Eine kurze Geschichte Portugals

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Die Geschichte des Königreichs Portugal geht zurück bis in die Tage der „Reconquista“, jener Zeit der Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den muslimischen Mauren durch die Christen. Zuvor waren in der Antike bereits Phönizier und Karthager an jenen Küsten gelandet und fanden dort Menschen vor, die sie „Iberer“ nannten. Die Griechen gründeten auch dort Kolonien – eine an jenem Ort, wo heute Lissabon steht. Ungefähr 100 Jahre v. Chr. wurde das Gebiet von den Römern erobert und blieb bis zum Untergang des Weströmischen Reiches ein Teil davon.

Es folgten die einwandernden Westgoten, ehe Araber und Mauren die iberische Halbinsel ab dem 8. Jahrhundert fast vollständig unterwarfen. Im 11. Jahrhundert begannen die Christen ihren Kampf gegen die Eroberer, die langsam zurückgetrieben wurden. Eine der erste befreiten Regionen hieß in alten Zeiten Portus. Aus dem Namen wurde später „Porto“ – der Namensgeber des Landes „Portugal“.

Im Jahr 1094 wurde ein französischer Ritter, Henry von Burgund, für seine Treue im Dienst von König Alfonso VI. von Kastilien mit der Grafschaft Porto und Coimbra belohnt. Er trug als Erster den Titel „Herzog von Portugal“. Das erste Saatkorn, aus dem später ein unabhängiges Portugal werden würde, war gepflanzt worden.

Der Sohn von Henry von Burgund, Afonso Henriques, war ein Vorkämpfer der Christenheit auf der iberischen Halbinsel. Viele Male siegte er über die Mauren. Seine Macht und sein Prestige wuchsen immer weiter an, ehe er im Jahr 1143 zum König von Portugal wurde – und damit seine Unabhängigkeit proklamierte. Nach vier Jahren hatte er die Stadt Lissabon zurückerobert und machte sie zu seinem Machtzentrum. Auch wenn der Krieg gegen die Mauren noch weiter andauern sollte, gegen Mitte des 13. Jahrhunderts waren die Gebiete des heutigen Portugals bereits unter christlicher Kontrolle.

Das Haus von Aviz besteigt den Thron

1383 kam die Herrschaft des Hauses von Burgund zu einem Ende, als König Ferdinand I. ohne Erbe verstarb. Nach zweijährigen Nachfolgestreitigkeiten bestieg sein aus einer unehelichen Beziehung stammender Bruder Joao I. den Thron. Joao I. (deutsch: Johann) war Großmeister des portugiesischen Ritterordens von Aviz. Er begründete die Dynastie des Hauses von Aviz, dass aufgrund seiner ritterlichen Herkunft diesen Namen erhielt. Die Könige von Aviz würden Portugal für die nächsten zwei Jahrhunderte regieren und zu großem Ruhm und Wohlstand führen.

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Bündnispartner: John of Gaunt zu Gast bei König Joao I.

König Joao I. war in jeder Hinsicht ein erfolgreicher Monarch. Er sicherte Portugal die Unabhängigkeit von Kastilien, eroberte Teile Nordafrikas für Portugal und schloss eine Allianz mit England, die bis zum heutigen Tag (!) besteht. Sie ist damit die am längsten haltende Allianz der Welt. Es war unter seiner Herrschaft, als Prinz Henry (genannt „Der Navigator“) die afrikanische Küste erforschte. Die Inselgruppe der Azoren und Madeira wurden von Portugal in Besitz genommen. Das Land wurde zur führenden Macht der westlichen Hemisphäre, wenn es um Kartographie und Schiffsreisen ging. In jenen Jahren wurde der Grundstein für Portugals späteren Erfolg gelegt.

Diese Epoche lässt sich am besten mit der Mondlandung der 1960er Jahre vergleichen, denn portugiesische Schiffe stiessen damals in Regionen vor, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war. Sie entdeckten neue Länder und Völker, vornehmlich in Afrika, mit denen man in Europa noch nie zuvor Kontakt hatte. Dieser Trend setzte sich auch unter seinem Nachfolger König Afonso V. fort. Portugal gewann weiter an Einfluss in Nordafrika hinzu.

König Manuel von Portugal
König Manuel I. von Portugal

In die Herrscherzeit von Joao II. fällt die Entdeckung des Kaps der Guten Hoffnung am südlichen Ende Afrikas durch Bartholomäus Dias im Jahr 1488. Dies war der Grundstein für die weitere Erforschung des Indischen Ozeans und der Seeroute nach Ostasien. Sieben Jahre später, während der Herrschaft König Manuel I.,  umrundete ein weiterer Portugiesischer Seefahrer den Kap und segelte bis nach Indien. Sein Name war Vasco da Gama. Dort begründete er die portugiesische Präsenz auf dem indischen Subkontinent, die sich bis ins Jahr 1961 halten sollte. Unter König Manuel I. etablierten die Portugiesen Handelsrouten, gründeten Häfen und schlossen Abkommen mit den Persern, den indischen Prinzen und sogar dem Kaiser von China.

Portugal war an der Speerspitze neuer Technologien in Europa, neuer Entdeckungen und dem internationalen Handel. Obwohl es ein relativ kleines Land mit einer kleinen Bevölkerung und wenig natürlichen Ressourcen war, stieg das Königreich Portugal mit atemberaubender Geschwindigkeit zur Weltmacht und dem reichsten Land Europas auf. Seefahrer anderer Reiche fanden kaum mehr Küsten, an denen nicht zuvor schon portugiesische Schiffe vor Anker gegangen waren. Pedro Alvares Cabral entdeckte im Jahr 1500 das heutige Brasilien, die später einmal größte und wichtigste portugiesische Kolonie.

Judenverfolgung und wirtschaftliche Rückschläge

Bedauerlicherweise stellten diese Jahre den Höhepunkt Portugals dar. Der Verfall sollte bald darauf einsetzen. Eine der ersten Ursachen waren die Juden. Unter König Manuel I. waren sie toleriert worden.

Doch als dieser die Infanta Isabella von Aragon heiratete, beinhaltete ein Teil des Hochzeitsvertrags die Ausweisung der Juden aus Portugal. So wie dies zuvor schon in Spanien der Fall war. Die Juden sollten sich entweder zum Christentum bekennen oder das Land verlassen. Da die Juden eine herausragende Stellung im portugiesischen Banksektor und anderen Geschäftszweigen besaßen, bedeutete dies einen enormen wirtschaftlichen Schaden für das kleine Land.

Eine gewisse Selbstüberschätzung was die Einkünfte aus dem Handel mit Übersee anging richtete weiteren Schaden an.  Man ging einfach davon aus, dass dieser Handel und der daraus resultierende Wohlstand sich ewig fortsetzen werde und man dafür nicht viel tun müsse. Dabei übersah man, dass andere Nationen in den Gewürzhandel mit Asien und den Sklavenhandel mit Afrika drängten. Und dann gab es auch immer wieder Ärger mit dem benachbarten Königreich Spanien.

Nicht unbeachtet sollte jedoch die tiefe Verwurzelung der Portugiesen im Glauben bleiben. König Manuel I. war ein frommer Katholik und erhielt vom Papst zwei Mal die goldene Rose als Geschenk. Portugiesische Missionare, oftmals Jesuiten, begleiteten die Seefahrer auf ihren langen Reisen und brachten das Wort Christi bis an die entlegenen Küsten Afrikas, Asiens und Südamerikas. Sie waren die ersten Menschen des Westens, die Japan besuchten und dort die Samen des Christentums pflanzten, dessen tragische Geschichte der Verfolgung und Isolation einen eigenen Beitrag wert wäre.

