Verbindung eher eine Pflicht.

Beide Seiten fanden einander wenig anziehend. König João VI. beklagte sich über einen Mangel an Anstand und Intelligenz, die Königin charakterisierte ihren Gatten hingegen als langweilig und frömmelnd. Was beide allerdings nicht davon abhielt, miteinander neun Kinder zu zeugen. Pflicht ist Pflicht ist Pflicht …

João wird überraschend zum König

Zunächst sah es nicht danach aus, als würde João jemals den Thron besteigen. Doch als sein älterer Bruder Prinz José überraschend 1788 verstarb, wurde er zum Herzog von Braganza und Prinz von Brasilien. Die Anhänger der „Aufklärung“ waren mit João VI. als König aber unzufrieden. Er galt als traditioneller und religiöser als sein verstorbener älterer Bruder, auf den man alle Hoffnungen gesetzt hatte.

König Joao VI.
Portugals König Joao VI.

Auch die Hochzeit des Paares erzeugte wenig Begeisterung in Portugal. Der korpulente João und die als wenig hübsch betrachtete Carlota waren zeitlebens im Volk eher mäßig beliebt. Königin Carlota Joaquina leistete sich durch ihre freimütige Art, Dinge unverblümt anzusprechen mehr als einmal einen faux-pas. Ihre Schwiegermutter, Königin Maria I., musste mehrmals eingreifen, um ihre Schwiegertochter zu bändigen.

Auch dieses Verhalten trug dazu bei, dass die Königin in der Öffentlichkeit kein gutes Bild abgab. Zahlreiche Gerüchte wurde gestreut. Die Königin plane einen Komplott gegen das Königshaus. Die Königin vergifte ihre Schwiegermutter. Die Königin habe unzählige außereheliche Liebschaften. Bei letzterem dürfte eher der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein – Hinweise gibt es nämlich keine. Königin Carlota war sicherlich keine Heilige, aber ihr Problem bestand in erster Linie darin, dass sie Spanierin war.

Dabei sollte sich am Ende nicht Spanien als die große Gefahr Portugals erweisen, sondern Frankreich. Unter der Führung Napoleon Bonapartes fielen französische Truppen auf der iberischen Halbinsel ein und eroberten zunächst Spanien und anschließend Portugal. Die königliche Familie floh 1807 nach Brasilien.

Ein neues Königreich in Südamerika?

In Südamerika angekommen, erkannte Königin Carlota die schwierige Situation ihrer spanischen Landsmänner. Die spanische Heimat war von Franzosen besetzt, die von José Bonaparte – dem ältesten Bruder Napoleons – regiert wurde. König Fernando VII. war de-facto entmachtet. Mehrere Fraktionen suchten dieses Chaos für ihre eigenen Pläne zu nutzen. Darunter auch Königin Carlota.

Da sich ihr jüngerer Bruder König Fernando VII. von Spanien in Frankreich in Hausarrest befand, entschied Königin Carlota, dass sie die letzte verbliebene Repräsentantin eines „freien Spanien“ sei. Mit diesem Anspruch bemühte sie sich, die Kontrolle über die spanischen Kolonien in Amerika zu erlangen.

Erste Königin La Platas?
Erste Königin La Platas?

Am Ende gipfelten die Bemühungen darin, Carlota zur Königin des bisherigen Vizekönigreichs Rio de la Plata zu machen, welches große Teile des heutigen Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien enthielt.

Die portugiesisch-brasilianischen Truppen begannen mit der Annektion von Gebieten in der Region. Carlota sicherte sich die prominente Unterstützung des argentinischen Nationalhelden General Manuel Belgrano. Doch auch die Gegenseite unter den Vizekönigen hatte sich formiert und die Unterstützung Großbritanniens gesichert.

Es gab Pläne, oder zumindest Gerüchte von Plänen, wonach Carlota eine Armee zusammenstellte und auf Buenos Aires marschieren würde, um sich zur „Königin von La Plata“ krönen zu lassen. Doch das Vorhaben scheiterte an der mangelnden Unterstützung der lokalen Eliten und der Opposition aus dem Ausland.

Es ist heute eine spannende Überlegung, wie wohl die Geschichte verlaufen wäre, hätte sich in Südamerika seinerzeit eine derart große Monarchie von Blutsverwandten der spanischen Königsfamilie etabliert.

Napoleon besiegt – Rückkehr zur Normalität?

Mit dem Ende der Napoleonischen Kriege endete schließlich auch dieses Kapitel und Carlota musste sich wieder damit begnügen, die Königsgemahlin Portugals zu sein. Als sie mit ihrem Mann und dem Rest der Familie 1821 nach Portugal zurückkehrte, hatte sich das Land dramatisch verändert – und nicht zum Besseren hin.

Revolutionäre Ideen waren aufgekommen und verbreiteten Unruhe im Land. Ein Aufstand Liberaler resultierte in der Proklamation der ersten portugiesischen Verfassung, die Portugal in eine konstitutionelle Monarchie verwandelte. König João VI. willigte ein.

Carlota war außer sich vor Wut. Sie wollte die Rückkehr zur traditionellen absoluten Monarchie und hegte den Verdacht, dass ihr Mann nicht mehr bei Verstand war, auf die Bedingungen der Aufständischen einzugehen. Der König war selbst nicht glücklich darüber, aber er sah keine andere Möglichkeit für sein Land.

Königin Carlota und ihr Komplott

Die Königin als junge Frau
Die Königin als junge Frau

All die Gerüchte über angebliche Komplotte seitens der Königin wurden schließlich wahr. Gemeinsam mit ihrem Sohn Prinz Miguel, dem Kommandanten der portugiesischen Armee, stellte sie ihren Ehemann unter Hausarrest. Sie wollten seine Abdankung zugunsten Miguels erzwingen, um Portugal wieder zur absoluten Monarchie zurückzuführen.

Doch das Vorhaben sollte misslingen. König João VI. gelang es mit Hilfe der Briten wieder an die Macht zu kommen. Seine Frau und ihr Sohn gingen ins Exil nach Österreich, wobei Carlota bald schon die Rückkehr gestattet wurde. König und Königin lebten jedoch fortan in zwei getrennten Palästen, das Vertrauen war erschüttert.

Neuer Ärger: Brasilien wird unabhängig

Der nächste Familienstreit kam im Jahr 1822 auf das kleine Land zu, als sich Sohn Pedro zum Kaiser Pedro I. von Brasilien ausrief. João VI. war darüber wenig erfreut, doch die Briten überredeten ihn dazu, die Unabhängigkeit Brasiliens im Jahr 1825 anzuerkennen. Der König starb im Jahr darauf. Königin Carlota vermutete öffentlich, dass Freimaurer den König vergiftet hätten, um den „liberalen“ Sohn Pedro I. von Brasilien auf den portugiesischen Thron zu bringen. Zum ersten Mal würde Brasilien über Portugal regieren. Pedro I verzichtete jedoch – auch aufgrund der Gerüchte – zu Gunsten seiner siebenjährigen Tochter Maria und blieb als Kaiser in Brasilien zurück.

Es wäre zu erwarten gewesen, dass Königin Carlota bis zur Volljährigkeit der Enkeltochter die Regenschaft übernimmt. Doch dies wurde ihr nicht gestattet, aus Angst, sie könne die Macht an sich reißen. Unzufrieden mit der Aussicht ein kleines Mädchen aus dem „liberalen“ Brasilien auf dem Thron zu sehen, erklärte die konservative Fraktion Portugals den exilierten Prinzen Miguel zum König von Portugal. Noch bevor Maria überhaupt in Europa angekommen war. Die Bühne war für einen Bürgerkrieg bereitet.

Königin Carlota sollte dies jedoch nicht mehr erleben. Sie verstarb am 07. Januar 1830 im Alter von 54 Jahren im Queluz Palast nach einem bewegenden und kontroversen Leben.

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Kaiser Meiji von Japan

Meiji_cl_mdNur wenige Monarchen hatten einen derart großen Einfluss auf die Entwicklung ihres Landes wie der Meiji Kaiser Japans. Wenige erlebten derart große Umwälzungen und noch viel weniger bewältigten sie mit Bravour. Der Meiji Kaiser brachte all dies fertig.

Seine kaiserliche Hohheit Prinz Mutsuhito wurde am 3. November 1852 in der alten Kaiserstadt Kyoto geboren. Er war der einzige überlebende Sohn seiner Majestät Kaiser Komei. Seine Mutter war die kaiserliche Konkubine Nakayama Yoshiko, was er allerdings erst später erfuhr. Damals war es in Japan üblich, Kinder von Konkubinen voll als Kinder des Kaiserpaares anzuerkennen.

Die japanische Isolation geht zu Ende

In frühen Jahren wurde der Prinz von seiner Großmutter umsorgt, ehe man ihn zum Kaiserpalast (Gosho) brachte, um der Tradition entsprechend erzogen zu werden. Nur ein Jahr später tauchten die Schiffe des US-Kommodore Matthew Perry vor der japanischen Küste auf und verlangten die Öffnung der japanischen Häfen für den Handel mit den USA sowie die Etablierung diplomatischer Beziehungen. Zu diesem Zeitpunkt lebte Japan bereits zwei Jahrhunderte in selbstgewählter Isolation gegenüber der Außenwelt.

Meiji_tenno3Der herrschende Shogun realisierte, dass die bisherige Politik der Abschottung nicht länger haltbar war. Doch er zögerte Vereinbarungen mit den Amerikanern immer weiter heraus. Der Kaiser war gegen jeglichen Handel oder Freundschaft mit ausländischen Mächten. Doch die Amerikaner wiesen darauf hin, dass China kürzlich erst von Großbritannien im Opiumkrieg besiegt wurde und falls Japan sich weiterhin verweigere, dann könne Frankreich, Großbritannien oder Russland das selbe mit Japan tun.

Am kaiserlichen Hof erkannte man die Gefahr, aber war geteilter Meinung wie schnell sich Japan Handel und Kommunikation mit der Welt öffnen sollte. Kaiser Komei blieb standhaft gegen jegliche Öffnung des Landes, brachte sich damit jedoch in eine schwierige Position. Denn damit wandte er sich gegen die Entscheidungen des Shogun, wollte aber auch nicht mit den Feinden des Shogunats gemeinsame Sache machen.

