Shah Reza I von Iran

reza2 Der vorletzte persische Monarch, Reza Shah Pahlavi, wurde als Reza Khan am 15. März 1878 im Dorf Alasht im Norden Irans (das damals international noch als Persien bekannt war) geboren. Sein Vater Abbas Ali Khan war ein Offizier im persischen Heer und diente im Krieg 1856 gegen das britische Indien und Afghanistan. Noch im gleichen Jahr verstarb der Vater. Die Mutter, Noushafarin Ayromlou zog mit ihrem Bruder nach Teheran, wo sie später erneut heiratete. Der junge Reza verblieb bei seinem Onkel, der dessen Erziehung wiederrum in die Arme eines anderen Armeeoffiziers legte.

Wenig überraschend entschloss sich der junge Reza in frühen Jahren zum Militär zu gehen. Mit nur 16 Jahren schloss er sich der persischen Kosakenbrigade an, einer Eliteeinheit in den späten Tagen der Qajar Dynastie, die Persien seit 1785 regierte. Die meisten Mitglieder dieser Einheit  waren keine Perser, sondern Ausländer. Dennoch oder gerade deshalb war sie eine der wenigen verlässlichen Truppen der Qajar Dynastie. Der junge Reza bewies sich als extrem fähiger Soldat. Er diente sich bis zum Brigadegeneral hoch, später auch in anderen regulären Einheiten der persischen Armee. Sein Talent und sein unnachgiebiger Wille brachten ihm schließlich das Kommando über eben jene persische Kosakenbrigade ein.

Persien war in jenen Jahrzehnten immer stärker dem Verfall hingegeben. Als stolzer Offizier nahm Reza Khan Anteil am Niedergang seines Landes. Während des 1. Weltkriegs kämpften Briten und Russen gegen osmanische Truppen auf persischem Gebiet. Am Ende zogen die Briten nicht mehr ab, sondern besetzten Persien als Teil ihrer Intervention im Russischen Bürgerkrieg.

Als die Bolschewiken daraus siegreich hervor gingen, griff die neu formierte Sowjetunion von Norden aus Persien an und etablierte ihr eigenes Marionettenregime in der Region. Die Regierung fiel und so auch die Autorität des letzten Qajar Kaisers Ahmad Shah, der zumindest nominell noch die Herrschaft hatte. Persien war am Tiefpunkt angekommen: Politische Strömungen bekämpften einander gewaltsam, religiöse Gruppieren fochten ebenfalls gegeneinander und der Großteil des Landes war unter britischer oder sowjetischer Kontrolle.

reza3Aufständische marschieren auf Teheran

Die Sowjets kontrollierten große Teile der ländlichen Regionen, während die Briten die Kontrolle über das, was sich Regierung nannte, behielten. Als schließlich ein sowjetisch iniitierter Armeeputsch auf Teheran marschierte, entschied General Reza Khan, dass es Zeit zum Handeln war. Er stieß mit seiner persischen Kosakenbrigade nach Teheran vor und erreichte es vor den Aufständischen.

Es ist zu vermuten, dass die Briten Reza Khan mit Waffen unterstützten, nachdem ihnen klar wurde, wie schwach und unfähig die Qajar Dynastie geworden war. Reza Khan schien die einzige Hoffnung zu sein, eine kommunistische Übernahme zu verhindern und Stabilität in der Region wieder herzustellen. (was den Briten erlauben würde, ohne Konfrontation abzuziehen)

Aus Reza Khan wird Reza Pahlavi

reza4Man schrieb das Jahr 1921 als Reza Shah Pahlavi die Regierung mit einem Militärputsch zu Fall brachte. Als stärkster Führer seines Landes übernahm er die Kontrolle und eliminierte die von der Sowjetunion unterstützten Aufständischen. Nachdem die Gefahr gebannt war, kehrte er nach Teheran zurück und ernannte sich zum Premierminister, bevor er 1923 zu einer langen Reise nach Europa antrat. Im Jahr 1925 erklärte eine Regierungsversammlung Ahmad Shah der Qajar Dynastie für abgesetzt und erklärte Reza Pahlavi als neuen Shahanshah („König der Könige“) von Persien.

Reza Pahlavis Frau Nimtaj Aymromlou, später als Tadj ol-Molouk von Iran bekannt, wurde zur Kaisergemahlin und Mutter ihrer vielen Kinder. Der älteste Sohn, Mohammed Reza Shah, wurde zum Kronprinzen und Thronerben ernannt. Nach Wunsch von Reza Pahlavi sollte es eine neue Dynastie für ein neues Persien werden. Eine Dynastie der Wiedergeburt und Wiedererstarkung des einst so mächtigen Perserreichs.