Portugal fällt an das Königreich Spanien

Nach dem Tod König Manuel I. konzentrierte sich sein Nachfolger Joao III. auf die Ausweitung des portugiesischen Einflusses in Indien und Ostasien. Sein Enkel und Nachfolger, König Sebastian, starb bei Kämpfen in Marokko und wurde von König Henry beerbt, einem Kardinal der Katholischen Kirche, der ohne eigenen Erben blieb. Als dieser starb, erhob König Philipp II. von Spanien Anspruch auf den portugiesischen Thron. Zur Untermauerung des Anspruchs sandte er seine Truppen aus. Von 1581 bis 1640 regierten die spanischen Habsburger das Reich. Die Regierungszeit König Philipp II. stellte einen Höhepunkt spanischer Geschichte dar, doch Portugal musste nicht unerhebliche Unterstützung für die ambitionierten Pläne des spanischen Herrschers leisten. Während dieser Zeit kam es zu Konflikten Portugals mit anderen europäischen Mächten in den Kolonien. Engländer, Franzosen und Holländer verzeichneten alle auf Kosten der Portugiesen Gebietsgewinne.

Diese Entwicklung beendete der spätere Joao IV, Herzog von Braganza, als er sich zum Erben der Aviz Dynastie erklärte und einen erfolgreichen Aufstand gegen die Spanier durchführte. Die Engländer und Franzosen, nie verlegen ihren spanischen Rivalen ein Bein zu stellen, erkannten augenblicklich die Unabhängigkeit Portugals an. 1668 akzeptierte Spanien schließlich die portugiesische Unabhängigkeit unter dem neuen Herrscherhaus der Braganza.

Doch das erneut unabhängige Portugal hatte noch schwierige Stunden vor sich. Schon der Nachfolger Afonso VI. war nicht nur chronisch krank, sondern auch ein ausgesprochen schwacher Monarch. Portugals Entwicklung stagnierte, während andere Reiche zu florieren begannen. Am Ende wurde Afonso VI. ins Exil geschickt und König Pedro II. übernahm das Reich. Pedro II. stellte sich im Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten der Briten und Österreicher. Zeitweise nahmen seine Truppen sogar Madrid ein, doch war der Kampagne insgesamt kein Erfolg beschienen.

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Dem damaligen Schönheitsideal entsprechend – Joao V.

Erst unter seinem Nachfolger Joao V. kehrte Portugal auf die Erfolgsspur zurück. Joao V. war ein Mann mit Ambitionen, er vergrößerte das portugiesische Reich und brachte durch seine Erfolge wieder Wohlstand nach Portugal. Für seinen frommen Lebenswandel erhielt er vom Papst den Titel Sua Majestade Fidelíssima verliehen, was in etwa mit „Im Glauben treueste Majestät“ zu übersetzen ist.

Joao V. bewies eine gute Hand bei der Wahl seiner Minister für die Verwaltung des Landes, er besaß eine gute Menschenkenntnis und waltete vorausschauend über das Erblühen der Kunst und Architektur in Portugal.

König und Hof flüchten nach Brasilien

Erst nach seinem Tod kam es im Zuge der Vertreibung der Jesuiten aus Portugal zu politischen Spannungen. Ebenfalls in diesen Zeitraum fiel ein großes Erdbeben, das schwere Schäden im Land anrichtete. Die Staatskasse war in der Folge chronisch leer, unter den Amtsträgern breitete sich Korruption und Inkompetenz wie eine Krankheit aus und die Geisteskrankheit von Königin Maria I. trug wenig zur Verbesserung der Gesamtsituation bei. Ihr Erbe trat schließlich König Joao VI. an – kein einfaches Erbe, zieht man den Grad des Verfalls innerhalb hoher Regierungskreise in Betracht. Dazu kam die Katastrophe der Französischen Revolution. Portugal wurde in eine Allianz mit Spanien getrieben und letzten Endes vom Napoleonischen Frankreich erobert. König Joao VI. und der königliche Hof flüchteten nach Brasilien, während britische Truppen unter dem Kommando des Herzogs von Wellington landeten, um die Franzosen aus Portugal zu vertreiben.

Das Unternehmen gelang und die Franzosen wurden von der iberischen Halbinsel vertrieben. Doch die Region blieb vor weiteren Konflikten nicht verschont. Im Jahr 1821 kehrte König Joao VI. nach Portugal zurück – und fand ein Land im Aufruhr vor. Vom Anbeginn der französischen Besetzung an gab es eine stärker werdende politische Gruppierung, die mit den Franzosen, ihren Idealen und ihrer Präsenz sympathisierten und ein Ende der absoluten Monarchie forderten.

Als Folge wurde eine liberale Verfassung im Jahr 1822 verabschiedet. Sie beschnitt die königliche Macht in weiten Teilen, umschloss jedoch nicht die Kolonien und Brasilien. Letzteres, ermutigt durch seine Rolle als Machtsitz des Königs während der französischen Besetzung, begann die Unabhängigkeit zu fordern. Der Sohn des Königs, Pedro, übernahm die Führung der Bewegung und wurde schließlich zu Kaiser Pedro I. von Brasilien. Joao VI. bemühte sich um eine Umsetzung der liberalen Konstitution, doch die Bühne war bereits für das Aufeinandertreffen zwischen den Unterstützern der absoluten und der konstitutionellen Monarchie bereitet.

Nach dem Tod seines Vaters kehrte Kaiser Pedro I. von Brasilien nach Portugal zurück, um die Krone für sich zu beanspruchen. Doch er gab die Krone kurz darauf bereits an seine Tochter Maria II. weiter. Diese besaß gute Beziehungen in jene Kreise, die eine konstitutionelle Monarchie mit Parlament als Lösung sahen. Ihr Onkel Miguel I. hingegen hatte als starke Persönlichkeit die Unterstützung jener, die sich eine Rückkehr zur absoluten Monarchie wünschten. Hinzu kamen radikale Revolutionäre, die seit den Tagen der Franzosenherrschaft einen Umsturz herbeisehnten. 1834 wurde König Miguel I. schließlich besiegt und zur Abdankung gezwungen. Er ging daraufhin ins Exil nach Italien, Großbritannien und schließlich Deutschland. Königin Maria II. und ihr Ehemann König Ferdinand II. regierten bis zu ihrem Tod im Jahr 1853, auch wenn ihr Mann noch einige Jahre als Regent die Geschäfte für ihren Sohn Pedro V. regelte.

Portugal war durch eine extrem schwierige Periode der Besetzung, Krieg, Bürgerkrieg, dynastischer Dispute und Chaos gegangen. Doch unter dem jungen Pedro V. schien es wieder Hoffnung für Frieden, Stabilität und eine Periode der Regeneration zu geben.

Aufbruchsstimmung unter dem jungen Pedro V.

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Starb viel zu jung – Pedro V.

