König Charles I. von England

charles-iEs sind paradoxerweise oft die anständigen Monarchen, die bei Revolutionen ihr Leben lassen. Dies war der Fall mit Zar Nikolai II. von Russland als auch mit König Ludwig XVI. von Frankreich. Und so war es auch bei König Charles I. von Großbritannien. Ein aufrechter und nobler Mann mit Prinzipien, der auf dem Thron der drei Königreiche saß.

Geboren wurde er in Schottland am 19. November 1600 als zweiter Sohn von König James I. von England (bzw. James VI. von Schottland) und Königin Anne von Dänemark. Er war ein kränkliches und gebrechliches Kind, aber sehr intelligent und talentiert in Fremdsprachen.

Henriette Marie de Bourbon
Henriette Marie de Bourbon

Im Jahr 1612 starb sein älterer Bruder Prinz Henry und der junge Charles wurde zum Thronfolger. 1616 erfolgte die Ernennung zum Prinzen von Wales. Laut Aussagen Dritter war er sehr höflich, würdig und hoheitsvoll trotz seiner geringen Körpergröße von nur 1,65 m.

Mit dem Tod seines Vaters am 27. März 1625 wurde er zu Charles I., König von England, Schottland, Irland und (zumindest nominell) Frankreich. Zwei Monate später heiratete er Prinzessin Henrietta Maria von Frankreich, die tiefreligiöse Schwester von König Ludwig XIII.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber mit der Zeit würde sich das Paar immer verbundener werden. Einzig die Religion (er: Anglikaner, sie: Katholikin) trennte beide. Er sandte die begleitenden katholischen Priester der Königin zurück nach Frankreich, woraufhin sie wiederrum ablehnte, seiner protestantischen Krönungszeremonie beizuwohnen. Übrigens geht der Name des US-Bundesstaats Maryland auf sie zurück.

Fünf der ältesten Kinder
Fünf der ältesten Kinder

Mit der Zeit wurden die religiösen Unterschiede zunehmend geringer, insbesondere nachdem König Charles I. den „High Church“ Anglikanismus entdeckte, der im Gegensatz zur „Low Church“ einen stärkerer Fokus auf traditionelle und vollkommene Riten legte und Katholiken als „Weg in die richtige Richtung“ erschien. Am Ende sollte das Paar gemeinsam neun Kinder haben.

Finanzielle Nöte des Reichs

Von Beginn an seiner Regierungszeit hatte Charles I. mit finanziellen Problemen zu kämpfen. England litt unter einer Inflation, worunter die Einkommen litten – auch die des Königs. Einige Fehlinvestitionen führten schließlich dazu, dass der König kaum mehr über das nötige Geld verfügte, um seine Verpflichtungen (z.B. Landesverteidigung) zu erfüllen.

Der König musste in dieser Lage dringend an frisches Kapital kommen. Er verkaufte die Mitgift seiner Frau, lieh sich Geld von der Elite seines Landes und ließ das so genannte „ship money“ einziehen, eine Steuer in Küstenregionen für die Navy. Das Parlament, dominiert von der reichen Elite, begann mehr und mehr zu grummeln. Dies insbesondere nachdem auch noch Kriege verloren gingen. Gier und Ehrgeiz kombiniert mit religiösem Fanatismus waren dabei, sich zu einem Sturm gegen die britische Krone zusammen zu brauen.

Streit mit dem Parlament

König Charles war – anders als zeitgenössisch gern dargestellt – alles andere als ein starrer, intoleranter Mann. Er gab in vielen Streitfragen dem Parlament nach. Als sie jedoch immer mehr und mehr Forderungen stellten, platzte ihm der Kragen und er löste das Parlament auf, um die nächsten elf Jahre in Frieden weiterzuregieren.