Die Lage spitzte sich zu. Kaiser entschied letztlich alle Ausländer des Landes zu verweisen. (seine Gebete an die Götter, die Ausländer mittels Naturkatastrophen umzubringen, wurden nicht erhört)

Nicht alle Japaner waren über die Entscheidung glücklich und so kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen, als Kaiser Komei plötzlich 1867 im Alter von nur 37 Jahren an Pocken verstarb. Damals kannte man in Japan bereits die Pockenimpfung, doch die Ablehnung moderner Medizin am japanischen Hof führte dazu, dass die kaiserliche Familie besonders verwundbar gegenüber Seuchen und Krankheiten war. (Prinz Mutsuhito wurde allerdings als Kind heimlich geimpft)

Mutsuhito besteigt den Thron als Kaiser Meiji

meiji-jungSo bestieg Mutsuhito im Alter von nur 14 Jahren den Thron Japans als Kaiser Meiji und 122. Tenno Japans. Verschiedene Fraktionen bekämpften zu diesem Zeitpunkt den letzten japanischen Shogun Tokugawa Yoshinobu, der enge Beziehungen zu einigen ausländischen Mächten aufgebaut hatte, um das Militär zu modernisieren und damit das Shogunat zu stärken.

Die einzelnen Beweggründe der Fraktionen waren komplex. Der Adlige Iwakura Tomomi spielte hierbei eine zentrale Rolle in der Bekämpfung des Shogunats. Aus der Vogelperspektive betrachtet fochten das Shogunat und der kaiserliche Hof über die Herrschaft Japans.

Manchmal wird der Konflikt verkürzt als Kampf des „traditionellen“ Japans gegen die Kräfte der Moderne angesehen, bei der die Seite der Tradition als ausländerhassender Mob gesehen wird, der alles aus dem Ausland verteufelte. Aber diese Darstellung ist unwahr. Japan war immer sehr an technologischer Innovation interessiert und es war der Shogun, der zunächst einer Öffnung Japans offen gegenüberstand, nicht der kaiserliche Hof. Jede Seite hatte auch ihre ausländischen Unterstützer – das Shogunat die Franzosen, die Kräfte des Kaisers die Briten und US-Amerikaner.

Es kam zu Kampfhandlungen zwischen den Fraktionen, nachdem der Shogun zunächst zusagte, dem Kaiser die alleinige Macht zu überlassen, sich dann aber doch umentschied und die Entscheidung widerrief.

Am Ende des Konflikts stand der kaiserliche Hof als oberste Autorität Japans fest und der Kaiser verkündete am 04. Januar 1868 ein neues Zeitalter, die so genannte Meiji Restauration. Der Gegenspieler des letzten Shoguns, Iwakura Tomomi erklärte, dies sei alles mit Zustimmung des jungen Monarchen geschehen. Allerdings äußerte sich der Kaiser nie öffentlich zu dem Thema.

Die Meiji Restauration beginnt

meiji-portraitGesichert ist jedoch, dass der Meiji Kaiser den Vorsitz in der Regierung führte und in den teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen Pro und Anti-Shogunat Fraktionen niemals zu Gunsten des gefallenen Shoguns sprach. Es ist daher zu mutmaßen, dass er die Geschehnisse begrüßte und die internen Querelen Japans als Beleg dafür sah, wie wichtig ein neues System für das Land sei.

Die Ängste jener, die gegen Beziehungen mit dem Ausland argumentierten, mögen übertrieben gewesen sein. Aber sie hatten ihre Berechtigung. Doch Japan musste sich modernisieren, wenn es als unabhängige Nation überleben wollte. Und dies zu sichern, war das Ziel von Kaiser Meiji.

So verkündete der Kaiser die Abschaffung der feudalen Stände-Gesellschaft Japans und passte viele Elemente der Regierung westlichen Vorbildern an. Am Ende stand die erste geschriebene Verfassung Japans. Einmal übernahm er sogar das Kommando über die kaiserlichen Truppen, um die auf Kyoto marschierenden Pro-Shogun Rebellen zu stoppen. Mit seinem Vorgehen macht er eines klar: Japan würde sich der Moderne öffnen, aber es würde dies auf einem „japanischen Weg“ tun, der moderne Methoden annimmt, diese aber mit traditionellen japanischen Werten verknüpft.

Nun begann in Japan eine rasante Entwicklung. Die alten Samurai wandelten sich zu Offizieren in der kaiserlichen Armee. Die Daimyo (Fürsten) wurden zu Gouverneuren in kaiserlichen Diensten und Studenten wurden ins Ausland geschickt, um neue Ideen mit nach Hause zu bringen.

Die CSS Stonewall wurde als Kotetsu in Dienst gestellt.
Die ehemalige konföderierte CSS Stonewall wurde als Kotetsu in Dienst gestellt.

Die Briten waren ein Vorbild für Japan und insbesondere die Royal Navy war das Vorbild, nach dem die neue kaiserliche japanische Marine gebaut wurde. Bald schon erhielt Japan sein erstes modernes Panzerschiff, ursprünglich in Frankreich als CSS Stonewall für die Marine der Konföderierten Staaten von Amerika gebaut, jedoch erst kurz vor Kriegsende 1865 fertig gestellt.

Was die alltäglichen Regierungsgeschäft anging, so hielt sich der Kaiser zurück und überließ dies von ihm ernannten Ministern. Gegenüber den Besuchen ausländischer Würdenträger war er oft widerwillig, doch wenn er sie empfing, dann stets extrem höflich und freundschaftlich und vermittelte jedem den Eindruck, dass gerade ihm eine besondere Behandlung zukomme.

Seine Führung, Hingebung und moralische Autorität stellte sicher, dass Japan während seiner rasanten Modernisierung die dafür nötige Stabilität besaß und seine Wurzeln beibehielt. Es war ein japanischer, kein europäisch-amerikanischer Weg der Modernisierung. War der Kaiser in früheren Jahrhunderten für den durchschnittlichen Japaner weit weg in seinem Palast, so wurde er nun im öffentlichen Leben immer präsenter.

Was die internationale Bühne anging, so erfreute sich der Meiji Kaiser großer Popularität. Er wurde vielfach als gleichgestellter Monarch gesehen und für seine Anstrengungen bewundert. Der Kaiser musste jedoch mehr als einmal feststellen, dass seine Minister ihn nicht immer rechtzeitig über Entwicklungen informierten. Insbesondere am japanischen Engagement in Korea wurde später sichtbar, dass der Kaiser nur unvollständig zum Stand der Dinge unterrichtet worden war. So kam es 1894 zum ersten Sino-Japanischen Krieg.

Der 1. Sino-Japanische Krieg

Auslöser waren eine Reihe von Zwischenfällen zwischen China und Japan bezüglich des Einflusses in Korea. Unvorteilhaft war zudem ein Zwischenfall in Japan, bei dem in Nagasaki vor Anker liegende chinesische Matrosen sich ungebührlich benahmen, was in einer regelrechten Straßenschlacht endete. Das Kaiserreich China lehnte (in Überschätzung seiner militärischen Überlegenheit) eine Entschuldigung dafür ab, was die japanische Seite in Rage versetzte.

MeijiDem Kaiser war es stets ein Anliegen sein Volk zu schützen, wo auch immer sie waren. Der Ausbruch des Krieges verärgerte ihn sehr. Als man ihn um die Erlaubnis bat, Abgesandte zum Grab von Kaiser Komei und zum Ise Schrein zu senden, um den Ausbruch der Feindseligenkeiten zu verkünden, reagierte der Kaiser zunächst mit einem seltenen emotionalen Ausbruch:

„Sie senden niemanden! Ich war von Anfang an gegen diesen Krieg! Ich gab meine Erlaubnis nur, nachdem mich die Minister darüber informierten, dass der Krieg nicht mehr zu verhindern sei. Es schmerzt mich dem Ise Schrein und dem Grab des letzten Kaisers davon zu berichten.“

Später entschied er sich noch um, auch wenn es ihn offenbar sehr verärgerte. Er befürchtete eine Intervention anderer Mächte auf Seiten der Chinesen, verabscheute seine Soldaten sterben zu sehen und hatte selbst einen großen Respekt für die traditionelle chinesische Kultur. Doch als die Würfel gefallen waren, unterstützte er die Bemühungen nach Kräften und verlegte sein Hauptquartier nach Hiroshima, um näher an den Kriegsgeschehnissen zu sein.

Am Ende – und zur Überraschung internationaler Beobachter – erzielte das unterlegen geglaubte Japan einen schnellen und fulminanten Sieg über China, was zur Unabhängigkeit Koreas führte. (das bis dahin ein tributpflichtiger Vasallenstaat Chinas war)

Doch auch nach diesem Erfolg blieben die Zeiten unruhig. Spannungen zwischen Japan und Korea sowie zwischen Japan und dem expandierenden Russland nahmen immer weiter zu. Die Intervention von Russland, Frankreich und Deutschland zwang Japan, die Liaotung Halbinsel an China zurückzugeben. (welche danach übrigens von Russland gepachtet wurde)

Dies verstärkte die Befürchtungen des Kaisers bezüglich ausländischer Interventionen. Anhand der Antworten des Kaisers auf Fragen über die Situation in Korea lässt sich zudem ablesen, dass er der idyllischen Schilderung seiner Minister über die japanisch-koreanische Freundschaft nicht ganz glaubte.

Krieg mit Russland im Jahr 1904

Als es schließlich zum Krieg mit Russland im Jahr 1904 kam, offenbarte der Kaiser abermals seine Besorgnis. Allerdings weniger als noch im 1. Sino-Japanischen Krieg. Es war jedermann in der Regierung klar, dass Russland nicht an Lösungen interessiert war, sondern nur auf Zeit spielte. Als der Krieg kam, zeigten der Kaiser (und die Kaiserin) große Edelmütigkeit indem sie dafür sorgten, dass die Disziplin unbedingt einzuhalten und Grausamkeiten zu vermeiden seien. Dieser Tatsache ist zu verdanken, dass russische Kriegsgefangene eine humane Behandlung erfuhren.