Diese Hoffnungen waren wohl begründet. Denn der 1853 gekrönte Pedro V. war ein ausgesprochen intelligenter und hart arbeitender Monarch. Die Infrastruktur des Landes wurde modernisiert und erheblich verbessert. Allerdings währte die Aufbruchsstimmung nicht lang, denn der junge, schöne König starb tragischerweise bereits im Jahr 1861 während einer Cholera Epidemie. Ironischerweise war es gerade das öffentliche Gesundheitswesen, das der junge König während seiner Regierungszeit erheblich verbessert hatte. Sein früher Tod bereitete den Boden für weitere Gesundheitsreformen.

1878 wurde die Sklaverei im gesamten Reich unter König Luis I. verboten. Er führte Portugal an die Weltspitze in der ozeangrafischen Forschung, doch das Land fand insgesamt nicht mehr zur Entwicklung der Jahre unter Pedro V. zurück. Politische Instabilität wurde zunehmend ein Problem. Die liberalen Reformen hatten eine neue Klasse von Politikern erzeugt, die – häufig korrupt – sich gegenseitig um Einfluss und Macht bekämpften. Portugal fiel hinter andere Länder zurück und wurde in seiner Kolonialpolitik in Afrika zunehmend eingeschränkt.

Als Luis im Jahr 1889 von seinem Sohn König Carlos I. beerbt wird, bessert sich die Situation nicht. Im Gegenteil, die Situation verschlechtert sich noch durch zunehmende Vetternwirtschaft seiner korrupten Politiker und Funktionäre. Portugal, einstmals das reichste Land Europas, verfiel in Armut und musste zweimal seine Zahlungsunfähigkeit erklären. Radikale Sozialisten gewannen an Stärke und riefen unverhohlen zum Sturz der Monarchie und der Errichtung einer Republik auf. Obwohl es doch erst ihre Forderung nach staatlicher Intervention war, welche die Malaise der portugiesischen Wirtschaft herbeigeführt hatte. Eine beliebte Taktik der Destabilisierung, die auch in anderen Ländern praktiziert wurde.

Attentat auf den König und Militärputsch

1908 fiel König Carlos I. einem Attentat zum Opfer. Ein Ereignis, das die damalige Welt und insbesondere Portugal schockierte. Zwar waren solche Attentate damals nicht selten, doch die portugiesischen Könige waren bei ihrem Volk in der Regel beliebt und kannten so etwas nicht einmal aus Zeiten interner Dispute. Der erst 19 Jahre junge König Manuell II. folgte seinem ermordeten Vater auf den Thron. Er war ein aufgeweckter und kultivierter junger Mann – aber auch einer, dem man die Umkehr der fatalen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nicht zutraute.

Nur zwei Jahre später führte ein Militärputsch zu einer Revolution und dem Ende der Monarchie in Portugal. 1910 wurde die Republik ausgerufen. Es gab wenig Unterstützung für den Putsch innerhalb der Bevölkerung, doch der König wurde ins Exil nach Großbritannien gezwungen. In der Folge gab es eine große Anstrengung die Monarchie wiederherzustellen, doch die Bemühungen verliefen im Sande. Auch unter republikanischer Führung änderte sich an der Entwicklung des Landes nichts. Im Gegenteil. Machtkämpfe und Chaos beherrschten das Land und führten zu weiterem Verfall. Portugal fand erst mit der Gründung des Estado Novo im Jahr 1933 wieder zu geordneten Verhältnissen zurück. Doch diese Stabilität wurde durch den Ausbruch der kommunistisch inspirierten Kolonialkriege in Afrika wieder erschüttert. Portugal musste letztlich drei Kriege gleichzeitig kämpfen und diese Belastung führte schließlich 1974 zur so genannten „Nelkenrevolution“, nach derer die Kolonien aufgegeben wurden.

Die Sozialisten übernahmen die Regierung und halten sie im Wechsel mit sozialdemokratischen Politikern bis heute. Ihre an der Ideologie ausgerichtete Politik führte zum vollständigen Verfall Portugals und dem Absturz zu einem der ärmsten Länder Europas, nur mehr ein Schatten seines einstigen Wohlstands und seiner Macht in den Jahrhunderten unter seinen Königen. Diese Entwicklung führte nur zur allzu großen Bereitschaft dem „Europäischen Projekt“ beizutreten – um sich so immer mehr und mehr Geld zu leihen und das Land so tiefer und tiefer in die Schulden zu stürzen, bis hin zu fast vollständigen Abhängigkeit von der herrschenden Elite der Europäischen Union.

Keine tragende Lösung konnte bis heute gefunden werden und die Situation in Portugal verbleibt bis heute prekär. Dabei beinhaltet die Geschichte Portugals all jene Lektionen, die es zu verinnerlichen gilt, um die Situation zu drehen. Der Kontrast könnte nicht stärker sein zwischen dem momentanen Status der portugiesischen Republik als einer Nation der Bettler und Schuldner und jenem des Königreichs Portugal, das zu den führenden Mächten im Handel und der Technologie zählte und es zu einem der wohlhabendsten Länder der Erde. Dies ist das Land, zu dem Portugal zurückkehren muss.

Die kurze Geschichte des Königreichs Finnland

finnland-flaggeDie kurze Geschichte des kurzlebigen, in weiten Teilen nur nominell bestehenden, Königreich Finnland geht bis auf das Jahr 1809 zurück. In jenen Jahren der Napoleonischen Kriege wurde das Großfürstentum, dessen Großherzog bisher der König von Schweden war, durch Russland annektiert.

Für das folgende Jahrhundert war Finnland eine autonome Region des Russischen Reichs und zunächst waren die Beziehungen zwischen Finnen und Russen auch gut und für beide Seiten von Gewinn. Die Finnen bewiesen ihre Loyalität dem Zaren gegenüber und erhielten dafür ein hohes Maß an nationaler Selbständigkeit. Finland besaß plötzlich eine eigene Regierung und es kam zu so etwas wie einer nationalen Wiederbelebung.

Die Beziehungen litten in den Folgejahren, als man in Russland Zugeständnisse der Finnen und eine Angleichung an den Rest des Russischen Reichs verlangte. Was in Finnland für Unmut sorgte. Doch der Unmut war nie so groß und die Jahre der ungeliebten Schwedenherrschaft noch in Erinnerung. Finnland blieb bis zum Sturz von Zar Nikolai II. ein Teil des Russischen Reichs.

Finnische Weißgardisten
Finnische Weißgardisten

Viele in Finnland fühlten, dass Finnland ohne Zaren nun auf sich alleine gestellt sei und seinen eigenen Weg gehen müsse. Doch die provisorische Regierung Kerenskys sah Finnland weiterhin als Teil von Russland an und sandte die Armee aus, um Finnland zu besetzen. Als es in Russland schließlich zum Bürgerkrieg zwischen Bolschewiken und Weißgardisten kam, erklärte Finnland seine Unabhängigkeit. Doch der Konflikt sollte in Kürze auch Finnland erreichen.

Anfänglich besaßen die Sozialdemokraten die meisten Sitze im finnischen Parlament, doch dann trat eine zunehmende Radikalisierung ein. Es gab die sozialistische Fraktion, die sich der entstehenden Sowjetunion anschließen wollte und die Nicht-Sozialisten, die eine vollständige Unabhängigkeit Finnlands wünschten. Rote und weiße Finnen kämpften in ihrem eigenen Land und teilweise auch Seite an Seite mit ihren russischen Gegenparts. Finnland drohte an die sozialistische Diktatur in Russland zu fallen.

