Kaiserin Maria Theresia von Österreich

kaiserin-maria-theresiaHinter jedem starken Mann, steht bekanntlich eine starke Frau. So will es der Volksmund wissen. Im Fall von Kaiserin Maria Theresia war es genau umgekehrt. Geboren wurde die Habsburgerin als Erzherzögin Maria Theresia am 13. Mai 1717 in Wien. Ihr Vater Karl VI. war der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, die Mutter Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Der fehlende Sohn und die Pragmatische Sanktion

Ihr Vater Karl VI. hatte zeitlebens auf die Geburt eines Sohnes gehofft. Doch er sollte keinen männlichen Erben bekommen. In seiner Verzweiflung die Dynastie zu erhalten und seiner Tochter den Thron zu sichern, wurde die „Pragmatische Sanktion“ verfasst. Darin war unter anderem festgeschrieben, dass Maria Theresia die Erbin des Habsburger Imperiums sei und ihre Rechte und ihr Territorium zu respektieren seien. Um die Zustimmung der anderen gekrönten Häuptern Europas zu seiner Pragmatischen Sanktion zu erhalten, investierte Karl VI. hohe Geldsummen.

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Kaiserin Maria Theresia hoch zu Ross

Bedauerlicherweise hatte seine Pragmatische Sanktion nie den Effekt, den der Kaiser sich wünschte. Das Geld wäre vermutlich besser in der österreichischen Armee angelegt gewesen, als in den Kassen seiner Nachbarn. Worauf Prinz Eugen von Savoyen den Kaiser sogar damals schon hinwies.

Als Kaiser Karl VI. im Jahr 1740 schließlich überraschend jung verstarb, hinterließ er einen fast bankrotten Staat und eine Tochter, die niemals wirklich auf ihre Aufgabe als Kaiserin vorbereitet worden war. Wer sich die Aufzeichnungen der damaligen „aufgeklärten Monarchen“ und ihr ausschweifendes Leben, ihr Kampf gegen die Religion und die Zentralisierung der Macht in ihren Händen ansieht, wird wenig überrascht sein, dass der Wortbruch schon kurz auf des Kaisers Tod folgte.

Der Wortbruch der Nachbarn

Karl VI. lag kaum kalt in seinem Sarg, da fiel Friedrich der Große von Preußen schon mit einer 30.000 Mann starken Armee im damals österreichischen Schlesien ein. Ihm, dem vermutlich größten Heerführer jener Zeit, stand die 23-jährige Kaiserin Maria Theresia gegenüber. Fromm, aber völlig unerfahren. Es ist anzunehmen, dass sie auf Friedrich den Großen keinen großen Eindruck machte und er sie für unfähig hielt, was sich später jedoch ändern sollte.

Zu allem Übel mischten auch die Briten auf dem Kontinent mit, indem sie die preußischen Gebietsforderungen in Schlesien unterstützten. Die Franzosen ihrerseits unterstützten Karl Albrecht, Graf von Bayern, in seinem Anspruch auf den österreichischen Thron. Dieser war mit Maria Amalie von Österreich verheiratet, der jüngsten Tochter von Maria Theresias Onkel Joseph I.

Auch Friedrich August von Sachsen wollte aufgrund verwandschaftlicher Beziehungen die Habsburger Ländereien für sich und sogar Philipp V. von Anjou meldete als Erbe der erloschenen spanischen Linie der Habsburger Anspruch an. Der so genannte österreichische Erbfolgekrieg zeichnete sich am Horizont ab.

Eine ausweglose Lage?

Dazu kam mangelndes Vertrauen ihres eigenen Hofes in die junge Maria Theresia. Man riet ihr, den Forderungen Friedrichs von Preußen nachzugeben und Schlesien abzutreten. Doch Maria Theresia dachte gar nicht daran. Doch wer konnte ihr in dieser Lage helfen? In ihrer Not wandte sie sich an die Ungarn. In einem Akt der Tugend, der das Herz jedes Magyaren mit Stolz erfüllen sollte, trotzten die Ungarn der aussichtslosen Lage und kamen ihr mit enthusiastischer Loyalität zur Hilfe. 1741 wurde sie zur Königin Ungarns gekrönt.

Ermutigt durch die Unterstützung der Ungarn schrieb die Kaisern dem britischen Botschafter in einem Brief:

„Nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch aus Gründen des Gewissens und der Ehre bin ich nicht bereit Schlesien abzugeben. Sobald ein Feind zufrieden ist, wird der nächste Feind aufbegehren. Und noch einer. Und noch einer will beschwichtigt werden. Und alles auf meine Kosten.“

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Franz Stefan von Lothringen

Kaiserin Maria Theresia machte damit klar – wenn die europäischen Nationen ihre Ländereien wollen, dann nicht ohne Kampf. In den Folgejahren sollte sich die Kaiserin den Respekt und die Anerkennung Europas erkämpfen. Österreich wurde zur Großmacht. Maria Theresias Ehemann, Franz Stefan von Lothringen wurde zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Auch wenn de-facto Maria Theresia die Herrschaft ausübte, während ihr Gemahl sich der Verwaltung der Dynastie widmete.

Die Ehe der beiden gilt heute als Musterbeispiel einer glücklichen royalen Verbindung. Bis an ihr Lebensende waren sich beide tief verbunden. Und sicherten das Überleben der Habsburger Linie, indem sie 16 Kinder hatten. Allerdings erlebten nur 9 von ihnen das Erwachsenenalter.

