März 1896: Die Schlacht von Adwa

batailleadouaDie Schlacht von Adwa (oder auch „Adua“) ist eine der bekanntesten Schlachten auf afrikanischem Boden. Es ist Thema zahlreicher Lieder, Filme und Bücher und eine von drei großen Schlachten, in denen eingeborene Afrikaner Europäer bzw. europäisch angeführte Armeen fulminant besiegten. Zudem war es die Entscheidungsschlacht im 1. Äthiopisch-Italienischen Krieg.

Das seit 1861 vereinte Italien kam – ähnlich wie Deutschland – erst spät zum Wettrennen um außereuropäische Kolonien. Aber in Italien war man darauf bedacht, nun ebenfalls die Weltbühne zu betreten. Äthiopien war ein komplexes Gebilde aus verschiedenen Stämmen, die teilweise miteinander verfeindet waren und nominal unter der Herrschaft eines „Königs der Könige“, des Kaisers, standen. Doch war der tatsächliche Einfluss des Kaisers zumeist gering.

Die erste afrikanische Besitzung Italiens

Im Jahr 1869 kaufte eine italienische Firma ein Stück Land für einen Kohlebunker in Assab am Roten Meer. Es sollte die erste afrikanische Besitzung Italiens werden – das spätere Eritrea. Es gab damals bereits Gefechte mit den islamischen Aufständischen des Mohammed Ahmed, der von sich behauptete ein „Mahdi“ zu sein, der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed. Auch mit dem äthiopischen Kaiser Yohannes IV. kam es anfänglich zu Scharmützeln, ehe man sich einigte. In der Zwischenzeit baute einer der führenden Adeligen des Landes, Menelik aus Shewa, eine Armee mit modernen Waffen auf. Diese Waffen erhielt er von den Italienern unter dem Versprechen, im Falle eines Konflikts neutral zu verbleiben.

Kaiser Menelik II.
Kaiser Menelik II. von Äthiopien

Entkräftet und dem Tode nahe bestimmte Kaiser Yohannes IV im Jahr 1889 seinen Neffen, Ras Mangasha, zu seinem Nachfolger. Mangasha war einer der fähigsten Krieger des Landes, doch sein Gegenspieler Menelik kontrollierte bereits umfangreiche Ländereien, besaß eine große Armee und verfügte über moderne Waffen. Als Yohannes IV starb, proklamierte sich Menelik II. zum neuen Kaiser. Sofort begann er mit den Italienern über die Anerkennung seiner Machtergreifung zu verhandeln.

Dies führte am 2. Mai 1889 zum Vertrag von Wetschale, mit dem Italien Menelik II. als rechtmäßigen Kaiser Äthiopiens anerkannte. Im Gegenzug erkannte der Kaiser den Territorialanspruch der Italiener auf ihre Kolonien an. Man schwor sich Freundschaft und den Aufbau umfangreicher Handelsbeziehungen.

Was man damals noch nicht wusste – Artikel 17 des Vertrags sollte Jahre später zum Krieg führen, denn er unterschied sich in der italienischen und der amharischen (äthiopischen) Version. Laut der italienischen Version hatte Menelik II. eingewilligt, Äthiopien in ein italienisches Protektorat zu verwandeln. In der äthiopischen Version hatte der Kaiser sich lediglich die Option italienischen Beistands gesichert, aber daraus erwuchsen ihm keinerlei Verpflichtungen.

Kriegserklärung an Italien

Als Kaiser Menelik II. sich schließlich an andere europäische Regierungen wandte, rief dies die Italiener auf den Plan. Der Kaiser verbat sich die italienische Einmischung und sandte eine Protestnote an König Umberto I.. Als der italienische König nur ausweichend antwortete, widerrief Menelik II. den Vertrag von Wetschale und erklärte dem Königreich Italien am 27. Februar 1893 den Krieg.

Ras Mangasha
Ras Mangasha

Nachdem die islamischen Aufstände des neuen Mahdi niedergeschlagen waren, konzentrierte sich Menelik II. auf die wichtige Provinz Tigre im Norden des Landes. Menelik hoffte den Provinzfürsten als Verbündeten zu gewinnen. Doch dabei handelte es sich um niemand geringeren als Ras Mangasha – dem Neffen von Yohannes IV., dem er damals den Thron verwehrte. Er versprach ihm die Provinz Tigre, wenn es ihm gelänge, sie den Italiern zu entreißen.

Ras Mangasha willigte ein und stellte eine Armee auf. Zunächst unter dem Vorwand, damit den Mahdi bekämpfen zu wollen. Doch als die Armee versammelt war, startete er einen Überraschungsangriff auf die Italiener. Mangasha wurde zurückgeschlagen, aber es zwang die Italiener dazu, ihr Engagement auszuweiten.

Italien entsendet Oreste Baratiere

In Italien sandte man Generalmajor Oreste Baratiere mit seiner Kolonialarmee aus. Die Kolonialarmee bestand zu weiten Teilen aus eingeborenen Afrikanern unter italienischem Kommando. Baratiere gewann zunächst einige kleinere Scharmützel, was zu einem übermäßigen Selbstvertrauen auf Seiten der Italiener führte.

Generale Baratieri
Generale Baratieri

Menelik II. sammelte zwischenzeitlich seine Armee, sah sich durch Nachschubprobleme aber zum schnellen Handeln gezwungen. Gleiches galt für General Baratieri, der aus Rom die Anweisung erhielt, einen schnellen und entscheidenden Sieg herbeizuführen.

Unter diesen Voraussetzungen trafen die beiden Armeen nahe der Stadt Adwa aufeinander. Italienische Verstärkung war auf dem Weg nach Afrika, aber würde nicht rechtzeitig eintreffen. General Baratieri hatte keinerlei Vorstellung davon, wie groß die Armee der Gegenseite sein würde. Er erwartete maximal 60.000 Männer – zu dem Zeitpunkt hatte Menelik II. jedoch bereits über 100.000 Männer unter Waffen. Dem gegenüber standen etwa 15.000 Kolonialtruppen Italiens. Genaue Zahlen sind nicht zu bekommen, doch man kann von einer Überlegenheit in der Größenordnung von 8 : 1 für Äthiopien ausgehen.

Aufgrund der anfänglichen Erfolge über äthiopische Truppen begann das italienische Oberkommando die Äthiopier zu unterschätzen. Auf der Gegenseite warf Menelik II. alles in die Schlacht, was er hatte. Entgegen mancher Darstellung waren einige seiner Truppen übrigens sehr wohl mit Gewehren und leichter Artillerie ausgestattet.

Menelik II.
Kaiser Menelik II.

Menelik II. nutzte auch seine Popularität im Volk. Die Italiener hatten die Angewohnheit, Einheimische gegen Bezahlung als Späher anzuwerben.Diese einheimischen Späher wurden aber nicht selten von Menelik II. eingeschleust und bezahlt. Sie gaben den Italienern falsche Informationen weiter und berichteten vor der Schlacht von lose zerstreuten äthiopischen Armeen, die keine Gefahr darstellen würden.

Die Italiener hatten auch Menelik II. selbst unterschätzt. Sie hatten gehofft, die Lokalfürsten zu einer Rebellion gegen ihn anstacheln zu können. Oder sich zumindest deren Neutralität zu sichern – so wie damals bei Menelik II. selbst. Doch diesmal klappte es nicht. Niemand wollte sich anschließen. Menelik II. kannte diese Vorgehensweise der Italiener und hatte sich früh die Unterstützung des Adels zu sichern gewusst.