Charles I. als junger Prinz
Charles I. als junger Prinz

Mit Schottland kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die für England nicht gut verliefen. Am Ende musste Charles I. dem Druck nachgeben und das Parlament wieder einberufen. Die neuen Mitglieder lehnten es ab, tätig zu werden, ehe nicht ihre alten Forderungen von damals erfüllt würden. Charles hielt ein „Nein“ immer für ein „Nein“ und löste das Parlament daher kurzerhand wieder auf. Doch seine Truppen in Schottland wurden besiegt, was ihn in eine prekäre Lage brachte.
Das Parlament war noch unvernünftiger als zuvor und religiös noch intoleranter. Nicht nur Katholiken, sondern auch Anglikaner und insbesondere High Church Anglikaner wurden als „unzureichend protestantisch“ angegriffen.

Obwohl dies in der heutigen Geschichtsschreibung gern ignoriert wird, war König Charles I. bereit zu Verhandlungen und gab dem Parlament in fast allen Forderungen nach, um endlich einen Frieden schließen zu können. Doch wie mit allen liberalen Revolutionären gilt – gib ihnen einen Zentimenter und sie fordern einen ganzen Meter. Charles gab allen Forderungen des Parlaments nach – bis auf zwei. Nämlich das er seine Rolle als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche niederlegen und das er die Macht über die Armee abgeben sollte. Diese beiden Forderungen zu erfüllen lehnte Charles rundherum ab. Die Radikalen blieben jedoch bei ihrer Forderung nach „Alles oder nichts“.

Der Bürgerkrieg beginnt

Nachdem sich die Lage weiter zuspitzte und die Unruhe das gesamte Reich zu ergreifen begann, gab Charles I. den Befehl aus, die Rädelsführer des Parlaments zu verhaften. Dies misslang jedoch und beide Seiten bereiteten sich schließlich auf den Krieg vor. Für gewöhnlich wird der Start des Krieges auf den 22. August 1642 datiert, als die königliche Standarte in Nottingham aufgezogen wurde. Die Chancen standen von Beginn an schlecht für die Königstreuen: die Parlamentarier (engl. auch „Roundheads“ genannt) kontrollierten den Reichtum des Landes und seine wichtigsten Standorte.

Charles I. von drei Seiten
Charles I. von drei Seiten

Doch die königlichen Truppen kämpften extrem verbissen und zäh. König Charles I. bewies, obwohl kein militärisches Genie, dass er ein guter und kompetenter Heerführer war und ein tiefes Verständnis von Taktik hatte.

Seine strategischen Urteile wurden oftmals kritisiert, doch dies war ein Resultat aus seiner Natur und seinem Charakter. Charles wollte keinen „totalen Krieg“. Er hasste die Vorstellung seine eigenen Leute zu erschlagen and war überzeugt, dass die meisten der Gegenseite einfach von bösartigen Menschen verführt worden war. Man werde sie überzeugen können, sich wieder zu Besinnen und dem König anzuschliessen. Das war der entscheidene Unterschied: Die Gegenseite unter dem späteren Militärdiktator Oliver Cromwell hatte keinerlei Skrupel jeden umzubringen, den man der Gegnerschaft vermutete – man frage mal die Iren.
Obwohl es zeitweise nach einem Sieg Charles I. aussah, begann sich der Kriegsverlauf ab 1643 zu wenden. Der König suchte Unterstützung bei den Schotten, die wiederrum übergaben ihn den Roundheads (Parlamentstruppen). Charles entfloh der Gefangenschaft, wurde aber wieder eingefangen. Die Schotten waren nun ihrerseits nicht mehr gut auf die Roundheads zu sprechen und begannen den König zu unterstützen, wurden am Ende aber geschlagen.
Hinrichtung Charles i.
Hinrichtung Charles i.

Edinburgh wurde besetzt, Charles war gefangen genommen und man zerrte ihn vor ein „Parlament“ (kein House of Lords) um ihn wegen Verrats anzuklagen. Mit großer Würde und Haltung lehnte er es ab, die Authorität des Gerichts anzuerkennen, das ohnehin nur eine Farce war.

Niemand durfte für den König sprechen und wer der Sympathie mit dem Monarchen verdächtig wurde, durfte sich nicht einmal setzen. Der König sprach während der „Verhandlung“ wenig. Nach der Verkündigung des erwarteten Todesurteils sprach er ein letztes finales Statement.

