Die kurze Geschichte des Königreichs Finnland

finnland-flaggeDie kurze Geschichte des kurzlebigen, in weiten Teilen nur nominell bestehenden, Königreich Finnland geht bis auf das Jahr 1809 zurück. In jenen Jahren der Napoleonischen Kriege wurde das Großfürstentum, dessen Großherzog bisher der König von Schweden war, durch Russland annektiert.

Für das folgende Jahrhundert war Finnland eine autonome Region des Russischen Reichs und zunächst waren die Beziehungen zwischen Finnen und Russen auch gut und für beide Seiten von Gewinn. Die Finnen bewiesen ihre Loyalität dem Zaren gegenüber und erhielten dafür ein hohes Maß an nationaler Selbständigkeit. Finland besaß plötzlich eine eigene Regierung und es kam zu so etwas wie einer nationalen Wiederbelebung.

Die Beziehungen litten in den Folgejahren, als man in Russland Zugeständnisse der Finnen und eine Angleichung an den Rest des Russischen Reichs verlangte. Was in Finnland für Unmut sorgte. Doch der Unmut war nie so groß und die Jahre der ungeliebten Schwedenherrschaft noch in Erinnerung. Finnland blieb bis zum Sturz von Zar Nikolai II. ein Teil des Russischen Reichs.

Finnische Weißgardisten
Finnische Weißgardisten

Viele in Finnland fühlten, dass Finnland ohne Zaren nun auf sich alleine gestellt sei und seinen eigenen Weg gehen müsse. Doch die provisorische Regierung Kerenskys sah Finnland weiterhin als Teil von Russland an und sandte die Armee aus, um Finnland zu besetzen. Als es in Russland schließlich zum Bürgerkrieg zwischen Bolschewiken und Weißgardisten kam, erklärte Finnland seine Unabhängigkeit. Doch der Konflikt sollte in Kürze auch Finnland erreichen.

Anfänglich besaßen die Sozialdemokraten die meisten Sitze im finnischen Parlament, doch dann trat eine zunehmende Radikalisierung ein. Es gab die sozialistische Fraktion, die sich der entstehenden Sowjetunion anschließen wollte und die Nicht-Sozialisten, die eine vollständige Unabhängigkeit Finnlands wünschten. Rote und weiße Finnen kämpften in ihrem eigenen Land und teilweise auch Seite an Seite mit ihren russischen Gegenparts. Finnland drohte an die sozialistische Diktatur in Russland zu fallen.

In ihrer Suche nach Hilfe wandten sich die Finnen an das kaiserliche Deutschland. 1917 und 1918 waren ereignisreiche Jahre im Baltikum. Die Deutschen hatten immer noch große Militärverbände in der Gegend und halfen den weißen Finnen im Kampf gegen die Sozialisten. Die roten Finnen litten auch unter dem Rückzug der Sowjets, die sich auf den Kampf im russischen Kerngebiet konzentrierten.

Das Deutsche Reich sah die Gelegenheit zur Unterstützung eines unabhängigen Finnland, es vor dem sozialistischen Republikanertum zu schützen und um seinen Einfluss in der Region zu festigen. Finnland würde als eine Art Pufferstaat zwischen den Sowjets und dem kriegsmüden Deutschen Reich dienen. Auf gleiche Weise verfuhr man übrigens auch im Baltikum mit der Etablierung von unabhängigen Monarchien (Königreich Litauen und das Vereinigte Baltische Herzogtum).

Naturgemäß hatte Deutschland seit dieser Hilfe im Kampf um Unabhängigkeit eine exzellente Beziehung mit dem neuen Finnland. Später, in den Tagen des 2. Weltkriegs, würden viele Finnen sagen, dass Deutschland „der einzige verbliebene Alliierte von uns ist“. Trotz der schwierigen Lage gegen Ende des 1. Weltkriegs wurden Finnen von der Deutschen Armee ausgebildet, mit Waffen und Ausrüstung ausgestattet und sogar mit Truppen unterstützt. Ohne diese Unterstützung wäre Finnland womöglich einfach ein weiterer Staat der UdSSR geworden.