Die Schlacht von Adwa beginnt

Generale Albertone
Generale Matteo Albertone

Unter diesen Vorzeichen kam es zur Schlacht. Die mit dem Terrain unbekannten Italiener, von ihren einheimischen Spähern mit Falschinformationen versorgt, stolperten bei einem Nachtmarsch durch hügeliges Gelände. Die Organisation des Verbands löste sich dabei auf, Einheiten vermischten sich und ein Mißverständnis bezüglich des Namens eines Hügels führte dazu, dass General Matteo Albertone mit seiner Armee zu weit nach vorne stieß und sich vom Rest entfernte. Es entstand eine Kettenreaktion: der nachfolgenden Brigade hatte man befohlen, neben Albertone zu bleiben – diese bemühte sich darum und fand sich schließlich ebenfalls von der Hauptarmee getrennt in Feindesland wieder.

Es hätte keinen besseren Moment für den äthiopischen Angriff geben können. Menelik II. erkannte die Gelegenheit und ließ am Morgen des 1. März 1896 zum Angriff antreten, um die verstreut kämpfenden Italiener zu vernichten.

Was die kämpfenden Truppen der Schlacht angeht, so war dies eine fast ausschließlich afrikanische Schlacht. Denn die Italiener waren in ihrer Armee eine Minderheit. Die afrikanischen Eingeborenen auf Seiten der Italiener kämpften diszipliniert gegen die wieder und wieder anstürmenden Äthiopier, waren letztlich aber chancenlos. Als sich der Tag dem Ende neigte, brach der italienische Widerstand zusammen. General Albertone war in der Schlacht gefallen, die kläglichen Reste seiner Brigade suchten ihr Heil in der Flucht.

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Von den vier italienischen Brigaden war eine vollständig vernichtet worden – eine weitere Brigade stand kurz davor. General Baratieri realisierte, dass keine seine Nachrichten an die Kommandeure durchgekommen war oder aber mangelndes Wissen über das Terrain die Ausführung von Taktiken verhinderte. Er versuchte eine starke Verteidigungslinie im Zentrum der Schlacht zu bilden, doch dafür war es bereits zu spät. Flüchtende Kolonialtruppen überrannten die eigenen Linien, dicht gefolgt von äthiopischen Kriegern an ihren Fersen.

Auch wenn vereinzelt heroischer Widerstand geleistet wurde, so begann sich die gesamte italienische Armee aufzulösen. General Vittorio Daborminda, Kommandeur jener Brigade, die General Albertone helfen sollte, lief in eine Falle. Die Brigade wurde von starken äthiopischen Kräften, darunter der Oromo Kavallerie unter Ras Mikael, überrannt. Die gesamte Brigade wurde vernichtet – und auch ihr Kommandeur Daborminda lag unter den Toten.

Aussichtslose Lage der Italiener

Seine immer aussichtslosere Lage erkennend, befahl General Baratieri den Rückzug, wobei einige Einheiten diesen absichern sollten. Das erwies sich aufgrund der nicht nachlassenden äthiopischen Angriffe jedoch als unmöglich. Wenig später befand sich die gesamte Kolonialarmee – oder was davon noch übrig war – auf der Flucht.

Triumphaler Sieger - Kaiser Menelik II.
Triumphaler Sieger – Kaiser Menelik II.

Kaiser Menelik II. rief die Bevölkerung zum aktiven Kampf gegen ihre Feinde auf und so fanden selbst unter jenen geflohenen  Kolonialtruppen noch viele nach der Schlacht den Tod. Sei es, weil sie aus Erschöpfung zusammenbrachen oder aber während des ungeordneten Rückzugs verloren gingen. Alles in allem hatte die italienische Seite 6.133 Tote zu beklagen, sowie 1.428 Verwundete. Alle 56 Kanonen der Italiener waren von den Äthiopiern erbeutet worden.

Auf äthiopischer Seite waren etwa 7.000 Männer und 10.000 Verwundete zu verzeichnen. Mehr als die Italiener und doch nur ein Bruchteil der ursprünglichen Stärke – während die italienische Kolonialarmee um die Hälfte dezimiert wurde. Die gefangenen Kolonialtruppen Italiens hatten keine Gnade zu erwarten – die Äthiopier sahen die anderen Afrikaner als Verräter. Vielen schnitt man eine Hand und einen Fuß ab, um sie hilflos einem langsamen Tod durch Verhungern zu überlassen.

Nachwirkungen der Schlacht

Das Resultat der Schlacht war dramatisch. In Rom führte es zum sofortigen Fall der Regierung Francesco Crispi. General Baratieri warf man fälschlicherweise vor, seine Männer unehrenhaft im Stich gelassen zu haben. Ein Kriegsgericht sprach ihn später frei, doch seine Reputation hatte ernsten Schaden genommen. Für über ein Jahrzehnt kamen alle kolonialen Expansionspläne Italiens zum Erliegen. Die äthiopische Unabhängigkeit wurde anerkannt. Kaiser Menelik II. war klug genug, dies zu seiner einzigen Friedensbedingung zu machen. Während andere noch mehr Blutvergießen wollten, begriff er, dass eine Ausweitung des Kriegs nur zur Zerstörung seines Landes führen würde. Er hatte bekommen, was er wollte – und sich einen Platz in der afrikanischen Geschichte gesichert.

Äthiopien erwarb sich durch die gewonnene Schlacht Anerkennung auf der ganzen Welt. Menelik II. sollte zeitlebens einen fast mystischen Status anhaften. Doch der Sieg sollte nicht nur positives für Äthiopien bringen – die Italiener hatten ihre Lektion gelernt und würden die Äthiopier nicht noch einmal unterschätzen. Die Äthiopier andererseits erinnerten sich an ihren fulminanten Sieg bei Adwa und würden die Italiener künftig unterschätzen – mit desaströsen Folgen.

Bis heute dauert die Bedeutung der Schlacht von Adwa an und ist ein Symbol geworden. Seit dem Sieg der Zulu bei Isandlwana im Jahr 1879 war keine europäische Armee auf dem schwarzen Kontinent mehr so vernichtend geschlagen worden. Auch wenn Italien mit dem Sieg im Abessinienkrieg 1935-1936 die Statistik wieder ausglich, so haben Äthiopier und viele Afrikaner den Sieg bis heute nicht vergessen. Vielen diente die Schlacht nach dem 2. Weltkrieg als Inspiration, die europäischen Kolonialmächte abzuschütteln und die Unabhängigkeit zu erlangen.

Kaiser Haile Selassie von Äthiopien

000selassie1Der letzte Kaiser Äthiopiens wurde am 23. Juli 1892 als Lij („Lij“ = Prinz) Tafari Makonnen in Ejersa Goro geboren. Seine Eltern waren Ras Makonnen Woldemikael Gudessa und Weyziro Yeshimebet Ali Abajifar. Sein Vater war der Gouverneur der Harar Provinz Äthiopiens und durch seine Großmutter mit der königlichen Familie verwandt. Darauf sollte sich später sein Anspruch auf den Thron stützen.

