Königin Carlota Joaquina von Portugal

181Das sie später einmal die Gemahlin des portugiesischen Königs werden sollte, ahnte niemand bei der Geburt von Carlota Joaquina Teresa Caetana am 25. April 1775 in Aranjuez. Das sie später in Lateinamerika viel bekannter als auf der iberischen Halbinsel sein würde, noch viel weniger. Vor allem nicht bekannt für etwas, das sie tat, sondern für etwas, das sie womöglich hätte erreichen können.

Die Tochter von König Carlos IV. und seiner Gemahlin Maria Luisa von Parma (eine Enkeltochter Ludwig XV. von Frankreich) wurde in der typischen Mode ihrer Zeit erzogen. Sie galt als nicht sonderlich hübsch und so entschied man sich sehr früh, aktiv eine gute Partie für sie zu suchen. Diese fand sich mit einem portugiesischen Prinzen, dem späteren König João VI.. Die Verbindung würde nach Hoffnung des spanischen Throns zur Stärkung der spanisch-portugiesischen Beziehungen beitragen.

Wie früh kümmerte man sich um ihre Hochzeit? Nun, sie wurde 1775 geboren und heiratete im Jahr 1785. (am 8. Mai, also kurz nach ihrem 10. Geburtstag) Bevor irgendjemand zu schrecklichen Schlußfolgerungen gelangt – es ist bekannt, dass die Ehe erst 1790 vollzogen wurde.

Königin Carlota
Die junge Carlota

Die junge Frau kämpfte schon bei Ankunft in Portugal mit der Skepsis ihrer neuen Untertanen. Würde Spanien die Hochzeit politisch nutzen, um Portugal in eine Union zu zwingen?

Portugiesische Amtsträger verhörten diskutierten angeblich vier Tage lang mit ihr über die spanischen Pläne. Doch die künftige Königin war sehr aufgeweckt und klug und zerstreute alle Befürchtungen.

Mehr Pflicht: Die Ehe mit João VI.

Wir haben in diesem Blog bereits über glückliche und segensreiche royale Verbindungen geschrieben. Seien es die Ehen von Kaiserin Maria Theresia oder Otto der Große. Im Fall von Königin Carlota Joaquina war die Verbindung eher eine Pflicht.

Beide Seiten fanden einander wenig anziehend. König João VI. beklagte sich über einen Mangel an Anstand und Intelligenz, die Königin charakterisierte ihren Gatten hingegen als langweilig und frömmelnd. Was beide allerdings nicht davon abhielt, miteinander neun Kinder zu zeugen. Pflicht ist Pflicht ist Pflicht …

João wird überraschend zum König

Zunächst sah es nicht danach aus, als würde João jemals den Thron besteigen. Doch als sein älterer Bruder Prinz José überraschend 1788 verstarb, wurde er zum Herzog von Braganza und Prinz von Brasilien. Die Anhänger der „Aufklärung“ waren mit João VI. als König aber unzufrieden. Er galt als traditioneller und religiöser als sein verstorbener älterer Bruder, auf den man alle Hoffnungen gesetzt hatte.

König Joao VI.
Portugals König Joao VI.

Auch die Hochzeit des Paares erzeugte wenig Begeisterung in Portugal. Der korpulente João und die als wenig hübsch betrachtete Carlota waren zeitlebens im Volk eher mäßig beliebt. Königin Carlota Joaquina leistete sich durch ihre freimütige Art, Dinge unverblümt anzusprechen mehr als einmal einen faux-pas. Ihre Schwiegermutter, Königin Maria I., musste mehrmals eingreifen, um ihre Schwiegertochter zu bändigen.

Auch dieses Verhalten trug dazu bei, dass die Königin in der Öffentlichkeit kein gutes Bild abgab. Zahlreiche Gerüchte wurde gestreut. Die Königin plane einen Komplott gegen das Königshaus. Die Königin vergifte ihre Schwiegermutter. Die Königin habe unzählige außereheliche Liebschaften. Bei letzterem dürfte eher der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein – Hinweise gibt es nämlich keine. Königin Carlota war sicherlich keine Heilige, aber ihr Problem bestand in erster Linie darin, dass sie Spanierin war.

Dabei sollte sich am Ende nicht Spanien als die große Gefahr Portugals erweisen, sondern Frankreich. Unter der Führung Napoleon Bonapartes fielen französische Truppen auf der iberischen Halbinsel ein und eroberten zunächst Spanien und anschließend Portugal. Die königliche Familie floh 1807 nach Brasilien.

Ein neues Königreich in Südamerika?

In Südamerika angekommen, erkannte Königin Carlota die schwierige Situation ihrer spanischen Landsmänner. Die spanische Heimat war von Franzosen besetzt, die von José Bonaparte – dem ältesten Bruder Napoleons – regiert wurde. König Fernando VII. war de-facto entmachtet. Mehrere Fraktionen suchten dieses Chaos für ihre eigenen Pläne zu nutzen. Darunter auch Königin Carlota.

