König Luis I. von Portugal

Dom_luís_ISeine königliche Hohheit Prinz Luis Filipe Maria Fernando Pedro de Alcantara Antonio Miguel Rafael Gabriel Gonzaga Xavier Francisco de Assis Joao Augusto Julio Valfando de Saxe-Coburgo-Gotha e Braganza wurde am 31. Oktober 1838 in Lissabon geboren. Er war der zweite Sohn von Königin Maria II. und König Fernando II. von Portugal und erhielt den Titel Herzog von Porto.

Sein älterer Bruder, König Pedro V., starb nach weniger als einem Jahrzehnt auf dem Thron an den Folgen einer Cholera-Epidemie, die Portugal 1861 heimsuchte und auch in der königlichen Familie heftige Opfer forderte. Da Pedro V. keine Erben aufzuweisen hatte, ging die Königswürde auf seinen jüngeren Bruder über. Am 11. November 1861 bestieg König Luis I. den portugiesischen Thron.

Er stand vor keinen leichten Aufgaben, die Welt war damals in Aufruhr. In den USA und Mexiko herrschte Bürgerkrieg. In Südamerika drohte ein Krieg zwischen Brasilien und seinen Nachbarn. In Europa formierte sich das neue Königreich Italien und in Afrika verschärfte sich der Wettstreit um Kolonien. König Luis würde sein bestes Geben müssen, um Portugal durch dieses unruhige Fahrwasser zu steuern. Eine gelungene Analogie, war er als Offizier der portugiesischen Marine doch bereits selbst zu den portugiesischen Kolonien in Afrika gefahren und hatte 1858 sein erstes Marinekommando erhalten.

Hochzeit mit Prinzessin Maria Pia

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Das Königspaar mit den beiden Söhnen

Im Jahr 1862 heiratete König Luis die Prinzessin Maria Pia von Savoyen, eine Tochter von König Vittorio Emmanuele II. von Italien. Eine exzellente Partie. Vom Volk als wohltätiger Engel und Mutter der Armen geliebt, schenkte sie dem König zwei Söhne. Carlos, 1863 geboren sowie Afonso, 1865 geboren. Ein Jahr später erlitt die Königin eine Totgeburt und das Paar hatte keine weiteren gemeinsamen Kinder mehr. Der König sollte mit einer Geliebten später noch einen Sohn zeugen und seine Untreue wurde von vielen für die Depressionen verantwortlich gemacht, mit denen Königin Maria Pia nach einigen Jahren der bis dahin glücklichen Ehe kämpfte.

König Luis I. war im Grunde drei Jahrhunderte zu spät geboren. Er besaß den perfekten „Renaissance-Charakter“. Er war hochgebildet, kultiviert und besaß ein Übermaß ein intellektueller Neugier. Er sprach mehrere Sprachen, war Amateurmaler, komponierte Musik und spielte begeistert Cello und Piano. Die Literatur lag ihm am Herzen. Neben dem Lesen verbrachte er viel Zeit damit, selbst Poesie zu verfassen oder Shakespeare ins Portugiesische zu übersetzen. Ozeanographie lag im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses und er investierte erhebliche Summen seines Privatvermögens in ozeanographische Forschungsschiffe sowie dem Bau eines der ersten Aquarien der Welt in Lissabon, welches die Vielfalt des Lebens im Ozean aufzeigt. Es kann im übrigen noch heute besucht werden.

Keine Ruhe für König und Portugal

Was die Politik anging, so hatte König Luis eine weniger ruhige Regierungszeit. In Portugal dauerte der politische Konflikt zwischen den liberalen „Progressistas“ und den konservativen „Regeneradores“ an. Wobei der König naturgemäß den Konservativen näher stand. Portugal befand sich in einer ökonomisch prekären Situation. Um die chronisch leere Staatskasse zu füllen, beschloss man die Erhebung einer neuen Verbrauchssteuer. Diese Steuer war jedoch so unpopulär beim Volk, dass es 1867 zu Protesten auf den Straßen kam.

Der Herzog von Saldanha
Herzog João Carlos Gregório Domingos Vicente Francisco de Saldanha Oliveira e Daun

Die politischen Probleme dauerten an, als es am 19. Mai 1870 zu einem Militäraufstand unter dem Herzog von Saldanha kam. Der Herzog war ein politisches Urgestein Portugals und zu jener Zeit Premierminister. Doch sein Aufstand scheiterte. Der Herzog verlor durch den gescheiterten Aufstand seine Position und konnte sich glücklich schätzen, nicht mehr verloren zu haben. Die ansonsten unpolitische Königin Maria Pia sagte, dass sie ihn – wenn sie der König wäre – hätte erschiessen lassen. Bei solchen Gelegenheiten schimmerte immer wieder ihr feuriges Temperament durch, die sich ansonsten ihrem Stand gemäß zurückhielt.

Ebenfalls 1870 stellte König Luis I. Überlegungen an, als einer der Kandidaten Anspruch auf den verwaisten spanischen Thron zu erheben. Er entschied sich jedoch – in weiser Voraussicht – gegen ein solches Vorhaben. Wie bekannt ist, sorgte der Anspruch eines anderen Kandidaten auf den spanischen Thron zum Französisch-Preußischen Krieg von 1870/71. Derlei Streitigkeiten waren das Letzte, was Portugal zu diesem Zeitpunkt benötigte.