Am 30. Januar 1649 wurde König Charles I. in Whitehall Palace geköpft – und Großbritannien würde nie mehr das selbe Land sein. Der edelmütige Monarch wurde heimlich und leise in Windsor Castle verscharrt und der puritanische Militärkommandant Oliver Cromwell wurde Diktator von Großbritannien und Irland. Es sollte die einzige Periode der britischen Geschichte ohne einen Monarchen auf dem Thron sein.

Militärdiktator Oliver Cromwell
Militärdiktator Oliver Cromwell

Cromwell regierte das Land mit tyrannischen Methoden und gab damit einen ersten Vorgeschmack auf die republikanischen Militärdiktaturen späterer Jahrhunderte. Insbesondere seine grauenvolle Verfolgung der Iren ist bis heute in Erinnerung geblieben. Die britischen Inseln waren ein finsterer Ort in jenen Tagen, ehe der Tod Cromwells es König Charles II. erlaubte, den Thron seines Vaters zu besteigen.

Die Kirche von England erkannte König Charles I. später als einen heiligen Märtyrer des Anglikanismus an. Damit ist er der einzige Heilige und Monarch der Anglikanischen Kirche. Doch der Sieg der Parlamentstruppen konnte nicht mehr zurückgedreht werden. Auch wenn die Monarchie am Ende wiederhergestellt wurde, die Spannungen zwischen Krone und Parlament blieben bestehen und sind auch heute noch in vielen Zeremonien des britischen Parlaments sichtbar.
Auch wenn noch einige Zeit verstreichen würde, aber mit der Niederlage des heldenhaften Charles I. begab sich Großbritannien auf den Weg in ein System, das vom Parlament dominiert wurde. Was der Stuart König wohl heute von seinem Land halten würde?
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König Richard II. von England

richard2Richard von Bordeaux (wie er oft auch genannt wird) wurde am 6. Januar 1367 geboren. Er war der Sohn des legendären „schwarzen Prinzen“, Enkel des großen König Edward III. und besaß eine beeindruckende Ahnenlinie. Die Erwartungen an ihn waren riesig, als er mit gerade einmal 10 Jahren im Jahr 1377 den englischen Thron bestieg, nachdem sein Vater und älterer Bruder verstarben.

Die klassische englische Geschichtsschreibung berichtet ab hier wenig schmeichelhaft von Richard II. und doch stellt sich die Frage, wie viel Kritik an dem jungen König gerechtfertigt ist? Insbesondere für Dinge, die außerhalb seiner Kontrolle lagen?

Auch ist der Vergleich mit seinem Vorgänger König Edward III. ungerechtfertigt. Dieser war ein außerordentlicher König, ein Koloss der englischen Geschichte. Im direkten Vergleich mit ihm konnte ein Richard II. niemals mithalten. Insbesondere da auch – so groß er war – bei Edward III. bald eine gewisse Idealisierung eintrat, die über seine (wenigen) Schwächen generös hinwegsah und seine großen Taten noch ein wenig größer erscheinen ließ. Er wurde sogar zum größten englischen Monarchen seit König Artur (der mit der Tafelrunde) erklärt. Und die Konsequenzen seiner Fehlentscheidungen lastete man einfach Richard II. an.

So errang Edward III. glorreiche Siege über die Franzosen. Aber er war in seinen letzten Jahren stark unter dem Einfluss seiner Geliebten Alice Perrers und eigennützigen Beratern, was effektiv den Kontrollverlust über sein Reich bedeutete. Die Konsequenzen daraus sollten sich bald zeigen.

König mit nur 10 Jahren

richard-koenig-von-englandDer Kinder-König Richard II. bestieg also den Thron eines Landes, das von internen Streitigkeiten und Argwohn befallen war. Als Vormund des jungen Richard II. agierte sein mächtiger Onkel, John von Gaunt, der eine prächtige Krönungszeremonie für den Jungen ausrichten ließ und die Heiligkeit der Monarchie betonte.

Damit sollte jeder verstehen, dass die Krone zu ehren sein, egal ob der Träger ein heroischer Eroberer wie Edward III. oder ein unerfahrener Jüngling war, den viele in Richard II. sahen.