Zur Zeit der Geburt Lij Tafari war Äthiopien ein dezentral organisierter Staat, in dem lokale Fürsten beinahe uneingeschränkte Macht in ihren Ländereien besaßen. Dem damaligen Kaiser Menelik II. kam die Rolle eines „König der Könige“ zu, seine faktische Macht war jedoch begrenzt. Niemand dachte bei der Geburt daran, dass Lij Tafari einmal den Thron des Landes besteigen würde. Doch sein Vater, Ras Makonnen, war ein einflussreicher Mann und eine wichtige Figur im 1. Italienisch-Äthiopischen Krieg. Auch dank ihm konnte ein vernichtender Sieg über die italienische Kolonialarmee bei Adowa errungen werden.

Im Jahr 1906 verstarb sein Vater und Tafari erbte den Titel „Ras“ (einer der höchsten Titel Äthiopiens), wodurch er künftig Ras Tafari genannt wurde. Er wurde zum Gouverneur der (kleinen) Provinz Selale ernannt. 1910 versetzte man ihn schließlich in das weit prestigeträchigere Harar, nachdem sich der vorherige Gouverneur als inkompetent erwiesen hatte.

Konflikt mit Iyasu V.

000selassie2Ein Jahr darauf heiratete Ras Tafari schließlich Menen Asfaw von Ambassel, die Nichte des Thronerben Lij Iyasu, des späteren Kaisers Iyasu V. Unter dessen Regierungszeit während des 1. Weltkriegs kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit lokalen Fürsten. Ein Grund war die angebliche Abstammung Lij Iyasus vom Propheten Mohammed, was letztlich dazu führte, dass dieser zum Islam konvertierte. Noch dazu verbündete er sich mit Muhammad Ibn ‘Abd Allah Assan (aka “Mad Mullah”), der in Somalia einen Guerrillakrieg gegen Briten und Italiener führte. Auf der Suche nach Unterstützung wandte er sich zudem an das Osmanische Reich. Ein Skandal für das orientalisch-orthodox geprägte Äthiopien! Die äthiopische Kirche reagierte mit einer Exkommunikation Iyasus – womit auch dessen Anspruch auf den äthiopischen Thron verwirkt war. Nicht wenige mutmaßten damals sogar, der Kaiser habe den Verstand verloren.

Wahrscheinlicher ist, dass Iyasu V. auf diese Weise versuchte, den starken Lokalfürsten Herr zu werden und eine Vereinigung mit Somalia und den Galla-Stämmen im Osten Äthiopiens herbeizuführen. Mit dieser Macht und der Unterstützung des Osmanischen Reiches im Rücken wäre es möglich gewesen, Engländer und Italiener aus Ostafrika und dem südlichen Arabien zu vertreiben.

Aber dies sind nur Mutmaßungen. Was auch immer Iyasu V. Motive gewesen sein mögen – es war die Gelegenheit für Ras Tafari. Er wurde zum Anführer einer Fürstenkoalition und setzte Iyasu V. im September 1916 ab. Allerdings war die Machtübernahme schlecht vorbereitet, der entthronte Kaiser entkam und ein Bürgerkrieg brach in Äthiopien los.

Ein Schlüsselereignis war dabei die Massakrierung eines Großteils der muslimischen Bevölkerung in Ras Tafaris Heimatprovinz Harar. Den Muslimen, darunter viele Somali, wurde Unterstützung des enthronten Iyasu V. vorgeworfen. Der durch die Massakrierung erzeugte Hass und die Ablehnung würde Ras Tafari später noch zu schaffen machen.

Sieg der christlichen Koalition

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Kaiser Haile Selassie I. bei einer offiziellen Aufnahme

Doch zunächst waren die christlichen Fürsten siegreich. Ras Tafari war mit 25 Jahren zu jung, um den Thron selbst zu besteigen. Statt ihm wurde die Tochter von Kaiser Menelik II., Zauditu, zur Kaiserin gekrönt. Ras Tafari wurde Regent und Thronerbe und zeichnete sich durch Willenskraft und vorausschauendes Denken aus – auch wenn sein Einfluss in Äthiopien noch schwach war. Er verfügte weder über ein großes Vermögen, noch über eine große Armee. Doch er setzte alles daran, dies zu ändern.

Rebellionen und Konsolidierung der Macht

So reiste Ras Tafari nach Ende des 1. Weltkriegs durch Europa und den Mittleren Osten. Sein Ziel waren neue Abkommen, die sein Land weiterentwickeln und modernisieren sollten. Interessanterweise fand er anfangs gerade in Italien Unterstützung, das Äthopiens Aufnahme in den Völkerbund 1923 maßgeblich unterstützte, nachdem Ras Tafari die Abschaffung der Sklaverei in Äthiopien zusagte. Dies hatten vor ihm allerdings praktisch schon alle Kaiser seit dem 19. Jahrhundert zugesagt – und immer ohne Wirkung, denn die wahre Macht verblieb in den Händen der Lokalfürsten, die kein Interesse am Ende der Sklaverei hatten.

Ras Tafari wollte dies jedoch ändern – auch indem er die Macht zunehmend zentralisierte. Doch seine Position war noch nicht stark genug und so brach in der nördlichen Provinz Tigre eine Rebellion gegen sein Programm zur Modernisierung und Zentralisierung aus. Die Rebellen wurden von Kaiserin Zauditu unterstützt, was letztlich zu einer mehrjährigen Kraftprobe zwischen der Kaiserin und Ras Tafari führte. Am Ende gewann Ras Tafari, auch weil er besser organisiert war und seine Truppen über bessere Bewaffnung verfügten. Auch ein Nebeneffekt seiner Europa-Reise. Daraufhin krönte ihn Kaiserin Zauditu gezwungenermaßen zum König, was seinen Anspruch auf die Thronnachfolge zementierte. Dies führte auch zu der Situation, dass Äthiopien temporär über zwei gekrönte Häupter verfügte – nominal unterstand der König seiner Kaiserin, doch in der Realität hatte der König die Macht inne.

000selassie4Im Jahr 1930 folgte eine weitere Rebellion gegen Ras Tafari, wiederum von Lokalfürsten und der Kaiserin unterstützt, die jedoch zerschlagen wurde. Kurz darauf verstarb die Kaiserin, woraufhin Ras Tafari am 2. November 1930 zu Kaiser Haile Selassie I. („Heilige Dreifaltigkeit“) „von Gottesgnaden, Löwe des Stammes Judah und König der Könige von Äthiopien“ gekrönt wurde. Zu den ausgiebigen Feierlichkeiten kamen damals Würdenträger aus der ganzen Welt und Äthiopien wurde auf der großen Weltbühne wahrgenommen.

Modernisierung Äthiopiens als Kaiser

Haile Selassie ruhte sich jedoch nicht aus. Ein Jahr nach seiner Krönung erhielt Äthiopien die erste geschriebene Verfassung seiner Geschichte. Sie enthielt viele demokratische Bestandteile, beließ die Macht jedoch in den Händen des Kaisers. Er verschärfte die Nachfolgeregelungen für seine Nachkommen, um durch eine verringerte Liste an potenziellen Thronerben dem Land Stabilität zu geben. 1932 fiel das Königreich Jimma an Äthiopien. Äthiopien entwickelte sich zu dieser Zeit rasant. Militärexperten aus der ganzen Welt wurden nach Äthiopien eingeladen, um die äthiopische Armee zu trainieren. Den Anfang machte die Kaiserliche Garde. Ein Land jedoch wurde gezielt auf Distanz gehalten – Italien.