Das bedeutete aber massive Veränderungen im Land. Der neue Shah gab sich ambitionierten Modernisierungskampagnen hin. Autobahnen und Eisenbahnstrecken wurden gebaut, Fabriken errichtet und Bildungsinstitute wie die Universität von Teheran eröffnet. Der Shah blickte auf die westlichen Länder, die Persien dominiert hatten, und wollte ihre Erfolge kopieren, während er gleichzeitig ihren Einfluss in Persien zu vermindern suchte.

Diese Modernisierung nach westlichem Stil würde natürlich nicht ohne Opposition geschehen. Insbesondere einige islamische Autoritäten kritisierten die Vorhaben scharf. Doch die Übernahme westlichen Kleidungsstils, eine größere Toleranz für religiöse Minderheiten und eine Stärkung der Frauenrechte geschahen nicht um religiöse Befindlichkeiten zu provozieren.

Der neue Shah wusste aus erster Hand wie anfällig Persien durch seine Schwäche für ausländischen Aggression geworden war. Seiner Ansicht nach sollte sich die Bevölkerung in Loyalität mit dem Pfauenthron verbunden fühlen, statt irgendeinem lokalen Kleriker mit seiner eigenen Agenda.

Offiziell war Persien eine konstitutionelle Monarchie, wie dies bereits unter der Qajar Dynastie der Fall war. Es wurden auch Wahlen abgehalten, doch die gerieten zunehmend zur Formalität, je mehr Macht der Shah bei sich konzentrierte. Er allein wollte das Schicksal seines Landes lenken.

reza1Ein neuer Name für Persien

Mit dieser neuen Richtung kam auch ein neuer Name für das Land, zumindest für das Ausland. Im Jahr 1935 informierte der Shah den Völkerbund, dass Persien ab sofort auch international Iran genannt werden solle. Ein Name , der im Land selbst schon lange verwendet wurde und sich grob mit „Land der Arier“ übersetzen lässt.

Mit dem Ablegen des Namens „Persien“ wollte der Shah der Welt zeigen, dass dieser neue Staat Iran sich nicht länger ausländischen Kräften beugen, sondern sein eigenes  Schicksal schmieden werde.

Natürlich klingt der Bezug auf „Arier“ in den Ohren moderner westlicher Menschen erst einmal nach 1930er Jahre, Adolf Hitler und Nazis. Viele Falschinformationen wurden über die Beziehung Hitlers und Reza Pahlavis gestreut, insbesondere dank Alliierter Propaganda, die nachträglich ihre Aggression gegenüber dem Iran zu rechtfertigen suchte.

Es ist jedoch wahr, dass es keine engen Verbindungen zwischen dem Iran und dem Deutschen Reich gab. Zwar stiegen die Investionen der Deutschen im Iran während der Regierungszeit von Shah Reza deutlich an. Doch dies war eher der Tatsache geschuldet, dass die Iraner den Deutschen eher vertrauten, als den anderen Europäern. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt keine Kolonialmacht mehr und hatte kein Interesse an einer Kolonisierung des Irans – anders als z.B. die Briten oder Sowjets.

Es ist auch nichts böses mit dem Wort „Arier“ verbunden. Vielmehr zeigt es, wie bizarr es war, dass Hitler blonde und blauäugige Nordeuropäer mit dem Term beschrieb, der ursprünglich Menschen aus Nordindien und der zentralasiatischen Region bezeichnete.

Iran war kein Vergleich zu Nazi Deutschland. Es war weder rassistisch noch antisemitisch. Mehr noch – einer der Gründe warum einige islamische Führer gegen den Shah opponierten, war weil er keine Judenverfolgungen erlaubte und religiösen Minderheiten mehr Rechte verlieh, als diese jemals hatten. Mehr als Tausend europäische Juden wurden vor dem Holocaust gerettet, in dem man ihnen während des 2. Weltkriegs die iranische Staatsangehörigkeit verlieh.

Fortschritte – aber auch viele Feinde

Wenn dem Shah heute Repressionen vorgehalten werden, dann kommt dies meist aus einer Ecke, die sich selbst als gnadenlose Unterdrücker erweisen sollten. Islamische Fundamentalisten, die es ablehnten, dass sich – wie der Shah verfügte – Männer und Frauen gemeinsam in der Öffentlichkeit miteinander aufhalten, Frauen Zugang zu Bildung erhielten und ihre Gesichter nicht mehr verschleiern müssten. Solche „unterdrückerischen Repressionen“ eben.

Die zweite Oppositionsgruppe waren jene, die vom Sowjetkommunismus des Nachbarlandes beeinflusst wurden. Die Sowjetunion plante die gezielte Infiltration und Unterwanderung von Hochschulen, die ironischerweise überhaupt erst dank des Shah existierten. Dankbarkeit ist die Tugend der Nachwelt, wie es heißt.

Auch im Ausland sah sich der Shah mit der Sowjetunion und Großbritannien zwei mächtigen Feinden gegenüber. Als beide versuchten ihren Einfluss im Iran weiter auszuweiten, schritt der Shah ein und brach die Beziehungen ab. Dies war einer der Gründe, warum der Handel mit Deutschland so immens anstieg.