Der Kaiser zeigte sich auch gegenüber den Vereinigten Staaten und Großbritannien dankbar für die Unterstützung im Konflikt und die englischsprachige Presse war weltweit voll des Lobes für Kaiser Meiji.

kaiserlicher-hofNachdem ausländische Einmischung ausgeschaltet war, unterzeichneten Japan und Korea etliche bilaterale Verträge, welche die zwei Länder einander näher brachten. Zwischen den beiden Kaisern fand eine rege Korrespondenz statt und der Meiji Kaiser zeigte große Anteilnahme am Schicksal des koreanischen Volkes und seines Kaisers Gojong.

Als der koreanische Kronprinz schließlich zur Bildung nach Japan gesandt wurde, behandelte ihn Kaiser Meiji wie ein eigenes Familienmitglied. Mehr noch, einige tuschelten hinter vorgehaltener Hand, er behandle ihn sogar besser als seinen eigenen Sohn.

Gleichermaßen zeigte der koreanische Kaiser großes Vertrauen in Kaiser Meiji und Bewunderung für Japan. Als Korea im Jahr 1910 schließlich von Japan annektiert wurde, erklärte der Meiji Kaiser öffentlich seine Zufriedenheit damit und das er überzeugt sei, Korea werde davon profitieren. Man hatte ihm nichts vom Ausmaß der koreanischen Opposition gegenüber der japanischen Herrschaft berichtet und der koreanische Kaiser war seinerseits nicht ganz aufrichtig in seinen Briefen. Aber er äußerte die Hoffnung und das Vertrauen, dass unter dem Meiji Kaiser der Frieden in Ostasien nun bestand habe.

Doch die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nahmen zu. In Japan hingegen sah der durchschnittliche Japaner nur Erfolge und Grund zu Optimismus. Seit Beginn der Meiji Ära erlebte Japan einen enormen Aufschwung. Sowohl wirtschaftlich, technologisch als auch militärisch. Die japanische Flagge wehte nun über Korea, Taiwan und die Insel Sakhalin.

Der Meiji Kaiser erlebte den Ausbruch der immer weiter anschwellenden Spannungen in Korea nicht mehr. Von gesundheitlichen Problemen geplagt, verstarb der vom Volk verehrte Monarch am 30. Juli 1912 im Alter von 59 Jahren, überlebt von seiner Ehefrau, drei von fünf Konkubinen und fünf seiner fünfzehn Kinder.

Nach seinem Tod wurde seine Person auf der ganzen Welt gewürdigt, insbesondere natürlich in jenen Ländern mit engen freundschaftlichen Verbindungen mit Japan. Die britische Presse berichtete überschwänglich über den Monarchen und selbst die amerikanische Presse, die selten Lob für einen Monarchen übrig hatte, schloss sich an. Alle waren sich einig, der Meiji Kaiser war einer der größten Monarchen aller Zeiten. Auch die Franzosen und Chinesen, die keine so guten Beziehungen mit Japan führten, verneigten sich vor seinen Errungenschaften. Sogar die russische Presse lobte den japanischen Kaiser, auch wenn sie betonten, an Peter den Großen reiche er dennoch nicht heran.

meiji-kaiserNiemand konnte übersehen, welch großen Fortschritt Japan in einer so kurzen Zeitspanne unter der Führung des Meiji Kaisers erreicht hatte. Zum Zeitpunkt seiner Geburt war Japan ein rückständiger Flickenteppich feudaler Fürstentümern. Als der Kaiser starb, war es das mächtigste Land Ostasiens und stand in einer Reihe mit den Kolonialmächten jener Zeit.

Als Monarch war Kaiser Meiji, als ob per göttlicher Vorsehung, exakt der Kaiser den Japan zu einem kritischen Zeitpunkt seiner Geschichte benötigte. Er war sehr traditionell in seinem Denken und doch Innovation und Wandel aufgeschlossen, sofern es nutzbringend war. Er drückte keine politischen Programme durch, aber nutzte seine moralische Autorität weise, um gewisse Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Er nahm Anteil am Schicksal seiner Leute, war sparsam und verstand es mit Menschen umzugehen. Darüber hinaus war er ein pflichtbewusster Monarch, der ruhelos für sein Land und Frieden und Stabilität in der Region arbeitete.

Gegen Ende seines Lebens bedrückte ihn, dass Japan so modern und wohlhabend geworden war, dass einige Leute leichtsinnig wurden. Die Tagespolitik und die Streitereien der politischen Strömungen waren ihm zuwider, weshalb er dies gern seinen Ministern überließ. Er verstand sich mehr als ein Wächter der nationalen Einheit und Souveränität, statt als Politiker.  Egal von welchem Blickwinkel man es betrachtet, er war ein extrem erfolgreicher Monarch und wird in der langen Liste der japanischen Kaiser stets als einzigartig herausstechen.

Kaiser Otto I. der Große

Otto_Great_statueNach dem Niedergang des weströmischen Reichs verfiel Europa in das, was die moderne Geschichtsschreibung die „dunklen Jahrhunderte“ nennt. Hintergrund ist der Zusammenbruch der römischen Zivilisation, wie sie die Welt bis dahin prägte.

Ungeachtet wütender Wikinger und germanischer Stammesfehden war das Zeitalter aber mitnichten „dunkel“. Vielmehr war es ein Ort der Erholung, je nach Standpunkt sogar der Weiterentwicklung, der Zivilisation. Wenn auch im Stillen, eher unauffällig. Jene Germanen, die vor wenigen Jahrhunderten das römische Reich ins Wanken brachten, sollten zum Quell der Stärke und ordnenden Kraft Europas werden. Schlüsselfigur hierbei war Karl der Große, der ein Reich erschuf, dass praktisch das gesamte heutige Westeuropa umfasste. Doch nach seinem Tod zerfiel das Reich und aus den größten Teilen sollten sich dereinst Frankreich und Deutschland herausbilden.

Während Karl dem Großen heutzutage relativ viel Aufmerksamkeit zukommt, wird ein anderer Monarch gern übersehen: Otto der Große. Er war es, der die Scherben des karolingischen Reiches zusammenkehrte und es wieder zusammensetzte. In gewisser Weise ist die heutige Existenz Deutschlands Kaiser Otto I. zu verdanken. Doch dazu gleich mehr.

Gesichert ist, dass Otto am 23. November 912 als Sohn von Herzog Heinreich der Finkler und seiner zweiten Frau Matilda von Westfalen auf die Welt kam. Er wuchs in einer unruhigen Zeit auf, in der deutsche Kleinstaaten gegeneinander um Einfluss im zusammengebrochenen Reich Karls des Großen kämpften.

Sachsen als mächtigster deutscher Staat

Otto_the_GreatUnd nicht nur im Reich wurde gekämpft. Hatten die Römer seinerzeit noch die „germanischen Barbaren“ als Invasoren zu bekämpfen, so mussten sich die Nachkommen eben jener Germanen nun gegen von Osten einfallende Slawen und Magyaren bewähren. In jenen Jahren stieg Sachsen zum mächtigsten deutschen Staat auf. Der junge Prinz Otto erwarb erste Erfahrung im Kampf mit den Slawen als auch mit den Frauen – eine gefangen genommene slawische Adelige brachte seinen Sohn zur Welt. (der später Erzbischof von Mainz werden sollte – aber das ist eine andere Geschichte)

Während sein Vater, Herzog Heinrich, sein Vorhaben alle Deutschen unter seinem Banner zu vereinen verfolgte, besuchte Otto die entfernten Verwandten seiner Leute im angelsächsischen England. Im Jahr 930 heiratete er Prinzessin Eadgyth, die Halbschwester von König Aethelstan von England. Herzog Heinrich setzte alle seine Hoffnungen auf seinen Sohn Otto und erklärte ihn zeitig zum alleinigen Thronerben. Seine Hoffnungen sollten sich bewahrheiten und Otto ein hervorragender Monarch werden.

Otto als König von Deutschland

Im Jahr 936 verstarb Herzog Heinrich der Finkler. Die sächsischen Adeligen wählten Otto, damals erst 24 Jahre alt, zum König von Deutschland. Er blieb natürlich außerdem der Herzog von Sachsen und herrschte – dank seines Vaters Erfolge – über nahezu alle Deutschen.

Otto war ein großer Bewunderer von Karl dem Großen und er ließ keine Gelegenheit aus, dies auch kundzutun. Nachdem die letzten Erben der fränkischen Kaiser gestorben waren, unternahm er Anstrengungen, sich als rechtmäßíger Nachkomme von Karl den Großen zu präsentieren.

Mit dem großen Vorbild sollte er sich später messen können: Obwohl selbst mächtig, war er in diesen unruhigen Zeiten von Feinden umgeben. Im Nordosten drangen die Slawen vor, von Osten fielen die Magyaren ein und im eigenen Reich gab es zahlreiche rebellische Adelige.

Der neue König verlor keine Zeit und machte sich an die Arbeit, die Macht in Deutschland zu zentralisieren. Lange Zeit galt das Königsbild vom „primus inter pares“, des Ersten (Fürsten) unter Gleichen. Für ihn hatte es ausgedient und daraus machte er keinen Hehl. So zwang er Adelige einen Treueeid auf ihn als König zu schwören. Zahlreiche wichtige Ämter wurden mit Klerikern statt Adeligen besetzt, um so deren Einfluss zu schmälern. Kurzum, er setzte die Rahmenbedingungen für zahlreiche spätere Entwicklungen Deutschlands.

Hilferuf aus Italien

Adelaide_OttoWährenddessen erreichte ihn ein Hilferuf aus Italien. Der zumindest nominale König Italiens, König Lothar II., war verstorben. Gerüchteweise wurde er vergiftet. Seine bezaubernde junge Königin Adelheid von Burgund war mit nur 19 Jahren zur Witwe geworden. Man wollte sie zwingen, den italienischen Markgrafen Berengar II. zu heiraten, der sich von der Hochzeit den Gewinn ihrer Ländereien versprach – und dem vielfach die Vergiftung Lothar II. nachgesagt wurde, was aber nicht erwiesen ist.

Was folgte, liest sich wie aus einem Märchenbuch: Die Königin wurde gefangen genommen, konnte aber fliehen und sich verstecken. Aus ihrem Versteck sandte sie im Jahr 951 ein Hilfegesuch an den deutschen König. Otto zögerte nicht, sondern sattelte sein Pferd und fiel kurz darauf an der Spitze seiner Ritter in Norditalien ein.

