König Charles I. von England

charles-iEs sind paradoxerweise oft die anständigen Monarchen, die bei Revolutionen ihr Leben lassen. Dies war der Fall mit Zar Nikolai II. von Russland als auch mit König Ludwig XVI. von Frankreich. Und so war es auch bei König Charles I. von Großbritannien. Ein aufrechter und nobler Mann mit Prinzipien, der auf dem Thron der drei Königreiche saß.

Geboren wurde er in Schottland am 19. November 1600 als zweiter Sohn von König James I. von England (bzw. James VI. von Schottland) und Königin Anne von Dänemark. Er war ein kränkliches und gebrechliches Kind, aber sehr intelligent und talentiert in Fremdsprachen.

Henriette Marie de Bourbon
Henriette Marie de Bourbon

Im Jahr 1612 starb sein älterer Bruder Prinz Henry und der junge Charles wurde zum Thronfolger. 1616 erfolgte die Ernennung zum Prinzen von Wales. Laut Aussagen Dritter war er sehr höflich, würdig und hoheitsvoll trotz seiner geringen Körpergröße von nur 1,65 m.

Mit dem Tod seines Vaters am 27. März 1625 wurde er zu Charles I., König von England, Schottland, Irland und (zumindest nominell) Frankreich. Zwei Monate später heiratete er Prinzessin Henrietta Maria von Frankreich, die tiefreligiöse Schwester von König Ludwig XIII.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber mit der Zeit würde sich das Paar immer verbundener werden. Einzig die Religion (er: Anglikaner, sie: Katholikin) trennte beide. Er sandte die begleitenden katholischen Priester der Königin zurück nach Frankreich, woraufhin sie wiederrum ablehnte, seiner protestantischen Krönungszeremonie beizuwohnen. Übrigens geht der Name des US-Bundesstaats Maryland auf sie zurück.

Fünf der ältesten Kinder
Fünf der ältesten Kinder

Mit der Zeit wurden die religiösen Unterschiede zunehmend geringer, insbesondere nachdem König Charles I. den „High Church“ Anglikanismus entdeckte, der im Gegensatz zur „Low Church“ einen stärkerer Fokus auf traditionelle und vollkommene Riten legte und Katholiken als „Weg in die richtige Richtung“ erschien. Am Ende sollte das Paar gemeinsam neun Kinder haben.

Finanzielle Nöte des Reichs

Von Beginn an seiner Regierungszeit hatte Charles I. mit finanziellen Problemen zu kämpfen. England litt unter einer Inflation, worunter die Einkommen litten – auch die des Königs. Einige Fehlinvestitionen führten schließlich dazu, dass der König kaum mehr über das nötige Geld verfügte, um seine Verpflichtungen (z.B. Landesverteidigung) zu erfüllen.

Der König musste in dieser Lage dringend an frisches Kapital kommen. Er verkaufte die Mitgift seiner Frau, lieh sich Geld von der Elite seines Landes und ließ das so genannte „ship money“ einziehen, eine Steuer in Küstenregionen für die Navy. Das Parlament, dominiert von der reichen Elite, begann mehr und mehr zu grummeln. Dies insbesondere nachdem auch noch Kriege verloren gingen. Gier und Ehrgeiz kombiniert mit religiösem Fanatismus waren dabei, sich zu einem Sturm gegen die britische Krone zusammen zu brauen.

Streit mit dem Parlament

König Charles war – anders als zeitgenössisch gern dargestellt – alles andere als ein starrer, intoleranter Mann. Er gab in vielen Streitfragen dem Parlament nach. Als sie jedoch immer mehr und mehr Forderungen stellten, platzte ihm der Kragen und er löste das Parlament auf, um die nächsten elf Jahre in Frieden weiterzuregieren.

Charles I. als junger Prinz
Charles I. als junger Prinz

Mit Schottland kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die für England nicht gut verliefen. Am Ende musste Charles I. dem Druck nachgeben und das Parlament wieder einberufen. Die neuen Mitglieder lehnten es ab, tätig zu werden, ehe nicht ihre alten Forderungen von damals erfüllt würden. Charles hielt ein „Nein“ immer für ein „Nein“ und löste das Parlament daher kurzerhand wieder auf. Doch seine Truppen in Schottland wurden besiegt, was ihn in eine prekäre Lage brachte.
Das Parlament war noch unvernünftiger als zuvor und religiös noch intoleranter. Nicht nur Katholiken, sondern auch Anglikaner und insbesondere High Church Anglikaner wurden als „unzureichend protestantisch“ angegriffen.

Obwohl dies in der heutigen Geschichtsschreibung gern ignoriert wird, war König Charles I. bereit zu Verhandlungen und gab dem Parlament in fast allen Forderungen nach, um endlich einen Frieden schließen zu können. Doch wie mit allen liberalen Revolutionären gilt – gib ihnen einen Zentimenter und sie fordern einen ganzen Meter. Charles gab allen Forderungen des Parlaments nach – bis auf zwei. Nämlich das er seine Rolle als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche niederlegen und das er die Macht über die Armee abgeben sollte. Diese beiden Forderungen zu erfüllen lehnte Charles rundherum ab. Die Radikalen blieben jedoch bei ihrer Forderung nach „Alles oder nichts“.