Die Hoffnung John von Gaunts auf Einheit im Reich sollte sich bald als naiv erweisen und der junge Richard II. wurde direkt in den Strudel von Intrigen und Gefahren gezogen. In der Vergangenheit hatte England Kriege zwischen den einzelnen Lords stets verhindern können, indem man gemeinsam Frankreich angriff.

Doch als der König alt und schwach wurde und schließlich starb, um von einem 10-jährigen Jungen ersetzt zu werden, entbrannten die inneren Streitigkeiten erneut. Auch die Franzosen überfielen wieder englische Besitzungen und ein Klima des Misstrauens gegenüber der Aristokratie und der königlichen Führung breitete sich rapide im Reich aus.

Krönung König Richard II.
Krönung König Richard II.

Der Pomp der Krönungszeremonie war eine Reaktion darauf, es sollte den Primat der Krone festschreiben. Und König Richard II. ließ sich mit Eifer darauf ein. Bis zur Herrschaft der Stuarts würde kein englischer Monarch mehr derart an der Idee eines „göttlichen Rechts der Könige“ festhalten, wie dies Richard II. tat.

Der König war in der Obhut seiner Mutter, Joan von Kent, aufgewachsen. Doch den größten Einfluss auf ihn übte sein Kämmerer, der Earl von Oxford aus. Als Richard II. den Thron bestieg, wurde mit viel Fingerspitzengefühl ein Regierungsrat gebildet, den keiner der Fürsten dominieren sollte. Doch der Rat war im Grunde machtlos und es war John von Gaunt, der die politische Szene dominierte.

Der Bauernaufstand von 1381

An den Grenzen des Reiches kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. John von Gaunt war gerade in Schottland zu Friedensverhandlungen und die englische Armee auf Frankreich, Wales und Schottland aufgeteilt, als im Jahr 1381 eine Bauernrevolte losbrach. Und es war keine Armee zur Hand, die London hätte schützen können.

Der Regierungsrat bewies einmal mehr seine Unfähigkeit indem er auf die Gefahr nicht klar reagierte, während der König im verbarrikadierten Tower of London saß und zusah, wie ein Mob die Stadt brandschatzte.

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König Richard II.

Irgendwann hielt es ihn nicht mehr im Tower und der 14-jährige König Richard II. rief ein paar verbliebende Adelige zusammen und ließ die Pferde satteln. Er wollte mit dem Anführer der Rebellen sprechen. Sie ritten nach Mile End aus und fanden den Sprecher der Aufständischen, einen Waliser namens Wat Tyler. Die Konfrontation mit Tyler sollte für Richard das erste, aber nicht das letzte, dramatische Ereignis seiner Regierungszeit werden.

Wat Tyler präsentierte dem König selbstbewußt die Forderungen der Aufständischen: neben einer Generalamnestie für alle Rebellen verlangte man niedrige Steuern für Land und die vollständige Abschaffung der Leibeigenschaft in England. Das waren ziemlich radikale Forderungen.

Mit dem Segen des Regierungsrats, der allem zuzustimmen bereit war, willigte Richard II. ein. Damit war das Vorhaben der Rebellen gelungen und viele zogen nach Hause ab. Doch wie so oft verblieb ein harter Kern Rebellen, deren natürliche Neigung es war, niemals zufrieden zu sein. Wenn der Gegner allen Forderungen zustimmt, dann präsentiert man eben einfach eine neue Liste Forderungen. Dieses unversöhnliche, radikale Element verblieb als Bedrohung und zog nicht ab. Es gab keine andere Möglichkeit als ihnen mit Gewalt beizukommen.

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Richard und inmitten der Rebellen

Also wurde ein weiteres Treffen vereinbart. Nachdem er beim König zuletzt alle seine Forderungen durchgedrückt hatte, war Wat Tyler das Ebenbild der Arroganz. Er behandelte den König mit der größtmöglichen Frechheit, im Gedanken daran, dass dieser schließlich keine schützende Armee in der Nähe habe.