So lange sich die UDSSR und Großbritannien gegenseitig ihre Pläne um die Kontrolle des Iran durchkreuzten, ging keine Gefahr aus. Die Briten hatten den Shah ursprünglich unterstützt, um die sowjetischen Aufstände niederzuschlagen. Dies änderte sich, als die Achsenmächte in Europa am 22.Juni 1941 die Sowjetunion angriffen. Auf einmal schlossen die eingefleischten Feinde UDSSR und das britische Empire eine Allianz und der Shah sah seine Lage von diesem Moment an richtigerweise als hoffnungslos an.

Dennoch versuchte er alles. Sobald der 2. Weltkrieg ausbrach, erklärte der Shah die Neutralität des Irans. Er wollte sich auf die Modernisierung und den Aufbau seines Landes fokussieren und hoffte eine Koalition von Ländern des Mittleren Ostens zu formen, die sich gegenseitig unterstützen würden. Für die Allierten gab es so etwas wie Neutralität aber nicht. Gemäß dem Sprichwort „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“ übersandte man dem Shah ein Ultimatum, in dem man ihn aufforderte, alle Angehörigen von Staaten der Achsenmächte des Landes zu verweisen. Andernfalls müsse man sich auf eine Invasion vorbereiten. Das war ein ziemlich fadenscheiniger Vorwand für ihre Aggression. Denn in praktisch jedem anderen Land der Erde gab es Staatsangehörige der Achsenmächte und doch wurden diese niemals mit einer Invasion bedroht.

Der Shah lehnt das Ultimatum ab

Der Shah lehnte die Bedingungen ab und die Briten und Sowjets starteten eine massive Invasion bestehend aus Luft, Land und Seestreitkräften gegen den Iran. Als die Panzer über die Grenze rollten, stellte der Shah die sowjetischen und britischen Botschafter zu sich ein und fragte, warum sie sein Land ohne eine Kriegserklärung angreifen würden.

Man sagte ihm, es sei wegen der Präsenz von Deutschen im Iran. Auf die Frage des Shah, ob sich die Alliierten zurückziehen, wenn er jeden Deutschen im Land ausfliegen ließe, erntete er nur Schweigen. Umso verwunderlicher übrigens die Empörung seitens der Alliierten über den japanischen Angriff auf Pearl Harbor – ebenfalls ohne Kriegserklärung – wenige Monate später. (Dezember 1941)

Die Iraner wurden von dem Angriff überrascht. Die Modernisierung der Armee, die der Shah angestossen hatte, war noch nicht abgeschlossen. Der Widerstand wurde ziemlich schnell zusammengeschossen und am Ende standen im Norden des Landes sowjetische Truppen, während der Süden von Briten besetzt war. Mit einer hoffnungslosen Situation konfrontiert, befahl der Shah nach vier Tagen die Kampfhandlungen einzustellen. Die Briten forderten ihn auf, zugunsten seines Sohns auf den Thron zu verzichten, wenn er wollte, dass seine Dynastie bestand habe.

Der Shah gab nach und am 16. September 1941 übergab er die Macht dem jungen Shah Mohammed Reza, welcher der letzte Monarch des Iran werden sollte. Für die Alliierten war die Invasion ein voller Erfolg. Iranische Straßen und Eisenbahnstrecken wurden zum Nachschubtransport in die Sowjetunion verwendet. Winston Churchill nannte den Iran sogar einmal die „die Brücke zum Sieg“ (Bridge to Victory).

reza5Der Iran nach der Invasion

Ursprünglich hatten die Briten darüber nachgedacht die Qajar Dynastie wiederherzustellen. Diese war traditionell den Briten gegenüber freundlich eingestellt – und würde wenig Widerstand leisten, wie man damals munkelte. Aber man befürchtete, dass der Qajar Erbe keine Akzeptanz finden würde. Er sprach beispielsweise nicht einmal mehr die Landessprache Farsi.

Also würde die Pahlavi Dynastie weiterleben, während die Briten den alten Shah zunächst in Hausarrest steckten. Später schob man ihn herum, ehe er nach Südafrika geschickt wurde, wo er am 26. Juli 1944 im Alter von 66 Jahren an Herzproblemen verstarb. Seine sterblichen Überreste wurden nach Ägypten überführt und begraben, später brachte man sie zur Wiederbestattung zurück in den Iran.

Kurz vor der islamischen Revolution 1979 wurden sie wieder zurück nach Ägypten gebracht. Nach der Revolution befahlen die Ayatollahs sein Mausoleum zu zerstören. Shah Reza ist gegenwärtig in der Al Rifai Moschee in Kairo neben seinem Sohn und Angehörigen des ägyptischen Königshauses begraben.

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