Prinz Friedrich Karl von Hesse-Kassel
Prinz Friedrich Karl von Hesse-Kassel

Mit Blick auf die deutsche Hilfe kam es nicht unerwartet, dass Finnland eine Monarchie werden würde und womöglich gar ein deutscher Adeliger den Thron besteigen würde. Der bevorzugte Kandidat war Prinz Friedrich Karl von Hesse-Kassel. Er war mit Prinzessin Margarete von Preußen verheiratet, der Schwester von Kaiser Wilhelm II.

Ein finnischer Abgeordneter des Parlaments schlug vor, der neue potenzielle Monarche solle als „König Kaarle I. von Finnland und Karelien, Herzog von Aland, Großherzog von Lappland, Fürst von Kaleva und dem Norden“ regieren. Nachdem die Sozialisten besiegt waren, wurde der hessische Prinz am 9. Oktober 1918 auch formell zum König von Finnland gewählt.

Republikanische Schwarzmaler versuchen dieses Ereignis natürlich als eine Art Übernahme Finnlands durch Deutschland darzustellen. Statt der Unabhängigkeit wäre Finnland doch nur ein deutsches Protektorat geworden. Doch das ist nicht wahr. Die Wahl des hessischen Prinzen Frederik Kaarle war sogar eine sehr kluge Wahl für ein neues Land. Da der König Deutsche wär, hätten die Deutschen genug Vertrauen zu den Finnen sich selbst zu regieren, ohne Angst haben zu müssen, dass die Finnen zu ihren Feinden werden könnten. Hätte sich Finnland für einen feindlich gesinnten Anführer entschieden, so hätte das Land sofort ihren besten Verbündeten verloren und die Dinge wäre an der Kriegsfront sicherlich andes verlaufen. Finnland wäre womöglich besetzt und annektiert worden.

Doch Deutschland war auf diese Weise mit einem unabhängigen, sich selbst regierenden Finnland sehr zufrieden. Man wusste, dass der Monarch über Familienbande mit dem Kaiser verbunden war und als ein Resultat konnte Finnland auf deutsche Hilfe hoffen, sollte es zu Streitigkeiten mit Nachbarländern wie Russland oder Schweden kommen. Dies war auch sehr realistisch. Denn Finnland wusste, ähnlich wie die baltischen Staaten, dass sie in einer gefährlichen Lage zwischen Deutschland und Russland befanden. Sie würden sich niemals gegen beide durchsetzen können und mussten sich daher für eine Seite entscheiden. Insbesondere als die Bolschewiken die Macht in Russland übernahmen und anfingen Menschen zu massakrieren und Minderheiten zu unterdrücken, war die Wahl nicht schwer.

Carl Gustaf Mannerheim - designierter Regent des Königreich Finnlands
Carl Gustaf Mannerheim – designierter Regent des Königreich Finnlands

Als Regent für das neue Königreich Finnland wurde niemand geringeres als der berühmte finnische Offizier Carl Gustaf Mannerheim ausgewählt, der später noch im Winterkrieg gegen die Sowjets von sich Reden machen sollte. Mannerheim wart nicht begeistert über die Wahl von Prinz Friedrich Karl – aus Angst vor der Reaktion der Alliierten.

Bedauerlicherweise hatte er recht und mit der Niederlage des Deutschen Reichs war auch die Monarchie in Finnland verdammt, bevor der König überhaupt offiziell den Thron besteigen konnte. Die Alliierten machten sofort klar, dass sie keinen hessischen Prinzen als König von Finnland akzeptieren würden und der finnische Premierminister Lauri Ingman (ein Monarchist) wurde mit der Aufgabe betraut, Prinz Friedrich Karl den Thronverzicht zu erklären. Würde er dies nicht tun, so würden die Alliierten die Unabhängigkeit Finnlands nicht anerkennen.

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Die finnische Krone

Am 14.11.1918 gab Prinz Friedrich Karl eine formelle Erklärung ab, in der er auf den finnischen Thron verzichtete. Noch bevor er überhaupt den Thron bestiegen hatte. In den darauf folgenden parlamentarischen Wahlen in Finnland gewannen die Republikaner die Mehrheit der Sitze. Eine neue Verfassung wurde erarbeitet und eingeführt, natürlich eine republikanische Verfassung und seit jenen Tagen ist Finnland eine Republik.