In ihrer Suche nach Hilfe wandten sich die Finnen an das kaiserliche Deutschland. 1917 und 1918 waren ereignisreiche Jahre im Baltikum. Die Deutschen hatten immer noch große Militärverbände in der Gegend und halfen den weißen Finnen im Kampf gegen die Sozialisten. Die roten Finnen litten auch unter dem Rückzug der Sowjets, die sich auf den Kampf im russischen Kerngebiet konzentrierten.

Das Deutsche Reich sah die Gelegenheit zur Unterstützung eines unabhängigen Finnland, es vor dem sozialistischen Republikanertum zu schützen und um seinen Einfluss in der Region zu festigen. Finnland würde als eine Art Pufferstaat zwischen den Sowjets und dem kriegsmüden Deutschen Reich dienen. Auf gleiche Weise verfuhr man übrigens auch im Baltikum mit der Etablierung von unabhängigen Monarchien (Königreich Litauen und das Vereinigte Baltische Herzogtum).

Naturgemäß hatte Deutschland seit dieser Hilfe im Kampf um Unabhängigkeit eine exzellente Beziehung mit dem neuen Finnland. Später, in den Tagen des 2. Weltkriegs, würden viele Finnen sagen, dass Deutschland „der einzige verbliebene Alliierte von uns ist“. Trotz der schwierigen Lage gegen Ende des 1. Weltkriegs wurden Finnen von der Deutschen Armee ausgebildet, mit Waffen und Ausrüstung ausgestattet und sogar mit Truppen unterstützt. Ohne diese Unterstützung wäre Finnland womöglich einfach ein weiterer Staat der UdSSR geworden.

Prinz Friedrich Karl von Hesse-Kassel
Prinz Friedrich Karl von Hesse-Kassel

Mit Blick auf die deutsche Hilfe kam es nicht unerwartet, dass Finnland eine Monarchie werden würde und womöglich gar ein deutscher Adeliger den Thron besteigen würde. Der bevorzugte Kandidat war Prinz Friedrich Karl von Hesse-Kassel. Er war mit Prinzessin Margarete von Preußen verheiratet, der Schwester von Kaiser Wilhelm II.

Ein finnischer Abgeordneter des Parlaments schlug vor, der neue potenzielle Monarche solle als „König Kaarle I. von Finnland und Karelien, Herzog von Aland, Großherzog von Lappland, Fürst von Kaleva und dem Norden“ regieren. Nachdem die Sozialisten besiegt waren, wurde der hessische Prinz am 9. Oktober 1918 auch formell zum König von Finnland gewählt.

Republikanische Schwarzmaler versuchen dieses Ereignis natürlich als eine Art Übernahme Finnlands durch Deutschland darzustellen. Statt der Unabhängigkeit wäre Finnland doch nur ein deutsches Protektorat geworden. Doch das ist nicht wahr. Die Wahl des hessischen Prinzen Frederik Kaarle war sogar eine sehr kluge Wahl für ein neues Land. Da der König Deutsche wär, hätten die Deutschen genug Vertrauen zu den Finnen sich selbst zu regieren, ohne Angst haben zu müssen, dass die Finnen zu ihren Feinden werden könnten. Hätte sich Finnland für einen feindlich gesinnten Anführer entschieden, so hätte das Land sofort ihren besten Verbündeten verloren und die Dinge wäre an der Kriegsfront sicherlich andes verlaufen. Finnland wäre womöglich besetzt und annektiert worden.

Doch Deutschland war auf diese Weise mit einem unabhängigen, sich selbst regierenden Finnland sehr zufrieden. Man wusste, dass der Monarch über Familienbande mit dem Kaiser verbunden war und als ein Resultat konnte Finnland auf deutsche Hilfe hoffen, sollte es zu Streitigkeiten mit Nachbarländern wie Russland oder Schweden kommen. Dies war auch sehr realistisch. Denn Finnland wusste, ähnlich wie die baltischen Staaten, dass sie in einer gefährlichen Lage zwischen Deutschland und Russland befanden. Sie würden sich niemals gegen beide durchsetzen können und mussten sich daher für eine Seite entscheiden. Insbesondere als die Bolschewiken die Macht in Russland übernahmen und anfingen Menschen zu massakrieren und Minderheiten zu unterdrücken, war die Wahl nicht schwer.

Carl Gustaf Mannerheim - designierter Regent des Königreich Finnlands
Carl Gustaf Mannerheim – designierter Regent des Königreich Finnlands

Als Regent für das neue Königreich Finnland wurde niemand geringeres als der berühmte finnische Offizier Carl Gustaf Mannerheim ausgewählt, der später noch im Winterkrieg gegen die Sowjets von sich Reden machen sollte. Mannerheim wart nicht begeistert über die Wahl von Prinz Friedrich Karl – aus Angst vor der Reaktion der Alliierten.

Bedauerlicherweise hatte er recht und mit der Niederlage des Deutschen Reichs war auch die Monarchie in Finnland verdammt, bevor der König überhaupt offiziell den Thron besteigen konnte. Die Alliierten machten sofort klar, dass sie keinen hessischen Prinzen als König von Finnland akzeptieren würden und der finnische Premierminister Lauri Ingman (ein Monarchist) wurde mit der Aufgabe betraut, Prinz Friedrich Karl den Thronverzicht zu erklären. Würde er dies nicht tun, so würden die Alliierten die Unabhängigkeit Finnlands nicht anerkennen.

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Die finnische Krone

Am 14.11.1918 gab Prinz Friedrich Karl eine formelle Erklärung ab, in der er auf den finnischen Thron verzichtete. Noch bevor er überhaupt den Thron bestiegen hatte. In den darauf folgenden parlamentarischen Wahlen in Finnland gewannen die Republikaner die Mehrheit der Sitze. Eine neue Verfassung wurde erarbeitet und eingeführt, natürlich eine republikanische Verfassung und seit jenen Tagen ist Finnland eine Republik.

Kaiser Minh Mang von Vietnam

vu-chua-phuc-dung-2Der zweite Kaiser der Nguyen Dynastie Vietnams wurde als Prinz Nguyen Phuc Dam am 25. Mai 1792 in Gia Dinh geboren. Er war der vierte Sohn des künftigen Kaisers Gia Long und seiner Gemahlin Thuan Thien. Er sollte ursprünglich nicht den Thron besteigen, doch sein Bruder Prinz Canh verstarb ein Jahr bevor die Nguyen Dynastie Vietnam 1802 wiedervereinte.

Der Kronprinz war in jungen Jahren nach Frankreich gesandt worden, wo er eine westliche Bildung erhielt. Er interessierte sich auch sehr für das Christentum, wurde aber niemals getauft. Diese Ausbildung der Kronprinzen war Teil der angedachten Allianz zwischen Frankreich und Nguyen Dynastie, die allerdings aufgrund der Französischen Revolution niemals richtig in Kraft trat.

Ein französischer Missionar half seinem Vater, Kaiser Gia Long, einmal und rettete ihm dabei das Leben. Woraufhin der Kaiser versprach, er werde das Christentum immer respektieren und die Freundschaft dieses Mannes, des Bischofs von Adran, nie vergessen.