Die Kaiserin setzte als tiefreligiöse Katholikin auch ein moralisches Beispiel in einer Zeit, in welcher der Rest Europas begann, unter dem Einfluß der „Aufklärung“ den Ideen einer nationalistischen Tyrannei anheim zu fallen.

Die Reformen der Kaiserin

Die kaiserliche Familie
Die kaiserliche Familie

Maria Theresia ist für die Sorge um ihre Untertanen bekannt. Mehrmals zog sie in Verkleidung los und mischte sich unter ihr Volk, um den wahren Zustand ihres Reiches in Erfahrung zu bringen und die ehrliche Meinung ihrer Untertanen zu hören.

Während ihrer Regierungszeit verbesserte sich die Lebenssituation der Menschen und die Wirtschaft Österreichs erheblich. Sie kürzte Steuern für die Armen und besteuerte – zum ersten Mal in der österreichischen Geschichte – den Adel. Sie baute ein starkes und effektives Militär auf, so dass Österreich sich zu verteidigen wusste.

Das Justizwesen wurde reformiert und ein Höchstgericht geschaffen, das mit der Aufrechterhaltung des Rechts für die österreichischen Lande beauftragt war. Sie verbesserte das Bildungswesen und ermöglichte vielen Armen erstmals den Zugang zu Bildung. Die Kaiserin beschnitt auch das Recht der Großgrundbesitzer und erlaubte Bauern den Landbesitz, statt es zu pachten und der Gnade des Landadels ausgeliefert zu sein. Auch suchte sie verfolgte Katholiken zu schützen.

Die Familie feiert Sankt-Nikolaus-Tag
Die kaiserliche Familie feiert Sankt-Nikolaus-Tag

Als sich ihr Sohn Joseph II. und später sogar der Papst gegen die Jesuiten wandten, fanden sie beispielsweise insgeheim bei der Kaiserin Schutz. Den armenisch-katholischen Mechitaristen schenkte sie in Wien ein Kloster, das heute noch besteht und maßgeblich zum Erhalt armenischer Sprache und Kultur beitrug. Auch zur griechisch-katholischen Kirche pflegte sie exzellente Kontakte.

Ihre anfängliche Judenfeindlichkeit (die sogar in Aussiedlungsplänen gipfelten) legte sie mit den Jahren mehr und mehr ab. Dies insbesondere als der jüdische Höfling Abraham Mendel Theben an ihren Hof kam, dem sie stets mit Hochachtung begegnete. Maria Theresia verbot 1762 die Zwangsbekehrung und ein Jahr darauf die Eintreibung von Stolgebühren bei Juden.

Bündnis mit den verhassten Franzosen

Im Siebenjährigen Krieg nahm Österreich auf Seiten der Franzosen und Russen gegen Preußen, Briten und Portugiesen teil. Schlesien wurde zeitweise zurückerobert, nur der Regierungswechsel in Russland ersparte Friedrich dem Großen eine schmachvolle Niederlage. (Peter III. war ein Bewunderer des preußischen Königs) Kaiserin Maria Theresia war verärgert über die Verluste Frankreichs im Krieg, insbesondere der Kolonien in Nordamerika. Zumindest Österreich musste keine ernsthaften Territorialverluste hinnehmen. Unter einer schwächeren Führung hätten die Habsburger womöglich wesentlich höhere Verluste erlitten.

Der preußische Botschafter am Wiener Hof, Graf Podewil, beschreibt Maria Theresia zu jener Zeit in einem Brief an König Friedrich den Großen:

Sie besitzt, wie Sie wissen, einen unbändigen Hass auf Frankreich, mit denen es ihr schwer fällt, gute Beziehungen zu unterhalten. Sie kontrolliert diese Leidenschaft, außer wenn es zu ihrem Vorteil ist, sie zu zeigen. Sie verabscheut Euer Majestät, aber erkennt Eure Fähigkeiten an. Sie kann den Verlust Schlesiens und ihre Trauer über die verlorenen Soldaten in Kriegen mit Euer Majestät nicht vergessen.

Kaiserin Maria Theresia war so wagemutig und von starkem Willen beseelt, dass sie einmal zugab, sie wäre am liebsten selbst zu den Schlachtfeldern gefahren und hätte ihre Truppen persönlich angeführt, wäre sie nicht andauernd schwanger gewesen. (zur Erinnerung: 16 Kinder!) Als Russland und Preußen die Aufteilung Polens beschlossen, stimmte die Kaiserin dem nur widerwillig zu.

Kaiserin gegen den Trend ihrer Zeit

Die Kaisern im Alter
Kaiserin Maria Theresia im Alter

Sie war eine eindrucksvolle Frau und Kaiserin, in jeder Beziehung. Damit stand sie in scharfem Kontrast zu anderen Herrschern ihrer Zeit. Während andere „aufgeklärte“ Häupter im Ausland mit eiserner Faust herrschten, erwarb sich Maria Theresia die Loyalität der Menschen durch wohlwollende Politik und eine Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Während andere Monarchen des 18. Jahrhunderts einen ausschweifenden Lebensstil mit Skandalen und Morden führten, war Maria Theresia ein Paradebeispiel für eine christliche Herrscherin und loyale Tochter der Kirche. All jene Herrscher, ob Friedrich der Große oder Katharina die Große, hatten ihre persönlichen Talente und Erfolge, die man anerkennen muss. Aber Maria Theresia gab ein tugendhaftes Beispiel für einen klugen Monarchen, der mit Weisheit und Anteilnahme am Leben seiner Untertanten sein Land regiert.