König Savang Vatthana von Laos

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Kronprinz Savang Vatthana

Nur wenige Monarchen jüngerer Zeit standen vor derart unüberwindbaren Hindernissen wie seine Majestät, Savang Vatthana, der letzte König von Laos. Er wurde geboren als (auswendig lernen!) Samdach Brhat Chao Mavattaha Sri Vitha Lan Xang Hom Khao Phra Rajanachakra Lao Parama Sidha Khattiya Suriya Varman Brhat Maha Sri Savangsa Vadhana am 13. November 1907 im königlichen Palast zu Luang Prabang, als Kind seiner Majestät Sisavang Vong und Königin Kham-Oun I. Er war das zweite von fünf Kindern. Während dieser Zeit war Laos gemeinsam mit Kambodscha und den drei Regionen des alten Vietnams (Annam, Tonkin, Cochinchina) Teil des französischen Kolonialreichs Indochina.

Der Vater des jungen Prinzen, König Sisavang Vong, war Anhänger von Lebensstil und Fortschritt, den die Franzosen ins Land gebracht hatten. Zudem war er für die französische Hilfe bei der Vereinigung der kleinen laotischen Königreiche zu einem großen Königreich Laos dankbar. Er war entschlossen, die freundschaftlichen Beziehungen mit Frankreich aufrecht zu erhalten und sendete, wie seinerzeit in Königsfamilien üblich, seinen Kronprinzen Savang Vatthana im Alter von 10 Jahren nach Frankreich. Dort sollte er westliche Bildung erhalten und das Leben außerhalb von Laos kennenlernen.

Der Kronprinz besuchte eine prestigereiche Privatschule in Montpellier und erwarb später einen Abschluss an der Pariser École Libre des Sciences Politiques, eine bedeutende Institution, an der französische Diplomaten ausgebildet wurden. Der Thronerbe verbrachte zehn Jahre in Frankreich und bildete sich in Geschichte, Wissenschaft, Staatskunst und Diplomatie. Da er Laos jung verlassen hatte, mussten laotische Gelehrte nach seiner Rückkehr viele Lektionen der traditionellen laotischen Bildung nochmals mit ihm durchgehen. Es lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Savang Vatthana der gebildetste Monarch war, den Laos jemals hatte. Bald nach seiner Rückkehr, am 7. August 1930, heiratete er die künftige Königin Khamphoui. Eine glückliche Ehe, die sieben Kinder zur Welt brachte und einen engen Umgang pflegte. Man betete, spielte etc. gemeinsam. Tennis war damals ein populärer Sport in Laos und die Familie des Kronprinzen nutzte die Gelegenheit zum Spiel, wann immer sie sich bot.

Seine Majestät Savang Vatthana war ein sehr religiöser Mann. Als König von Laos würde er eines Tages eine heilige, halbgöttliche Position inne haben. Er nahm seine religiösen Pflichten sehr ernst. Gewissenhaft studierte er buddhistische Schriften, praktizierte Selbstdisziplin und diente in einem Kloster als Mönch. Während dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines Experten der Sangkha, auf einem Niveau mit führenden buddhistischen Klerikern. Der Kronprinz war entschlossen, dass wenn er den Thron besteigen und die Position des Protektors des buddhistischen Glaubens in Laos übernehme, dann werde dazu auch geistig in der Lage sein. Nicht nur zur Verteidigung gegen Angriffe, sondern auch gegenüber jedem, der versuchen würde die wahren Aussagen umzudeuten. Doch bald begann sich eine Reihe von Konflikten in dem kleinen südostasiatischen Land zu entspinnen, ausgehend mit den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg.

Als König: Savang Vatthana
Als König: Savang Vatthana

Das japanische Kaiserreich, verbündet mit Thailand, besetzte Indochina und fand unter den Bewohnern viele Unterstützer, welche die europäischen Kolonisten herauswerfen und volle Unabhängigkeit erlangen wollten. Die Japaner ließen keinen Zweifel daran, dass sie es aber vorzogen, mit traditionellen Monarchien zu kooperieren. Viele in Japan erwarteten, dass die Aussicht auf Unabhängigkeit ausreichen werde, um Laos auf ihre Seite zu ziehen. Das war nicht der Fall. Kronprinz Savang Vatthana wurde vom König in das japanische Militärhauptquartier in Saigon, Vietnam gesandt, um seine Position darzulegen und die Verhandlungen fortzuführen, falls erforderlich.

In einem tollkühnen Vorstoß erklärte der Kronprinz, dass Königreich Laos sei ein Verbündeter Frankreichs und Teil der Union Française. Dies werde sich auch nicht ändern. Es bedarf wenig Vorstellungskraft, dass die Japaner darüber wenig erfreut waren. Sie besetzten Laos kurzerhand und verbündeten sich mit der nationalistischen Fraktion im Land, um die Unabhängigkeit von Frankreich auszurufen. Im Namen des Königs protestierte Savang Vatthana lautstark gegen die japanische Präsenz in Laos und ihren Einfluss auf die Politik.

Am Ende sollte sich der König als vorausschauend erweisen – die Japaner kapitulierten 1945 und evakuierten Südostasien. Frankreich schenkte Laos 1949 die volle Selbstverwaltung als Teil der Union Indochina. Im Jahr 1951 übernahm der Kronprinz das Amt des Premierministers und 1953 handelte er die Anerkennung der Unabhängigkeit des Königreichs Laos als neutrale konstitutionelle Monarchie aus. Sechs Jahre später, im Sommer 1959, begann der König immer schwächer zu werden und Savang Vatthana übernahm die Regierungsgeschäfte. Im Nachbarland Vietnam tobte ein Kampf zwischen kommunistischen und antikommunistischen Fraktionen und die Königreiche Laos und Kambodscha waren in Gefahr, in den Konflikt hineingezogen zu werden. Ein glatter Übergang der Führung war entscheidend. Als der König wenige Monate später am 29. Oktober 1959 verstarb, wurde Savang Vatthana zum König von Laos. Der neue Monarch entschloss sich jedoch die Krönungszeremonie zu verschieben, da sich der kommunistische Aufstand in sein Land auszubreiten begann.