Vor Wut über dieses Verhalten zogen einige Begleiter des Königs ihre Waffen und töteten Tyler. Es ist bis heute umstritten, ob dies auf Befehl des Königs erfolgte. Der rebellische Mob war jedenfalls außer sich vor Wut und wollte ein Exempel statuieren. In einem ihm selten angerechneten Akt des Mutes ritt König Richard II. in ihre Mitte und überzeugte sie, ihre Waffen ruhen zu lassen.

Die Rädelsführer wurden später verhaftet, den Rest sandte man ungeschoren nach Hause. Die Rebellion war vorbei, die Krise beendet. Fast keine der beim ersten Treffen zugesagten Rebellenforderungen wurden später umgesetzt. Was den Regierungsrat anging, war dies ohnehin nur ein Treffen um Zeit zu gewinnen. Der König, jung und leicht zu beeindrucken, nahm aus den Ereignissen die Erkenntnis mit, dass Irreführung ein essentielles Werkzeug in der Politik sei und das die Leute am Ende der Krone doch immer treu sein werden.

Mit Blick auf beides lässt sich heute sagen, dass diese Erkenntnisse ihm später sehr schadeten. Es setzte sich auch in Richards Kopf die Vorstellung durch, dass er von Gott geschützt und geleitet werde.

Streit mit dem Adel über die Königsrolle

Als er in den folgenden Jahren zunehmend versuchte die Macht des Königs wiederherzustellen, bildeten sich zwei Fraktionen im Reich. Die Fraktion des Königs unterstützte seinen Machtanspruch als alleinigen Herrscher, die Fraktion des Adels wollte die Macht in die Hände der Aristokratie legen und billigte dem König in der Hauptsache zeremonielle Aufgaben zu. Anführer letzterer Gruppe war insbesondere der Earl von Arundel, während Sir Michael de la Pole als Repräsentant der Freunde des Königs galt.

König Richard II. war ein kultivierter Mensch, ein Liebhaber der Kunst und Musik. Er wollte beides als Mittel nutzen, um die Monarchie zu glorifizieren. Gab er jedoch Geld dafür aus, so bezichtigte man ihn der Verschwendung und Faulheit. Seine aristokratischen Kritiker warfen ihm diese Liebe für die schönen Künste vor, in ihren Vorstellungen sollte der König besser den Franzosen und Schotten die Schädel abschlagen.

Vielleicht angestachelt durch diese Kritik begab sich Richard II. mit einer Militärexpedition nach Schottland. Doch das Resultat war ein Desaster und bewies, dass er zwar unzweifelhaft ein tapferer Mann war, doch kein militärischer Anführer. Seine Armee stolperte einige Tage umher, fand keinen Feind vor und zog daraufhin kampflos wieder ab, was sie zum Ziel des Spotts werden ließ.

John von Gaunt
John von Gaunt

Richard II. stritt sich mehrere Male mit seinem Onkel John von Gaunt, aber es war niemals so heftig wie einige später behaupteten und sein mächtiger Onkel blieb seinem Neffen und König gegenüber stets loyal. So lange John von Gaunt im Land war, wussen die Feinde des Königs, dass sie keine Chance hatten.

Doch die Situation änderte sich, als John von Gaunt 1386 England im Versuch verließ, die Krone von Kastillien in Spanien für sich zu gewinnen. Gaunts Schiff war kaum hinter dem Horizont verschwunden, als die Fraktion um den Earl von Arundel vom König forderte, er müsse seinen Freund Sir Michael de la Pole als Kanzler entlassen.

Richard II. reagierte höchst verärgert und emotional darauf. Er sagte, er würde ihren Wünschen nicht einmal nachgeben, wenn sie ihn um die Entlassung eines einfachen Kochs bitten würden. Doch als Arundel und Thomas von Gloucester daraufhin Andeutungen machten, der König müsse möglicherweise dann ebenfalls gehen, gab Richard II. nach und ließ Pole anklagen.

Natürlich hatte er keine Intention dies das Ende sein zu lassen und bemühte sich um Unterstützung loyaler Adelige, während er die Rechtmäßigkeit der Klage gegen seinen Freund angriff. Seine Feinde wussten, dass ihre Chancen niemals mehr besser stehen würden, und bereiten den Krieg vor. 1387 sammelten Arundel, Gloucester und der Earl von Warwick ihre Truppen nördlich von London. Sie gaben sich den wohlklingenden Namen Lords Appellant (wörtl. „beschwerdeführende Fürsten“).

