König Ludwig III. von Bayern

Firle,_Prinzregent_LudwigDer letzte bayerische König wurde am 07. Januar 1845 als Ludwig Luitpold Josef Maria Aloys Alfried in München geboren. Er war der erstgeborene Sohn des Prinzregenten Luitpold und seiner Frau Erzherzögin Augusta von Österreich. Die Mutter war eine Tochter Großherzogs Leopold II. der Toskana, verbrachte lange Jahre in Florenz und sprach mit ihren Kindern zumeist auf Italienisch.

Als Kind liebte es Ludwig, draußen in der Natur zu spielen. Diese Liebe zur Natur würde ihn zeitlebens prägen. Mit 16 Jahren trat er 1861 als Leutnant dem 6. Jägerbattalion unter seinem Onkel, König Maximilian II. bei. Es sollte der Anfang einer langen Militärkarriere sein. Im nächsten Jahr begann er Vorlesungen zu Jura und Ökonomie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München zu besuchen. Wertvolles Wissen für einen Monarch, auch wenn Ludwig angab, er hätte lieber Agrarwirtschaft studiert.

Im selben Jahr nahm der junge Prinz Ludwig mit vollendetem 18. Lebensjahr bereits an Sitzungen des bayerischen Senats teil. Dies war üblich für Prinzen, um ihnen Einblicke und erste praktische Erfahrung in die Regierungarbeit zu ermöglichen.

Erster Kriegseinsatz und Verwundung

Im Jahr 1866 kam es zum so genannten Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich. Bayern war damals mit Österreich verbündet und als mittlerweile Oberleutnant nahm auch Ludwig an den Kämpfen teil. Beim Gefecht von Helmstadt wurde er durch einen Schuss in den Oberschenkel verwundet. Erhielt für seinen persönlichen Einsatz aber in der Folge das Ritterkreuz 1. Klasse des bayrischen Militärverdienstordens.

Trotz seiner persönlichen Anstrengungen verlor Österreich den Feldzug. Preußen stieg damit endgültig zum mächtigsten deutschsprachigen Land auf.

Hochzeit mit Marie Therese von Österreich-Este

Als Prinz Ludwig im Jahr darauf zur Beerdigung eines Cousins nach Wien reiste, lernte er dort Erzherzögin Marie Theresie von Österreich-Este kennen. Am 20. Februar 1888 heirateten die beiden in Wien, auch Kaiser Franz Joseph I. war als Ehrengast anwesend.

Marie Therese von Österreich-Este
Marie Therese von Österreich-Este

Es war eine exzellente Partie für Ludwig. Nicht nur, dass es eine glückliche Ehe mit über 50 Ehejahren werden sollte, er erbte durch die Hochzeit auch große Ländereien in Böhmen und Ungarn.

Dies erlaubte ihm, sich noch tiefer seinem Interesse an der Agrarwirtschaft zu widmen. Und es brachte ihm genug Einkünfte ein, um in Bayern ein Bauernhof-Modell nach seinen Vorstellungen zu bauen. Der im übrigen sehr erfolgreich betrieben wurde und ihm bei der Landbevölkerung den Beinamen „Milibauer vo Leitstettn“ (Milchbauer aus Leutstetten) einbrachte. Wobei im Leutstettener Schloß neben Viehwirtschaft und Ackerbau mit dem Leutstettener auch ein edles Halbblutpferd gezüchtet wurde, das viel Ansehen einbrachte.

Seine Frau Marie Therese hatte zudem eine glänzende Abstammung und wurde von einer Handvoll verbliebener Jakobiten (Anhänger der Stuart-Linie) als rechtmäßige Erbin des britischen Throns gesehen. Sie mied das Thema jedoch in der Öffentlichkeit.

Noch heute sehen die Jakobiner den gegenwärtigen Chef des Hauses Wittelsbach, Herzog Franz von Bayern, als rechtmäßigen Thronerben. Die Sukzession der Jakobiten war seinerzeit vom Haus Stuart zum Haus Savoyen übergegangen und von dort zum Haus von Modena und Austria-Este. Ludwig und Maria Theresa würden zusammen 13 Kinder haben und taten damit mehr als ihre Pflicht, um die Nachfolge zu sichern

Gemälde zur Goldenen Hochzeit des Paares 1918
Gemälde zur Goldenen Hochzeit des Paares 1918

Am liebsten hätte Ludwig seine gesamte Zeit mit der Familie verbracht und sich seinem Hobby, der Landwirtschaft und der Energieerzeugung mittels Wasserkraft gewidmet. Doch die königliche Pflicht stand an erster Stelle and kollidierte oft mit seinen ländlichen Interessen.

Als 1870 der Preußisch-Französische Krieg ausbrach, zogen auch bayerische Soldaten als Verbündete Preußens in den Krieg. Nach dem fulminanten Sieg über die Franzosen formierte sich das Deutsche Reich unter preußischer Führung im Jahr 1871.

Krönung zum König

ludwig-iii-thronbesteigungAls sein Vater Luitpold nach langer Regentschaft im Jahr 1912 verstarb, beerbte ihn sein Sohn Ludwig. Auch er wurde zum Prinzregenten. Aber nicht zum König. Damit wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass König Otto immer noch lebte und man nur in Vertretung des Königs agierte. (Die Chancen auf eine Rückkehr König Ottos standen aber schlecht, litt er doch unter massiven psychischen Problemen und war seit 1875 regierungsunfähig)

Da sich die meisten Bayern nur noch an die erfolgreiche Regentschaft unter Prinz Luitpold erinnern konnten, kam schon bald die Forderung auf, Ludwig zum neuen König von Bayern zu weihen. Dies erschien jedermann sinnvoll und 1913 wurde ein neues Gesetz verabschiedet, durch das er zu König Ludwig III. von Bayern wurde. Der alte König Otto wurde jedoch weiterhin als König betitelt und für seine weiteren Lebensjahre auch so behandelt. In den Jahren 1913-1916 besaß Bayern also im Grunde zwei Könige.