Als der Bischof jedoch verstarb, wurde Kaiser Gia Long mit den Jahren immer misstrauischer gegenüber französischen Versuchen, Gelder für Dienste einzutreiben, die sie niemals geleistet hatten. Mit Blick in die Zukunft sah er zwei Lager, zwischen denen sich Vietnam entscheiden müsse: Der Westen mit seinen Innovationen oder China mit seiner langen Tradition. Er traf seine Wahl mit der Ernennung seines Sohnes Prinz Nguyen Phuc Dam als klaren Vertreter des traditionellen, pro-chinesischen Standpunkts.

Thronbesteigung als Kaiser Minh Mang

vua_Minh_Mang_004aEinige Jahre später verstarb der Kaiser und sein Sohn wurde zu Kaiser Minh Mang von Dai Nam (der „große Süden“). Er war gerade einmal 29 Jahre alt, aber bereits sehr gebildet im traditionellen Konfuzianismus und hatte feste Ansichten und Meinungen. Man konnte darauf setzen, dass er sich für die traditionell engen Bindungen mit China einsetzen werde, westlichen Einfluss begrenzen und die konfuzianischen Werte der vietnamesischen Monarchie betonen werde.

Missionare berichteten bald davon, dass sich Kaiser Minh Mang positiv über die Japaner geäußert habe, welche das Christentum gewaltsam aus ihrem Land vertrieben und sich gegenüber der Außenwelt abschottet hatte. Die Sache war natürlich nicht so einfach, aber es gibt Zeugnis von der Mentalität Kaiser Minh Mangs. Er war gelehrt, konservativ und sehr argwöhnisch gegenüber allen ausländischen Einflüssen. Doch er war nicht dagegen neue Dinge zu erlernen, insbesondere westliche Technologie und Ideen weckten sein Interesse. Doch deren Einfluss musste streng reglementiert und nur wenigen Gelehrten zugänglich gemacht werden, die damit umzugehen wüssten. Ansonsten könnten diese große Schaden anrichten, wie er meinte.

Auf seine ausländischen Besucher wirkte er sehr hoheitsvoll. Einer Schilderung, der sich fast alle Besucher anschlossen. Sie beschrieben ihn auch als einen ruhigen und unglaublich höflichen Mann mit fast femininen Zügen in seinen Manieren. Und doch war er ein starker Herrscher. Er arbeitete ohne Unterlass und kein Detail war zu unwichtig, um seiner Aufmerksamkeit zu entgehen. Während seiner Regierungszeit würde Vietnam so etwas wie ein goldenes Zeitalter erleben, mit einer hochentwickelten Gesellschaft basierend auf dem konfuzianischen Moralkodex und einem Reich, dass Vietnam und große Teile von Laos und Kambodscha umfasste.

Der Kaiser lehnte alle Handelsbeziehungen mit Frankreich ab, sandte die ersten amerikanischen Vertreter in seinem Land ohne Audienz wieder zurück und erlaubte niemandem Geschäfte mit seinem Reich zu tätigen, wenn dieser sich nicht vietnamesischen Gesetzen und Bräuchen unterwerfen würde. Die Menschen aus Europa und Amerika, die er als Barbaren bezeichnete, sollten gemieden werden.

Auch wenn gewöhnlich seine antichristliche Einstellung beachtet wird, so war es auch gegenüber anderen ostasiatischen Religionen wie z.B. Buddhismus oder Taoismus wenig nachsichtig. Er glaubte an den Konfuzianismus und dessen Ziel der Harmonie wie es bereits seine Vorfahren taten. Religiöse Pluralität war mit diesem Modell nicht in Einklang zu bringen und wurde von ihm als Schwäche ausgelegt.

Minh_MangAuch tendierten einige dieser anderen Religionen zum Egalitarismus, indem sie keine Hierachieunterschiede zwischen den Menschen anerkannten oder sogar die Autorität des Kaisers in Frage stellen. Das Christentum, jene Religion aus dem Ausland, behauptete gar, dass auch der Kaiser als Sohn des Himmels ein Sünder sei, der nur durch Christus zum ewigen Leben gelange.

Als im Land eine Revolte gegen die Dynastie losbrach, war Minh Mang davon überzeugt, dass die Katholiken und ihre „perverse europäische Religion“ dahinter stecken müsse.

Der Kaiser lag mit seinem Argwohn nicht immer verkehrt, aber so eine Haltung kann in einer Art sich selbst erfüllender Prophezeihung enden. Der bekannte Soldat und Gelehrte Le Van Duyet hatte öffentlich Entscheidungen des Kaisers hinterfragt. Und daran erinnert, dass sein Vater einst versprochen hatte, das Christentum in seinem Reich zu respektieren. Sein adoptierter Sohn Le Van Khoi war ausgerechnet der Anführer der Revolte. Und so kombinierte der Kaiser, dass die Katholiken dahinter stecken und man diese aus dem Land zu vertreiben habe.

Ausgerüstet mit dieser Erkenntnis befahl Kaiser Minh Mang alle Ausländer und vietnamesischen katholischen Priester gefangen zu nehmen. Einige entkamen, aber nicht alle wie beispielsweise Vater Francois Isidore Gagelin, den man 1833 langsam zum Tod strangulierte.

Zur richtigen Einordnung ist jedoch zu wissen, dass dies kein riesiges Blutbad war. Über einen Zeitraum von 7 Jahren wurden ungefähr 10 Missionare exekutiert. Auch wenn die Hinrichtungen scheußlich waren, in der Hoffnung, andere Missionare damit abzuschrecken.

Ungeachtet dieser Tatsache war Kaiser Minh Mang kein grausamer oder bösartiger Mann. Er glaubte fest daran, dass er harte aber notwendige Entscheidungen zum Wohle seines Landes fällte und er hätte es vorgezogen, dies ohne Gewalt tun zu können. Die meisten Vietnamesen waren keine Christen und hatten keinen Kontakt mit der Religion und für den Kaiser war das Thema daher eher nebensächlich.

Ihn interessierte die traditionelle Kultur seines Landes. Er war ein sehr begabter Schreiber und Poet. Er hatte angeblich auch eine sehr große Anzahl an Konkubinen und soll 142 Kinder gezeugt haben. Man fragt sich, wie der Mann noch Zeit zum Regieren gefunden hat.

Er war auch sehr an Architektur interessiert und hinterließ viele Monumente, die heute zu den kulturellen Schätzen Vietnams zählen, darunter der Mieu Temple erbaut im Jahr 1821 zu Ehren der zehn Nguyen Kaiser. Die beeindruckende Grabkammer zieht heute noch viele Besucher an. Es war auch er, der die neun riesigen Urnen außerhalb des Hien Lam Pavilion und Mieu Tempels in Auftrag gab. Diese hatten eine spirituelle Bedeutung. Sein Motto als Kaiser lautete „sich in die konstante Bewegung des Himmels einfügen“. Für ihn gab es eine kosmische Ordnung und Kaiser Minh Mang wollte sein Land in Harmonie damit sehen und tat alles dafür, während er alles was dies stören könnte entfernen ließ.

viet_vua_francartViel zu häufig wird die Außenpolitik von Kaiser Minh Mang grob vereinfacht als isolationistisch und antikatholisch dargestellt. Sie war aber viel komplexer als das. Die Französische Regierung war ja selbst gespalten in pro- und anti-katholische Kirche und der Kaiser versuchte Ärger mit den Franzosen zu vermeiden, ehe er eine günstige Situation dafür erblicken würde.