Zu Spannungen mit den Italiern kam es schließlich nach einem Gefecht an einer kleinen Oase namens Walwal im Jahr 1934. Im darauf folgenden Jahr befahl Mussolini die Invasion Äthiopiens. Kaiser Haile Selassie verfügte die Mobilmachung aller wehrtauglichen Männer, um ihr Land zu verteidigen.

Die italienischen Truppen waren anfänglich erfolgreich, kamen jedoch langsam voran. Der Kaiser hoffte, dass er trotz schlechterer Bewaffnung seiner Truppen durch die schiere Überzahl einen Sieg erzwingen könne. Doch seine große „Weihnachtsoffensive“ warf die Italiener nur zurück, zerstörte sie jedoch nicht. Die Italiener konnten sich neu sammeln. Faschistische Idealisten wurden durch Veteranen der königlich-italienischen Armee ersetzt und die Italiener starteten eine erfolgreiche Gegenoffensive.

Eingeborene Kämpfer in den Reihen der Italiener, insbesondere muslimische Somali, waren auf Rache aus und kämpften mit großer Verbissenheit. Christliche Eingeborene in den italienischen Kolonialtruppen desertierten andererseits und schlossen sich Äthiopien an. Dennoch war dies kein religiöser Konflikt. Einer der erfolgreichsten äthiopischen Kommandeure war beispielsweise der ehemalige osmanische General Vehib Pascha, der für Mustafa Kemal Atatürks Türkei keine Sympathie hegte. Seine starke Defensivlinie wurde auch in Äthiopien als „Hindenburg-Linie“ bekannt.

Am Ende sollten sich die überlegenen Waffen, Taktiken und Disziplin der Italiener als entscheidend erweisen. Nach sieben Monaten waren die äthiopischen Armeen größtenteils vernichtet und das Land unter italienische Kontrolle gebracht.

Haile Selassie im Exil

000selassie6Kaiser Haile Selassie setzte sich in das benachbarte Djibouti (damals französische Kolonie) ab und wurde von den Briten nach Jerusalem transportiert. Nach einem Besuch der Heiligen Stätten reiste Haile Selassie nach Europa, wo er in Genf seinen berühmten Auftritt vor dem Völkerbund hatte. Er sprach in seiner Muttersprache, tadelte den Völkerbund für sein Unvermögen die italienische Invasion zu stoppen und rief dazu auf, die unterentwickelten Nationen der Welt zu schützen. Er argumentierte, dass internationale Verträge wertlos seien, wenn auf klaren Vertragsbruch keine internationale Reaktion erfolge.

Auch wenn er zu dem Zeitpunkt bereits ein besiegter und enthronter Monarch war, so erlangte Haile Selassie durch diese Rede weltweit Aufmerksamkeit. Er wurde zum Symbol des Widerstands gegen den Faschismus. Seine Rede und sein Schicksal wird bis zum heutigen Tag gern als Beispiel für die Wichtigkeit von internationalen Interventionen angeführt.

Der Kaiser selbst richtete es sich derweil in seinem Exil in England ein. Auch wenn er es immer nur als einen zeitweisen Aufenthalt sah. Und er sollte Recht behalten. Nachdem der Völkerbund seine Appelle weiterhin ignorierte, sah er mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs seine Chance gekommen. Die italienischen Besitzungen in Ostafrika wurden von den Alliierten angegriffen und Kaiser Haile Selassie appellierte an die äthiopische Bevölkerung, aufzustehen und aktiven Widerstand zu leisten.

Rückkehr nach Äthiopien

Britische Truppen, Truppen des freien Frankreich sowie Einheiten aus Belgisch-Kongo besiegten gemeinsam mit äthiopischen Freiwilligen die vom Nachschub abgeschnittenen italienischen Truppen. Am 5. Mai 1941 kehrte Kaiser Haile Selassie I. triumphal in seinen Palast in Addis Ababa zurück, nachdem er zuvor 5 Jahre im Exil verbracht hatte.

Dies sollte den Höhepunkt der Regenschaft Haile Selassies markieren. Niemals zuvor war er von den eigenen Leuten so verehrt und international so respektiert worden. Im darauf folgenden Jahr befahl er die Abschaffung der Sklaverei. Nach Ende des 2. Weltkriegs erhielt Äthiopien schließlich die an der Grenze zu Somalia liegende Ogaden Region sowie Eritrea als autonomes Protektorat.

Doch einige Lokalfürsten blockierten seine Bemühungen um Modernisierungen . So wurde ein einheitlicher Steuersatz statt des vom Kaiser bevorzugten progressiven Modells eingeführt. Dennoch gab es Fortschritte. Durch seine Initiative erlangte die äthiopisch-orthodoxe Kirche die Autokephalie (Selbständigkeit) vom Patriarchen Alexandriens. Für Geistliche galten – erstmals in der äthiopischen Geschichte – nun auch säkulare Gesetze und Kirchenbesitz wurde genauso besteuert wie alle anderen Besitztümer auch. Der Kaiser glaubte weiterhin an die Idee der internationalen Kooperation (auch wenn er Grund gehabt hätte, daran zu zweifeln) und sandte ein Battalion Äthiopier zur Unterstützung in den Koreakrieg.

Im Jahr 1955, als Teil der Feierlichkeiten seines silbernen Thronjubiläums, wurden Verfassungsänderungen durchgeführt, welche die demokratische Mitbestimmung erhöhten, während er „die unumstrittene Macht des Monarchen“ aufrecht erhielt.

Sozialistische Infiltration und Subversion beginnt

Die Vereinten Nationen zahlten Äthiopien Entwicklungshilfe, mit deren Hilfe neue Schulen errichtet und die Infrastruktur des Landes ausgebaut wurde. Zu dieser Zeit war Kaiser Haile Selassie zum Sinnbild für afrikanische Einheit und die anti-koloniale Bewegung Afrikas geworden. Viele dieser anti-kolonialen Gruppierungen in Afrika waren jedoch kommunistisch inspiriert. Mit der Modernisierung Äthiopiens kamen dann auch diese revolutionären Ideen ins Land. Wie in vielen Teilen der Welt verbreitete sich auch damals in Äthiopien unter Studenten und Lehrern sozialistisches Ideengut. Dies führte 1960 zu einem Putschversuch der Imperialen Garde, der allerdings keine Unterstützung seitens der Bevölkerung fand und leicht zerschlagen wurde. Um sich das Wohlwollen des Militärs und der Polizei zu sichern, wurde eine Landreform umgesetzt, die jenen Gruppen Besitztümer zusprach.

Die antikoloniale Bewegung wandte sich aber auch gegen Äthiopien selbst. 1961 begann der für Jahrzehnte währende Konflikt um Eritrea. Der Kaiser reagierte auf den Gewaltausbruch mit der Auflösung der eritreischen Regierung und der formellen Annektion Äthiopiens im Jahr 1962.

Nichts davon dämpfte jedoch seinen Wunsch nach afrikanischer Einheit und 1963 gründete die Organisation für afrikanische Einheit, aus der später die Afrikanische Union hervorgehen sollte. Er war der Erste, der die Idee eines „United States of Africa“ formulierte. Als Haupt eines der ältesten afrikanischen Staaten, welcher die europäische Vorherrschaft abgeschüttelt hatte, gab es sicherlich keinen qualifizierteren Mann für dieses Amt.