König Ludwig III. besaß eine enge Bindung zu seinen Leuten, sorgte sich um ihr Wohl und suchte stets nach Möglichkeiten sein Königreich zu verbessern. Seine Sozialpolitik orientierte sich stark an der päpstlichen Enzyklika „Rerum Novarum“. Er war allerdings auch nicht vor Kritik gefeit. Die Preußen tendierten dazu die Bayern als „schwierig“ und „anmaßend“ zu erachten. In Bayern wiederrum wurde König Ludwig III. teilweise vorgeworfen, den Preußen zu untergeben zu sein. Eine Kritik, die sich auch schon sein Vater Prinzregent Luitpold gefallen lassen musste, die jedoch unfair war.

So wie Prinzregent Luitpold sich bereits mit Otto von Bismarck wegen dessen antikatholischer Politik angelegt hatte, so setzte sich König Ludwig III. für den Erhalt der bayerischen Kultur ein. Insbesondere der einzigartige katholische Charakter im protestantisch dominierten Deutschen Reich. Er sah Bayern als südliches Gegengewicht zu Preußen und befürchtete stets, dass Preußen auf Kosten der anderen deutschen Königreiche zu mächtig werden könnte. Dies wurde besonders nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs  zum Problem.

Einige Historiker porträtieren Ludwig III. und – zu einem gewissen Maß – ganz Bayern als eher unfreiwilligen Kriegsteilnehmer an einem originär preußischen Konflikt. Dies ist allerdings nicht ganz wahr. Wie in den meisten anderen europäischen Länder war die bayerische Öffentlichkeiten ebenso enthusiastisch über den Krieg und erpicht darauf, endlich eine Entscheidung und Neuordnung Europas herbeizuführen.

Was König Ludwig III. große Sorgen bereitete, war die Frage, wie er die übermäßige Macht Preußens im Reich beschränken könnte. Für ihn musste Bayern das natürlich Gegengewicht zur preußischen Dominanz im Deutschen Reich sein und bleiben. Dies gipfelte in einem Plan, wonach Bayern im Fall des Kriegsgewinns den Elsass und die belgische Stadt Antwerpen zugeschlagen bekäme. Letzteres würde Bayern eine Verbindung zur Nordsee geben und der König hatte schon lange großes Interesse an der Seefahrt und ihrer ökonomischen Nutzung entwickelt.

Der König während des 1. Weltkriegs
Der König während des 1. Weltkriegs

Doch so weit sollte es nicht kommen. Die Kriegssituation verschlechterte sich zusehends für das Deutsche Reich. König Ludwig III. wurde abermals vorgeworfen, nur eine Marionette der Preußen zu sein.  Was unwahr ist. Wahr ist aber, dass die Verluste Bayerns als zweitmächtigster Staat des Deutschen Reiches vergleichsweise groß waren. Bayern trug 3 Armeekorps zu den Streitkräften bei, das größte Truppenkontingent nach den Preußen und München war das Hauptquartier des bayerischen Generalstabs. Das bayerische Kriegsministerium und ihr Armeekorps agierten praktisch unabhängig mit eigenen Kommandeuren, eigenen Uniformen und eigenen Traditionen.

Mit der Länge des Krieges nahm der Wunsch nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit Bayerns stark zu. Insbesondere in München entwickelte sich auch eine sozialistische Cliqué mit dem Ziel den Marxismus in Bayern in Form einer Räterepublik nach sowjetischem Muster einzuführen. Ende 1918 versuchte Bayern noch einen Separatfrieden mit den Alliierten zu schließen, doch dies schlug fehl.

In München kam es in der Folge zu Aufständen und König Ludwig III. musste die Hauptstadt mit seiner Familie verlassen. Die Revolutionäre um Kurt Eisner erklärten den König für abgesetzt. Er war damit der erste deutsche Monarch, der eine derartige Demütigung zu erleiden hatte. Nach 738 Jahren endete damit die Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern.

König_Ludwig_III._von_BayernOhne möglichen Ausweg entband König Ludwig III. alle Soldaten und Regierungsangestellten von ihrer Loyalitätspflicht. Er dankte jedoch nicht ab, wie republikanische Führer dies später falsch verkündeten – und er legte Wert auf diese Tatsache.

Doch Formalitäten beiseite, die Monarchie war gefallen und Ludwig III. musste das Land verlassen. Er zog von Ungarn nach Liechtenstein und schließlich in die Schweiz. Nach einiger Zeit gelang es konservativen Kräften die Marxisten auszuschalten und wieder Ordnung in München herzustellen. Die königliche Familie konnte 1920 zurückkehren und es gab leisen Optimismus, dass eine Wiederherstellung der Monarchie möglich sei. Insbesondere in den ländlichen Regionen besaß die Monarchie einen extrem starken Rückhalt in der Bevölkerung.

Doch inmitten der Bemühungen starb König Ludwig III. am 18. Oktober 1921 während eines Besuchs in Ungarn. Aufgrund der Popularität der Monarchie in Bayern, erhielt der König von der republikanischen Regierung widerwillig ein Staatsbegräbnis.

König Ludwig III. war niemals abgedankt. Sein Sohn, Kronprinz Rupprecht, lehnte es ebenfalls ab, die Republik zu akzeptieren, ehe das bayrische Volk nicht in einem freien Referendum zwischen Republik und Monarchie abstimmen dürfe. Bis zum heutigen Tag hat eine solche Abstimmung niemals stattgefunden.