Sein Verlangen, dass Besucher die Gesetze und Bräuche des Landes zu respektieren haben war nicht unvernünftig und es ist wahr, dass sich manche Missionare womöglich etwas zu stark in die Politik einbrachten, als sie vielleicht hätten tun sollen.

Gern wird auch übersehen, dass Kaiser Minh Mang sehr gut über die Geschehnisse in der Welt informiert war und seine isolationistische Position mit den Jahren variierte. Er sah die erfolgreiche Intervention der Briten in China, der traditionell dominanten Macht Ostasiens, was ihn stark beunruhigte. Er befürchtete, die Franzosen könnten das selbe in Vietnam tun.

Er sandte Botschafter nach Paris aus, die einen Vertrag mit den Franzosen aushandeln sollten, aber durch die politische Situation in Frankreich kam es nicht dazu. Frankreich und Vietnam hätten sich hier friedlich einigen können.

Bald darauf verstarb Kaiser Minh Mang am 20. Januar 1841 im Alter von 49 Jahren. Seine Regierungszeit besitzt im Rückblick mehr Licht als Schatten. Er war sehr streng über die Einhaltung der konfuzianischen Ideale aber zeigte Verständnis für seine Landsleute, indem er beispielsweise die Zwangsarbeit stark einschränkte. Er hatte alle Revolten gegen ihn besiegt, ebenso wie einen Angriff aus Siam, die die Unruhe im Nachbarland auszunutzen gehofft hatten.

Der Große Süden (Dai Nam) hatte durchgehalten, vereint und sicher unter der Herrschaft von Minh Mang. Er hatte die Harmonie, die ihm so viel bedeutete, geschützt und viele seiner Entscheidungen würden noch lange Bestand haben, insbesondere unter seinem Sohn Kaiser Thieu Tri.

Die Verfolgung der Christen ist ein schwarzer Fleck, auch wenn es niemals so schrecklich war, wie dies manche Zeitgenossen geschildert haben mögen. Allerdings schuf es für Vietnam Probleme, die mit der Zeit immer größer würden. Allein dies kann man Kaiser Minh Mang vorhalten. Die späteren Probleme Vietnams sollten aus einer Vielzahl von Einzelfaktoren entstehen – interne Unruhen, die Christenverfolgung und der Isolationismus, der Vietnam bei der technischen Entwicklung immer weiter hinter andere Länder zurückfallen ließen.

Dies alles Kaiser Minh Mang anzulasten, ging jedoch zu weit. Nach seinem konfuzianischen Verständnis hatte er ohnehin alles richtig gemacht und fast alles war ihm gelungen. Er war ein sehr traditioneller vietnamesischer Monarch und nach der konfuzianischen Lehre der Autorität, Tugend und Pietät auch ein sehr erfolgreicher.

König Charles I. von England

charles-iEs sind paradoxerweise oft die anständigen Monarchen, die bei Revolutionen ihr Leben lassen. Dies war der Fall mit Zar Nikolai II. von Russland als auch mit König Ludwig XVI. von Frankreich. Und so war es auch bei König Charles I. von Großbritannien. Ein aufrechter und nobler Mann mit Prinzipien, der auf dem Thron der drei Königreiche saß.

Geboren wurde er in Schottland am 19. November 1600 als zweiter Sohn von König James I. von England (bzw. James VI. von Schottland) und Königin Anne von Dänemark. Er war ein kränkliches und gebrechliches Kind, aber sehr intelligent und talentiert in Fremdsprachen.

Henriette Marie de Bourbon
Henriette Marie de Bourbon

Im Jahr 1612 starb sein älterer Bruder Prinz Henry und der junge Charles wurde zum Thronfolger. 1616 erfolgte die Ernennung zum Prinzen von Wales. Laut Aussagen Dritter war er sehr höflich, würdig und hoheitsvoll trotz seiner geringen Körpergröße von nur 1,65 m.

Mit dem Tod seines Vaters am 27. März 1625 wurde er zu Charles I., König von England, Schottland, Irland und (zumindest nominell) Frankreich. Zwei Monate später heiratete er Prinzessin Henrietta Maria von Frankreich, die tiefreligiöse Schwester von König Ludwig XIII.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber mit der Zeit würde sich das Paar immer verbundener werden. Einzig die Religion (er: Anglikaner, sie: Katholikin) trennte beide. Er sandte die begleitenden katholischen Priester der Königin zurück nach Frankreich, woraufhin sie wiederrum ablehnte, seiner protestantischen Krönungszeremonie beizuwohnen. Übrigens geht der Name des US-Bundesstaats Maryland auf sie zurück.

Fünf der ältesten Kinder
Fünf der ältesten Kinder

Mit der Zeit wurden die religiösen Unterschiede zunehmend geringer, insbesondere nachdem König Charles I. den „High Church“ Anglikanismus entdeckte, der im Gegensatz zur „Low Church“ einen stärkerer Fokus auf traditionelle und vollkommene Riten legte und Katholiken als „Weg in die richtige Richtung“ erschien. Am Ende sollte das Paar gemeinsam neun Kinder haben.

Finanzielle Nöte des Reichs

Von Beginn an seiner Regierungszeit hatte Charles I. mit finanziellen Problemen zu kämpfen. England litt unter einer Inflation, worunter die Einkommen litten – auch die des Königs. Einige Fehlinvestitionen führten schließlich dazu, dass der König kaum mehr über das nötige Geld verfügte, um seine Verpflichtungen (z.B. Landesverteidigung) zu erfüllen.

Der König musste in dieser Lage dringend an frisches Kapital kommen. Er verkaufte die Mitgift seiner Frau, lieh sich Geld von der Elite seines Landes und ließ das so genannte „ship money“ einziehen, eine Steuer in Küstenregionen für die Navy. Das Parlament, dominiert von der reichen Elite, begann mehr und mehr zu grummeln. Dies insbesondere nachdem auch noch Kriege verloren gingen. Gier und Ehrgeiz kombiniert mit religiösem Fanatismus waren dabei, sich zu einem Sturm gegen die britische Krone zusammen zu brauen.

Streit mit dem Parlament

König Charles war – anders als zeitgenössisch gern dargestellt – alles andere als ein starrer, intoleranter Mann. Er gab in vielen Streitfragen dem Parlament nach. Als sie jedoch immer mehr und mehr Forderungen stellten, platzte ihm der Kragen und er löste das Parlament auf, um die nächsten elf Jahre in Frieden weiterzuregieren.

Charles I. als junger Prinz
Charles I. als junger Prinz

Mit Schottland kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die für England nicht gut verliefen. Am Ende musste Charles I. dem Druck nachgeben und das Parlament wieder einberufen. Die neuen Mitglieder lehnten es ab, tätig zu werden, ehe nicht ihre alten Forderungen von damals erfüllt würden. Charles hielt ein „Nein“ immer für ein „Nein“ und löste das Parlament daher kurzerhand wieder auf. Doch seine Truppen in Schottland wurden besiegt, was ihn in eine prekäre Lage brachte.
Das Parlament war noch unvernünftiger als zuvor und religiös noch intoleranter. Nicht nur Katholiken, sondern auch Anglikaner und insbesondere High Church Anglikaner wurden als „unzureichend protestantisch“ angegriffen.