Angesichts der drohenden Vernichtung entschied Berengar II., dass Adelheid den Ärger nicht wert sei und flüchtete ohne Kampf. So wie der weiße Ritter im Märchen ritt auch Otto zur Rettung von Adelheid und heiratete sie anschließend selber, nachdem seine angelsächsische Frau bereits 5 Jahre zuvor verstorben war.

Es hätte nicht besser laufen können – Otto vergrößerte seinen Einfluß, gewann einen exzellenten Ruf und erhielt eine hingebungsvolle Ehefrau, mit der er eine sehr glückliche Ehe führen sollte.

Einfall der Magyaren im Jahr 955

Die Glückseligkeit dauerte jedoch nicht lange an, denn Otto wurde zu Hause gebraucht. Im Jahr 955 fielen die Magyaren in Ottos Reich ein, am 8. August griff sie die Stadt Augsburg an. Die Magyaren, Väter des heutigen Ungarn, waren zu jener Zeit noch ein Stamm heidnischer Plünderer aus den Weiten Eurasiens.

DI6A7C~1Der Augsburger Bischof Ulrich organisierte die Abwehr der Augsburger Bevölkerung an den Stadtmauern. Man kämpfte verzweifelt und wehrte die Angriffe der Magyaren bis zur Abenddämmerung immer wieder ab. Aber die Schar der kampffähigen Städter wurde immer kleiner. Es war offensichtlich, dass man keinen weiteren Tag mehr aushalten würde. An diesem Abend betete Bischof Ulrich der Überlieferung zufolge zur Jungfrau Maria um Hilfe – und er sollte sie bekommen. Sobald magyarische Späher den Augsburg zur Hilfe eilenden König Otto und seine Ritter ausmachten, zog das magyarische Heer ab. Doch die Magyaren waren keine Feiglinge und der Kampf nur aufgeschoben.

Zwei Tage später kam es zur bekannten Schlacht am Lechfeld. Nach der Morgenmesse bestieg König Otto sein Pferd und führte seine Männer unter dem Banner des Erzengels Michael in die Schlacht.

Doch der Schlachtverlauf war nicht gut. Seine Truppen begannen zu wanken, als die Magyarenkrieger wieder und wieder zum Angriff ansetzen. Als es einer Gruppe Magyaren auf ihren schnellen Pferden gelang die deutschen Ritter zu umgehen und zu umzingeln, schien die Schlacht verloren.

Zur Überraschung seiner Männer befahl Otto seinem Sohn Konrad einen Frontalangriff gegen die magyarische Gruppe. Das war überraschend, war das Verhältnis zwischen Vater und dem Sohn aus erster Ehe (mit Eadgyth) mehr als angespannt. Konrad hatte zuvor sogar eine Rebellion gegen seinen Vater angeführt. Doch Otto vertraute ihm, das umzingelte Heer aus seiner aussichtslosen Lage zu befreien. Konrad führte seine Männer zum Angriff und schlug die Maygaren zurück, was den Schlachtverlauf wendete und am Ende zum Sieg Ottos und seiner Ritter führte.

Im Zuge dieses großen Triumphs wurden Stimmen laut, die Otto gar Kaiser nannten. König von Deutschland schien ihm nicht mehr gerecht zu werden, schließlich konnte sich kein anderer Monarch der westlichen Christenheit mit ihm messen. Im Jahr 962 krönte der Papst König Otto zum Kaiser eines wiederhergestellten „Heiligen Römischen Reichs“, dem später noch der Zusatz „deutscher Nation“ hintangestellt werden sollte.

Ottos Traum seinem Vorbild Karl dem Großen nachzueifern war mit der Kaiserkrönung erfüllt. Er hatte den höchsten (säkularen) Titel der Christenheit. Der Zenit schien erreicht.

Doch in diesen unruhigen Zeiten war die Arbeit eines König niemals erledigt. Bald schon befehligte Kaiser Otto I. seine Männer im Kampf gegen einfallende Slawen im Nordosten des Reichs. In Mecklenburg kam es zur Schlacht, nachdem der slawische Heerführer bei einem Treffen einen Friedensvorschlag Ottos abgelehnt hatte.

Kaiser Otto entschied sich für ein verwegenes Vorhaben. Die Slawen waren sicher, die Schlacht am nächsten Tag für sich zu entscheiden. Doch Otto würde ihnen nicht die Chance dazu geben. Während der Nacht überquerte er mit seinen Ritter leise den Fluß Recknitz, der die beiden Armeen trennte. Noch im ersten Morgengrauen startete er einen Überraschungangriff, das slawische Heer wurde fast vollständig vernichtet. Das Reich war gerettet, ein weiterer heidnischer Eindringling vernichtet und noch ein Sieg durch Kaiser Otto errungen.

Sofern er sich nicht im Krieg befand, arbeitete Otto daran seine Macht im Reich zu festigen,  Missionare zu den umgebenden heidnischen Nationen auszusenden sowie die Künste und Bildung zu fördern, was zur so genannten ottonischen Renaissance führte.

Am 07. Mai 973 verstarb Kaiser Otto nach heftigen Fieberanfällen. Die Macht ging ohne Opposition in die Hände seines 17-jährigen Sohn Otto II. über. Die „Dynastie der Ottonen“ würde sich noch bis ins Jahr 1024 halten können.

Otto der Große verdient seinen Beinamen vollkommen zurecht. Er war einer der großen Kaiser der sächsischen Linie, mit dem sich keiner seiner Nachkommen messen konnte. Erst Kaiser Friedrich Barbarossa aus der Hohenstaufer Dynastie sollte anschließen können.

Im Rückblick verdient Otto den Respekt der gesamten westlichen Welt, weit über die Grenzen Deutschland hinaus. Seine Stabilität und Ordnung schuf den Boden, auf dem die westlichen Nationen Europas in den nachfolgenden Jahrhunderten gedeihen konnten.

Die Magyaren, Ottos ehemalige Feinde, wurden zu Freunden und später Verbündeten. Nach ihrer Niederlage zogen sie sich nach Osten zurück und siedelten sich im heutigen Ungarn an, wo sie ein Königreich schufen und Christen wurden.

Ihnen folgten die Slawen, die sich später ebenfalls zum Christentum bekannten. Die Anfänge dieser Entwicklung lagen alle bei Kaiser Otto I., einer der Schlüsselfiguren der „Dunklen Jahrhunderte“. So recht es ist, sich heute Karls des Großen zu erinnern und ihn zu würdigen, so sehr muss man doch auch sehen, wie schnell alles nach seinem Tod zerfiel. Es war Kaiser Otto der Große, der das Erbe annahm und weiterführen sollte.

Shah Reza I von Iran

reza2 Der vorletzte persische Monarch, Reza Shah Pahlavi, wurde als Reza Khan am 15. März 1878 im Dorf Alasht im Norden Irans (das damals international noch als Persien bekannt war) geboren. Sein Vater Abbas Ali Khan war ein Offizier im persischen Heer und diente im Krieg 1856 gegen das britische Indien und Afghanistan. Noch im gleichen Jahr verstarb der Vater. Die Mutter, Noushafarin Ayromlou zog mit ihrem Bruder nach Teheran, wo sie später erneut heiratete. Der junge Reza verblieb bei seinem Onkel, der dessen Erziehung wiederrum in die Arme eines anderen Armeeoffiziers legte.

Wenig überraschend entschloss sich der junge Reza in frühen Jahren zum Militär zu gehen. Mit nur 16 Jahren schloss er sich der persischen Kosakenbrigade an, einer Eliteeinheit in den späten Tagen der Qajar Dynastie, die Persien seit 1785 regierte. Die meisten Mitglieder dieser Einheit  waren keine Perser, sondern Ausländer. Dennoch oder gerade deshalb war sie eine der wenigen verlässlichen Truppen der Qajar Dynastie. Der junge Reza bewies sich als extrem fähiger Soldat. Er diente sich bis zum Brigadegeneral hoch, später auch in anderen regulären Einheiten der persischen Armee. Sein Talent und sein unnachgiebiger Wille brachten ihm schließlich das Kommando über eben jene persische Kosakenbrigade ein.

Persien war in jenen Jahrzehnten immer stärker dem Verfall hingegeben. Als stolzer Offizier nahm Reza Khan Anteil am Niedergang seines Landes. Während des 1. Weltkriegs kämpften Briten und Russen gegen osmanische Truppen auf persischem Gebiet. Am Ende zogen die Briten nicht mehr ab, sondern besetzten Persien als Teil ihrer Intervention im Russischen Bürgerkrieg.

Als die Bolschewiken daraus siegreich hervor gingen, griff die neu formierte Sowjetunion von Norden aus Persien an und etablierte ihr eigenes Marionettenregime in der Region. Die Regierung fiel und so auch die Autorität des letzten Qajar Kaisers Ahmad Shah, der zumindest nominell noch die Herrschaft hatte. Persien war am Tiefpunkt angekommen: Politische Strömungen bekämpften einander gewaltsam, religiöse Gruppieren fochten ebenfalls gegeneinander und der Großteil des Landes war unter britischer oder sowjetischer Kontrolle.

reza3Aufständische marschieren auf Teheran

Die Sowjets kontrollierten große Teile der ländlichen Regionen, während die Briten die Kontrolle über das, was sich Regierung nannte, behielten. Als schließlich ein sowjetisch iniitierter Armeeputsch auf Teheran marschierte, entschied General Reza Khan, dass es Zeit zum Handeln war. Er stieß mit seiner persischen Kosakenbrigade nach Teheran vor und erreichte es vor den Aufständischen.