Da sich ihr jüngerer Bruder König Fernando VII. von Spanien in Frankreich in Hausarrest befand, entschied Königin Carlota, dass sie die letzte verbliebene Repräsentantin eines „freien Spanien“ sei. Mit diesem Anspruch bemühte sie sich, die Kontrolle über die spanischen Kolonien in Amerika zu erlangen.

Erste Königin La Platas?
Erste Königin La Platas?

Am Ende gipfelten die Bemühungen darin, Carlota zur Königin des bisherigen Vizekönigreichs Rio de la Plata zu machen, welches große Teile des heutigen Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien enthielt.

Die portugiesisch-brasilianischen Truppen begannen mit der Annektion von Gebieten in der Region. Carlota sicherte sich die prominente Unterstützung des argentinischen Nationalhelden General Manuel Belgrano. Doch auch die Gegenseite unter den Vizekönigen hatte sich formiert und die Unterstützung Großbritanniens gesichert.

Es gab Pläne, oder zumindest Gerüchte von Plänen, wonach Carlota eine Armee zusammenstellte und auf Buenos Aires marschieren würde, um sich zur „Königin von La Plata“ krönen zu lassen. Doch das Vorhaben scheiterte an der mangelnden Unterstützung der lokalen Eliten und der Opposition aus dem Ausland.

Es ist heute eine spannende Überlegung, wie wohl die Geschichte verlaufen wäre, hätte sich in Südamerika seinerzeit eine derart große Monarchie von Blutsverwandten der spanischen Königsfamilie etabliert.

Napoleon besiegt – Rückkehr zur Normalität?

Mit dem Ende der Napoleonischen Kriege endete schließlich auch dieses Kapitel und Carlota musste sich wieder damit begnügen, die Königsgemahlin Portugals zu sein. Als sie mit ihrem Mann und dem Rest der Familie 1821 nach Portugal zurückkehrte, hatte sich das Land dramatisch verändert – und nicht zum Besseren hin.

Revolutionäre Ideen waren aufgekommen und verbreiteten Unruhe im Land. Ein Aufstand Liberaler resultierte in der Proklamation der ersten portugiesischen Verfassung, die Portugal in eine konstitutionelle Monarchie verwandelte. König João VI. willigte ein.

Carlota war außer sich vor Wut. Sie wollte die Rückkehr zur traditionellen absoluten Monarchie und hegte den Verdacht, dass ihr Mann nicht mehr bei Verstand war, auf die Bedingungen der Aufständischen einzugehen. Der König war selbst nicht glücklich darüber, aber er sah keine andere Möglichkeit für sein Land.

Königin Carlota und ihr Komplott

Die Königin als junge Frau
Die Königin als junge Frau

All die Gerüchte über angebliche Komplotte seitens der Königin wurden schließlich wahr. Gemeinsam mit ihrem Sohn Prinz Miguel, dem Kommandanten der portugiesischen Armee, stellte sie ihren Ehemann unter Hausarrest. Sie wollten seine Abdankung zugunsten Miguels erzwingen, um Portugal wieder zur absoluten Monarchie zurückzuführen.

Doch das Vorhaben sollte misslingen. König João VI. gelang es mit Hilfe der Briten wieder an die Macht zu kommen. Seine Frau und ihr Sohn gingen ins Exil nach Österreich, wobei Carlota bald schon die Rückkehr gestattet wurde. König und Königin lebten jedoch fortan in zwei getrennten Palästen, das Vertrauen war erschüttert.

Neuer Ärger: Brasilien wird unabhängig

Der nächste Familienstreit kam im Jahr 1822 auf das kleine Land zu, als sich Sohn Pedro zum Kaiser Pedro I. von Brasilien ausrief. João VI. war darüber wenig erfreut, doch die Briten überredeten ihn dazu, die Unabhängigkeit Brasiliens im Jahr 1825 anzuerkennen. Der König starb im Jahr darauf. Königin Carlota vermutete öffentlich, dass Freimaurer den König vergiftet hätten, um den „liberalen“ Sohn Pedro I. von Brasilien auf den portugiesischen Thron zu bringen. Zum ersten Mal würde Brasilien über Portugal regieren. Pedro I verzichtete jedoch – auch aufgrund der Gerüchte – zu Gunsten seiner siebenjährigen Tochter Maria und blieb als Kaiser in Brasilien zurück.

Es wäre zu erwarten gewesen, dass Königin Carlota bis zur Volljährigkeit der Enkeltochter die Regenschaft übernimmt. Doch dies wurde ihr nicht gestattet, aus Angst, sie könne die Macht an sich reißen. Unzufrieden mit der Aussicht ein kleines Mädchen aus dem „liberalen“ Brasilien auf dem Thron zu sehen, erklärte die konservative Fraktion Portugals den exilierten Prinzen Miguel zum König von Portugal. Noch bevor Maria überhaupt in Europa angekommen war. Die Bühne war für einen Bürgerkrieg bereitet.

Königin Carlota sollte dies jedoch nicht mehr erleben. Sie verstarb am 07. Januar 1830 im Alter von 54 Jahren im Queluz Palast nach einem bewegenden und kontroversen Leben.

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