Obwohl dies in der heutigen Geschichtsschreibung gern ignoriert wird, war König Charles I. bereit zu Verhandlungen und gab dem Parlament in fast allen Forderungen nach, um endlich einen Frieden schließen zu können. Doch wie mit allen liberalen Revolutionären gilt – gib ihnen einen Zentimenter und sie fordern einen ganzen Meter. Charles gab allen Forderungen des Parlaments nach – bis auf zwei. Nämlich das er seine Rolle als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche niederlegen und das er die Macht über die Armee abgeben sollte. Diese beiden Forderungen zu erfüllen lehnte Charles rundherum ab. Die Radikalen blieben jedoch bei ihrer Forderung nach „Alles oder nichts“.

Der Bürgerkrieg beginnt

Nachdem sich die Lage weiter zuspitzte und die Unruhe das gesamte Reich zu ergreifen begann, gab Charles I. den Befehl aus, die Rädelsführer des Parlaments zu verhaften. Dies misslang jedoch und beide Seiten bereiteten sich schließlich auf den Krieg vor. Für gewöhnlich wird der Start des Krieges auf den 22. August 1642 datiert, als die königliche Standarte in Nottingham aufgezogen wurde. Die Chancen standen von Beginn an schlecht für die Königstreuen: die Parlamentarier (engl. auch „Roundheads“ genannt) kontrollierten den Reichtum des Landes und seine wichtigsten Standorte.

Charles I. von drei Seiten
Charles I. von drei Seiten

Doch die königlichen Truppen kämpften extrem verbissen und zäh. König Charles I. bewies, obwohl kein militärisches Genie, dass er ein guter und kompetenter Heerführer war und ein tiefes Verständnis von Taktik hatte.

Seine strategischen Urteile wurden oftmals kritisiert, doch dies war ein Resultat aus seiner Natur und seinem Charakter. Charles wollte keinen „totalen Krieg“. Er hasste die Vorstellung seine eigenen Leute zu erschlagen and war überzeugt, dass die meisten der Gegenseite einfach von bösartigen Menschen verführt worden war. Man werde sie überzeugen können, sich wieder zu Besinnen und dem König anzuschliessen. Das war der entscheidene Unterschied: Die Gegenseite unter dem späteren Militärdiktator Oliver Cromwell hatte keinerlei Skrupel jeden umzubringen, den man der Gegnerschaft vermutete – man frage mal die Iren.
Obwohl es zeitweise nach einem Sieg Charles I. aussah, begann sich der Kriegsverlauf ab 1643 zu wenden. Der König suchte Unterstützung bei den Schotten, die wiederrum übergaben ihn den Roundheads (Parlamentstruppen). Charles entfloh der Gefangenschaft, wurde aber wieder eingefangen. Die Schotten waren nun ihrerseits nicht mehr gut auf die Roundheads zu sprechen und begannen den König zu unterstützen, wurden am Ende aber geschlagen.
Hinrichtung Charles i.
Hinrichtung Charles i.

Edinburgh wurde besetzt, Charles war gefangen genommen und man zerrte ihn vor ein „Parlament“ (kein House of Lords) um ihn wegen Verrats anzuklagen. Mit großer Würde und Haltung lehnte er es ab, die Authorität des Gerichts anzuerkennen, das ohnehin nur eine Farce war.

Niemand durfte für den König sprechen und wer der Sympathie mit dem Monarchen verdächtig wurde, durfte sich nicht einmal setzen. Der König sprach während der „Verhandlung“ wenig. Nach der Verkündigung des erwarteten Todesurteils sprach er ein letztes finales Statement.

Am 30. Januar 1649 wurde König Charles I. in Whitehall Palace geköpft – und Großbritannien würde nie mehr das selbe Land sein. Der edelmütige Monarch wurde heimlich und leise in Windsor Castle verscharrt und der puritanische Militärkommandant Oliver Cromwell wurde Diktator von Großbritannien und Irland. Es sollte die einzige Periode der britischen Geschichte ohne einen Monarchen auf dem Thron sein.

Militärdiktator Oliver Cromwell
Militärdiktator Oliver Cromwell

Cromwell regierte das Land mit tyrannischen Methoden und gab damit einen ersten Vorgeschmack auf die republikanischen Militärdiktaturen späterer Jahrhunderte. Insbesondere seine grauenvolle Verfolgung der Iren ist bis heute in Erinnerung geblieben. Die britischen Inseln waren ein finsterer Ort in jenen Tagen, ehe der Tod Cromwells es König Charles II. erlaubte, den Thron seines Vaters zu besteigen.

Die Kirche von England erkannte König Charles I. später als einen heiligen Märtyrer des Anglikanismus an. Damit ist er der einzige Heilige und Monarch der Anglikanischen Kirche. Doch der Sieg der Parlamentstruppen konnte nicht mehr zurückgedreht werden. Auch wenn die Monarchie am Ende wiederhergestellt wurde, die Spannungen zwischen Krone und Parlament blieben bestehen und sind auch heute noch in vielen Zeremonien des britischen Parlaments sichtbar.
Auch wenn noch einige Zeit verstreichen würde, aber mit der Niederlage des heldenhaften Charles I. begab sich Großbritannien auf den Weg in ein System, das vom Parlament dominiert wurde. Was der Stuart König wohl heute von seinem Land halten würde?

Kaiserin Marie-Claire von Haiti

marie-claire-und-mannDie erste Kaiserin des unabhängigen Haiti wurde im Jahr 1758 als Marie-Claire Heureuse Felicite im Ort Leogane geboren. Ihre Eltern waren Bonheur Guillaume und Marie-Elisabeth Sainte-Lobelot, zwei arme aber freie schwarze Haitianer. Ihre Tante Elise Lobelot leitete einen Dominikanerorden und wurde mit der Erziehung der jungen Marie-Claire betraut. Es ist unzweifelhaft ihrer guten Erziehung zu danken, dass aus dem Kind eine gutherzige und mitfühlende Frau wurde.

Marie-Claire verbrachte eine ziemlich gewöhnliche Kindheit im Haiti jener Tage, das zu den einträglichsten französischen Kolonien zählte. Noch in jungen Jahren heiratete sie den französischen Stellmacher (Handwerker der Räder, Wagen und landwirtschaftliche Geräte aus Holz herstellt) Pierre Lunic. Über diese Ehe ist praktisch nichts bekannt. 1795 verstarb ihr erster Ehemann und ließ Marie-Claire als Witwe zurück.

Revolution auf Haiti

Dies war eine bedeutsame und traumatische Zeit für Haiti. In jenen Tagen erhoben sich die Sklaven zur Revolte gegen die Franzosen. Die traditionelle Geschichte erzählt von einem Voodoo Priester, der seine Landsleute im Sommer 1791 zur Rebellion aufruft. Viele französische Plantagen gehen daraufhin in Flammen auf und die Rebellion breitet sich mit ungeheurer Geschwindigkeit auf der Insel aus. Die Franzosen wehren sich verbissen und versuchen ihre Kolonie zu retten, die Haitianer kämpfen mit nicht weniger Eifer gegen die Herrschaft des weißen Mannes.

Marie-Claire pflegt einen Kranken
Marie-Claire pflegt einen Kranken

Es war zu jener Zeit im Jahr 1800 als Marie-Claire ihren zweiten Mann bei der zermübernden Belagerung der Stadt Jacmel traf. Sie kümmerte sich dort um die Armen, Hungernden und Leidenden der Stadt und arrangierte ein Treffen mit einem der belagernden Kommandaten, Jacques Dessalines. Sie wollte ihn überzeugen, einen humanitären Korridor zu öffnen, so dass sie den einfachen Einwohnern Hilfe zukommen lassen könne.