Auch auf der internationalen Weltbühne blieb der Kaiser eine prominente Figur. Vielbeachtet sein Auftritt bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1963, als er an seinen früheren Appell an den Völkerbund erinnerte und von der UN als „die vielleicht letzte Hoffnung für das friedliche Überleben der Menschheit“ sprach.

Von der ganzen Welt bewundert, hatte der Kaiser zu Hause mit Ärger zu kämpfen. 1966 setzte er doch das progressive Steuersystem durch, dass er so lange schon umzusetzen gedachte. Als Reaktion darauf brach in der Provinz Gojjam eine Rebellion aus. Auch der Sozialismus spie sein Gift und förderte Unruhe und Illoyalität allem gegenüber, worauf Äthiopien basierte – primär der Monarchie und der äthiopisch-orthodoxen Kirche.

000selassie5Die kommunistische Infiltration und Subversion nahm in den Folgejahren stetig zu. Gezielt wurde versucht, Unruhe zu schüren. Zahlreiche Vorhaben mussten zurückstehen, ehe nicht die linksradikalen Gruppierungen zerschlagen waren. Für diese Opposition gegenüber linkem Gedankengut erhielt der Kaiser zu Zeiten des Kalten Krieges die uneinschränkte Zustimmung der westlichen Welt. Bei seinem Volk begann mit jeder Verschärfung der Repressionen gegenüber linken Agitatoren jedoch seine Beliebtheit zu schwinden. Sie sank weiter ab, als es  im Norden des Landes durch Mißernten zu einer Hungersnot mit zehntausenden Toten kam. Ausländische Hilfe traf ein, doch korrupte lokale Amtsträger verhinderten oftmals die Auslieferung an die Hilfsbedürftigen. Die Sowjetunion nutzte dies schamlos aus und begann massiv Propaganda gegen den Kaiser zu verbreiten – mit dem Ziel, in Äthiopien ein sozialistisches Marionettenregime zu installieren.

Die Ölkrise des Jahres 1973 traf auch Äthiopien hart und die Kommunisten verstanden es, den Kaiser für jedes Unglück persönlich verantwortlich zu machen. Im Februar 1974 brach schließlich eine Revolution aus, bei der sich ein Großteil der Armee gegen den Monarchen erhob. Keine Konzessionsversprechen des Kaisers konnte den revolutionären Eifer bremsen und am 12. September 1974 wurde Kaiser Haile Selassie I. entthront und von Rebellenmilizen gefangen genommen. Der gestürzte Monarch starb im Jahr darauf am 27. August 1975. Angeblich durch Komplikationen in Folge einer Operation, auch wenn die meisten den Tod eher als Folge von Folter sahen.

Äthiopien nach der Monarchie

Wer der sozialistischen Propaganda von blühenden Landschaften nach Absetzung des Kaisers glaubte, musste am eigenen Leib erfahren, wie sehr man sie hintergangen hatte. Eine brutale sozialistische Diktatur wurde errichtet, die für Äthiopien Jahrzehnte Armut, Hunger und Unterdrückung bedeuteten.

Das sozialistische Regime wurde nach Jahrzehnten gestürzt, doch am Status Quo änderte sich wenig. Die selbe sozialdemokratische Koalitionspartei beherrscht das Land seit damals. Ein kostspieliger Krieg mit Eritrea führte zur weiteren Schwächung des Landes und internationale Beobachter kritisierten die allgemeinen Wahlen als offensichtlich gefälscht. Kritik an der Regierung wird mit Gefängnis und Folter bestraft.

Wenige Länder haben durch den Verlust der Monarchie derart viel verloren wie Äthiopien.

König Savang Vatthana von Laos

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Kronprinz Savang Vatthana

Nur wenige Monarchen jüngerer Zeit standen vor derart unüberwindbaren Hindernissen wie seine Majestät, Savang Vatthana, der letzte König von Laos. Er wurde geboren als (auswendig lernen!) Samdach Brhat Chao Mavattaha Sri Vitha Lan Xang Hom Khao Phra Rajanachakra Lao Parama Sidha Khattiya Suriya Varman Brhat Maha Sri Savangsa Vadhana am 13. November 1907 im königlichen Palast zu Luang Prabang, als Kind seiner Majestät Sisavang Vong und Königin Kham-Oun I. Er war das zweite von fünf Kindern. Während dieser Zeit war Laos gemeinsam mit Kambodscha und den drei Regionen des alten Vietnams (Annam, Tonkin, Cochinchina) Teil des französischen Kolonialreichs Indochina.

Der Vater des jungen Prinzen, König Sisavang Vong, war Anhänger von Lebensstil und Fortschritt, den die Franzosen ins Land gebracht hatten. Zudem war er für die französische Hilfe bei der Vereinigung der kleinen laotischen Königreiche zu einem großen Königreich Laos dankbar. Er war entschlossen, die freundschaftlichen Beziehungen mit Frankreich aufrecht zu erhalten und sendete, wie seinerzeit in Königsfamilien üblich, seinen Kronprinzen Savang Vatthana im Alter von 10 Jahren nach Frankreich. Dort sollte er westliche Bildung erhalten und das Leben außerhalb von Laos kennenlernen.

Der Kronprinz besuchte eine prestigereiche Privatschule in Montpellier und erwarb später einen Abschluss an der Pariser École Libre des Sciences Politiques, eine bedeutende Institution, an der französische Diplomaten ausgebildet wurden. Der Thronerbe verbrachte zehn Jahre in Frankreich und bildete sich in Geschichte, Wissenschaft, Staatskunst und Diplomatie. Da er Laos jung verlassen hatte, mussten laotische Gelehrte nach seiner Rückkehr viele Lektionen der traditionellen laotischen Bildung nochmals mit ihm durchgehen. Es lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Savang Vatthana der gebildetste Monarch war, den Laos jemals hatte. Bald nach seiner Rückkehr, am 7. August 1930, heiratete er die künftige Königin Khamphoui. Eine glückliche Ehe, die sieben Kinder zur Welt brachte und einen engen Umgang pflegte. Man betete, spielte etc. gemeinsam. Tennis war damals ein populärer Sport in Laos und die Familie des Kronprinzen nutzte die Gelegenheit zum Spiel, wann immer sie sich bot.

Seine Majestät Savang Vatthana war ein sehr religiöser Mann. Als König von Laos würde er eines Tages eine heilige, halbgöttliche Position inne haben. Er nahm seine religiösen Pflichten sehr ernst. Gewissenhaft studierte er buddhistische Schriften, praktizierte Selbstdisziplin und diente in einem Kloster als Mönch. Während dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines Experten der Sangkha, auf einem Niveau mit führenden buddhistischen Klerikern. Der Kronprinz war entschlossen, dass wenn er den Thron besteigen und die Position des Protektors des buddhistischen Glaubens in Laos übernehme, dann werde dazu auch geistig in der Lage sein. Nicht nur zur Verteidigung gegen Angriffe, sondern auch gegenüber jedem, der versuchen würde die wahren Aussagen umzudeuten. Doch bald begann sich eine Reihe von Konflikten in dem kleinen südostasiatischen Land zu entspinnen, ausgehend mit den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg.