Denn das Königreich Portugal war seit den Kriegen mit dem napoleonischen Frankreich zu Beginn des Jahrhunderts nicht mehr in bestem Zustand. Seit damals hatte das kleine Land kaum die Chance, sich zu erholen. Zunächst kam es zum Abfall der wichtigsten Kolonie, Brasilien. Anschließend zum „Krieg der zwei Brüder“ (Miguelistenkrieg) um die Krone Portugals. Es folgten immer wieder Probleme mit Seuchen / Krankheiten und der Modernisierung des Landes im Allgemeinen. Dazu kam eine politische Szene, deren Kennzeichen immer mehr Korruption und Intrigen wurden, statt sich um das Allgemeinwohl und das portugiesische Kolonialreich zu sorgen.

Die rosafarbene Karte

All dies führte dazu, dass Portugal immer weiter in Stagnation verfiel, während andere europäische Länder in ihrer Entwicklung davonzogen. Auf der Weltbühne entstanden Portugal Nachteile aus ihrer Allianz mit Großbritannien (seit 1386!), die älteste noch bestehende Allianz der Welt. In der Vergangenheit gab es niemals Interessenskonflikte zwischen Portugiesen und Briten. Doch wegen Afrika kam es erstmals zu Spannungen.

Nach dem Verlust Brasiliens wurden die afrikanischen Kolonien für Portugal immer wichtiger. In Lissabon hoffte man, dass ein Wachstum in Afrika die portugiesische Wirtschaft wieder beleben würde. Die größten Besitzungen waren Portugiesisch Westafrika (Angola) und Portugiesisch Ostafrika (Mozambique) an den Küsten des Atlantiks und des Indischen Ozeans.

Die berühmte rosafarbene Karte
Die berühmte rosafarbene Karte

Nach Abschaffung des Sklavenhandels unternahmen die Portugiesen daher Militärexpeditionen, um diese Kolonien mit ihren kleinen Küstensiedlungen tiefer im inneren Afrikas zu besiedeln. Die bekannte „rosafarbene Karte“ illustriert den Portugiesischen Wunsch den Kontinent zu durchqueren und die Besitzungen in West- und Ostafrika über eine Landroute zu vereinen.

Das britische Empire war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits dabei von Südafrika aus nach Norden zu expandieren. Verhandlungen wurden bis zur Berliner Konferenz aufgeschoben, wo es zum berühmten „Wettlauf um Afrika“ der europäischen Mächte kam.

Portugal war zu Konzessionen gegenüber den Franzosen und Deutschen bereit, um ihrerseits Unterstützung für den portugiesischen Anspruch auf das Landesinnere zu sichern. Nachdem auf der Berliner Konferenz der belgische Anspruch auf den Kongo festgeschrieben wurde , sah sich Portugal in seinen Expansionsmöglichkeiten nach Norden noch weiter eingeschränkt. Umso mehr pochte man auf Umsetzung der „rosafarbenen Karte“. Doch ausgerechnet der langjährige Verbündete Großbritannien durchkreuzte die Pläne. Der portugiesische Anspruch war einfach nicht mit dem britischen Wunsch eines Kolonialreichs „von Kap bis Kairo“ in Einklang zu bringen.

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Luis I. in späteren Lebensjahren

König Luis I. würde die Entscheidung in dieser Frage jedoch nicht mehr erleben. Nachdem er sich Zeit seiner Regenschaft dem Vorwurf ausgesetzt sah, die Konservativen den Progressistas vorzuziehen, gewannen gegen Ende seiner Herrschaft noch radikalere linke Parteien wie die Sozialistische Partei und die Republikanische Partei an Gewicht.

Beiden war die Geschichte und Tradition des Königreichs Portugal ein Dorn im Auge. König Luis I. befand sich im Zentrum der Streitigkeiten und nicht gerade in einer beneidenswerten Situation. Für einen Mann, der stundenlang über die Schönheit von Kunst und Musik debattieren konnte, wurde die politische Situation mit ihren Kleinkriegen und Intrigen immer schwerer zu ertragen. Am 19. Oktober 1889 starb er unerwartet im Alter von nur 50 Jahren. Sein Sohn und Nachfolger König Carlos I. erbte ein mit großen Problemen belastetes Königreich.

Im Jahr 1890 stellte die britische Regierung Portugal ein Ultimatum unter Androhung des Abbruchs aller diplomatischen Beziehungen, sollte Portugal nicht alle seine Truppen aus den Hochländern im inneren Afrikas abziehen und die britische Kontrolle über das Territorium zwischen Angola und Mozambique anerkennen. Carlos I. hatte keine Wahl als zuzustimmen oder einen Krieg zu riskieren, der hoffnungslos gewesen wäre. Die Öffentlichkeit war außer sich vor Wut. Man sah das Ultimatum als Verrat ihres ältesten Verbündeten und die Republikaner nutzten die Situation, um gegen die Monarchie zu mobilisieren, da der König angeblich die Interessen Portugals „ausverkaufe“.

Heute wird König Luis vielfach unberechtigt für die Krankheiten Portugals verantwortlich gemacht, die letztlich auch die Monarchie zu Fall brachten. Dies zu tun, bedeutet ihn für etwas verantwortlich zu machen, worauf er keinerlei Einfluss hatte. Er konnte weder etwas für die Kriege vor seiner Regentschaft und er war auch kein absoluter Monarch, der nach Belieben herrschen konnte.

Alles was er tun konnte, war die sich streitenden politischen Eliten an einen Tisch zu bringen. Doch trotz seiner zahlreichen Bemühungen gelang ihm der Ausgleich nie. Er war ein nachdenklicher, gebildeter Mann der alle Qualitäten eines erfolgreichen konstitutionellen Monarchen besaß. Die Öffentlichkeit kannte seine Verdienste damals an, auch wenn nachfolgende Generationen ihn nicht „Luis der Beliebte“ oder „Luis der Große“ nannten. Er war der aufrichtigste Mann in den damaligen Hallen der portugiesischen Macht und genau dafür wurde er geschätzt.

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