Es ist zu vermuten, dass die Briten Reza Khan mit Waffen unterstützten, nachdem ihnen klar wurde, wie schwach und unfähig die Qajar Dynastie geworden war. Reza Khan schien die einzige Hoffnung zu sein, eine kommunistische Übernahme zu verhindern und Stabilität in der Region wieder herzustellen. (was den Briten erlauben würde, ohne Konfrontation abzuziehen)

Aus Reza Khan wird Reza Pahlavi

reza4Man schrieb das Jahr 1921 als Reza Shah Pahlavi die Regierung mit einem Militärputsch zu Fall brachte. Als stärkster Führer seines Landes übernahm er die Kontrolle und eliminierte die von der Sowjetunion unterstützten Aufständischen. Nachdem die Gefahr gebannt war, kehrte er nach Teheran zurück und ernannte sich zum Premierminister, bevor er 1923 zu einer langen Reise nach Europa antrat. Im Jahr 1925 erklärte eine Regierungsversammlung Ahmad Shah der Qajar Dynastie für abgesetzt und erklärte Reza Pahlavi als neuen Shahanshah („König der Könige“) von Persien.

Reza Pahlavis Frau Nimtaj Aymromlou, später als Tadj ol-Molouk von Iran bekannt, wurde zur Kaisergemahlin und Mutter ihrer vielen Kinder. Der älteste Sohn, Mohammed Reza Shah, wurde zum Kronprinzen und Thronerben ernannt. Nach Wunsch von Reza Pahlavi sollte es eine neue Dynastie für ein neues Persien werden. Eine Dynastie der Wiedergeburt und Wiedererstarkung des einst so mächtigen Perserreichs.

Das bedeutete aber massive Veränderungen im Land. Der neue Shah gab sich ambitionierten Modernisierungskampagnen hin. Autobahnen und Eisenbahnstrecken wurden gebaut, Fabriken errichtet und Bildungsinstitute wie die Universität von Teheran eröffnet. Der Shah blickte auf die westlichen Länder, die Persien dominiert hatten, und wollte ihre Erfolge kopieren, während er gleichzeitig ihren Einfluss in Persien zu vermindern suchte.

Diese Modernisierung nach westlichem Stil würde natürlich nicht ohne Opposition geschehen. Insbesondere einige islamische Autoritäten kritisierten die Vorhaben scharf. Doch die Übernahme westlichen Kleidungsstils, eine größere Toleranz für religiöse Minderheiten und eine Stärkung der Frauenrechte geschahen nicht um religiöse Befindlichkeiten zu provozieren.

Der neue Shah wusste aus erster Hand wie anfällig Persien durch seine Schwäche für ausländischen Aggression geworden war. Seiner Ansicht nach sollte sich die Bevölkerung in Loyalität mit dem Pfauenthron verbunden fühlen, statt irgendeinem lokalen Kleriker mit seiner eigenen Agenda.

Offiziell war Persien eine konstitutionelle Monarchie, wie dies bereits unter der Qajar Dynastie der Fall war. Es wurden auch Wahlen abgehalten, doch die gerieten zunehmend zur Formalität, je mehr Macht der Shah bei sich konzentrierte. Er allein wollte das Schicksal seines Landes lenken.

reza1Ein neuer Name für Persien

Mit dieser neuen Richtung kam auch ein neuer Name für das Land, zumindest für das Ausland. Im Jahr 1935 informierte der Shah den Völkerbund, dass Persien ab sofort auch international Iran genannt werden solle. Ein Name , der im Land selbst schon lange verwendet wurde und sich grob mit „Land der Arier“ übersetzen lässt.

Mit dem Ablegen des Namens „Persien“ wollte der Shah der Welt zeigen, dass dieser neue Staat Iran sich nicht länger ausländischen Kräften beugen, sondern sein eigenes  Schicksal schmieden werde.

Natürlich klingt der Bezug auf „Arier“ in den Ohren moderner westlicher Menschen erst einmal nach 1930er Jahre, Adolf Hitler und Nazis. Viele Falschinformationen wurden über die Beziehung Hitlers und Reza Pahlavis gestreut, insbesondere dank Alliierter Propaganda, die nachträglich ihre Aggression gegenüber dem Iran zu rechtfertigen suchte.

Es ist jedoch wahr, dass es keine engen Verbindungen zwischen dem Iran und dem Deutschen Reich gab. Zwar stiegen die Investionen der Deutschen im Iran während der Regierungszeit von Shah Reza deutlich an. Doch dies war eher der Tatsache geschuldet, dass die Iraner den Deutschen eher vertrauten, als den anderen Europäern. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt keine Kolonialmacht mehr und hatte kein Interesse an einer Kolonisierung des Irans – anders als z.B. die Briten oder Sowjets.

Es ist auch nichts böses mit dem Wort „Arier“ verbunden. Vielmehr zeigt es, wie bizarr es war, dass Hitler blonde und blauäugige Nordeuropäer mit dem Term beschrieb, der ursprünglich Menschen aus Nordindien und der zentralasiatischen Region bezeichnete.

Iran war kein Vergleich zu Nazi Deutschland. Es war weder rassistisch noch antisemitisch. Mehr noch – einer der Gründe warum einige islamische Führer gegen den Shah opponierten, war weil er keine Judenverfolgungen erlaubte und religiösen Minderheiten mehr Rechte verlieh, als diese jemals hatten. Mehr als Tausend europäische Juden wurden vor dem Holocaust gerettet, in dem man ihnen während des 2. Weltkriegs die iranische Staatsangehörigkeit verlieh.

Fortschritte – aber auch viele Feinde

Wenn dem Shah heute Repressionen vorgehalten werden, dann kommt dies meist aus einer Ecke, die sich selbst als gnadenlose Unterdrücker erweisen sollten. Islamische Fundamentalisten, die es ablehnten, dass sich – wie der Shah verfügte – Männer und Frauen gemeinsam in der Öffentlichkeit miteinander aufhalten, Frauen Zugang zu Bildung erhielten und ihre Gesichter nicht mehr verschleiern müssten. Solche „unterdrückerischen Repressionen“ eben.

Die zweite Oppositionsgruppe waren jene, die vom Sowjetkommunismus des Nachbarlandes beeinflusst wurden. Die Sowjetunion plante die gezielte Infiltration und Unterwanderung von Hochschulen, die ironischerweise überhaupt erst dank des Shah existierten. Dankbarkeit ist die Tugend der Nachwelt, wie es heißt.

Auch im Ausland sah sich der Shah mit der Sowjetunion und Großbritannien zwei mächtigen Feinden gegenüber. Als beide versuchten ihren Einfluss im Iran weiter auszuweiten, schritt der Shah ein und brach die Beziehungen ab. Dies war einer der Gründe, warum der Handel mit Deutschland so immens anstieg.

So lange sich die UDSSR und Großbritannien gegenseitig ihre Pläne um die Kontrolle des Iran durchkreuzten, ging keine Gefahr aus. Die Briten hatten den Shah ursprünglich unterstützt, um die sowjetischen Aufstände niederzuschlagen. Dies änderte sich, als die Achsenmächte in Europa am 22.Juni 1941 die Sowjetunion angriffen. Auf einmal schlossen die eingefleischten Feinde UDSSR und das britische Empire eine Allianz und der Shah sah seine Lage von diesem Moment an richtigerweise als hoffnungslos an.

Dennoch versuchte er alles. Sobald der 2. Weltkrieg ausbrach, erklärte der Shah die Neutralität des Irans. Er wollte sich auf die Modernisierung und den Aufbau seines Landes fokussieren und hoffte eine Koalition von Ländern des Mittleren Ostens zu formen, die sich gegenseitig unterstützen würden. Für die Allierten gab es so etwas wie Neutralität aber nicht. Gemäß dem Sprichwort „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“ übersandte man dem Shah ein Ultimatum, in dem man ihn aufforderte, alle Angehörigen von Staaten der Achsenmächte des Landes zu verweisen. Andernfalls müsse man sich auf eine Invasion vorbereiten. Das war ein ziemlich fadenscheiniger Vorwand für ihre Aggression. Denn in praktisch jedem anderen Land der Erde gab es Staatsangehörige der Achsenmächte und doch wurden diese niemals mit einer Invasion bedroht.

Der Shah lehnt das Ultimatum ab

Der Shah lehnte die Bedingungen ab und die Briten und Sowjets starteten eine massive Invasion bestehend aus Luft, Land und Seestreitkräften gegen den Iran. Als die Panzer über die Grenze rollten, stellte der Shah die sowjetischen und britischen Botschafter zu sich ein und fragte, warum sie sein Land ohne eine Kriegserklärung angreifen würden.

Man sagte ihm, es sei wegen der Präsenz von Deutschen im Iran. Auf die Frage des Shah, ob sich die Alliierten zurückziehen, wenn er jeden Deutschen im Land ausfliegen ließe, erntete er nur Schweigen. Umso verwunderlicher übrigens die Empörung seitens der Alliierten über den japanischen Angriff auf Pearl Harbor – ebenfalls ohne Kriegserklärung – wenige Monate später. (Dezember 1941)

Die Iraner wurden von dem Angriff überrascht. Die Modernisierung der Armee, die der Shah angestossen hatte, war noch nicht abgeschlossen. Der Widerstand wurde ziemlich schnell zusammengeschossen und am Ende standen im Norden des Landes sowjetische Truppen, während der Süden von Briten besetzt war. Mit einer hoffnungslosen Situation konfrontiert, befahl der Shah nach vier Tagen die Kampfhandlungen einzustellen. Die Briten forderten ihn auf, zugunsten seines Sohns auf den Thron zu verzichten, wenn er wollte, dass seine Dynastie bestand habe.

Der Shah gab nach und am 16. September 1941 übergab er die Macht dem jungen Shah Mohammed Reza, welcher der letzte Monarch des Iran werden sollte. Für die Alliierten war die Invasion ein voller Erfolg. Iranische Straßen und Eisenbahnstrecken wurden zum Nachschubtransport in die Sowjetunion verwendet. Winston Churchill nannte den Iran sogar einmal die „die Brücke zum Sieg“ (Bridge to Victory).

reza5Der Iran nach der Invasion

Ursprünglich hatten die Briten darüber nachgedacht die Qajar Dynastie wiederherzustellen. Diese war traditionell den Briten gegenüber freundlich eingestellt – und würde wenig Widerstand leisten, wie man damals munkelte. Aber man befürchtete, dass der Qajar Erbe keine Akzeptanz finden würde. Er sprach beispielsweise nicht einmal mehr die Landessprache Farsi.