Als König: Savang Vatthana
Als König: Savang Vatthana

Das japanische Kaiserreich, verbündet mit Thailand, besetzte Indochina und fand unter den Bewohnern viele Unterstützer, welche die europäischen Kolonisten herauswerfen und volle Unabhängigkeit erlangen wollten. Die Japaner ließen keinen Zweifel daran, dass sie es aber vorzogen, mit traditionellen Monarchien zu kooperieren. Viele in Japan erwarteten, dass die Aussicht auf Unabhängigkeit ausreichen werde, um Laos auf ihre Seite zu ziehen. Das war nicht der Fall. Kronprinz Savang Vatthana wurde vom König in das japanische Militärhauptquartier in Saigon, Vietnam gesandt, um seine Position darzulegen und die Verhandlungen fortzuführen, falls erforderlich.

In einem tollkühnen Vorstoß erklärte der Kronprinz, dass Königreich Laos sei ein Verbündeter Frankreichs und Teil der Union Française. Dies werde sich auch nicht ändern. Es bedarf wenig Vorstellungskraft, dass die Japaner darüber wenig erfreut waren. Sie besetzten Laos kurzerhand und verbündeten sich mit der nationalistischen Fraktion im Land, um die Unabhängigkeit von Frankreich auszurufen. Im Namen des Königs protestierte Savang Vatthana lautstark gegen die japanische Präsenz in Laos und ihren Einfluss auf die Politik.

Am Ende sollte sich der König als vorausschauend erweisen – die Japaner kapitulierten 1945 und evakuierten Südostasien. Frankreich schenkte Laos 1949 die volle Selbstverwaltung als Teil der Union Indochina. Im Jahr 1951 übernahm der Kronprinz das Amt des Premierministers und 1953 handelte er die Anerkennung der Unabhängigkeit des Königreichs Laos als neutrale konstitutionelle Monarchie aus. Sechs Jahre später, im Sommer 1959, begann der König immer schwächer zu werden und Savang Vatthana übernahm die Regierungsgeschäfte. Im Nachbarland Vietnam tobte ein Kampf zwischen kommunistischen und antikommunistischen Fraktionen und die Königreiche Laos und Kambodscha waren in Gefahr, in den Konflikt hineingezogen zu werden. Ein glatter Übergang der Führung war entscheidend. Als der König wenige Monate später am 29. Oktober 1959 verstarb, wurde Savang Vatthana zum König von Laos. Der neue Monarch entschloss sich jedoch die Krönungszeremonie zu verschieben, da sich der kommunistische Aufstand in sein Land auszubreiten begann.

König Savang Vatthana befand sich in einer prekären Position. Sein Land war de facto in drei Fraktionen gespalten. Auf der einen Seite die kommunistischen Aufständischen, die Pathet Lao, die das Land übernehmen wollten und durch Nordvietnam unterstützt wurden. Auf der anderen Seite die antikommunistischen Nationalisten, die den Aufstand bekämpfen wollten und durch die Vereinigten Staaten unterstützt wurden. In der Mitte zwischen beiden befand sich die neutrale Fraktion, die Laos heraushalten und weder die eine, noch die andere Seite unterstützten wollte. (und von der Sowjetunion Unterstützung erhielt)

Noch schmerzhafter für den König war aber, dass jede Fraktion von einem königlichen Prinzen angeführt wurde. Allesamt Cousins,  von denen jeder Anspruch auf den Titel Premierminister erhob. König Savang Vatthana entschied sich für eine Reise um die Welt, um Unterstützung für ein unabhängiges Königreich Laos zu gewinnen und freundschaftliche Beziehungen aufbauen. Er hoffte, die beteiligten Mächte davon überzeugen zu können, jegliche Unterstützung für die jeweiligen Fraktionen in seinem Land einzustellen.

koenig_savang_laos3Doch die Mühe war umsonst. König Savang Vatthana konnte eine Ausweitung des immer weiter eskalierenden Vietnamkonflikts auf Laos nicht verhindern. Die Nordvietnamesen etablierten Handelsrouten durch Laos, um dadurch Truppen und Nachschub nach Südvietnam zu transportieren. Die USA attackierten diese Routen.

Im Jahr 1961 errang in der Nationalversammlung schließlich die Partei des Prinzen Boun Oum eine Mehrheit. Boun Oum war Anführer der Nationalisten und wurde durch die USA unterstützt. König Savang Vatthana erkannte die neue Regierung an, was wichtig war, denn er bekleidete die einzige Position in der Regierung, die nicht hinterfragt wurde.

Er hoffte mit Hilfe dieser Fraktion eine Koalition gründen zu können, die bei der Vereinigung des Landes helfen würde. Seine gesamte politische und moralische Autorität für diese Sache einsetzend, brachte der König 1962 alle Fraktionen an einen Tisch, um für ein friedvolles, neutrales und unabhängiges Laos einzutreten. Die Kommunisten wollten jedoch nicht mit einer Führung zusammenarbeiten, die sie nicht kontrollierten und so zerfiel die Koalition bald darauf wieder.

Es folgte eine Reihe von Putschversuchen, bis es schließlich keinen Raum mehr für Neutralität gab. Die Kommunisten der Pathet Lao weigerten sich an irgendwelchen Gesprächen, Wahlen oder Kompromissen teilzunehmen und die antikommunistischen Nationalisten und die neutrale Fraktion verbündeten sich gegen sie. Für fast ein Jahrzehnt tobte ein Bürgerkrieg im kleinen, bergigen Königreich Laos. Auf der einen Seite die kommunistischen Pathet Lao, unterstützt von Nordvietnam, auf der anderen Seite die königliche Regierung, unterstützt durch die Vereinigten Staaten. Es war schmerzvoll für den König, der stets ein Mann des Friedens war, aber die Umstände ließen keine andere Wahl. Alles würde davon abhängen, wessen Verbündete die meiste Unterstützung entsenden würden.

Die Entscheidung fiel 1975. Es war das Jahr, in dem die US-Truppen Südvietnam fluchtartig verließen und die militärische und finanzielle Unterstützung für antikommunistische Kräfte einstellten. Saigon fiel an die Nordvietnamesen, die ihrerseits nun die Unterstützung für die Aufständischen in Laos erhöhten. Diese errangen bald darauf die Macht und zwangen König Savang Vatthana am 2. Dezember 1975 zur Abdankung. Die 622 Jahre währende Monarchie endete.

Wie in den anderen Ländern Indochinas, veranstalteten die Kommunisten zunächst eine große Versöhnungscharade, indem sie den ehemaligen König zum Präsidenten ernannten. Aber diese Show ging nicht lange gut. Die Kommunisten hatten keine Verwendung für den König, doch der weigerte sich, sein Land und seine Leute im Stich zu lassen. Daraufhin wurde der König und die königliche Familie 1977 inhaftiert und in das „Camp Nummer 1“ für politische Gefangene nach Nordlaos gebracht. Niemand seiner Leute sollte den König je wiedersehen. Der König erlebte noch seinen 70. Geburtstag in Gefangenschaft – alles weitere ist unbekannt. Bis heute ist ungeklärt, wann und unter welchen Umständen er starb. Einige Teile der königlichen Familie Laos überlebten durch eine Flucht ins Exil. Heute ist Laos nur wenig mehr als ein Vasallenstaat Vietnams.

Nicht zuletzt dem tapferen Beispiel König Savang Vatthanas ist zu verdanken, dass die weltweite Gemeinschaft der Exil-Laoten bis heute trotzige Monarchisten sind. Entschlossen, die kommunistische Tyrannei eines Tages zu zerstören und das Königreich Laos in seiner einstigen Pracht wiederauferstehen zu lassen.