König Savang Vatthana befand sich in einer prekären Position. Sein Land war de facto in drei Fraktionen gespalten. Auf der einen Seite die kommunistischen Aufständischen, die Pathet Lao, die das Land übernehmen wollten und durch Nordvietnam unterstützt wurden. Auf der anderen Seite die antikommunistischen Nationalisten, die den Aufstand bekämpfen wollten und durch die Vereinigten Staaten unterstützt wurden. In der Mitte zwischen beiden befand sich die neutrale Fraktion, die Laos heraushalten und weder die eine, noch die andere Seite unterstützten wollte. (und von der Sowjetunion Unterstützung erhielt)

Noch schmerzhafter für den König war aber, dass jede Fraktion von einem königlichen Prinzen angeführt wurde. Allesamt Cousins,  von denen jeder Anspruch auf den Titel Premierminister erhob. König Savang Vatthana entschied sich für eine Reise um die Welt, um Unterstützung für ein unabhängiges Königreich Laos zu gewinnen und freundschaftliche Beziehungen aufbauen. Er hoffte, die beteiligten Mächte davon überzeugen zu können, jegliche Unterstützung für die jeweiligen Fraktionen in seinem Land einzustellen.

koenig_savang_laos3Doch die Mühe war umsonst. König Savang Vatthana konnte eine Ausweitung des immer weiter eskalierenden Vietnamkonflikts auf Laos nicht verhindern. Die Nordvietnamesen etablierten Handelsrouten durch Laos, um dadurch Truppen und Nachschub nach Südvietnam zu transportieren. Die USA attackierten diese Routen.

Im Jahr 1961 errang in der Nationalversammlung schließlich die Partei des Prinzen Boun Oum eine Mehrheit. Boun Oum war Anführer der Nationalisten und wurde durch die USA unterstützt. König Savang Vatthana erkannte die neue Regierung an, was wichtig war, denn er bekleidete die einzige Position in der Regierung, die nicht hinterfragt wurde.

Er hoffte mit Hilfe dieser Fraktion eine Koalition gründen zu können, die bei der Vereinigung des Landes helfen würde. Seine gesamte politische und moralische Autorität für diese Sache einsetzend, brachte der König 1962 alle Fraktionen an einen Tisch, um für ein friedvolles, neutrales und unabhängiges Laos einzutreten. Die Kommunisten wollten jedoch nicht mit einer Führung zusammenarbeiten, die sie nicht kontrollierten und so zerfiel die Koalition bald darauf wieder.

Es folgte eine Reihe von Putschversuchen, bis es schließlich keinen Raum mehr für Neutralität gab. Die Kommunisten der Pathet Lao weigerten sich an irgendwelchen Gesprächen, Wahlen oder Kompromissen teilzunehmen und die antikommunistischen Nationalisten und die neutrale Fraktion verbündeten sich gegen sie. Für fast ein Jahrzehnt tobte ein Bürgerkrieg im kleinen, bergigen Königreich Laos. Auf der einen Seite die kommunistischen Pathet Lao, unterstützt von Nordvietnam, auf der anderen Seite die königliche Regierung, unterstützt durch die Vereinigten Staaten. Es war schmerzvoll für den König, der stets ein Mann des Friedens war, aber die Umstände ließen keine andere Wahl. Alles würde davon abhängen, wessen Verbündete die meiste Unterstützung entsenden würden.

Die Entscheidung fiel 1975. Es war das Jahr, in dem die US-Truppen Südvietnam fluchtartig verließen und die militärische und finanzielle Unterstützung für antikommunistische Kräfte einstellten. Saigon fiel an die Nordvietnamesen, die ihrerseits nun die Unterstützung für die Aufständischen in Laos erhöhten. Diese errangen bald darauf die Macht und zwangen König Savang Vatthana am 2. Dezember 1975 zur Abdankung. Die 622 Jahre währende Monarchie endete.

Wie in den anderen Ländern Indochinas, veranstalteten die Kommunisten zunächst eine große Versöhnungscharade, indem sie den ehemaligen König zum Präsidenten ernannten. Aber diese Show ging nicht lange gut. Die Kommunisten hatten keine Verwendung für den König, doch der weigerte sich, sein Land und seine Leute im Stich zu lassen. Daraufhin wurde der König und die königliche Familie 1977 inhaftiert und in das „Camp Nummer 1“ für politische Gefangene nach Nordlaos gebracht. Niemand seiner Leute sollte den König je wiedersehen. Der König erlebte noch seinen 70. Geburtstag in Gefangenschaft – alles weitere ist unbekannt. Bis heute ist ungeklärt, wann und unter welchen Umständen er starb. Einige Teile der königlichen Familie Laos überlebten durch eine Flucht ins Exil. Heute ist Laos nur wenig mehr als ein Vasallenstaat Vietnams.

Nicht zuletzt dem tapferen Beispiel König Savang Vatthanas ist zu verdanken, dass die weltweite Gemeinschaft der Exil-Laoten bis heute trotzige Monarchisten sind. Entschlossen, die kommunistische Tyrannei eines Tages zu zerstören und das Königreich Laos in seiner einstigen Pracht wiederauferstehen zu lassen.

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