Die Lords Appellant werfen dem König den Fehdehandschuh hin
Die Lords Appellant werfen dem König den Fehdehandschuh hin

Ohne ausreichend eigene Streiter hatte der König keine Chance auf Gegenwehr. Er musste ihren Forderungen nachgeben und fünf Vertraute einsperren. Zwar willigte er ihren Forderungen ein, doch er führte sie nicht aus. Einer von ihnen, Robere de Vere, Earl von Oxford, entkam in den Norden und sammelte dort eine loyale Armee für den König. Sie wurde allerdings im Dezember 1387 bei der Schlacht von Radcot Bridge geschlagen.

Alle Freunde und Unterstützer des Königs waren ab sofort der Vergeltung durch die rebellischen Lords ausgesetzt. Sie führten eine Kampagne gegen die Mitglieder des königlichen Hofs durch, mit teils abenteuerlichen Anschuldigungen und brachten jeden um, der den König unterstützte oder ihm freundlich gesinnt war. Sie sollten als das erbarmungslose Parlament von 1388 (“The Merciless Parliament of 1388″) in die Geschichte eingehen.

Brodelnd vor Wut musste Richard II. abwarten. Erst im darauffolgenden Jahr wurde er 22 Jahre alt und galt dann als Erwachsener, der allein regieren könnte. Er beschloss auf Zeit zu spielen und auf die Rückkehr seines mächtigen Onkels John von Gaunt aus Spanien zu hoffen, der tatsächlich 1389 zurückkehrte. 1394 befriedete Richard II. die Situation in Irland, 1396 unterzeichnete er einen haltenden Waffenstillstand mit Frankreich. Dies beweist, dass Richard II. im Gegensatz zu dem von seinen Kritiker erhobenen Vorwurf durchaus Qualitäten als Staatsmann besaß.

weisser-hirschIm Jahr 1382 heiratete er Anna von Böhmen und nach ihrem frühen Tod Isabella von Frankreich. Während dieser ganzen Zeit baute er still und heimlich eine Armee mit Truppen aus Irland, Wales und Cheshire auf, deren Wappen ein weißer Hirsch sein würde.

1397 ging er in die Offensive. Bei einem Überraschungsangriff gelang es Arundel, Gloucester und Warwick zu verhaften. Gloucester wurde in Calais getötet, doch die anderen Anführer wurden angeklagt. Die Dinge hatten sich um 180° gedreht seit jenen Tagen, in denen sie selbst so vorgegangen waren. Arundel wurde getötet und Warwick ins Exil auf die Isle of Man verbannt, nachdem er alles zugegeben hatte. Es sah danach aus, als hätte König Richard II. einen brillianten Triumph errungen und seine Macht gefestigt.

Richards Jahre der absoluten Herrschaft

Nun hatte Richard II. die absolute Macht in England inne. Und für diese Periode seiner Herrschaft wird er gewöhnlich am stärksten kritisiert. Unter dem Eindruck der überwundenden Rebellion verteilte Richard II. das Land seiner ehemaligen Feinde unter Angehörigen und Freunden auf. Er gab Geld großzügig aus und verlangte von jedem die Unterordnung unter seine Autorität. Wer dies nicht tat, musste Strafzahlungen leisten, die immer häufiger auch für kleine „Vergehen“ eingetrieben wurden.

richardus-koenig-englandDie Dinge wurden auf die Spitze getrieben, als John von Gaunt im Frühjahr 1399 verstarb. Statt Nachsicht und Gnade zu zeigen, ließ König Richard II. dessen Sohn Henry von Bolingbroke (der spätere König Henry IV.) ins Exil senden und seinen Besitz einziehen. Henry hatte es schon früher gewagt, sich in Opposition zu Richard zu begeben.