Erinnerungen an das niederländische Weltreich

Denkt man an die Niederlande, so denkt man meist an Windmühlen in idyllischen Landschaften, Holzschuhe, guten Käse und Tulpen. Der moderne Mensch denkt auch an Prostitution und Marihuana. An die einstige Bedeutung der Niederlande denkt kaum noch jemand zurück – und doch waren die Niederlande über Jahrhunderte eine der bedeutendsten Kolonialmächte der Erde, deren Einfluss sich über alle sieben Weltmeere erstreckte.

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Karte niederländischer Kolonien

Im großen Ringen der Kolonialmächten  konzentrierten sich die Niederländer seit jeher stets auf Handel statt Eroberung. Und waren damit extrem erfolgreich. Es gab Zeiten, da gab es keinen Kontinent, auf dem es nicht auch eine niederländische Niederlassung gab. Oder der Beziehungen zu den Niederlanden besaß.

Beispiel Australien: Obwohl niemals niederländisches Besitztum, so waren es doch Holländer, welche die Küstenlinie zum ersten Mal kartographierten. Was erklärt, warum so viele Gegenden zwischen Neuseeland und Tasmanien holländische Namen tragen. Und warum Australien in frühen Aufzeichnungen als „Neuholland“ betitelt wurde. Die Niederlande besaßen Siedlungen in Nordamerika, der Karibik, Südamerika, Afrika, Indien und Südostasien.

Das holländische Weltreich: Handel statt Eroberung

Die holländische Republik, unter der Führung der Prinzen von Oranje, entwickelte sich nach erlangter Unabhängigkeit von Spanien rapide zu einem Zentrum für internationalen Handel, Schiffbau, Finanzen und Kultur. Die ersten Reisen zu den Gewürzinseln waren so erfolgreich, dass sich holländische Händler und Entdecker in immer gewagteren Unternehmungen zu überbieten suchten. Im Jahr 1614 gründeten Holländer die Kolonie „Neu Amsterdam“ an der Ostküste Nordamerikas als einen Handelsposten für Pelze. Sie etablierten gute Beziehungen zu den Ureinwohnern und kaufen diesen alles Land, dass sie beanspruchten, ab. (Später kam es zu Disputen, weil die Ureinwohner das europäische Konzept vom Kauf / Verkauf von Privateigentum nicht verstanden).

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Karte Niederlande in der Karibik und Südamerika

Dennoch – es handelte sich nicht um brutale Eroberer, die primitive Ureinwohner unterdrückten. Die Holländer bemühten sich um eine faire Abwicklung der Geschäfte. Die Kolonie Neuholland wurde bekannt für ihre Freiheit, Toleranz und das kosmopolitische Flair. Sklaverei existierte (wie damals praktisch überall), jedoch hatten auch Sklaven gewisse Rechte. 1667 wurde Neu Amsterdam schließlich von den Engländern erobert und umbenannt in … New York. (Zu Ehren des Herzog von York, dem späteren König James II.) Der holländische Einfluss blieb jedoch lange bestehen und selbst heute trägt das Wappen der Stadt New York noch die traditionellen holländischen Farben orange, weiß und blau.

Eine Reihe Inseln in der Karibik wurden besiedelt, viele noch heute mit Bindung an die Niederlande. Die Niederlande kontrollierten zudem weite Teile des nördlichen Brasiliens und der Nordküste Südamerikas. Während dieser Zeit waren holländische Freibeuter dafür berüchtigt, spanische und portugiesische Schiffe aufzubringen und das Gold und Silber zu rauben.

Allerdings dauert diese Aktivitäten nicht lange und der holländische Einfluss schwand zunehmend, bis schließlich nur noch Niederländisch-Guyana (heute: Suriname) übrig blieb. Dieses Gebiet war ursprünglich in jenem Krieg von den Holländern erobert worden, in denen die Engländer in New York einmarschierten. Holländisch-Guyana war eine wohlhabende und stabile Kolonie. So erfolgreich, dass als im 20. Jahrhundert die Unabhängigkeit bevorstand, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung in die Niederlande flüchtete. Eine weise Entscheidung, wie sich am späteren Niedergang Surinames zeigen sollte – mit seinen typischen Militärputschen, sozialistischen Diktaturen und Armut.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks, in Afrika, bauten holländische Siedler mit Mut und Ausdauer eine kleine Kolonie auf, die während der Napoleonischen Kriegen von den Briten eingenommen wurde. Der Name: Südafrika. Die verbliebenen holländischen Siedler zogen nach Norden ins Landesinnere und etablierten ihre eigenen Kolonien und wurden über die Jahrhunderte hinweg zu einer eigenen Gruppe von Leuten, die so genannten „Boer“ (Buren). Die holländischen Wurzeln sind dort auch heute noch sichtbar und jene eifrigen holländischen Siedler legten das Fundament für das, was später einmal das erste Land in Afrika mit dem Wohlstandsniveau eines „Erste Welt“ Landes werden sollte.

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Zeichnung: Niederländische Expedition auf Formosa (Taiwan)

Auf dem indischen Subkontinent konzentrierten sich die Niederlande auf zahlreiche Handelsposten an der Küste Sri Lankas / Ceylons. In Ostasien übernahm man die Kontrolle über Formosa (Taiwan) und erhielt exklusive Handelsrechte mit dem isolierten Japan. Die Portugiesen hatten zwar den ersten Kontakt mit den Japanern hergestellt, beunruhigten die japanischen Fürsten jedoch durch die mitgebrachten katholischen Missionare. Aus diesem Grunde bevorzugte man bald den holländischen Handelspartner, mit dem man handelte, der sich ansonsten aber aus allem heraushielt.

Formosa war eine andere Geschichte: Hier arbeiteten die Holländer daran den Ureinwohnern das Christentum näherzubringen und geläufige Praktiken wie z. B. Abtreibung zu unterbinden. Große Zucker- und Reisplantagen entstanden in diesen Tagen, ein profitabler Handel mit China und Japan entwickelte sich. Der beginnende Wohlstand weckte Begehrlichkeiten, doch sowohl chinesische als auch spanische Angriffe wurden abgewehrt. Später kam die holländische Präsenz durch eine Kombination aus Kräften Chinas und lokaler Rebellen zu einem Ende.

Kronjuwel des holländischen Empire: Niederländisch-Ostindien

Das Kronjuwel des holländischen Empire verblieb: Niederländisch-Ostindien. Heute: Indonesien. Die ersten Besiedelungen fanden noch zur Zeit der holländischen Republik statt. Später, als Monarchie, intensivierten sich die Bemühungen. Niederländisch-Ostindien war eine der erfolgreichsten Kolonien in der Geschichte. Ursprünglich profitierend vom Gewürzhandel, später von Plantagen und noch später von der Förderung riesiger Ölvorkommen. Die meiste Zeit über war die holländische Präsenz gering und weite Teile des Archipels waren de-facto bis ins frühe 20. Jahrhundert unabhängig. Die administrative Leistung der Niederlande ist verblüffend, wenn man sich vorhält, dass ein kleines Land wie die Niederlande der Protektor eines Archipels war, das sich über ein Gebiet in etwa von der Größe Europas erstreckte.