Also würde die Pahlavi Dynastie weiterleben, während die Briten den alten Shah zunächst in Hausarrest steckten. Später schob man ihn herum, ehe er nach Südafrika geschickt wurde, wo er am 26. Juli 1944 im Alter von 66 Jahren an Herzproblemen verstarb. Seine sterblichen Überreste wurden nach Ägypten überführt und begraben, später brachte man sie zur Wiederbestattung zurück in den Iran.

Kurz vor der islamischen Revolution 1979 wurden sie wieder zurück nach Ägypten gebracht. Nach der Revolution befahlen die Ayatollahs sein Mausoleum zu zerstören. Shah Reza ist gegenwärtig in der Al Rifai Moschee in Kairo neben seinem Sohn und Angehörigen des ägyptischen Königshauses begraben.

Kaiser Haile Selassie von Äthiopien

000selassie1Der letzte Kaiser Äthiopiens wurde am 23. Juli 1892 als Lij („Lij“ = Prinz) Tafari Makonnen in Ejersa Goro geboren. Seine Eltern waren Ras Makonnen Woldemikael Gudessa und Weyziro Yeshimebet Ali Abajifar. Sein Vater war der Gouverneur der Harar Provinz Äthiopiens und durch seine Großmutter mit der königlichen Familie verwandt. Darauf sollte sich später sein Anspruch auf den Thron stützen.

Zur Zeit der Geburt Lij Tafari war Äthiopien ein dezentral organisierter Staat, in dem lokale Fürsten beinahe uneingeschränkte Macht in ihren Ländereien besaßen. Dem damaligen Kaiser Menelik II. kam die Rolle eines „König der Könige“ zu, seine faktische Macht war jedoch begrenzt. Niemand dachte bei der Geburt daran, dass Lij Tafari einmal den Thron des Landes besteigen würde. Doch sein Vater, Ras Makonnen, war ein einflussreicher Mann und eine wichtige Figur im 1. Italienisch-Äthiopischen Krieg. Auch dank ihm konnte ein vernichtender Sieg über die italienische Kolonialarmee bei Adowa errungen werden.

Im Jahr 1906 verstarb sein Vater und Tafari erbte den Titel „Ras“ (einer der höchsten Titel Äthiopiens), wodurch er künftig Ras Tafari genannt wurde. Er wurde zum Gouverneur der (kleinen) Provinz Selale ernannt. 1910 versetzte man ihn schließlich in das weit prestigeträchigere Harar, nachdem sich der vorherige Gouverneur als inkompetent erwiesen hatte.

Konflikt mit Iyasu V.

000selassie2Ein Jahr darauf heiratete Ras Tafari schließlich Menen Asfaw von Ambassel, die Nichte des Thronerben Lij Iyasu, des späteren Kaisers Iyasu V. Unter dessen Regierungszeit während des 1. Weltkriegs kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit lokalen Fürsten. Ein Grund war die angebliche Abstammung Lij Iyasus vom Propheten Mohammed, was letztlich dazu führte, dass dieser zum Islam konvertierte. Noch dazu verbündete er sich mit Muhammad Ibn ‘Abd Allah Assan (aka “Mad Mullah”), der in Somalia einen Guerrillakrieg gegen Briten und Italiener führte. Auf der Suche nach Unterstützung wandte er sich zudem an das Osmanische Reich. Ein Skandal für das orientalisch-orthodox geprägte Äthiopien! Die äthiopische Kirche reagierte mit einer Exkommunikation Iyasus – womit auch dessen Anspruch auf den äthiopischen Thron verwirkt war. Nicht wenige mutmaßten damals sogar, der Kaiser habe den Verstand verloren.

Wahrscheinlicher ist, dass Iyasu V. auf diese Weise versuchte, den starken Lokalfürsten Herr zu werden und eine Vereinigung mit Somalia und den Galla-Stämmen im Osten Äthiopiens herbeizuführen. Mit dieser Macht und der Unterstützung des Osmanischen Reiches im Rücken wäre es möglich gewesen, Engländer und Italiener aus Ostafrika und dem südlichen Arabien zu vertreiben.

Aber dies sind nur Mutmaßungen. Was auch immer Iyasu V. Motive gewesen sein mögen – es war die Gelegenheit für Ras Tafari. Er wurde zum Anführer einer Fürstenkoalition und setzte Iyasu V. im September 1916 ab. Allerdings war die Machtübernahme schlecht vorbereitet, der entthronte Kaiser entkam und ein Bürgerkrieg brach in Äthiopien los.

Ein Schlüsselereignis war dabei die Massakrierung eines Großteils der muslimischen Bevölkerung in Ras Tafaris Heimatprovinz Harar. Den Muslimen, darunter viele Somali, wurde Unterstützung des enthronten Iyasu V. vorgeworfen. Der durch die Massakrierung erzeugte Hass und die Ablehnung würde Ras Tafari später noch zu schaffen machen.

Sieg der christlichen Koalition

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Kaiser Haile Selassie I. bei einer offiziellen Aufnahme

Doch zunächst waren die christlichen Fürsten siegreich. Ras Tafari war mit 25 Jahren zu jung, um den Thron selbst zu besteigen. Statt ihm wurde die Tochter von Kaiser Menelik II., Zauditu, zur Kaiserin gekrönt. Ras Tafari wurde Regent und Thronerbe und zeichnete sich durch Willenskraft und vorausschauendes Denken aus – auch wenn sein Einfluss in Äthiopien noch schwach war. Er verfügte weder über ein großes Vermögen, noch über eine große Armee. Doch er setzte alles daran, dies zu ändern.

Rebellionen und Konsolidierung der Macht

So reiste Ras Tafari nach Ende des 1. Weltkriegs durch Europa und den Mittleren Osten. Sein Ziel waren neue Abkommen, die sein Land weiterentwickeln und modernisieren sollten. Interessanterweise fand er anfangs gerade in Italien Unterstützung, das Äthopiens Aufnahme in den Völkerbund 1923 maßgeblich unterstützte, nachdem Ras Tafari die Abschaffung der Sklaverei in Äthiopien zusagte. Dies hatten vor ihm allerdings praktisch schon alle Kaiser seit dem 19. Jahrhundert zugesagt – und immer ohne Wirkung, denn die wahre Macht verblieb in den Händen der Lokalfürsten, die kein Interesse am Ende der Sklaverei hatten.

Ras Tafari wollte dies jedoch ändern – auch indem er die Macht zunehmend zentralisierte. Doch seine Position war noch nicht stark genug und so brach in der nördlichen Provinz Tigre eine Rebellion gegen sein Programm zur Modernisierung und Zentralisierung aus. Die Rebellen wurden von Kaiserin Zauditu unterstützt, was letztlich zu einer mehrjährigen Kraftprobe zwischen der Kaiserin und Ras Tafari führte. Am Ende gewann Ras Tafari, auch weil er besser organisiert war und seine Truppen über bessere Bewaffnung verfügten. Auch ein Nebeneffekt seiner Europa-Reise. Daraufhin krönte ihn Kaiserin Zauditu gezwungenermaßen zum König, was seinen Anspruch auf die Thronnachfolge zementierte. Dies führte auch zu der Situation, dass Äthiopien temporär über zwei gekrönte Häupter verfügte – nominal unterstand der König seiner Kaiserin, doch in der Realität hatte der König die Macht inne.

000selassie4Im Jahr 1930 folgte eine weitere Rebellion gegen Ras Tafari, wiederum von Lokalfürsten und der Kaiserin unterstützt, die jedoch zerschlagen wurde. Kurz darauf verstarb die Kaiserin, woraufhin Ras Tafari am 2. November 1930 zu Kaiser Haile Selassie I. („Heilige Dreifaltigkeit“) „von Gottesgnaden, Löwe des Stammes Judah und König der Könige von Äthiopien“ gekrönt wurde. Zu den ausgiebigen Feierlichkeiten kamen damals Würdenträger aus der ganzen Welt und Äthiopien wurde auf der großen Weltbühne wahrgenommen.

Modernisierung Äthiopiens als Kaiser

Haile Selassie ruhte sich jedoch nicht aus. Ein Jahr nach seiner Krönung erhielt Äthiopien die erste geschriebene Verfassung seiner Geschichte. Sie enthielt viele demokratische Bestandteile, beließ die Macht jedoch in den Händen des Kaisers. Er verschärfte die Nachfolgeregelungen für seine Nachkommen, um durch eine verringerte Liste an potenziellen Thronerben dem Land Stabilität zu geben. 1932 fiel das Königreich Jimma an Äthiopien. Äthiopien entwickelte sich zu dieser Zeit rasant. Militärexperten aus der ganzen Welt wurden nach Äthiopien eingeladen, um die äthiopische Armee zu trainieren. Den Anfang machte die Kaiserliche Garde. Ein Land jedoch wurde gezielt auf Distanz gehalten – Italien.

Zu Spannungen mit den Italiern kam es schließlich nach einem Gefecht an einer kleinen Oase namens Walwal im Jahr 1934. Im darauf folgenden Jahr befahl Mussolini die Invasion Äthiopiens. Kaiser Haile Selassie verfügte die Mobilmachung aller wehrtauglichen Männer, um ihr Land zu verteidigen.

Die italienischen Truppen waren anfänglich erfolgreich, kamen jedoch langsam voran. Der Kaiser hoffte, dass er trotz schlechterer Bewaffnung seiner Truppen durch die schiere Überzahl einen Sieg erzwingen könne. Doch seine große „Weihnachtsoffensive“ warf die Italiener nur zurück, zerstörte sie jedoch nicht. Die Italiener konnten sich neu sammeln. Faschistische Idealisten wurden durch Veteranen der königlich-italienischen Armee ersetzt und die Italiener starteten eine erfolgreiche Gegenoffensive.

Eingeborene Kämpfer in den Reihen der Italiener, insbesondere muslimische Somali, waren auf Rache aus und kämpften mit großer Verbissenheit. Christliche Eingeborene in den italienischen Kolonialtruppen desertierten andererseits und schlossen sich Äthiopien an. Dennoch war dies kein religiöser Konflikt. Einer der erfolgreichsten äthiopischen Kommandeure war beispielsweise der ehemalige osmanische General Vehib Pascha, der für Mustafa Kemal Atatürks Türkei keine Sympathie hegte. Seine starke Defensivlinie wurde auch in Äthiopien als „Hindenburg-Linie“ bekannt.