Diese Handlung schadete letztlich Richard mehr als seinen Gegnern. Er zog sich den Hass des Hauses Lancaster zu und die Elite des Landes blickte nervös auf ihr eigenes Eigentum. Als Richard II. zur Bekämpfung einer Rebellion in Irland weilte, holte man Henry von Bolingbroke zurück nach England. Dieser meldete daraufhin Anspruch auf den Thron an. Mächtige Adelige schlugen sich sofort auf seine Seite. Doch der König und seine Getreuen waren in Irland und der einzige Verteidiger in England war des Königs unglückseliger Onkel Edmund von York. Dieser erwies sich als schwaches Hindernis und Richards Schar an Unterstützern schmolz immer stärker zusammen.

König Richard II. eilte zurück nach England und landete im nördlichen Wales, wo er treue Unterstützer vermutete. Doch viele zeigten ihm plötzlich die kalte Schulter. Er war innerhalb kürzester Zeit machtlos geworden, wurde schließlich gefangen genommen und zum Tower von London gebracht, später zu Schloß Pontefract der Lancaster im Norden Englands.

Gefangennahme Richard II.
Gefangennahme König Richards II.

Überall als Sieger gefeiert rief sich Bolingbroke zum neuen König aus und gedachte daran, die Situation des Fall von Edward II. zu wiederholen. Doch Richard II. war nicht wie Edward II. und lehnte eine Abdankung ab, als man ihn dazu aufforderte. Selbst wenn er dies getan hätte, wäre nicht Bolingbroke sein Thronfolger gewesen, sondern der noch junge Earl von March.

Nachdem einige verbliebene Unterstützer König Richards einen vergeblichen Mordanschlag auf Bolingbroke versuchten, entschied dieser, dass der lebende König Richard II. eine zu große Gefahr für ihn sei. Am 14. Februar 1400 wurde König Richard II. im Alter von nur 33 im Schloss Pontefract umgebracht.

England nach König Richards Tod

Bolingbroke übernahm die Macht, erklärte sich selbst zu König Henry IV von England, Irland und Frankreich. Doch er würde zeitlebens nicht mehr den Makel des Königsmörders loswerden. Erst mit der Herrschaft von König Henry V. würden die Lancasters mit diesem Kapitel abschliessen, als der König den Leichnam Richard II. exhumieren und offiziell in der königlichen Gruft in Westminster Abbey beisetzen ließ.

Es ist wahr, dass König Richard II. in einigen Situation sehr unklug reagierte. Seine Zeit der absoluten Macht verprellte viele seiner einstmaligen Getreuen. Doch es ist unfair nur Richard II. die Schuld an den vielen Schwierigkeiten Englands zur Zeit seiner Regentschaft (und danach) zu geben. Er war niemals gezielt auf seine Rolle vorbereitet worden und hatte kaum Zeit, um wirklich erwachsen zu werden. Mit 10 Jahren zum König ernannt, mit 22 Jahren die vollständige Macht übernommen, mit 33 Jahren ein toter König. Viele, wenn auch nicht alle, seiner negativen Eigenschaften waren das Resultat der Einflüsse seiner Umwelt und seiner (wenigen) eigenen Erfahrungen. Es herrschaft kein Zweifel, dass seine Feinde gnadenlos und nur in ihrem Eigeninteresse und nicht dem des Reiches handelten.

Seine Reputation leidet auch (unfairerweise) unter den erfolgreicheren (und älteren) Königen vor und nach ihm. Ihm die Schuld für den späteren englischen Bürgerkrieg („War of the Roses“) in die Schuhe zu schieben, entbehrt jedoch jeder Grundlage. Richard II. war kein großer Krieger, aber ein gebildeter Mann, ein großer Patron der Künste und ein Unterstützer der Religion, wie er z.B. mit seinem entschiedenen Vorgehen gegen die häretischen Lollarden bewies.

Er besaß mit Sicherheit ein überzogenes Selbstbild, aber darin unterschied er sich kaum von den späteren Monarchen der Tudor-Ära, die wiederum so oft gefeiert wurden. König Richard II. wird vermutlich auch in Zukunft auf der Liste der „schlechten Könige Englands“ verblieben, auch wenn dies bei Blick auf die Fakten ungerechtfertigt oder zumindest in großen Teilen ungerechtfertigt erscheint.