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Maarten van Tromp

Neben einer effizienten Verwaltung benötigte man hierfür auch großartige militärische Fähigkeiten. Die Niederlande werden selten als Militärmacht porträtiert, doch haben sie eine Militärhistorie, auf die sie mit Stolz blicken können. Nachdem die Unabhängigkeit von Spanien (damals Hegemon über Westeuropa) gewonnen war, besiegte die holländische Marine Portugiesen, Spanier und Engländer in zahlreichen Seeschlachten. Neben dem brillanten Prinz Moritz von Nassau kommt Admiral Maarten van Tromp in Erinnerung, der einen vernichtenden Sieg über die Engländer bei der Schlacht von The Downs errang. Weitere Siege wurden über Schweden, Franzosen und unzählige Eingeborene errungen.

Eine lange Periode des Friedens ließ die Holländer schließlich unachtsam werden. Beim Einmarsch des Dritten Reichs 1940 versagte die niederländische Armee auf ganzer Linie. Die Armee war schlecht ausgerüstet und unvorbereitet. Einzelne Teile der Armee lieferten zwar erbitterten Widerstand, waren jedoch chancenlos. Zur Vermeidung von mehr Opfern stellte man die Kampfhandlungen nach wenigen Wochen ein. In den asiatischen Kolonien errang die winzige holländische U-Boot Flotte beeindruckende Erfolge gegen die imperiale japanische Armee, als diese eine Invasion von Niederländisch-Ostindien startete. Zum Vergleich: Die winzige holländische U-Boot Flotte erzielte während dieser Tage höhere Erfolge, als die gesamte U-Boot Flotte der Vereinigten Staaten (die von Torpedoversagern geplagt wurde).

Unmittelbar nach Kriegsausbruch mit den Mittelmächten waren die ostindischen Besitzungen von Aufständen erschüttert worden. Führend unter diesen Revolutionären war ein Nationalist von der Insel Java mit Namen „Sukarno“. Diesem waren die feudalen Traditionen seiner Leute ebenso verhasst wie die holländische Administration. Als sozialistischer Revolutionär kooperierte er mit den Japanern um an die Macht zu gelangen und predigte eine tödliche Mischung aus Marxismus, Nationalismus und Islam.

Ihre Majestät Königin Wilhelmina, die ihr Reich entschlossen durch den verheerenden Zweiten Weltkrieg geführt hatte, musste einsehen, dass sich ihr Königreich in einem desolaten Zustand befand und außer Lage war, einen weiteren Krieg zu führen. Holländische Agenten handelten einen Kompromiss aus, nach dem Niederländisch-Ostindien zu den Vereinigten Staaten von Indonesien würde: Ein unabhängiges Land mit eigener Regierung, dass jedoch Teil des holländischen Empire verbleiben würde, mit Königin Wilhelmina als Souverän. Dies versprach die perfekte Lösung – doch die Rebellen brachen kurz darauf die Vereinbarung und die Niederlande verloren die Geduld.

Die heutige Geschichtsschreibung mit ihren anti-kolonialen Losungen legt Wert darauf, den Holländern den schwarzen Peter zuzuschieben. Aber es ist wichtig die Geschichte aus der Perspektive der holländischen Minderheit in Indonesien zu verstehen: Sie hatte den Handel zwischen den Inseln aufgebaut, wovon jeder profitierte. Sie waren es, welche die Ölreserven entdeckten und daraus ein profitables Geschäft entwickelten und sie waren es, die die Inseln entdeckten und kartographierten. Und dann sollte eine Gruppe Radikaler kommen und es ihnen wegnehmen wollen. Dazu kamen die Rahmenbedingungen: Der Zweite Weltkrieg war gerade verheerend zu Ende gegangen und die Holländer fühlten sich, als trete man auf sie am Boden liegend ein. Noch dazu Leute, die während des Krieges mit ihren Feinden kollaborierten und die nichts getan hatten, um das Leid der Holländer in japanischen Internierungslagern während des Krieges zu lindern. Der nationalistisch-rassistische Ton dieser Revolutionäre ließ die holländischen Siedler um ihr Leben fürchten.

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Foto Niederländische Kolonialarmee

Etwas musste getan werden. Und es wurde getan. Die Niederlande starteten eine große militärische Operation, um die Kontrolle über Indonesien zurückzuerlangen. Mit der Durchführung wurde General Simon Hendrik Spoor beauftragt. Abermals überraschten die holländischen Militärkünste. Die Rebellen wurden praktisch bei jedem Gefecht besiegt. Es gelang schließlich sogar, Sukarno gefangen zu nehmen. Gerade als der totale Sieg der königlichen Armee gewiss schien, traten die USA auf den Plan. President Harry Truman und sein Secretary of State Dean Acheson (der später halb Korea einem wahnsinnigen kommunistischen Regime überließ) zwangen die Niederlande, ihr Empire aufzugeben. Ansonsten werde man alle Marshall Plan Hilfen für die kriegsgebeutelten Niederlande einstellen. Die Holländer wurden gezwungen, die Unabhängigkeit Indonesiens anzuerkennen, lediglich Neuguinea verblieb noch etwas länger bei der Krone. Die USA hatten gehofft, durch diese Aktion im anbrechenden Kalten Krieg einen neuen Verbündeten zu gewinnen. Doch diese Strategie sollte, wie so häufig, nicht aufgehen.

Das Ende des niederländischen Weltreichs

Das Ende des holländischen Reichs war schrecklich, für alle die es betraf, wenn man mit ehrlichem Blick auf die Dinge sieht. Zehntausende wurden getötet, Millionen vertrieben, viele Minderheiten wurden verfolgt (auch jene, die ursprünglich die Revolution unterstützten) und holländische Kolonisten, deren Familien über Generationen in Ostindien lebten, wurden enteignet und in die Niederlande deportiert. Was seinerseits damals eine große ökonomische Herausforderung für die kleinen Niederlande darstellte.

In Indonesien wurden die traditionellen lokalen Monarchien zerstört und viele Menschen starben bei Putschversuchen und Kämpfen zwischen rivalisierenden Fraktionen, von linientreuen Kommunisten bis hin zu Islamisten. Weder Freiheit noch Wohlstand, den die revolutionären Führer versprachen, traten ein. Erst nach langer Zeit begann wieder eine langsame Entwicklung, aber es war ein langer, schwerer Prozess mit vielen Rebellionen und Guerillakriegen. Sukarno errichtete eine Militärdiktatur und bedrohte die Nachbarstaaten Malaysia und Brunei. Als die USA ihren fatalen Fehler bemerkten, versuchten sie Sukarno zu entfernen, scheiterten aber.

Seit jenen Tagen sind die Niederlande selbst eines der stabilsten, freisten und wohlhabendsten Länder der Erde. Die verbliebenen holländischen Inseln in der Karibik besitzen allesamt ein höheres Pro-Kopf-Einkommen und einen höheren Lebensstandard als andere Inseln der Region. Haupteinnahmequellen heutzutage sind die Energie- und Tourismusindustrie. Das gleiche kann man nicht von den Kolonien behaupten, die sich von der holländischen Krone abwandten und „Demokratien“ wurden: In Suriname brach die Wirtschaft zusammen und sollte nie mehr das einstige Niveau erreichen. Indonesien lernte maßlose Korruption, Rebellionen, Armut und Extremismus kennen.

Wie immer zu allen Zeiten, so wurden auch im holländischen Empire Fehler begangen, schwarze Flecken auf der ansonsten makellosen Weste. Doch alles in allem können Niederländer mit Stolz auf ihre Vorfahren blicken, die in allen Teilen der Welt durch ihre Kreativität, Tüchtigkeit und Eifer einen bleibenden Eindruck hinterließen.