Dessalines stimmte dem Vorhaben zu und Marie-Claire leitete eine Gruppe Freiwilliger in die umkämpfte Stadt. Sie verteilte Nahrung, Kleidung und Medizin unter den Bedürftigen. Ohne Zeit mit Formalitäten zu verschwenden, bereitete sie das Essen einfach auf der Straße zu und gab es den verwundeten und hungernden Massen. Die Menschen waren dankbar und Marie-Claire wurde zu einer Berühmheit, zu einem Engel der Barmherzigkeit, den man niemals vergessen werde.

Kommandant Dessalines vergaß die Frau auch nicht. Am 21. Oktober 1801 heirateten die beiden. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie viel Wahlfreiheit sie bei dieser Entscheidung hatte. Das Ehepaar hätte unterschiedlicher nicht sein können. Sie war elegant, freundlich, warm, mitfühlend und geduldig. Ihr Ehemann hingegen großspurig und schwülstig mit einem Hang zur Gewalt. Zudem war er als Schürzenjäger verschrien.

Dennoch machte Marie-Claire daraus niemals einen Skandal und umsorgte sogar liebevoll die zahlreichen Kinder, die ihr Ehemann mit anderen Frauen gezeugt hatte.

Befehl zur Vernichtung der weißen Bevölkerung

Im Frühjahr 1804 befahl Jacques Dessalines (der anders als seine Frau einst ein Sklave war) die Vernichtung der gesamten weißen Bevölkerung Haitis. Ursprünglich sollten nur alle weißen Männer über einem gewissen Alter hingerichtet werden, doch später wurde dies auf Frauen und Kinder ausgeweitet. Lediglich einige Frauen, die einen schwarzen Ehemann hatten, wurden verschont. Dessalines vertrat die Ansicht, dass dies zur Sicherheit des Landes erforderlich sei. Sonst würden die Franzosen zurückkehren und die weiße Herrschaft wiederherstellen, fürchtete er.

Kaiserin Marie-Claire war verbittert über diese Entscheidung und machte daraus auch keinen Hehl. Sie hatte bereits bewiesen, dass ihr Mitgefühl unabhängig von Hautfarben war und sie sich für alle Leidenden einsetzt. Seit ihrer Kindheit war sie im Grunde eine Krankenschwester und Lehrerin und sie war im Geist des Mitgefühls für jeden Leidenden erzogen worden. Egal welcher Rasse er angehörte, welches Alter er hat oder ob er Mann bzw. Frau sei.

Kaiser Jacques I. von Haiti
Kaiser Jacques I. von Haiti

Als die Massaker an der weißen Bevölkerung begannen, flehte sie ihren Mann auf Knien an, davon abzulassen, was Dessalines aber nur zu einem weiteren seiner Wutausbrüche veranlasste. Auch wenn er nicht nachgeben würde – sie würde tun was sie konnte, um Leben zu retten. Sie versteckte sogar einen unglückseligen Franzosen zeitweise unter ihrem Bett, bevor er außer Landes geschmuggelt werden konnte.

Nach Ende der Massaker wurde Jacques Dessalines am 8. Oktober 1804 in der Kirche Champ-de-Mars schließlich zu Kaiser Jacques I. von Haiti gekrönt. Seine Frau Marie-Claire wurde zur Kaiserin. Begleitet von den Hoffnungen, dass dies der Beginn einer glorreichen Ära für das unabhängige Haiti sein würde.

Zunächst wurden die Plantagen wieder in Betrieb genommen, waren sie doch die einzige Einnahmequelle der Insel. Diesmal allerdings ohne Sklaven und mit angestellten Arbeitern. Diese merkten allerdings bald, dass sich an den Arbeitsbedingungen nicht viel verändert hatte. Dazu kamen erbitterte Streitigkeiten in der Führungsebene der neuen Regierung.

Bald schon wurde ein Komplott geschmiedet und nach nur zwei Jahren auf dem Thron erschoss man Jacques I. bei einem Staatsstreich im Jahr 1806. Kaiserin Marie-Claire, die stets nur das Beste für alle um sie herum wollte, wurde verjagt und geriet in Vergessenheit. Sie lebte in Armut und bekam wenig ihrer geschenkten Güte zurück.

Ihr Leben nach dem Staatsstreich

Doch sie behielt ihre Prinzipien und Werte bei. König Henri I. von Haiti, einer der Anführer im Staatsstreich gegen ihren Mann, bot ihr an, an seinen Hof zu kommen und dort zu leben. Doch Marie-Claire lehnte ab. Erst 1843 bot ihr die Regierung eine bescheidene Pension an. Nicht für ihre Dienste als Kaiserin, sondern als Entschädigung für die Güter Jacques I., die damals entschädigungslos konfisziert wurden.

Kaiser Faustin I.
Kaiser Faustin I.

Jahre später kam der vom Präsidenten zum Kaiser gewandelte Faustin I. an der Macht. Er war ein Bewunderer der Stärke und Entschlossenheit von Kaiser Jacques I. und wollte seine Erinnerung ehren. Das umschloss auch die Ehrung seiner Ehefrau. Er bot Marie-Claire eine große Summe Geld, die ihre Lebenssituation erheblich verbessert hätte. Marie-Claire hatte jedoch keine so guten Erinnerungen an ihren zweiten Ehemann. Sie empfand es unmoralisch, Geld allein aufgrund ihrer Beziehung zu jemanden zu erhalten, dessen Wirken sie verabscheut hatte. Sie lehnte das Geld daher dankend ab und lebte stattdessen den Rest ihres Lebens mit ihrer Enkeltochter in ärmlichen Verhältnissen, ehe sie am 8. August 1858 im Alter von 99 oder gar 100 Jahren verstarb.

Viele Jahre später wurden Kaiser Jacques I. und Kaiserin Marie-Claire „wiederentdeckt“. Besonders in der Pop-Kultur wurden und werden sie vielfach als ein idealisiertes Paar dargestellt. Etwas, wogegen sich Marie-Claire zu ihren Lebzeiten sicherlich verwahrt hätte.

Als erster Kaiser ist Jacques I. heute in Haiti als Nationalheld und Gründervater gefeiert. Seiner weniger angenehmen Seiten und Befehlen erinnert man sich selten. Kaiserin Marie-Claire wird hingegen völlig zurecht für ihre bewundernswerten Qualitäten verehrt. Sie verdient den Respekt und Würdigung ihrer Person für ihre Gutherzigkeit, ihr Mitgefühl und ihre Barmherzigkeit mit all jenen in Not, mit all jenen die aus irgendeinem Grund litten.

Vermächtnis der Marie-Claire Heureuse Félicité

Heute existiert in Haiti eine Stiftung mit dem Namen Marie-Claire Heureuse Félicité Bonheur Dessalines, auch bekannt als die Fondasyon Félicité (FF). Sie wurde 1999 von der Historikerin Dr. Bayyinah Bello gegründet und setzt sich für humanitäre und soziale Verbesserungen auf der Insel ein.

Nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 fand sich die gemeinnützige Organisation „Freunde der Stiftung Félicité“ zusammen, die sich für den Wiederaufbau Haitis einsetzen.