Der Bürgerkrieg beginnt

Nachdem sich die Lage weiter zuspitzte und die Unruhe das gesamte Reich zu ergreifen begann, gab Charles I. den Befehl aus, die Rädelsführer des Parlaments zu verhaften. Dies misslang jedoch und beide Seiten bereiteten sich schließlich auf den Krieg vor. Für gewöhnlich wird der Start des Krieges auf den 22. August 1642 datiert, als die königliche Standarte in Nottingham aufgezogen wurde. Die Chancen standen von Beginn an schlecht für die Königstreuen: die Parlamentarier (engl. auch „Roundheads“ genannt) kontrollierten den Reichtum des Landes und seine wichtigsten Standorte.

Charles I. von drei Seiten
Charles I. von drei Seiten

Doch die königlichen Truppen kämpften extrem verbissen und zäh. König Charles I. bewies, obwohl kein militärisches Genie, dass er ein guter und kompetenter Heerführer war und ein tiefes Verständnis von Taktik hatte.

Seine strategischen Urteile wurden oftmals kritisiert, doch dies war ein Resultat aus seiner Natur und seinem Charakter. Charles wollte keinen „totalen Krieg“. Er hasste die Vorstellung seine eigenen Leute zu erschlagen and war überzeugt, dass die meisten der Gegenseite einfach von bösartigen Menschen verführt worden war. Man werde sie überzeugen können, sich wieder zu Besinnen und dem König anzuschliessen. Das war der entscheidene Unterschied: Die Gegenseite unter dem späteren Militärdiktator Oliver Cromwell hatte keinerlei Skrupel jeden umzubringen, den man der Gegnerschaft vermutete – man frage mal die Iren.
Obwohl es zeitweise nach einem Sieg Charles I. aussah, begann sich der Kriegsverlauf ab 1643 zu wenden. Der König suchte Unterstützung bei den Schotten, die wiederrum übergaben ihn den Roundheads (Parlamentstruppen). Charles entfloh der Gefangenschaft, wurde aber wieder eingefangen. Die Schotten waren nun ihrerseits nicht mehr gut auf die Roundheads zu sprechen und begannen den König zu unterstützen, wurden am Ende aber geschlagen.
Hinrichtung Charles i.
Hinrichtung Charles i.

Edinburgh wurde besetzt, Charles war gefangen genommen und man zerrte ihn vor ein „Parlament“ (kein House of Lords) um ihn wegen Verrats anzuklagen. Mit großer Würde und Haltung lehnte er es ab, die Authorität des Gerichts anzuerkennen, das ohnehin nur eine Farce war.

Niemand durfte für den König sprechen und wer der Sympathie mit dem Monarchen verdächtig wurde, durfte sich nicht einmal setzen. Der König sprach während der „Verhandlung“ wenig. Nach der Verkündigung des erwarteten Todesurteils sprach er ein letztes finales Statement.

Am 30. Januar 1649 wurde König Charles I. in Whitehall Palace geköpft – und Großbritannien würde nie mehr das selbe Land sein. Der edelmütige Monarch wurde heimlich und leise in Windsor Castle verscharrt und der puritanische Militärkommandant Oliver Cromwell wurde Diktator von Großbritannien und Irland. Es sollte die einzige Periode der britischen Geschichte ohne einen Monarchen auf dem Thron sein.

Militärdiktator Oliver Cromwell
Militärdiktator Oliver Cromwell

Cromwell regierte das Land mit tyrannischen Methoden und gab damit einen ersten Vorgeschmack auf die republikanischen Militärdiktaturen späterer Jahrhunderte. Insbesondere seine grauenvolle Verfolgung der Iren ist bis heute in Erinnerung geblieben. Die britischen Inseln waren ein finsterer Ort in jenen Tagen, ehe der Tod Cromwells es König Charles II. erlaubte, den Thron seines Vaters zu besteigen.

Die Kirche von England erkannte König Charles I. später als einen heiligen Märtyrer des Anglikanismus an. Damit ist er der einzige Heilige und Monarch der Anglikanischen Kirche. Doch der Sieg der Parlamentstruppen konnte nicht mehr zurückgedreht werden. Auch wenn die Monarchie am Ende wiederhergestellt wurde, die Spannungen zwischen Krone und Parlament blieben bestehen und sind auch heute noch in vielen Zeremonien des britischen Parlaments sichtbar.
Auch wenn noch einige Zeit verstreichen würde, aber mit der Niederlage des heldenhaften Charles I. begab sich Großbritannien auf den Weg in ein System, das vom Parlament dominiert wurde. Was der Stuart König wohl heute von seinem Land halten würde?
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