Am Ende sollten sich die überlegenen Waffen, Taktiken und Disziplin der Italiener als entscheidend erweisen. Nach sieben Monaten waren die äthiopischen Armeen größtenteils vernichtet und das Land unter italienische Kontrolle gebracht.

Haile Selassie im Exil

000selassie6Kaiser Haile Selassie setzte sich in das benachbarte Djibouti (damals französische Kolonie) ab und wurde von den Briten nach Jerusalem transportiert. Nach einem Besuch der Heiligen Stätten reiste Haile Selassie nach Europa, wo er in Genf seinen berühmten Auftritt vor dem Völkerbund hatte. Er sprach in seiner Muttersprache, tadelte den Völkerbund für sein Unvermögen die italienische Invasion zu stoppen und rief dazu auf, die unterentwickelten Nationen der Welt zu schützen. Er argumentierte, dass internationale Verträge wertlos seien, wenn auf klaren Vertragsbruch keine internationale Reaktion erfolge.

Auch wenn er zu dem Zeitpunkt bereits ein besiegter und enthronter Monarch war, so erlangte Haile Selassie durch diese Rede weltweit Aufmerksamkeit. Er wurde zum Symbol des Widerstands gegen den Faschismus. Seine Rede und sein Schicksal wird bis zum heutigen Tag gern als Beispiel für die Wichtigkeit von internationalen Interventionen angeführt.

Der Kaiser selbst richtete es sich derweil in seinem Exil in England ein. Auch wenn er es immer nur als einen zeitweisen Aufenthalt sah. Und er sollte Recht behalten. Nachdem der Völkerbund seine Appelle weiterhin ignorierte, sah er mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs seine Chance gekommen. Die italienischen Besitzungen in Ostafrika wurden von den Alliierten angegriffen und Kaiser Haile Selassie appellierte an die äthiopische Bevölkerung, aufzustehen und aktiven Widerstand zu leisten.

Rückkehr nach Äthiopien

Britische Truppen, Truppen des freien Frankreich sowie Einheiten aus Belgisch-Kongo besiegten gemeinsam mit äthiopischen Freiwilligen die vom Nachschub abgeschnittenen italienischen Truppen. Am 5. Mai 1941 kehrte Kaiser Haile Selassie I. triumphal in seinen Palast in Addis Ababa zurück, nachdem er zuvor 5 Jahre im Exil verbracht hatte.

Dies sollte den Höhepunkt der Regenschaft Haile Selassies markieren. Niemals zuvor war er von den eigenen Leuten so verehrt und international so respektiert worden. Im darauf folgenden Jahr befahl er die Abschaffung der Sklaverei. Nach Ende des 2. Weltkriegs erhielt Äthiopien schließlich die an der Grenze zu Somalia liegende Ogaden Region sowie Eritrea als autonomes Protektorat.

Doch einige Lokalfürsten blockierten seine Bemühungen um Modernisierungen . So wurde ein einheitlicher Steuersatz statt des vom Kaiser bevorzugten progressiven Modells eingeführt. Dennoch gab es Fortschritte. Durch seine Initiative erlangte die äthiopisch-orthodoxe Kirche die Autokephalie (Selbständigkeit) vom Patriarchen Alexandriens. Für Geistliche galten – erstmals in der äthiopischen Geschichte – nun auch säkulare Gesetze und Kirchenbesitz wurde genauso besteuert wie alle anderen Besitztümer auch. Der Kaiser glaubte weiterhin an die Idee der internationalen Kooperation (auch wenn er Grund gehabt hätte, daran zu zweifeln) und sandte ein Battalion Äthiopier zur Unterstützung in den Koreakrieg.

Im Jahr 1955, als Teil der Feierlichkeiten seines silbernen Thronjubiläums, wurden Verfassungsänderungen durchgeführt, welche die demokratische Mitbestimmung erhöhten, während er „die unumstrittene Macht des Monarchen“ aufrecht erhielt.

Sozialistische Infiltration und Subversion beginnt

Die Vereinten Nationen zahlten Äthiopien Entwicklungshilfe, mit deren Hilfe neue Schulen errichtet und die Infrastruktur des Landes ausgebaut wurde. Zu dieser Zeit war Kaiser Haile Selassie zum Sinnbild für afrikanische Einheit und die anti-koloniale Bewegung Afrikas geworden. Viele dieser anti-kolonialen Gruppierungen in Afrika waren jedoch kommunistisch inspiriert. Mit der Modernisierung Äthiopiens kamen dann auch diese revolutionären Ideen ins Land. Wie in vielen Teilen der Welt verbreitete sich auch damals in Äthiopien unter Studenten und Lehrern sozialistisches Ideengut. Dies führte 1960 zu einem Putschversuch der Imperialen Garde, der allerdings keine Unterstützung seitens der Bevölkerung fand und leicht zerschlagen wurde. Um sich das Wohlwollen des Militärs und der Polizei zu sichern, wurde eine Landreform umgesetzt, die jenen Gruppen Besitztümer zusprach.

Die antikoloniale Bewegung wandte sich aber auch gegen Äthiopien selbst. 1961 begann der für Jahrzehnte währende Konflikt um Eritrea. Der Kaiser reagierte auf den Gewaltausbruch mit der Auflösung der eritreischen Regierung und der formellen Annektion Äthiopiens im Jahr 1962.

Nichts davon dämpfte jedoch seinen Wunsch nach afrikanischer Einheit und 1963 gründete die Organisation für afrikanische Einheit, aus der später die Afrikanische Union hervorgehen sollte. Er war der Erste, der die Idee eines „United States of Africa“ formulierte. Als Haupt eines der ältesten afrikanischen Staaten, welcher die europäische Vorherrschaft abgeschüttelt hatte, gab es sicherlich keinen qualifizierteren Mann für dieses Amt.

Auch auf der internationalen Weltbühne blieb der Kaiser eine prominente Figur. Vielbeachtet sein Auftritt bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1963, als er an seinen früheren Appell an den Völkerbund erinnerte und von der UN als „die vielleicht letzte Hoffnung für das friedliche Überleben der Menschheit“ sprach.

Von der ganzen Welt bewundert, hatte der Kaiser zu Hause mit Ärger zu kämpfen. 1966 setzte er doch das progressive Steuersystem durch, dass er so lange schon umzusetzen gedachte. Als Reaktion darauf brach in der Provinz Gojjam eine Rebellion aus. Auch der Sozialismus spie sein Gift und förderte Unruhe und Illoyalität allem gegenüber, worauf Äthiopien basierte – primär der Monarchie und der äthiopisch-orthodoxen Kirche.

000selassie5Die kommunistische Infiltration und Subversion nahm in den Folgejahren stetig zu. Gezielt wurde versucht, Unruhe zu schüren. Zahlreiche Vorhaben mussten zurückstehen, ehe nicht die linksradikalen Gruppierungen zerschlagen waren. Für diese Opposition gegenüber linkem Gedankengut erhielt der Kaiser zu Zeiten des Kalten Krieges die uneinschränkte Zustimmung der westlichen Welt. Bei seinem Volk begann mit jeder Verschärfung der Repressionen gegenüber linken Agitatoren jedoch seine Beliebtheit zu schwinden. Sie sank weiter ab, als es  im Norden des Landes durch Mißernten zu einer Hungersnot mit zehntausenden Toten kam. Ausländische Hilfe traf ein, doch korrupte lokale Amtsträger verhinderten oftmals die Auslieferung an die Hilfsbedürftigen. Die Sowjetunion nutzte dies schamlos aus und begann massiv Propaganda gegen den Kaiser zu verbreiten – mit dem Ziel, in Äthiopien ein sozialistisches Marionettenregime zu installieren.

Die Ölkrise des Jahres 1973 traf auch Äthiopien hart und die Kommunisten verstanden es, den Kaiser für jedes Unglück persönlich verantwortlich zu machen. Im Februar 1974 brach schließlich eine Revolution aus, bei der sich ein Großteil der Armee gegen den Monarchen erhob. Keine Konzessionsversprechen des Kaisers konnte den revolutionären Eifer bremsen und am 12. September 1974 wurde Kaiser Haile Selassie I. entthront und von Rebellenmilizen gefangen genommen. Der gestürzte Monarch starb im Jahr darauf am 27. August 1975. Angeblich durch Komplikationen in Folge einer Operation, auch wenn die meisten den Tod eher als Folge von Folter sahen.

Äthiopien nach der Monarchie

Wer der sozialistischen Propaganda von blühenden Landschaften nach Absetzung des Kaisers glaubte, musste am eigenen Leib erfahren, wie sehr man sie hintergangen hatte. Eine brutale sozialistische Diktatur wurde errichtet, die für Äthiopien Jahrzehnte Armut, Hunger und Unterdrückung bedeuteten.

Das sozialistische Regime wurde nach Jahrzehnten gestürzt, doch am Status Quo änderte sich wenig. Die selbe sozialdemokratische Koalitionspartei beherrscht das Land seit damals. Ein kostspieliger Krieg mit Eritrea führte zur weiteren Schwächung des Landes und internationale Beobachter kritisierten die allgemeinen Wahlen als offensichtlich gefälscht. Kritik an der Regierung wird mit Gefängnis und Folter bestraft.

Wenige Länder haben durch den Verlust der Monarchie derart viel verloren wie Äthiopien.

König Savang Vatthana von Laos

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Kronprinz Savang Vatthana

Nur wenige Monarchen jüngerer Zeit standen vor derart unüberwindbaren Hindernissen wie seine Majestät, Savang Vatthana, der letzte König von Laos. Er wurde geboren als (auswendig lernen!) Samdach Brhat Chao Mavattaha Sri Vitha Lan Xang Hom Khao Phra Rajanachakra Lao Parama Sidha Khattiya Suriya Varman Brhat Maha Sri Savangsa Vadhana am 13. November 1907 im königlichen Palast zu Luang Prabang, als Kind seiner Majestät Sisavang Vong und Königin Kham-Oun I. Er war das zweite von fünf Kindern. Während dieser Zeit war Laos gemeinsam mit Kambodscha und den drei Regionen des alten Vietnams (Annam, Tonkin, Cochinchina) Teil des französischen Kolonialreichs Indochina.

Der Vater des jungen Prinzen, König Sisavang Vong, war Anhänger von Lebensstil und Fortschritt, den die Franzosen ins Land gebracht hatten. Zudem war er für die französische Hilfe bei der Vereinigung der kleinen laotischen Königreiche zu einem großen Königreich Laos dankbar. Er war entschlossen, die freundschaftlichen Beziehungen mit Frankreich aufrecht zu erhalten und sendete, wie seinerzeit in Königsfamilien üblich, seinen Kronprinzen Savang Vatthana im Alter von 10 Jahren nach Frankreich. Dort sollte er westliche Bildung erhalten und das Leben außerhalb von Laos kennenlernen.

Der Kronprinz besuchte eine prestigereiche Privatschule in Montpellier und erwarb später einen Abschluss an der Pariser École Libre des Sciences Politiques, eine bedeutende Institution, an der französische Diplomaten ausgebildet wurden. Der Thronerbe verbrachte zehn Jahre in Frankreich und bildete sich in Geschichte, Wissenschaft, Staatskunst und Diplomatie. Da er Laos jung verlassen hatte, mussten laotische Gelehrte nach seiner Rückkehr viele Lektionen der traditionellen laotischen Bildung nochmals mit ihm durchgehen. Es lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Savang Vatthana der gebildetste Monarch war, den Laos jemals hatte. Bald nach seiner Rückkehr, am 7. August 1930, heiratete er die künftige Königin Khamphoui. Eine glückliche Ehe, die sieben Kinder zur Welt brachte und einen engen Umgang pflegte. Man betete, spielte etc. gemeinsam. Tennis war damals ein populärer Sport in Laos und die Familie des Kronprinzen nutzte die Gelegenheit zum Spiel, wann immer sie sich bot.

Seine Majestät Savang Vatthana war ein sehr religiöser Mann. Als König von Laos würde er eines Tages eine heilige, halbgöttliche Position inne haben. Er nahm seine religiösen Pflichten sehr ernst. Gewissenhaft studierte er buddhistische Schriften, praktizierte Selbstdisziplin und diente in einem Kloster als Mönch. Während dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines Experten der Sangkha, auf einem Niveau mit führenden buddhistischen Klerikern. Der Kronprinz war entschlossen, dass wenn er den Thron besteigen und die Position des Protektors des buddhistischen Glaubens in Laos übernehme, dann werde dazu auch geistig in der Lage sein. Nicht nur zur Verteidigung gegen Angriffe, sondern auch gegenüber jedem, der versuchen würde die wahren Aussagen umzudeuten. Doch bald begann sich eine Reihe von Konflikten in dem kleinen südostasiatischen Land zu entspinnen, ausgehend mit den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg.

Als König: Savang Vatthana
Als König: Savang Vatthana

Das japanische Kaiserreich, verbündet mit Thailand, besetzte Indochina und fand unter den Bewohnern viele Unterstützer, welche die europäischen Kolonisten herauswerfen und volle Unabhängigkeit erlangen wollten. Die Japaner ließen keinen Zweifel daran, dass sie es aber vorzogen, mit traditionellen Monarchien zu kooperieren. Viele in Japan erwarteten, dass die Aussicht auf Unabhängigkeit ausreichen werde, um Laos auf ihre Seite zu ziehen. Das war nicht der Fall. Kronprinz Savang Vatthana wurde vom König in das japanische Militärhauptquartier in Saigon, Vietnam gesandt, um seine Position darzulegen und die Verhandlungen fortzuführen, falls erforderlich.

In einem tollkühnen Vorstoß erklärte der Kronprinz, dass Königreich Laos sei ein Verbündeter Frankreichs und Teil der Union Française. Dies werde sich auch nicht ändern. Es bedarf wenig Vorstellungskraft, dass die Japaner darüber wenig erfreut waren. Sie besetzten Laos kurzerhand und verbündeten sich mit der nationalistischen Fraktion im Land, um die Unabhängigkeit von Frankreich auszurufen. Im Namen des Königs protestierte Savang Vatthana lautstark gegen die japanische Präsenz in Laos und ihren Einfluss auf die Politik.

Am Ende sollte sich der König als vorausschauend erweisen – die Japaner kapitulierten 1945 und evakuierten Südostasien. Frankreich schenkte Laos 1949 die volle Selbstverwaltung als Teil der Union Indochina. Im Jahr 1951 übernahm der Kronprinz das Amt des Premierministers und 1953 handelte er die Anerkennung der Unabhängigkeit des Königreichs Laos als neutrale konstitutionelle Monarchie aus. Sechs Jahre später, im Sommer 1959, begann der König immer schwächer zu werden und Savang Vatthana übernahm die Regierungsgeschäfte. Im Nachbarland Vietnam tobte ein Kampf zwischen kommunistischen und antikommunistischen Fraktionen und die Königreiche Laos und Kambodscha waren in Gefahr, in den Konflikt hineingezogen zu werden. Ein glatter Übergang der Führung war entscheidend. Als der König wenige Monate später am 29. Oktober 1959 verstarb, wurde Savang Vatthana zum König von Laos. Der neue Monarch entschloss sich jedoch die Krönungszeremonie zu verschieben, da sich der kommunistische Aufstand in sein Land auszubreiten begann.

König Savang Vatthana befand sich in einer prekären Position. Sein Land war de facto in drei Fraktionen gespalten. Auf der einen Seite die kommunistischen Aufständischen, die Pathet Lao, die das Land übernehmen wollten und durch Nordvietnam unterstützt wurden. Auf der anderen Seite die antikommunistischen Nationalisten, die den Aufstand bekämpfen wollten und durch die Vereinigten Staaten unterstützt wurden. In der Mitte zwischen beiden befand sich die neutrale Fraktion, die Laos heraushalten und weder die eine, noch die andere Seite unterstützten wollte. (und von der Sowjetunion Unterstützung erhielt)

Noch schmerzhafter für den König war aber, dass jede Fraktion von einem königlichen Prinzen angeführt wurde. Allesamt Cousins,  von denen jeder Anspruch auf den Titel Premierminister erhob. König Savang Vatthana entschied sich für eine Reise um die Welt, um Unterstützung für ein unabhängiges Königreich Laos zu gewinnen und freundschaftliche Beziehungen aufbauen. Er hoffte, die beteiligten Mächte davon überzeugen zu können, jegliche Unterstützung für die jeweiligen Fraktionen in seinem Land einzustellen.

koenig_savang_laos3Doch die Mühe war umsonst. König Savang Vatthana konnte eine Ausweitung des immer weiter eskalierenden Vietnamkonflikts auf Laos nicht verhindern. Die Nordvietnamesen etablierten Handelsrouten durch Laos, um dadurch Truppen und Nachschub nach Südvietnam zu transportieren. Die USA attackierten diese Routen.

Im Jahr 1961 errang in der Nationalversammlung schließlich die Partei des Prinzen Boun Oum eine Mehrheit. Boun Oum war Anführer der Nationalisten und wurde durch die USA unterstützt. König Savang Vatthana erkannte die neue Regierung an, was wichtig war, denn er bekleidete die einzige Position in der Regierung, die nicht hinterfragt wurde.

Er hoffte mit Hilfe dieser Fraktion eine Koalition gründen zu können, die bei der Vereinigung des Landes helfen würde. Seine gesamte politische und moralische Autorität für diese Sache einsetzend, brachte der König 1962 alle Fraktionen an einen Tisch, um für ein friedvolles, neutrales und unabhängiges Laos einzutreten. Die Kommunisten wollten jedoch nicht mit einer Führung zusammenarbeiten, die sie nicht kontrollierten und so zerfiel die Koalition bald darauf wieder.

Es folgte eine Reihe von Putschversuchen, bis es schließlich keinen Raum mehr für Neutralität gab. Die Kommunisten der Pathet Lao weigerten sich an irgendwelchen Gesprächen, Wahlen oder Kompromissen teilzunehmen und die antikommunistischen Nationalisten und die neutrale Fraktion verbündeten sich gegen sie. Für fast ein Jahrzehnt tobte ein Bürgerkrieg im kleinen, bergigen Königreich Laos. Auf der einen Seite die kommunistischen Pathet Lao, unterstützt von Nordvietnam, auf der anderen Seite die königliche Regierung, unterstützt durch die Vereinigten Staaten. Es war schmerzvoll für den König, der stets ein Mann des Friedens war, aber die Umstände ließen keine andere Wahl. Alles würde davon abhängen, wessen Verbündete die meiste Unterstützung entsenden würden.

Die Entscheidung fiel 1975. Es war das Jahr, in dem die US-Truppen Südvietnam fluchtartig verließen und die militärische und finanzielle Unterstützung für antikommunistische Kräfte einstellten. Saigon fiel an die Nordvietnamesen, die ihrerseits nun die Unterstützung für die Aufständischen in Laos erhöhten. Diese errangen bald darauf die Macht und zwangen König Savang Vatthana am 2. Dezember 1975 zur Abdankung. Die 622 Jahre währende Monarchie endete.

Wie in den anderen Ländern Indochinas, veranstalteten die Kommunisten zunächst eine große Versöhnungscharade, indem sie den ehemaligen König zum Präsidenten ernannten. Aber diese Show ging nicht lange gut. Die Kommunisten hatten keine Verwendung für den König, doch der weigerte sich, sein Land und seine Leute im Stich zu lassen. Daraufhin wurde der König und die königliche Familie 1977 inhaftiert und in das „Camp Nummer 1“ für politische Gefangene nach Nordlaos gebracht. Niemand seiner Leute sollte den König je wiedersehen. Der König erlebte noch seinen 70. Geburtstag in Gefangenschaft – alles weitere ist unbekannt. Bis heute ist ungeklärt, wann und unter welchen Umständen er starb. Einige Teile der königlichen Familie Laos überlebten durch eine Flucht ins Exil. Heute ist Laos nur wenig mehr als ein Vasallenstaat Vietnams.

Nicht zuletzt dem tapferen Beispiel König Savang Vatthanas ist zu verdanken, dass die weltweite Gemeinschaft der Exil-Laoten bis heute trotzige Monarchisten sind. Entschlossen, die kommunistische Tyrannei eines Tages zu zerstören und das Königreich Laos in seiner einstigen Pracht wiederauferstehen zu lassen.